LOGINAlpha Marcus Sterling stand wie erstarrt da, den Arm an seinen Stuhl gefesselt. In seinen grauen Augen brannten Demütigung und Hass.
Hinter uns schwiegen die Vorstandsmitglieder. Die königliche Aura in meiner Stimme hatte sich wie ein körperliches Gewicht über den Raum gelegt.
„Wachen“, sagte Gideon leise. „Bringt Marcus in die unterirdische Zelle für Führungskräfte. Entzieht ihm seine Kommunikationsgeräte, seine Zugangserlaubnisse und seine Seitenwaffen.“
Die Wachen handelten schnell. Sie rissen den Dolch aus dem Stuhl und legten Marcus schwere, mit Silber ausgekleidete Fesseln um die Handgelenke.
„Du glaubst, du hast gewonnen, Junge?“, spuckte Marcus aus. Ein grausames Lächeln verzog seine Lippen, als er abgeführt wurde. Neben Gideon blieb er stehen und beugte sich zu ihm.
„Du hast keine Ahnung, worauf du dich eingelassen hast. Du glaubst, Silas will Grenzland? Die Mineralien interessieren ihn nicht.“
Ich verengte die Augen. „Wovon redet er?“
„Silas weiß, was du bist, kleine Streunerin“, höhnte Marcus. „Seit zwanzig Jahren sucht er nach der letzten Angehörigen der königlichen Blutlinie, um das Blutgewölbe unter der High Ridge Lodge zu öffnen. Sobald du neutralen Boden betrittst, wird er dich bis auf den letzten Tropfen ausbluten lassen, sich das Siegel der Ahnen aneignen und unsere beiden Rudel zu Staub zerfallen lassen. Genieß deinen Sieg, solange er anhält, Sohn.“
Die Doppeltüren schlugen zu.
Gideon ließ den Vorstandsmitgliedern keine Zeit, sich zu sammeln. Er wandte sich dem Granittisch zu, seine bernsteinfarbenen Augen blitzten.
„Die Notsitzung ist beendet“, verkündete Gideon. „Das Ironclaw-Rudel steht ab sofort unter meinem direkten Kommando. Sichert den Perimeter und bereitet meinen Transport zur High Ridge Lodge vor.“
Er legte den Arm um meine Taille und führte mich hinaus.
Zwanzig Minuten später fielen die Türen des Penthouses ins Schloss. Die Spannung des Sitzungssaals löste sich in einer erstickenden Stille auf.
Ich streifte meine silbernen High Heels ab und setzte meine nackten Füße auf den kühlen Marmorboden.
„Das Blutgewölbe?“, verlangte ich zu wissen und verschränkte die Arme. „Wovon hat dein Vater gesprochen? Was für ein Siegel der Ahnen?“
Gideon hatte seine Jacke ausgezogen und sein Hemd aufgeknöpft. Er schenkte sich zwei Fingerbreit Whiskey ein und kippte ihn in einem Zug hinunter.
„Es ist eine alte Legende“, sagte Gideon und stellte das Glas mit einem Klirr ab. „Angeblich hat der Erste königliche Alpha die ursprüngliche Magie des Tals in einem Gewölbe versiegelt. Wer den Blutsschlüssel besitzt, kann den Willen jedes Wolfes in Blackwood beherrschen.“
„Und mein Onkel glaubt, dass ich dieser Schlüssel bin“, hauchte ich. „Deshalb hat er meine Familie gejagt. Nicht aus Hass … aus Gier.“
„Er wird dich nicht anfassen“, sagte Gideon leise.
Er trat auf mich zu. Die Luft wurde dichter, aufgeladen mit dem Duft von Zedernholz und territorialer Magie. Die Partnerbindung loderte auf und schickte eine Hitzewelle durch meine Adern.
Ich wich zurück, bis meine Fersen die Panoramascheibe berührten.
Gideon schloss die Distanz, die Hitze seines Körpers strahlte von seiner Brust ab. Er schlug die Handfläche neben meinem Kopf gegen die Scheibe und drängte mich damit zurück.
„Gideon“, warnte ich, meine Stimme zitterte.
„Du hast dich dort gerade als meine zukünftige Alpha-Frau bezeichnet“, murmelte Gideon, seine Stimme ein samtiges Raunen. Seine Hand glitt an die Seite meines Halses, sein Daumen lag auf meinem pochenden Puls.
„Das war eine taktische Entscheidung“, fauchte ich und stemmte die Hände gegen seine Brust. Ich spürte die harten Muskeln und das schnelle Pochen seines Herzens, das im selben Rhythmus wie meines schlug. „Wir haben einen Deal. Wir tun nur so.“
„Das tun wir“, flüsterte Gideon und beugte sich zu mir, bis seine Lippen nur einen Hauch von meinem Ohr entfernt waren. „Aber mein Wolf kümmert sich nicht um taktische Entscheidungen, Lyra. Mein Wolf hat gehört, wie du vor dreißig Ältesten behauptet hast, ich gehöre dir.“
„Ich habe die Macht für mich beansprucht, Sterling. Nicht dich“, log ich und krallte die Finger in sein Hemd.
Gideon stieß ein tiefes, vibrierendes Knurren aus – „Grrr …“ – ein Laut, der bis in meine Rippen vibrierte. Er hob mein Gesicht an und zwang meine goldenen Augen, in seine bernsteinfarbenen zu blicken.
„Lüg dich ruhig selbst an, kleine Wölfin“, knurrte Gideon leise. „Ich habe gespürt, wie deine Magie aufflammte, als ich dich berührte. Ich habe gespürt, wie dein Herz raste. Du kannst bis ans Ende der Welt davonlaufen, aber du gehörst genau hierher.“
„Ich gehöre niemandem“, krächzte ich. „Ich habe königliches Blut. Ich bin kein Preis, den man gewinnen kann.“
Lange Sekunden lag Elektrizität in der Luft, wie ein Draht, der bis zum Zerreißen gespannt war. Gideons Blick brannte vor besitzergreifendem Verlangen.
Dann umspielte ein freches Grinsen seine Lippen.
„Ich werde dich nicht in einen Käfig sperren, Lyra“, flüsterte er, während sein Daumen über meine Unterlippe strich. „Ich werde zusehen, wie du unsere Feinde in Stücke reißt.“
Bevor die Spannung explodieren konnte, leuchtete ein rotes Licht auf dem Schreibtisch auf. Ein schriller Notfallton zerriss die Stille.
Gideons Kiefer verspannte sich. Er trat zurück, und der plötzliche Verlust seiner Wärme fühlte sich wie eiskaltes Wasser an. Er drückte eine Taste auf der Konsole, und eine Projektion seines taktischen Offiziers erschien.
„Bericht“, befahl Gideon, seine Stimme wieder die des erbarmungslosen Commanders.
„Commander Sterling, wir haben einen Notfall in der neutralen Zone“, berichtete der Offizier, sein Gesicht blass. „Alpha Silas und zweihundert Krieger haben den Silver River überquert. Sie haben die High Ridge Lodge zwei Tage früher als geplant umzingelt.“
Ich trat neben ihn, meine Augen weiteten sich. „Was ist mit den Friedenswächtern?“
„Silas hat den gesamten neutralen Rat als Geiseln genommen, Ma’am“, erwiderte der Offizier und sah mich mit neu erwachter Dringlichkeit an. „Er hat gerade eine offene Übertragung auf allen Rudelfrequenzen ausgestrahlt.“
Gideon beugte sich über den Schreibtisch. „Was hat Silas gesagt?“
Der Offizier schluckte schwer. „Er sagte, wenn Commander Sterling den weißen Wolf nicht bis Mitternacht heute Abend zu den Stufen der High Ridge Lodge bringt … wird er jede Geisel abschlachten und den Berg zu Asche verbrennen.“
Alpha Marcus Sterling stand wie erstarrt da, den Arm an seinen Stuhl gefesselt. In seinen grauen Augen brannten Demütigung und Hass.Hinter uns schwiegen die Vorstandsmitglieder. Die königliche Aura in meiner Stimme hatte sich wie ein körperliches Gewicht über den Raum gelegt.„Wachen“, sagte Gideon leise. „Bringt Marcus in die unterirdische Zelle für Führungskräfte. Entzieht ihm seine Kommunikationsgeräte, seine Zugangserlaubnisse und seine Seitenwaffen.“Die Wachen handelten schnell. Sie rissen den Dolch aus dem Stuhl und legten Marcus schwere, mit Silber ausgekleidete Fesseln um die Handgelenke.„Du glaubst, du hast gewonnen, Junge?“, spuckte Marcus aus. Ein grausames Lächeln verzog seine Lippen, als er abgeführt wurde. Neben Gideon blieb er stehen und beugte sich zu ihm.„Du hast keine Ahnung, worauf du dich eingelassen hast. Du glaubst, Silas will Grenzland? Die Mineralien interessieren ihn nicht.“Ich verengte die Augen. „Wovon redet er?“„Silas weiß, was du bist, kleine Streune
Das Penthouse fühlte sich weniger wie ein Zuhause und mehr wie eine Festung an.Unter mir erstreckte sich das Industrie-Tal wie ein Raster aus Neonlicht und Rauch. Ich stand im Marmorbadezimmer, während der Dampf der Regendusche an den Spiegeln klebte.Auf der Granitablage lagen die Kleidungsstücke, die Gideons Bedienstete gebracht hatten.Keine Wolle. Kein Canvas. Stattdessen lag dort ein nachtblaues Seidenkleid mit strukturierten silbernen Stickereien. Daneben befand sich ein Paar silberner Dolche – taktische Klingen, die dafür entwickelt worden waren, verborgen in Armscheiden getragen zu werden.Sie wollten nicht nur, dass ich wie eine Dame aussah; sie wollten, dass ich wie eine Waffe aussah.Ich strich über die Seide. Drei Jahre lang war ich ein Geist gewesen. Mich so zu kleiden bedeutete, mein Versteck hinter mir zu lassen und alles niederzubrennen, was mir Schutz geboten hatte.Es gibt kein Zurück, sagte ich mir. Wenn du jetzt davonläufst, werden sie dich für immer jagen.Ich zo
Die Hubschrauber ließen die Kiefern erzittern und schleuderten eiskalte Kondenswassertröpfchen in mein Gesicht.„…mit sofortiger Wirkung eliminiert.“Die Stimme vibrierte in meinem Brustbein. Die Ironclaw-Wachen gingen auf ein Knie, ihre Karabiner auf den Himmel gerichtet, doch ihre Haltung war vor Panik starr. Die Vollstrecker des Hohen Rates aus der Hauptstadt waren keine gewöhnlichen Soldaten; sie waren Elite-Henker.Gideon zuckte nicht einmal mit der Wimper. Stattdessen verstärkte er seinen Griff um meine Taille und zog mich an sich. Die Wärme seines Körpers brannte durch meinen Canvas-Mantel, während die Partnerbindung wie wild pulsierte und verlangte, dass ich mich noch enger an ihn schmiegte.„Gideon“, keuchte ich und packte sein Revers. „Dein Vater … er hat dich verraten.“„Er hat mich nicht nur verraten“, knurrte Gideon, seine Stimme sank in eine Tonlage, die mehr nach Wolf als nach Mensch klang. „Er hat die Falle gestellt.“„Commander!“, brüllte der Anführer über das Dröhnen
Meine Hände zitterten so heftig, dass der Holzbecher gegen meine Zähne klapperte. Ich saß auf dem Boden meiner versteckten Hütte, in eine Wolldecke gehüllt, und beobachtete, wie die graue Morgendämmerung durch die Ritzen der Fensterläden sickerte.Der Sturm war vorüber, doch kein noch so starker Regen konnte die geisterhafte Hitze fortwaschen, die an meinem Schlüsselbein brannte.Die Partnerbindung. Sie pulsierte unter meiner Haut wie ein zweiter Herzschlag – gleichmäßig, hartnäckig und beängstigend. Selbst aus meilenweiter Entfernung konnte ich den goldenen Faden spüren, der meine Seele an einen sterbenden Alpha-Erben fesselte.„Du bist eine Idiotin, Lyra“, murmelte ich und presste die Handflächen gegen meine Augen. „Eine rücksichtslose, selbstmörderische Idiotin.“Ich hatte jede Überlebensregel gebrochen. Ich hatte mich verwandelt, einen Vollstrecker getötet und mich versehentlich an Gideon Sterling gebunden. Wenn Alpha Silas herausfand, dass ein Mitglied der königlichen Blutlinie n
Ich kauerte hinter einer zerklüfteten Kiefer, während mein Atem in weißen Wolken vor meinem Gesicht aufstieg und sich mit der eisigen Herbstnacht vermischte. Unter mir wälzte sich der Silberfluss dahin, eine angeschwollene Ader aus schwarzem Wasser, die nach drei Tagen Regen aus den Bergen über die Ufer getreten war. Hier verlief die Grenze.Ich gehörte zu keiner der beiden Seiten. Ich war ein Geist in einer ausgefransten Canvasjacke und schlammverkrusteten Stiefeln, der auf dem hauchdünnen Streifen neutraler Wildnis zwischen zwei verfeindeten Imperien ums Überleben kämpfte.Ich schloss die Augen und atmete ein. Unter dem Geruch feuchter Erde und verrottender Kiefernnadeln nahm ich ihn wahr: Kupfer, Ozon und den Moschusgeruch nassen Fells.Meine Hand glitt zu dem silberklingigen Jagdmesser, das an meinem Oberschenkel befestigt war. Bleib unsichtbar, erinnerte ich mich. Jeden Morgen zwang ich mich, einen bitteren Aufguss aus Silberwurzeltee hinunterzuwürgen, um mein inneres Tier zu unt







