بيت / Werwolf / Der Wolf der mich wählte / Kapitel 7 - Der Roggenwolf

مشاركة

Kapitel 7 - Der Roggenwolf

مؤلف: Lina
last update تاريخ النشر: 2026-04-27 00:52:24

Für einen Augenblick schien die Zeit stillzustehen. Nicht, weil sich niemand bewegte, sondern weil alles in der Luft hing wie ein einziger angehaltener Atemzug. Das Heulen hallte noch in Linas Ohren nach und vibrierte bis tief in ihre Knochen, als wäre es mehr gewesen als nur ein Laut. Es fühlte sich an, als hätte etwas sie berührt, ohne sie anzufassen.

Kian stand vor ihr.

Sein Rücken war angespannt, die Schultern leicht gesenkt, als würde jeder Muskel bereits auf den nächsten Moment warten. Er wirkte ruhig, doch diese Ruhe erinnerte eher an die Stille kurz vor einem Gewitter als an Gelassenheit. Der Älteste hielt noch immer ihre Hand umschlossen, und obwohl sein Griff nicht fest war, lag darin eine Dringlichkeit, die Lina nicht übersehen konnte.

Dann kam das Geräusch.

Nicht das Heulen.

Etwas anderes.

Ein tiefes, schweres Krachen drang aus dem Wald herüber, als würde irgendwo ein Baum nachgeben. Dem Laut folgte ein dumpfer Aufprall, der den Boden unter ihren Füßen erzittern ließ. Die Wände des kleinen Hauses knarrten, als müssten sie sich erst entscheiden, ob sie standhalten wollten.

Lina fuhr herum und sah zur Tür, doch Kian hob die Hand, ohne sich nach ihr umzudrehen. Die Bewegung war knapp und instinktiv, eher ein Stoppsignal als ein Befehl. Trotzdem blieb sie stehen, noch bevor sie bewusst darüber nachdenken konnte.

„Es ist zu früh“, murmelte der Älteste mehr zu sich selbst als zu ihnen. Seine Stimme klang plötzlich älter. „Viel zu früh.“

Kian sagte nichts.

Sein Blick ruhte auf der Tür, als könnte er durch das Holz hindurchsehen. Die Luft um ihn herum wirkte dichter, beinahe elektrisch, und Lina hatte das seltsame Gefühl, dass sich etwas in ihm veränderte. Etwas, das er mit aller Kraft zurückhielt.

Ein weiterer Laut folgte, diesmal näher.

Ein tiefes, kehliges Grollen, das nicht wie das Geräusch eines Tieres klang. Es hatte etwas Bewusstes an sich, als wüsste sein Urheber genau, welche Wirkung es auslöste.

„Kian“, sagte der Älteste leise, „du kannst ihn nicht allein aufhalten.“

„Ich werde es müssen.“

„Du weißt, was er ist.“

„Ja.“

Seine Stimme blieb ruhig, doch in diesem einen Wort lag eine Schwere, die Lina nicht einordnen konnte.

Sie wollte etwas sagen. Fragen. Verstehen, was hier vor sich ging. Doch bevor sie einen Gedanken in Worte fassen konnte, flog die Tür auf.

Nicht langsam.

Nicht vorsichtig.

Sie wurde mit solcher Gewalt aufgerissen, dass das Holz splitterte und kalte Luft in den Raum schoss. Staub wirbelte auf, und für einen Moment roch alles nach feuchter Erde und zerrissenem Holz.

Lina wich instinktiv zurück.

Kian war schneller.

Er stellte sich vor sie, so selbstverständlich, als gäbe es keine andere Möglichkeit. In dem Moment, in dem sie hinter seinem Rücken Schutz suchte, wurde ihr klar, dass er nicht bloß reagierte. Er hatte gespürt, was kam, noch bevor es sichtbar geworden war.

Dann sah sie es.

Zwischen den Splittern der Tür, eingerahmt von Dunkelheit und kaltem Morgenlicht, stand eine Gestalt.

Groß.

Zu groß.

Die Schultern waren breiter, als ein menschlicher Körper sie tragen konnte. Die Haltung war geduckt, gespannt, als würde jede Sehne nur auf den nächsten Sprung warten. Dunkles Fell lag über einem Leib, der weder ganz Tier noch Mensch war.

Und die Augen.

Sie glühten in einem unnatürlichen Gelb.

Nicht wie Tieraugen, die instinktiv blickten, sondern wie der Blick eines Wesens, das verstand, was es sah, und sich längst entschieden hatte.

Ein Laut löste sich aus seiner Kehle. Tief, vibrierend, voller Druck. Lina spürte, wie sich ihre Haut bei diesem Klang zusammenzog.

Der Älteste flüsterte nur ein einziges Wort.

„Roggenwolf.“

Kian spannte sich so abrupt an, dass selbst Lina es hinter ihm spüren konnte.

„Er hätte nicht hier sein dürfen“, sagte der Älteste. „Nicht jetzt. Nicht wegen ihr.“

Lina wollte fragen, was das bedeutete, doch die Gestalt im Türrahmen begann sich zu bewegen.

Langsam.

Kontrolliert.

Als koste sie den Moment aus.

Kian machte einen Schritt nach vorn.

„Bleib hinter mir“, sagte er.

Diesmal klang seine Stimme anders. Tiefer. Rauer. Als läge etwas darunter, das sich seinen Weg nach oben bahnte.

Sie öffnete den Mund, doch das Wesen sprang.

Ein dunkler Körper schoss durch den Raum und zerschnitt die Luft mit einer Geschwindigkeit, die nicht natürlich wirkte. Lina spürte den Druck der Bewegung, bevor sie begriff, was geschah. Die Welt schien zu Linien zu werden, zu einem einzigen vibrierenden Augenblick aus Geschwindigkeit und drohender Gewalt.

Kian bewegte sich.

Nicht hektisch.

Nicht panisch.

Er handelte mit einer fließenden Präzision, als hätte sein Körper längst gewusst, was zu tun war, bevor sein Verstand es zuließ.

Er stellte sich zwischen sie und das Wesen.

Als der Roggenwolf auf ihn traf, vibrierte ein dumpfer Schlag durch den Boden. Es klang, als hätte der Wald selbst erschrocken aufgeschrien.

Lina stolperte zurück, doch Kians Arm fand sie sofort, hielt sie fest und drängte sie hinter sich, ohne dass er den Blick von dem Wesen nahm.

Seine Haltung hatte sich verändert.

Er wirkte breiter.

Schwerer.

Als würde etwas in ihm an die Oberfläche drängen, das bisher verborgen geblieben war.

Der Roggenwolf knurrte. Das Geräusch glitt wie kalter Atem über ihre Haut. Langsam richtete er sich wieder auf, die Schultern hochgezogen, die Augen unverändert auf Lina gerichtet.

Nicht auf Kian.

Auf sie.

„Warum sieht es mich so an?“, flüsterte sie.

Kian antwortete nicht sofort.

Sein Atem ging tiefer, schwerer, und dann hörte sie ein Geräusch, das nicht zu dem Mann passte, den sie kennengelernt hatte.

Ein leises, vibrierendes Grollen, das tief aus seiner Brust kam.

„Weil es weiß, was du bist“, sagte er schließlich.

Lina starrte ihn an.

„Ich weiß nicht einmal, was ich bin.“

Kians Blick blieb auf dem Roggenwolf gerichtet.

„Noch nicht.“

Der Roggenwolf setzte sich erneut in Bewegung, diesmal langsamer. Er umkreiste sie halb, ohne den Blick von Lina zu nehmen. Jeder Schritt war schwer und gleichzeitig lautlos. Das Holz unter seinen Pranken knirschte, doch seine Bewegungen hatten etwas Gespenstisches.

Der Älteste hob beide Hände.

Die Luft im Raum veränderte sich sofort. Sie wurde dichter, fast schwer genug, um sie zu spüren. Lina hatte das Gefühl, als würde sich etwas Unsichtbares zwischen ihnen und das Wesen schieben.

Der Roggenwolf blieb stehen.

Sein Blick wanderte kurz zum Ältesten, dann zurück zu Lina.

„Er will sie nicht töten“, sagte der Alte.

Kian sagte nichts.

„Er will sie holen.“

Ein Muskel arbeitete in Kians Kiefer.

„Dann wird er scheitern.“

Zum ersten Mal glitt der Blick des Roggenwolfs ganz auf Kian. Darin lag kein Zorn. Eher eine kalte Einschätzung.

Als hätte er einen Gegner gefunden, der den Aufwand wert war.

Lina spürte, wie sich etwas in ihrer Brust regte. Kein Schmerz. Kein klarer Gedanke. Eher ein warmer Zug, der auf das Wesen reagierte, ohne dass sie verstand warum.

Sie presste die Hand gegen ihr Brustbein.

Kian bemerkte es sofort.

„Lina.“

Nur ihr Name, doch darin lag eine Warnung.

„Was ist das?“, flüsterte sie.

„Später.“

„Nein. Jetzt.“

Sein Blick traf sie für einen Moment. In seinen Augen glomm dieses tiefe Gold stärker als zuvor.

„Es erkennt dich“, sagte er. „Und ein Teil von dir erkennt es.“

Bevor sie antworten konnte, warf sich der Roggenwolf erneut nach vorn.

Diesmal war Kian bereit.

Er stieß sich ab, fing das Wesen seitlich ab, und beide krachten durch den zersplitterten Türrahmen hinaus ins Freie. Holz splitterte weiter, Erde spritzte auf, und ein Laut voller roher Kraft riss durch den Morgen.

Lina machte einen Schritt nach vorn.

Der Älteste hielt sie am Handgelenk fest.

„Nicht.“

„Er ist allein draußen.“

„Nein“, sagte der Alte mit einem Blick, der tiefer ging, als sie verstand. „Jetzt ist er endlich das, was er immer war.“

Draußen krachte etwas gegen den Brunnen auf dem Platz. Ein weiteres Knurren folgte, dann ein Laut, der halb menschlich, halb etwas anderes war.

Lina riss sich los und trat bis zur Schwelle.

Auf dem Dorfplatz kämpften zwei Gestalten miteinander.

Die eine war der Roggenwolf.

Die andere war Kian.

Und obwohl er noch aussah wie ein Mann, bewegte er sich längst nicht mehr wie einer.

استمر في قراءة هذا الكتاب مجانا
امسح الكود لتنزيل التطبيق

أحدث فصل

  • Der Wolf der mich wählte    Kapitel 47 - Das Wasser erinnert sich

    Das Wasser bewegte sich ruhig zwischen den dunklen Steinen, und das silberne Licht des Mondes lag auf der Oberfläche wie ein flüchtiger Schleier, der sich mit jeder Strömung veränderte, ohne jemals ganz zu verschwinden. Lina blieb am Ufer stehen und spürte, wie sich etwas in ihr beruhigte, nicht plötzlich und nicht vollständig, sondern auf eine tiefe, langsame Weise, die sich anfühlte, als würde selbst der Wald für einen Moment aufhören, von ihr etwas zu verlangen.Der Fluss roch nach kaltem Stein, nach feuchter Erde und nach etwas Frischem, das klar durch die Nacht schnitt, und Lina merkte sofort, wie sehr sich ihre Wahrnehmung verändert hatte, weil jeder einzelne Geruch eine eigene Schicht bekam, die sich von den anderen unterschied und dennoch zusammengehörte. Früher hätte Wasser einfach nach Wasser gerochen. Jetzt war darin Bewegung, Tiefe und Temperatur.Kian trat neben sie, ohne die Ruhe des Moments zu stören, und für einige Augenblicke sagte keiner von ihnen etwas. Das Schweige

  • Der Wolf der mich wählte    Kapitel 46 - Wenn der Instinkt antwortet

    Der Ruf des Roggenwolfs hing noch immer zwischen den Bäumen, obwohl der Laut längst verklungen war, und Lina spürte ihn nicht mehr nur mit ihren Ohren oder in den Knochen, sondern auf eine Weise, die tiefer ging, als würde etwas in ihr die Bedeutung dahinter erkennen, noch bevor ihr Verstand sie greifen konnte. Der warme Schatten unter ihrer Haut blieb wachsam, ruhig und konzentriert, und genau diese Ruhe verunsicherte sie mehr als jede panische Reaktion zuvor, weil sie begriff, dass ihr Wolf nicht mehr bloß erwachte, sondern begann, bewusst auf die Welt um sie herum zu reagieren.Der Wald hatte sich erneut verändert. Die Luft wirkte dichter, schwerer von Erwartung, und selbst die Nacht schien zu lauschen, während Lina reglos zwischen den dunklen Stämmen stand und versuchte zu verstehen, warum der Ruf des Roggenwolfs diesmal etwas anderes in ihr ausgelöst hatte. Kein Ziehen mehr. Kein Drängen. Nur Aufmerksamkeit.Kian beobachtete sie genau, und obwohl seine Haltung ruhig blieb, sah si

  • Der Wolf der mich wählte    Kapitel 45 - Das Echo unter ihrer Haut

    Der schwarze Wolf war längst zwischen den Bäumen verschwunden, doch seine Gegenwart hing noch immer in der Luft wie ein kaum greifbarer Nachhall, den Lina nicht abschütteln konnte, weil etwas in ihr auf diesen kurzen Augenblick reagiert hatte, als wäre mehr geschehen als ein bloßes Aufeinandertreffen im Wald. Während sie langsam weitergingen, spürte sie das Echo seines Blicks noch immer unter ihrer Haut, ruhig und aufmerksam, als hätte ein Teil von ihr begonnen, Dinge wahrzunehmen, die sich nicht mit Worten erklären ließen.Der Wald wirkte nun anders als zuvor. Nicht fremder und auch nicht bedrohlicher, sondern bewusster, als hätte sich etwas zwischen ihr und diesem Ort verändert, seit der Wolf sie angesehen hatte. Jeder Laut schien klarer zu sein, jede Bewegung zwischen den Bäumen deutlicher, und Lina merkte, dass sie inzwischen nicht mehr gegen diese Wahrnehmungen ankämpfte, sondern begann, sich in ihnen zu orientieren.Kian blieb dicht neben ihr, ohne die Ruhe zu verlieren, die ihn

  • Der Wolf der mich wählte    Kapitel 44 - Die Sprache der Nacht

    Die Dunkelheit zwischen den Bäumen wirkte nicht mehr wie etwas, das Lina verschlucken wollte. Sie war tief und lebendig, durchzogen von Bewegungen, Gerüchen und Lauten, die sich wie feine Strömungen durch den Wald zogen, und je länger sie gemeinsam mit Kian weiterging, desto deutlicher spürte sie, dass ihre Wahrnehmung sich nicht mehr gegen diese Eindrücke wehrte, sondern begann, sie selbstverständlich aufzunehmen, als hätte etwas in ihr schon immer gewusst, wie man diese Welt liest.Der feuchte Boden unter ihren Füßen gab weich nach, und Lina bemerkte plötzlich Dinge, die ihr früher nie aufgefallen wären. Sie hörte nicht nur Schritte, sondern Unterschiede darin. Das leichte Trippeln kleiner Tiere im Unterholz klang anders als das vorsichtige Setzen schwererer Pfoten weiter entfernt, und irgendwo über ihnen bewegte sich ein Vogel zwischen den Ästen, dessen Flügelschlag sie klar wahrnahm, obwohl sie ihn nicht sehen konnte.Kian sagte eine ganze Weile nichts, doch seine Ruhe wirkte nich

  • Der Wolf der mich wählte    Kapitel 43 - Zwischen Instinkt und Erinnerung

    Der Wald wurde dichter, je weiter sie gingen, und Lina hatte das Gefühl, dass sich die Dunkelheit zwischen den Bäumen nicht gegen sie richtete, sondern sie begleitete, wach und aufmerksam, als würde dieser Ort inzwischen wissen, wer sie war, auch wenn sie selbst noch immer versuchte zu verstehen, was genau in ihr erwacht war. Der Boden unter ihren Füßen gab weich nach, feuchte Erde und altes Laub dämpften ihre Schritte, und dennoch hörte sie jedes Geräusch deutlicher als je zuvor, das Knacken entfernter Äste, das Rascheln kleiner Tiere unter Farnen und das leise Strömen von Wasser irgendwo tiefer im Wald, das sich wie ein silberner Faden durch die Nacht zog. Kian ging dicht neben ihr, nicht vor ihr und nicht hinter ihr, sondern so, als hätte er längst entschieden, dass sie diesen Weg gemeinsam gingen, und Lina merkte, dass gerade diese stille Selbstverständlichkeit mehr in ihr beruhigte als jede Erklärung, die er ihr bisher gegeben hatte. Das Pulsieren in ihrer Brust war geblieben,

  • Der Wolf der mich wählte    Kapitel 42 - Unter dem Atem des Waldes

    Der Wald hatte den Fremden verschluckt, ohne eine Spur von ihm zurückzulassen, und dennoch blieb seine Anwesenheit wie ein Nachhall zwischen den Bäumen bestehen, als hätte der Ort selbst die Erinnerung an ihn aufgenommen und würde nun abwägen, was seine Worte bedeuteten, während Lina langsam begriff, dass nicht nur Begegnungen Spuren hinterließen, sondern auch Entscheidungen. Sie stand noch immer dort, wo er sie zurückgelassen hatte, und obwohl sich äußerlich nichts verändert hatte, fühlte sich der Boden unter ihren Füßen anders an, vertrauter und gleichzeitig schwerer, als hätte sich mit ihrer Antwort etwas in ihr verankert, das nun jede Bewegung begleitete. Kian trat nicht sofort näher, und genau diese Zurückhaltung ließ sie spüren, wie aufmerksam er war, weil er ihr Raum gab, ohne sie allein zu lassen, während der Wald um sie herum langsam wieder zu atmen begann. Das leise Rascheln der Blätter kehrte zurück, irgendwo knackte ein Ast, und weit entfernt bewegte sich etwas Kleines d

فصول أخرى
استكشاف وقراءة روايات جيدة مجانية
الوصول المجاني إلى عدد كبير من الروايات الجيدة على تطبيق GoodNovel. تنزيل الكتب التي تحبها وقراءتها كلما وأينما أردت
اقرأ الكتب مجانا في التطبيق
امسح الكود للقراءة على التطبيق
DMCA.com Protection Status