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Kapitel 8 - Es beginnt

Author: Lina
last update publish date: 2026-04-27 00:57:54

Das Wesen setzte erneut an, diesmal langsamer, beinahe bedächtig, als wolle es austesten, wie weit es gehen konnte, bevor jemand eingriff. Gerade diese Ruhe machte es bedrohlicher als jede wilde Attacke zuvor, denn in jeder seiner Bewegungen lag die Gewissheit eines Jägers, der sich seiner Überlegenheit sicher war. Es jagte nicht aus Hunger oder blindem Instinkt. Es wirkte, als wäre es mit einem bestimmten Ziel hierhergekommen.

Der Älteste stand noch immer im Türrahmen, die Hände erhoben, die A
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    Die Tage im Rudel gingen weiter wie immer, und doch hatte Lina zunehmend das Gefühl, dass unter der vertrauten Oberfläche etwas in Bewegung geraten war. Die Entdeckung der kleinen Lichtung im südlichen Wald hatte Spuren hinterlassen, nicht nur in ihren Gedanken, sondern auch in der Art, wie sie die Menschen um sich herum wahrnahm. Seit Darok ihr bestätigt hatte, dass die Geschichte des Roggenwolfs nicht nur ihn allein betraf, achtete sie auf die kleinen Dinge. Auf die Blicke, die ausgetauscht wurden, wenn sein Name fiel. Auf die kurzen Pausen in Gesprächen. Auf die Art, wie manche Themen plötzlich wechselten, obwohl niemand ausdrücklich darum bat. Es war nicht das Schweigen von Menschen, die nichts wussten. Es war das Schweigen von Menschen, die entschieden hatten, dass bestimmte Erinnerungen besser unberührt blieben. An diesem Nachmittag saß Lina auf dem breiten Ast einer alten Buche, die am Rand der Lichtung stand und einen guten Blick auf das geschäftige Treiben darunter bot. Da

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    Die Tage im Rudel folgten oft einem Rhythmus, den Lina inzwischen beinahe voraussagen konnte. Der Morgen begann mit leisen Stimmen und dem Geruch von Kräutertee, bevor sich die Lichtung mit Leben füllte. Aufgaben wurden verteilt, Wege geplant und kleine Streitigkeiten geschlichtet, die meist schon wieder vergessen waren, bevor die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hatte. Dennoch hatte Lina in den letzten Tagen das Gefühl, dass unter dieser vertrauten Oberfläche etwas in Bewegung geraten war. Es war keine unmittelbare Gefahr. Niemand sprach von Bedrohungen. Und doch bemerkte sie die kleinen Veränderungen. Darok wurde nachdenklicher. Kian wirkte aufmerksamer als sonst. Selbst Nalea schien ihre Umgebung genauer zu beobachten, auch wenn ihre ruhige Art unverändert blieb. Vielleicht bildete Lina sich das alles nur ein. Vielleicht hatte die Entdeckung der kleinen Lichtung ihren Blick geschärft. Vielleicht näherte sich aber auch tatsächlich ein Moment, den niemand länger aufschieben

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    Der Morgen begann mit einem feinen Nebel, der zwischen den Bäumen hing und die Lichtung in ein gedämpftes, silbriges Licht tauchte. Die Geräusche des Rudels wirkten in dieser frühen Stunde leiser als gewöhnlich. Schritte auf feuchter Erde, gedämpfte Stimmen und das gelegentliche Knistern des neu entfachten Feuers vermischten sich mit dem stetigen Rauschen des Flusses, der unweit der Lichtung seinen Weg durch den Wald nahm. Lina war bereits seit einiger Zeit wach. Sie saß auf einem der größeren Steine nahe des Wassers und hielt eine Tasse mit warmem Kräutertee in den Händen. Die Wärme drang durch das Material bis in ihre Finger, während ihr Blick über die Oberfläche des Flusses wanderte. Das Wasser schien sich niemals zu verändern und gleichzeitig nie dasselbe zu bleiben. Vielleicht war genau das der Grund, weshalb sie diesen Ort so mochte. Der warme Schatten ihres Wolfs ruhte still in ihr. Er wirkte ruhig, beinahe schläfrig, und dennoch hatte Lina in den vergangenen Wochen gelernt,

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    Die Nacht brachte eine angenehme Kühle mit sich, die den warmen Tag langsam aus dem Wald verdrängte. Über der Lichtung spannte sich ein klarer Himmel, auf dem die Sterne ungewöhnlich hell leuchteten. Die Gespräche des Rudels waren im Laufe des Abends leiser geworden, bis schließlich nur noch das Knacken des Feuers und das stetige Rauschen des Flusses die Stille begleiteten. Lina saß etwas abseits auf einer Decke am Rand der Lichtung und ließ den Blick über die vertraute Umgebung schweifen. In den vergangenen Wochen hatte sich dieser Ort so sehr verändert, dass sie manchmal vergessen konnte, wie fremd ihr alles am Anfang erschienen war. Damals hatte sie geglaubt, dass ihre größte Herausforderung darin bestehen würde, mit ihrem Wolf zu leben. Heute wusste sie, dass die eigentliche Schwierigkeit darin lag, mit all den Fragen umzugehen, die das Leben mit sich brachte und auf die es selten einfache Antworten gab. Der warme Schatten ihres Wolfs ruhte gelassen in ihr. Es war eine stille, b

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    Der Tag verging ruhiger, als Lina erwartet hatte. Nachdem die Gespräche über die Aufgaben des Rudels verstummt waren und jeder seinen Platz im vertrauten Ablauf des Tages eingenommen hatte, schien die Lichtung beinahe unverändert. Die Sonne stand hoch zwischen den Baumkronen und tauchte den Wald in warmes Licht, während sich Stimmen, Schritte und das gelegentliche Lachen der jüngeren Wölfe zu einem vertrauten Hintergrundgeräusch verbanden. Und doch blieb in Lina das Gefühl bestehen, dass sich etwas verschoben hatte. Seit der Entdeckung der kleinen Lichtung im südlichen Wald schien sie die Menschen um sich herum mit anderen Augen zu betrachten. Früher hatte sie vor allem gesehen, wer sie in der Gegenwart waren. Darok war der Rudelführer gewesen. Nalea die ruhige Heilerin. Kian derjenige, der sie mit einer Mischung aus Geduld und trockenem Humor durch die schwierigsten Tage begleitet hatte. Jetzt fragte sie sich immer häufiger, wer sie gewesen waren, bevor sie zu den Menschen geworde

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    Der Alltag des Rudels kehrte nach außen hin erstaunlich schnell zurück. Bereits am nächsten Morgen schien die kleine Lichtung im südlichen Wald nur noch ein weiteres Thema unter vielen zu sein, über das man sprach, bevor andere Aufgaben die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Einige der jüngeren Wölfe trainierten auf der freien Fläche zwischen den Bäumen, Darok besprach die Aufteilung der täglichen Arbeiten, und Nalea war bereits dabei, die Kräuter zu sortieren, die sie am Vortag gesammelt hatte. Nur Lina hatte das Gefühl, dass nichts mehr ganz so war wie zuvor. Sie saß am Rand der Lichtung und beobachtete das geschäftige Treiben, während die Erinnerung an die Knochen unter den Wurzeln des alten Baumes sich hartnäckig in ihren Gedanken hielt. Seit ihrer Rückkehr aus dem südlichen Wald hatte sie immer wieder versucht, die Bedeutung dieses Ortes einzuordnen, doch jede Überlegung führte sie zurück zu derselben Erkenntnis. Jemand war dort zurückgeblieben. Jemand, den der Roggenwolf nicht v

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