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4

Author: Lady-Noir
last update publish date: 2026-06-30 13:20:36

Kapitel 4

„Also war der Mann, von dem du damals gesprochen hast …“, sagte Ethan mit tiefer, vor unterdrückter Wut bebender Stimme, „… mein Daddy?“

Aurora erstarrte.

Ihr Handgelenk war noch immer in Ethans Griff gefangen, der sich mit jeder Sekunde fester anfühlte. Der Schmerz zog bereits bis in ihren Ellbogen, doch sie versuchte nicht, sich loszureißen. Stattdessen sah sie Ethan schweigend an und bemühte sich, ihren unruhigen Atem unter Kontrolle zu bringen.

Der Blick in seinen Augen war nicht mehr derselbe.

Von der Wärme, die Aurora einst Geborgenheit geschenkt hatte, war nichts mehr übrig.

Nur Wut.

Und Hass.

„Antworte mir!“, schrie Ethan plötzlich.

Auroras Schultern spannten sich reflexartig an.

Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen. Ihre Brust fühlte sich so eng an, dass ihr das Atmen schwerfiel.

Sie hatte gewusst, dass dieser Augenblick früher oder später kommen würde.

Ethan würde niemals schweigen, nachdem er sie gemeinsam mit Richard in dieser Villa gesehen hatte.

Langsam hob Aurora den Kopf.

Ihre Blicke trafen sich.

Sie zwang sich zu einem schwachen Lächeln.

Einem Lächeln, das noch schmerzhafter war als jede Träne.

„Kennst du die Antwort nicht längst?“, fragte sie leise.

Sofort verhärtete sich Ethans Kiefer.

„Ich frage dich ein letztes Mal.“

Seine Stimme wurde noch eisiger.

„Dieser reichere Mann … war das mein Daddy?“

Aurora konnte deutlich sehen, wie die Adern an seinem Hals hervortraten, weil er seine Gefühle mit aller Kraft zurückhielt. Sein Atem ging schwer, während sein Blick unablässig auf ihr ruhte – als hoffe er verzweifelt, sie würde alles als Lüge bezeichnen.

Doch das konnte Aurora nicht.

Sie durfte Ethans Hass auf sie jetzt nicht zerstören.

Wenn Ethan den wahren Grund für ihre Trennung erfahren würde …

… würde alles nur noch komplizierter werden.

Schließlich lächelte Aurora erneut schwach, obwohl ihr die Kehle schmerzte.

„Natürlich.“

Rums!

Ethan stieß ihre Hand augenblicklich grob von sich.

Aurora verlor das Gleichgewicht und prallte gegen den kleinen Tisch neben dem Bett.

„Ah!“

Schmerzverzerrt verzog sie das Gesicht.

Doch Ethan kümmerte das nicht.

Stattdessen lachte er leise, bitter und voller Wut, während er langsam den Kopf schüttelte.

„Unglaublich …“, murmelte er kaum hörbar.

„Ich habe dich damals wirklich geliebt.“

Aurora biss sich fest auf die Unterlippe.

„Weißt du, was mich am meisten anwidert?“

Ethan machte erneut einen Schritt auf sie zu.

„Ich habe die ganze Zeit versucht, mir einzureden, dass du einen anderen Grund hattest, mit mir Schluss zu machen.“

Aurora senkte hastig den Blick, bevor Ethan ihre Tränen sehen konnte.

„Ich dachte, vielleicht gab es damals einen anderen Grund.“

Er lachte spöttisch.

„Aber am Ende bist du tatsächlich so eine billige Frau.“

Diese Worte bohrten sich wie ein Messer langsam in Auroras Herz.

Doch sie schwieg.

Denn genau das musste Ethan glauben.

„Ich hasse dich, Rory.“

Seine Stimme war nun deutlich leiser.

Und gerade deshalb schmerzte sie umso mehr.

„Du bist die grausamste Frau, die ich je kennengelernt habe.“

Aurora hielt zitternd den Atem an.

Ethan packte sie erneut grob an den Schultern und stieß sie von sich.

Aurora verlor das Gleichgewicht und stürzte zu Boden.

Doch Ethan sah nur einige Sekunden lang kalt auf sie herab.

Dann drehte er sich wortlos um und verließ das Zimmer.

Knall.

Die Schlafzimmertür fiel mit voller Wucht ins Schloss.

Erst dieses Geräusch ließ Auroras letzte Fassade endgültig zusammenbrechen.

Unaufhaltsam liefen ihr die Tränen über die Wangen.

Mit beiden Händen bedeckte sie ihr Gesicht und schluchzte leise.

Ihre Schultern bebten unkontrolliert, während der Schmerz in ihrer Brust so unerträglich wurde, dass ihr das Atmen schwerfiel.

„Es tut mir leid …“, flüsterte sie zwischen ihren Schluchzern.

„Es tut mir so leid, Ethan …“

Fest presste sie die Augen zusammen und versuchte verzweifelt, ihr Weinen zu unterdrücken.

„Es ist besser … wenn du mich so hasst …“

Denn wenn Ethan jemals die Wahrheit erfahren würde …

… würde er sich ihretwegen wahrscheinlich noch einmal selbst zugrunde richten.

Und genau das wollte Aurora um jeden Preis verhindern.

Sie hoffte nur, dass dies alles ein Albtraum war.

Ein Albtraum, der verschwinden würde, sobald sie die Augen öffnete.

Doch der pochende Schmerz in ihrem Handgelenk war viel zu real, um nur ein Traum zu sein.

---

Zur gleichen Zeit, im oberen Stockwerk der Villa, schlug Ethan die Tür seines Schlafzimmers so heftig zu, dass der Bilderrahmen an der Wand gefährlich erzitterte.

„Scheiße!“

Rums!

Mit einer heftigen Bewegung fegte er die Tischlampe vom Schreibtisch.

Sie zerschellte laut auf dem Boden.

Frustriert lief Ethan unruhig im Zimmer auf und ab, während er sich immer wieder durch die Haare fuhr.

Seine Brust hob und senkte sich unregelmäßig.

Sein Kopf fühlte sich an, als würde er jeden Moment explodieren.

Noch immer konnte er nicht begreifen, dass Aurora ausgerechnet mit seinem Vater zusammen war.

Wütend trat Ethan gegen den Stuhl neben dem Schreibtisch.

Der Stuhl kippte polternd um.

„Verdammt!“

Nur sein schwerer Atem erfüllte das große Schlafzimmer.

Zum Glück waren die Wände der Villa dick genug, sodass kein Laut nach draußen drang.

Andernfalls hätte vermutlich das ganze Haus längst bemerkt, dass er völlig die Beherrschung verlor.

Mit einer ruckartigen Bewegung zog Ethan die Schublade seines Schreibtisches auf und holte seine Brieftasche heraus.

Seine Hand hielt plötzlich inne.

Darin steckte noch immer ein kleines Foto.

Ein Foto von Aurora.

Es war im vergangenen Sommer auf einem Jahrmarkt entstanden.

Auf dem Bild lachte Aurora fröhlich, während sie Zuckerwatte in der Hand hielt.

Ein Klecks süßer Sahne klebte auf ihrer Nasenspitze.

Ethan hatte dieses Foto überallhin mitgenommen.

Doch jetzt brachte allein ihr Anblick seine Gefühle völlig durcheinander.

„Ich war wirklich ein Idiot …“, murmelte er mit heiserer Stimme.

Lange starrte er auf das Foto.

Dann zerknüllte er es langsam in seiner Faust.

„Jetzt hasse ich dich noch viel mehr, Rory.“

Mit einem leisen Reißen zerriss das Fotopapier in seiner Hand.

---

Am nächsten Morgen wachte Aurora mit einem schweren Kopf und geschwollenen Augen auf.

Sie hatte die ganze Nacht geweint.

Nicht einmal wusste sie, wann sie schließlich eingeschlafen war.

Ein Klopfen an der Tür ließ sie jedoch sofort hochschrecken.

Klopf. Klopf. Klopf.

„Gnädige junge Dame, dürfen wir eintreten?“

Verwirrt runzelte Aurora die Stirn.

Noch bevor sie antworten konnte, öffnete sich die Tür langsam.

Aurora erstarrte augenblicklich.

Fast sechs Hausmädchen betraten das Zimmer und trugen große Schachteln sowie Kleiderständer voller luxuriöser Kleidung herein.

„Was … was ist das alles?“, murmelte Aurora fassungslos.

Eine der Hausangestellten lächelte höflich.

„Mr. Richard hat uns beauftragt, alles für Sie vorzubereiten.“

Aurora konnte nur sprachlos zusehen, wie kostbare Kleider auf dem Sofa ausgebreitet wurden.

Elegante Modelle in sanften Farbtönen.

Glänzende Satinstoffe.

Marken-High-Heels.

Sogar mit Samt ausgekleidete Schmuckkästchen wurden eines nach dem anderen geöffnet.

Aurora fühlte sich, als stünde sie mitten in einer exklusiven Luxus-Boutique.

„Das ist viel zu viel …“, sagte sie leise.

„Es kommt noch mehr, gnädige junge Dame“, erwiderte das Hausmädchen gelassen.

Aurora schluckte schwer.

Noch nie in ihrem Leben hatte sie auch nur etwas so Wertvolles berührt.

Eine der Hausangestellten trat mit einer Diamantkette auf sie zu.

Aurora wich unwillkürlich einen Schritt zurück.

„Dürfen wir Ihnen beim Fertigmachen helfen?“

Aurora war viel zu überrumpelt, um überhaupt abzulehnen.

Dreißig Minuten später stand sie regungslos vor einem großen Spiegel.

Sie trug ein schlichtes weißes Kleid, das an ihr dennoch außergewöhnlich kostbar wirkte.

Ihr langes Haar war sanft frisiert worden, und das dezente Make-up ließ ihr Gesicht deutlich reifer erscheinen.

Fast erkannte Aurora sich selbst nicht wieder.

Erneut klopfte es an der Tür.

Diesmal trat Richard ein.

Er trug einen dunkelgrauen Anzug mit schwarzer Krawatte.

Er wirkte elegant.

Und für einen Mann seines Alters beinahe erschreckend attraktiv.

Sein Blick blieb sofort auf Aurora ruhen.

„Du bist wunderschön“, sagte er schließlich.

Unbehaglich senkte Aurora den Blick.

Langsam trat Richard näher und musterte sie aufmerksam von Kopf bis Fuß.

„Dieses Kleid steht dir ausgezeichnet.“

„Danke …“, antwortete Aurora leise.

Richard lächelte schwach.

Dann wandte er sich an die Hausangestellten.

„Ihr könnt gehen.“

Sofort verneigten sich alle und verließen schweigend das Zimmer.

Nun waren nur noch Aurora und Richard allein.

Aus irgendeinem Grund machte sie das erneut nervös.

Richard blieb einige Sekunden vor ihr stehen.

Dann hob er langsam ihr Kinn an.

„Warum sind deine Augen so geschwollen?“, fragte er.

Reflexartig wich Aurora seinem Blick aus.

„Es ist nichts. Ich habe nur schlecht geschlafen.“

Richard sah sie an, als wüsste er genau, dass sie log.

Doch er fragte nicht weiter nach.

„Gut.“

Seine Stimme klang wieder ruhig.

„Du wirst mich heute zu einem Vormittagsbankett begleiten.“

Aurora hob erschrocken den Kopf.

„Zu einem Bankett?“

Richard nickte gelassen.

„Ja. Gibt es ein Problem?“

Aurora spürte, wie ihr das Herz in die Hose rutschte.

„Geht das nicht ein bisschen zu schnell?“, fragte sie ungläubig.

„Doch.“

„Aber …“

Nervös umklammerte Aurora den Stoff ihres Kleides.

„Ich bin solche Veranstaltungen überhaupt nicht gewohnt.“

Richard trat noch einen Schritt näher und strich ihr behutsam eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Daran wirst du dich mit der Zeit gewöhnen.“

Aurora hielt unwillkürlich den Atem an, als sich sein Parfüm um sie legte.

„Ab heute“, sagte Richard ruhig weiter, „muss jeder wissen, dass du zu mir gehörst.“

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