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Penulis: Lady-Noir
last update Tanggal publikasi: 2026-06-30 14:42:52

Kapitel 6

Der Ballsaal des Hotels erstrahlte im goldenen Licht der gewaltigen Kristalllüster, die von der hohen Decke herabhingen. Sanfte klassische Musik mischte sich mit den Gesprächen der zahlreichen Gäste. Frauen in funkelnden Abendkleidern und Männer in maßgeschneiderten Anzügen bewegten sich elegant durch den Saal, lachten und unterhielten sich, als wäre ihre Welt schon immer vollkommen gewesen.

Aurora fühlte sich fehl am Platz.

Seit sie vor dem Hotel aus dem Wagen gestiegen waren, hielt Richard noch immer ihre Hand. Ruhig ging er neben ihr her, als wäre es für ihn selbstverständlich, im Mittelpunkt jeder Aufmerksamkeit zu stehen.

Und genau so war es auch.

Kaum betrat Richard den Ballsaal, kamen mehrere Gäste mit strahlenden Gesichtern auf ihn zu.

„Richard! Lange nicht gesehen!“

„Du siehst aus wie immer – kerngesund.“

„Du wirkst sogar noch jünger als früher.“

Richard lächelte nur leicht und schüttelte jedem die Hand. Aurora stand angespannt neben ihm. Immer mehr Blicke richteten sich auf sie.

„Und wer ist diese wunderschöne junge Dame?“, fragte ein Mann mittleren Alters neugierig.

Richard warf Aurora einen kurzen Blick zu, bevor sich seine Mundwinkel leicht hoben.

„Das ist meine Verlobte.“

Mit diesem einen Satz wurde es für einen Moment still.

Aurora spürte sofort, wie sich die Stimmung veränderte. Manche wirkten überrascht, andere beeindruckt, wieder andere musterten sie mit kaum verhohlener Eifersucht.

„Richard Calloway will tatsächlich noch einmal heiraten?“, sagte eine der Frauen ungläubig lachend.

„Sie muss etwas ganz Besonderes sein.“

Richard strich sanft über Auroras Handrücken.

„Natürlich. Wäre sie nichts Besonderes, würde sie wohl kaum an meiner Seite stehen.“

Aurora zwang sich zu einem höflichen Lächeln, obwohl ihr unwohl zumute war.

Sie wusste, dass sie von heute an Gesprächsthema der New Yorker High Society sein würde.

Ein gewöhnliches Mädchen, das plötzlich als Verlobte von Richard Calloway aufgetaucht war.

Und Aurora war nicht naiv genug zu glauben, dass man sie freundlich aufnehmen würde.

---

Am anderen Ende des Ballsaals stand Ethan schweigend und beobachtete alles aus der Ferne.

Obwohl er ursprünglich beschlossen hatte, direkt ins Büro zu fahren, war er am Ende doch hierhergekommen.

Irgendwie hatte sein Körper ganz von selbst Richards Wagen verfolgt, ohne dass er sich dagegen hatte wehren können.

Jetzt bereute er es.

Denn Aurora an Richards Seite zu sehen, schmerzte weit mehr, als er sich vorgestellt hatte.

Ethan umklammerte sein Weinglas so fest, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten.

Aurora sah heute wunderschön aus.

Zu wunderschön, um sie nicht anzusehen.

Das weiße Abendkleid ließ ihre Haut im Licht der Kronleuchter noch zarter wirken. Ihr langes Haar fiel in weichen Wellen über ihre Schultern, und jedes kleine Lächeln erinnerte Ethan an die Zeit, als sie noch ihm gehört hatte.

Allein dieser Gedanke ließ seinen Kiefer hart werden.

„Verdammt …“, murmelte er leise und leerte sein Weinglas in einem Zug.

„Ethan?“

Eine Frauenstimme ließ ihn träge den Kopf drehen.

Neben ihm stand Vanessa Carlton.

Sie trug ein enges rotes Kleid, das alle Blicke auf sich zog. Ihr blondes Haar war makellos frisiert, ihre Lippen dunkelrot geschminkt, während ihr Blick sofort zu Richard und Aurora wanderte.

Vanessa lächelte leicht.

„Sehe ich richtig? Begleitet dein Daddy tatsächlich eine Frau, die viel besser an deine Seite passen würde?“

Ethan antwortete nicht.

Vanessa verschränkte die Arme vor der Brust.

„Richard ist wirklich unerträglich.“

Ihr Blick blieb mehrere Sekunden auf Aurora ruhen.

Es war unübersehbar, dass ihr dieser Anblick überhaupt nicht gefiel.

Vanessa bewegte sich seit Jahren in Richards Umfeld.

Jeder wusste, dass sie von ihm besessen war.

Nicht nur wegen seines Reichtums und seines Einflusses, sondern auch deshalb, weil Richard sich nie wirklich für sie interessiert hatte.

Und genau das machte ihn für sie nur noch begehrenswerter.

Richard hatte mit unzähligen Frauen Affären gehabt.

Mit Models.

Mit Schauspielerinnen.

Mit Society-Damen.

Doch Vanessa hatte er nie gewollt.

Und nun tauchte plötzlich Aurora auf.

Eine Frau, die deutlich jünger war als sie.

Ein gewöhnliches Mädchen, das nicht einmal zur High Society gehörte.

Ohne auf Ethan zu warten, ging Vanessa direkt auf Aurora zu.

Aurora, die wenige Schritte von Richard entfernt allein stand, drehte sich um, als Vanessa sie freundlich anlächelte.

„Du bist Aurora, richtig?“

Aurora nickte leicht.

„Ja.“

Vanessa betrachtete ihr Gesicht aufmerksam und lächelte weiterhin höflich.

„Ich bin Vanessa.“

„Du bist wirklich hübsch.“

Ihre Stimme klang freundlich.

Doch ihre Augen lächelten nicht.

„Kein Wunder, dass Richard Interesse an dir hat.“

Aurora wusste nicht, was sie darauf antworten sollte.

Vanessa nahm sich ein Glas Champagner von einem vorbeigehenden Kellner, nippte daran und sprach scheinbar beiläufig weiter.

„Richard langweilt sich ziemlich schnell.“

Langsam hob Aurora den Blick.

„Wie meinst du das?“

Vanessa lachte leise.

„Ach komm. Jeder kennt Richards schlechte Angewohnheiten.“

Aurora schwieg und hörte zu.

„Er liebt schöne Frauen.“

Gedankenverloren strich Vanessa mit den Fingern über den Glasrand.

„Aber gewöhnlich hält sein Interesse nie besonders lange.“

Aurora verstand sofort, worauf diese Worte hinausliefen.

Vanessa versuchte, sie herabzusetzen.

„Vielleicht findet er dich im Moment unglaublich interessant“, fuhr Vanessa mit einem feinen Lächeln fort.

„Aber wenn er sich irgendwann langweilt … nun ja … wer weiß.“

Aurora sah sie einige Sekunden ruhig an.

Seltsamerweise fühlte sie sich überhaupt nicht beleidigt.

Denn von Anfang an hatte sie gewusst, dass ihre Beziehung zu Richard nichts mit Liebe zu tun hatte.

Richard hatte sie mitgenommen, weil er Interesse an ihr hatte.

Und Aurora hatte zugestimmt, weil ihre Familie das Geld brauchte.

Ihre Beziehung war nichts weiter als eine Vereinbarung.

So einfach war das.

Schließlich lächelte Aurora höflich.

„Dann werde ich einfach abwarten.“

Vanessa verstummte.

Mit einer so ruhigen Antwort hatte sie offenbar nicht gerechnet.

Aurora wirkte viel zu gelassen für eine Frau, die gerade beleidigt worden war.

---

Aus einiger Entfernung beobachtete Ethan die ganze Szene mit angespanntem Kiefer.

Er wusste selbst nicht, warum er Aurora ununterbrochen ansah.

Es fiel ihm einfach unmöglich, den Blick von ihr abzuwenden.

Je länger er sie an Richards Seite sah, desto schmerzhafter wurde das Ziehen in seiner Brust.

Einige Minuten später trat Richard wieder zu Aurora.

„Hier bist du ja.“

Aurora drehte sich sofort zu ihm um.

Richard warf Vanessa einen kurzen Blick zu und sah anschließend wieder Aurora an.

„Möchtest du mit mir tanzen?“

Aurora wirkte überrascht.

„Wie? Jetzt sofort?“

Richard streckte ihr gelassen die Hand entgegen.

„Es sei denn, du möchtest mich vor allen Gästen zurückweisen.“

Aurora zögerte einen Moment.

Dann legte sie ihre Hand in seine.

In dem Augenblick, als Richard sie zur Mitte des Ballsaals führte, hatte Ethan das Gefühl, seine Gefühle würden explodieren.

Die Musik wurde langsamer.

Richard legte eine Hand an Auroras Taille, während er mit der anderen ihre Finger hielt.

Aurora wirkte nervös.

Doch Richard führte sie langsam und behutsam, als wäre sie etwas Zerbrechliches, das er um jeden Preis beschützen wollte.

Und Ethan hasste sich dafür, dass er alles mit ansah.

Vanessa trat neben ihn und beobachtete ebenfalls das tanzende Paar.

„Seltsam, oder?“, murmelte sie leise.

Ethan antwortete nicht.

„Ich habe Richard noch nie so mit einer Frau umgehen sehen.“

Diese Worte trafen Ethan mitten ins Herz.

Denn Vanessa hatte recht.

Richard war heute anders.

Und genau das brachte Ethans Gefühle völlig durcheinander.

Zum ersten Mal in seinem Leben war er eifersüchtig auf Richard.

Auf seinen eigenen Daddy.

„Entschuldige mich“, sagte Ethan kühl und ging davon, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Vanessa runzelte verwirrt die Stirn und sah ihm nach.

---

Währenddessen verließ Ethan den Ballsaal, ohne noch einmal zurückzublicken.

Er konnte es nicht länger ertragen, Aurora von einem anderen Mann berühren zu sehen.

Vor allem dann nicht, wenn dieser Mann Richard war.

Eine Stunde später saß Ethan bereits in einem der exklusivsten Clubs Manhattans.

Mehrere Flaschen Alkohol standen auf dem Tisch vor ihm.

Laute Musik dröhnte durch den Raum.

Bunte Neonlichter zuckten über die Tanzfläche.

Überall lachten Menschen und tanzten, als gäbe es keine Sorgen auf der Welt.

Doch Ethan konnte nichts davon genießen.

Er lehnte sich zurück.

Die obersten beiden Knöpfe seines Hemdes standen bereits offen.

Seine Augen waren vom Alkohol und den unterdrückten Gefühlen gerötet.

„Ethan, geht es dir gut?“, fragte einer seiner Freunde besorgt.

Ethan lachte leise und schenkte sich erneut Whisky ein.

„Gut?“, wiederholte er leise.

„Ja … mir geht's bestens.“

In einem Zug leerte er das Glas.

Sein Kopf wurde langsam schwer.

Doch Auroras Gesicht erschien vor seinem inneren Auge nur noch klarer.

„Verdammt …“

Frustriert fuhr Ethan sich durch die Haare.

Sein Freund wurde zunehmend besorgter.

„Ethan, hör auf zu trinken.“

Doch Ethan lachte nur noch lauter.

„Rory …“, murmelte er leise und senkte den Kopf.

Seine Brust tat unendlich weh.

Und seit Aurora ihn vor einem Jahr verlassen hatte, war ihm klar geworden, dass er sie niemals wirklich vergessen hatte.

„Aurora!“

Plötzlich schrie er ihren Namen so laut, dass sich mehrere Gäste erschrocken nach ihm umdrehten.

Ethan lachte erneut leise.

Obwohl seine Augen inzwischen rot geworden waren.

„Warum musste sie ausgerechnet meine Stiefmutter werden …“, flüsterte er mit gebrochener Stimme.

Dann ließ er den Kopf gegen die Rückenlehne des Sofas sinken und schloss langsam die Augen.

Doch selbst im Rausch kam immer wieder nur derselbe Name über seine Lippen.

„Rory …“

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