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Die Frau des Alphas: Die Obsession des Wolfskönigs
Die Frau des Alphas: Die Obsession des Wolfskönigs
Author: Suni

Kapitel Eins

Author: Suni
last update Petsa ng paglalathala: 2026-06-21 05:45:50

Die Tore schwangen bei Dämmerung auf.

Gianna hörte die Rückkehr der Patrouille, noch bevor sie sie sah – Stiefel auf Kies, Wölfe, die sich zurück in menschliche Haut verwandelten, das vertraute Chaos von Valemonts Kriegern, die nach Hause kamen.

Sie stand mit einem Glas Wein auf der oberen Terrasse, als sie Cyrus durch das Haupttor gehen sah.

Er war nicht allein.

Eine Frau ging an seiner Seite – jung, mit dunklem Haar, das ihr lose über die Schultern fiel.

Sie trug Cyrus’ Ersatz-Patrouillenjacke – die graue, die Gianna im letzten Winter für ihn ausgesucht hatte – und sie blickte zu ihm auf, wie ein Hund zu der Person aufblickt, die seine Leine hält.

Als wäre er das Einzige auf der Welt, das ihr Halt gab.

Cyrus stieß sie nicht weg.

Gianna stellte ihr Weinglas sehr vorsichtig auf dem Steingeländer ab.

Sie ging nach unten.

Als sie den Hof erreichte, war Cyrus bereits stehen geblieben. Er stand in der Mitte des steingepflasterten Hofes, die Frau noch immer an seiner Seite, und sprach mit Beta Francis über etwas, das offensichtlich nicht wichtig genug war, um es zu beenden. Denn in dem Moment, als er Giannas Gesicht sah, brach er ab.

„Wer ist sie?“, fragte Gianna ohne Begrüßung oder Umschweife. Sie blickte Cyrus direkt an.

Cyrus’ Kiefer spannte sich an. „Ihr Name ist Pietra. Sie ist eine Wölfin, die ich auf Patrouille gefunden habe. Sie hat keinen Ort, an den sie gehen kann.“ Er hielt inne. „Sie wird hierbleiben.“

Im Hof war es still geworden. Drei Rudelmitglieder, die gerade auf dem Weg zu den Kasernen gewesen waren, gingen langsamer, ohne anzuhalten, und taten so, als würden sie nicht lauschen.

Gianna sah Pietra an.

Pietra blickte mit großen, wachsamen Augen zurück, die ganz genau wussten, was sie taten.

„Sie wird hierbleiben“, wiederholte Gianna. „Hier. In Valemont. In meinem Haus.“

„Im Rudelhaus“, korrigierte Cyrus. „Ja.“

„Cyrus.“ Giannas Stimme klang tief und sehr beherrscht. „Ich bin die Luna von Valemont. Du bringst keine Frau durch diese Tore, ohne es mir zu sagen. Du bringst überhaupt niemanden durch diese Tore, ohne –“

„Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig.“

Er sagte es flach, als wäre es eine Tatsache, deren ständige Wiederholung ihn langweilte.

Gianna spürte, wie Hitze ihren Nacken hinaufkroch.

„Du bist diesem Rudel Rechenschaft schuldig. Und dieses Rudel hat eine Luna. Und was du hier gerade tust, ist, eine Frau in ihr Zuhause zu bringen und ihr zu sagen, sie soll damit klarkommen. Und ich sage dir, ich werde nicht –“

„Ich schlage mich jetzt seit zwei Jahren mit dir herum.“ Cyrus trat einen Schritt vor. Seine Stimme wurde nicht lauter.

Das war irgendwie schlimmer – sie blieb vollkommen ruhig, als wäre Gianna die Energie eines echten Ausbruchs gar nicht wert. „Zwei Jahre voller Zornanfälle von dir. Zwei Jahre, in denen du jeden Omega in diesem Haus behandelt hast, als stünde er unter dir, in denen du jede Entscheidung danach getroffen hast, was du willst, und in denen du diese Luna-Rolle zu deinem persönlichen Thron gemacht hast.“ Er blieb zwei Schritte vor ihr stehen. „Ich bin fertig damit, mit dir zu verhandeln, Gianna.“

Pietras Finger klammerten sich um Cyrus’ Unterarm.

„Hätte ich nicht kommen sollen?“, fragte sie leise, aber laut genug, dass es jeder hören konnte. „Es tut mir leid, Cyrus. Die Luna scheint aufgebracht zu sein. Vielleicht sollte ich –“

„Bleib“, sagte Cyrus sofort zu ihr. Er legte seine Hand auf ihre. „Du gehst nirgendwohin. Ich habe gesagt, du bist hier willkommen, und das bist du.“ Er blickte mit Augen, die wieder eiskalt geworden waren, zurück zu Gianna. „Hab keine Angst. Sie wird nichts tun.“

Sie wird nichts tun.

Gianna stand vollkommen regungslos da.

Er drehte ihr den Rücken zu und ging auf die Tür zu, Pietra fest an seine Seite gedrückt.

Gianna überquerte den Hof mit vier großen Schritten und stellte sich in den Türrahmen, beide Hände gegen den Rahmen gepresst, um den Eingang zu blockieren. Ihr Puls hämmerte. Ihr Wolf schrie in ihr.

„Du wirst nicht an mir vorbeigehen“, sagte sie. „Nicht mit ihr. Nicht so. Ich bin die Luna dieses Rudels und du wirst –“

Cyrus’ Hand schnellte vor und stieß sie beiseite. Giannas Ferse blieb an der Kante der ersten Stufe hängen.

Sie stürzte rückwärts.

Ihr Hinterkopf prallte mit einem harten Krachen auf die Steintreppe, das jedes Geräusch im Hof schlagartig verstummen ließ.

Dann war da nichts mehr.

Das Erste, was Gianna sah, als sie die Augen öffnete, war die Steindecke. Dann die fremde Tapisserie an der Wand und ein Fenster, das einen völlig dunklen Himmel zeigte.

Sie lag in einem Bett. Jemand hatte sie weggetragen.

Sie hatte nicht die leiseste Ahnung, wo sie war.

Langsam setzte sie sich auf und presste eine Hand an ihren Hinterkopf. Direkt über ihrem Nacken hatte sich eine walnussgroße Beule gebildet.

Sie zuckte zusammen, zog die Hand zurück und sah sich im Raum genau um, während sie versuchte, das Rätsel zu lösen, wie sie in diesem fremden Schlafzimmer gelandet war.

In diesem Moment flog die Tür auf.

Eine junge Omega-Frau stürzte herein, das Gesicht blass, die Hände bereits nervös ineinander verknotet, noch ehe sie das Bett erreicht hatte. Sie hielt inne, als sie Gianna aufrecht sitzen sah, und wirkte erleichtert.

„Luna.“ Sie presste die Hände zusammen. „Luna, Sie sind wach. Der Heiler hat gesagt, ich soll ihn sofort holen, wenn Sie –“

„Wie ist dein Name?“, fragte Gianna.

Die Omega blinzelte. „Ich – Evelyn. Mein Name ist Evelyn. Ich bin seit acht Monaten Ihre persönliche Dienerin, Luna.“

„Evelyn.“ Gianna merkte sich den Namen. „Welches Rudel ist das hier?“

Evelyns Mund öffnete sich, dann schloss er sich wieder.

„Valemont“, sagte sie langsam. „Luna, erinnern Sie sich... erinnern Sie sich an gar nichts?“

Gianna dachte ehrlich über die Frage nach. Sie erinnerte sich ans Aufwachen. Sie erinnerte sich an Schmerz. Davor – an nichts.

„Nein“, sagte sie.

Evelyn sah aus, als würde sie gleich in Ohnmacht fallen.

„Schon gut.“ Gianna hob eine Hand. „Keine Panik. Red einfach. Wer bin ich?“

„Sie sind Gianna.“ Evelyns Stimme war kaum fest. „Luna von Valemont. Sie sind seit zwei Jahren mit Alpha Cyrus verheiratet.“

Cyrus.

Bei diesem Namen regte sich ein vages, unangenehmes Gefühl in ihr.

„Und dieser Alpha Cyrus“, sagte Gianna vorsichtig. „Wer genau ist er für mich?“

„Ihr Ehemann.“ Evelyn zögerte. „Er ist – Luna, er ist derjenige, der –“ Sie brach ab.

„Der was?“

Evelyns Augen senkten sich zu Boden.

Gianna beschloss, diesen Faden vorerst nicht weiter zu verfolgen. „Gibt es gerade irgendeinen Aufruhr im Haus? Etwas, das ich wissen sollte?“

Evelyn blickte auf. In ihrem Gesicht lag hinter der Angst etwas, das stark nach verzweifelter Hoffnung aussah – als würde sie darauf warten, dass Gianna explodiert, damit sie sie in eine nützliche Richtung lenken konnte.

„Die Frau“, sagte Evelyn vorsichtig. „Die, die Alpha Cyrus mitgebracht hat. Das Rudel weiß nicht, was es tun soll. Sollen wir sie herausschmeißen? Oder –“

„Wie ist ihr Name?“

„Pietra.“

„Und Cyrus hat sie selbst hierhergebracht? Um hier zu leben?“

„Ja, Luna. Er sagte –“ Evelyn hielt wieder inne.

„Sag es.“

„Er sagte, sie ist seine schicksalhafte Gefährtin.“

Gianna verarbeitete das einen Moment lang.

Sie presste zwei Finger an ihre Schläfe. Der Kopfschmerz pochte gleichmäßig, wie ein zweiter Herzschlag.

Schicksalhafte Gefährtin. Dieser Cyrus hat also mich – eine Frau, die nicht seine schicksalhafte Gefährtin ist – geheiratet und bringt nun seine tatsächliche Gefährtin nach Hause, um im selben Haus zu leben. Ein charmanter Mann.

Sie betrachtete die Sache ganz praktisch. Sie war anscheinend die Tochter eines Alphas. Sie hatte Geld, Status, eine Familie, zu der sie zurückkehren konnte. Und dieser Cyrus-Mensch hatte sie eine Treppe hinuntergestoßen.

Ihr war bewusst, dass sie deswegen eigentlich etwas Heftiges fühlen sollte. Eine gerechte, brennende Wut.

Aber was sie fühlte, war weit davon entfernt. „Evelyn“, sagte sie.

„Ja, Luna?“

„Ich will, dass alle Omegas im Haus in den nächsten zehn Minuten versammelt werden.“

Evelyn blinzelte. „Um... um Pietra zu entfernen? Ich kann die Wache holen, wenn Sie es offiziell machen wollen, oder Ihr Vater hat immer gesagt –“

„Nein.“ Gianna schlug die Decke zurück und schwang die Beine über die Bettkante. Der Raum drehte sich leicht, aber sie atmete den Schwindel weg. „Um einen Empfang vorzubereiten.“

Stille.

„Einen... Empfang?“, wiederholte Evelyn.

„Der Alpha hat seine schicksalhafte Gefährtin gefunden. Das ist ein Grund zum Feiern.“ Gianna stand vorsichtig auf, eine Hand am Bettpfosten. „Ich möchte, dass das Gästezimmer im Ostflügel hergerichtet wird – frische Laken, Blumen, die guten Kerzen. Ich will, dass ein ordentliches Abendessen aufgetischt wird. Und –“ sie hielt inne und überlegte, „ – ich will, dass jemand in meinen Kleiderschrank geht, die schönsten Dessous-Sets heraussucht, die ich besitze, und sie in Cyrus’ Schlafzimmer legt. Mehrere Sets. Zusammen mit allem, was das Haus für... romantische Abende bereithält.“ Sie winkte ab. „Aphrodisiaka, was immer wir da haben.“

Evelyn starrte sie an.

„Luna.“

„Sie sind schicksalhafte Gefährten“, sagte Gianna geduldig. „Sie sollten eine richtige Hochzeitsnacht haben. Wir sollten behilflich sein.“

„Sie haben sich den Kopf gestoßen“, flüsterte Evelyn, als würde das alles und gleichzeitig gar nichts erklären.

„Das habe ich.“ Gianna ging vorsichtig zum Kleiderschrank und begann, mit einer Hand Kleider zu sortieren, während die andere noch immer an die Beule auf ihrem Schädel gepresst war. „Evelyn. Ich möchte, dass du über etwas nachdenkst. Ich bin anscheinend die Tochter eines Highmoon-Alphas. Ich habe einen Vater mit Macht und Ressourcen, der mich liebt. Ich habe mein eigenes Geld, meine eigene Position und ein Rudel, in das ich hineingeboren wurde.“ Sie zog eine Seidenrobe heraus und hielt sie hoch. „Warum, bitteschön, sollte ich auch nur einen einzigen Tropfen Energie daran verschwenden, um einen Mann zu kämpfen, der mich eine Treppe hinuntergestoßen hat?“

Evelyn öffnete den Mund und schloss ihn wieder.

„Hol die Omegas“, sagte Gianna. „Und sag der Küche, dass ich auch hier oben ein volles Abendessen haben möchte. Etwas mit Fleisch. Ich verhungere.“

Sie setzte sich an den Frisiertisch und betrachtete ihr Spiegelbild.

Objektiv wunderschön, stellte sie mit der distanzierten Anerkennung von jemandem fest, der ein Gemälde betrachtet. Hohe Wangenknochen. Dunkle Augen. Ein Bluterguss, den sie bisher nicht bemerkt hatte, zeichnete sich an der linken Seite ihres Kiefers ab.

Nun denn. Valemont. Ein Ehemann, der mich hasst. Eine Mätresse, die glaubt, sie hätte schon gewonnen.

Sie legte den Kopf vor ihrem eigenen Spiegelbild schief.

Darüber würde sie morgen nachdenken.

Heute Abend würde sie eine riesige Mahlzeit essen, eine ordentliche Massage bekommen und in einem Bett schlafen, das offensichtlich sehr teuer war.

Ein Problem nach dem anderen.

Sie griff nach der Haarbürste und begann, die Knoten aus ihrem Haar zu lösen.

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