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Kapitel Vier

Penulis: Suni
last update Tanggal publikasi: 2026-06-21 05:54:11

Cyrus und Pietra brauchten ganze vier Minuten, um sich an der Tür zu verabschieden.

Gianna beobachtete das Ganze vom Inneren der Kutsche aus durch das kleine Fenster, die Arme verschränkt, der Gesichtsausdruck leer.

Pietra hielt beide Hände von Cyrus in ihren.

Sie blickte zu ihm auf und sagte etwas – Gianna konnte es nicht hören und, ehrlich gesagt, wollte sie es auch nicht –, und Cyrus blickte mit einer Sanftheit auf seinem Gesicht zu ihr zurück, von der Gianna ziemlich sicher war, dass sie ihr selbst nie zuteilgeworden hatte.

*Das ist also der Mann, für den ich gedroht habe, mich zu Tode zu hungern*, dachte sie. *Mein früheres Ich hatte einen wirklich furchtbaren Geschmack.*

Sie wandte den Blick vom Fenster ab.

Sie würde aus dieser Ehe herauskommen. Sie wusste zwar noch nicht wie – die Einmischung des Königs machte die Sache erheblich komplizierter –, aber sie würde einen Weg finden. Sie würde nach Highmoon zurückkehren, zu ihrem Vater und zurück in ein Leben, das tatsächlich ihres war.

Die Kutsche sackte leicht ab, als Cyrus einstieg.

Er setzte sich ihr gegenüber und sagte nichts.

Gianna sagte ebenfalls nichts.

Es waren die friedlichsten vier Minuten der letzten zwei Tage.

Der Palast war riesig.

Gianna hatte sich vorgenommen, nicht zu reagieren – sie war die Tochter eines Alphas, sie war mit Geld aufgewachsen, sie hatte vermutlich schon früher prachtvolle Gebäude gesehen –, aber als die Kutsche die Haupttore passierte und das ganze Ausmaß der Anlage sichtbar wurde, setzte ihr Herz für einen Moment aus.

Türme aus blassem Stein fingen die letzten Reste des Abendlichts ein und hielten sie fest. Gärten, die sich weiter erstreckten, als sie blicken konnte. Wachen, die in so präzisen Abständen postiert waren, dass sie wie architektonische Elemente wirkten.

Das gesamte Anwesen strahlte eine ganz besondere Art von Macht aus.

*Hier lebt also der Lykaner-König*, dachte sie. *Das erklärt einiges.*

Die Kutsche hielt. Wachen öffneten die Tür.

Ein Mann wartete am oberen Ende der Eingangstreppe.

Er hatte breite Schultern und kurz geschorenes Haar. Er trug das Palast-Abzeichen auf der Brust — der Rang eines Betas, gehobener Dienst.

„Alpha Cyrus.“, Er neigte den Kopf. „Luna Gianna. Willkommen im Palast. Ich bin Beta Matthew. Ich werde Sie in den Bankettsaal geleiten.“

Cyrus’ gesamte Körpersprache änderte sich in dem Moment, als er aus der Kutsche stieg.

Gianna beobachtete die Verwandlung in Echtzeit. Die Haltung seiner Schultern veränderte sich. Er senkte das Kinn leicht. Die scharfe, herablassende Energie, die er sonst überallhin mitnahm, schien wie verflogen.

Cyrus, der sich sonst vor niemandem verbeugte, verbeugte sich vor dem Beta fast schon ehrfürchtig.

*Interessant*, dachte Gianna.

Sie passte sich seinem Schritt an, während Matthew sie hineinführte.

Cyrus lehnte sich zu ihr rüber, ohne den Kopf zu drehen. Seine Stimme war kaum lauter als ein Atemzug.

„Wenn wir gleich drinnen sind. Wenn du dem König gegenübertrittst.“, Er machte eine kurze Pause, um sicherzugehen, dass sie zuhörte. „Mach keine Fehler. Sprich nicht, bevor du angesprochen wirst. Fass nichts an. Blamier mich nicht.“

„Und wenn doch?“, fragte Gianna ebenso leise.

Cyrus’ Kiefer spannte sich an. „Dann wirst du herausfinden, wie echter Ärger aussieht.“

Gianna merkte sich das und ging weiter.

Der Bankettsaal war voller Wölfe, die alle ganz genau wussten, wo sie in der Hierarchie standen, und dieses Wissen mit jeder Haltung, jedem Gruß und jedem Lächeln zur Schau stellten.

Gianna und Cyrus wurden zu ihren Plätzen geführt. Sie setzte sich und sah sich um.

Allein die Decke war schon den Blick wert. Der Tisch zog sich über die gesamte Länge des Raumes. Kristallgläser, Silberkuchen, Blumen, für die Gianna keine Namen wusste, waren in der Mitte aufgereiht.

„Hör auf, dich umzusehen“, murmelte Cyrus unter seinem Atem.

„Es ist ein bemerkenswertes Gebäude.“

„Du tust so, als wärst du noch nie irgendwo gewesen.“

„Ich kann mich nicht erinnern, irgendwo gewesen zu sein“, sagte Gianna gut gelaunt. „Kopfverletzung.“

Cyrus sagte nichts.

„Die Steinmetzarbeit an diesem Bogen ist außergewöhnlich“, sagte Gianna und blickte zur gegenüberliegenden Wand. „Ist das die Originalkonstruktion oder –“

„Gianna.“

„Die Kronleuchter müssen tonnenschwer –“

„Gianna.“

Sie sah ihn an.

Sein Gesichtsausdruck war eisig und abweisend. Sie lächelte und griff nach ihrem Wasserglas.

In diesem Moment ertönte eine Trompete.

Jeder im Raum erhob sich.

Cyrus stand auf den Beinen, noch bevor Gianna die Bewegung richtig registriert hatte. Seine Hand packte sie am Ellbogen und zog sie mit sich hoch – ein Griff, der mehr Befehl als Hilfestellung war. „Kopf runter“, zischte er. „Blick nicht auf. Er hat heute Nachmittag eine Wache getötet. Halt den Mund, lass die Augen auf dem Boden und wage es nicht –“

„Er hat eine Wache getötet?“, fragte Gianna.

„Augen runter.“

Gianna senkte ihren Blick auf den Boden.

Im Raum herrschte Stille, dann hörte sie Schritte.

Die Stimme einer Wache schnitt durch das Schweigen und erstattete einen Bericht — irgendetwas Militärisches, die Ostgrenze, Zahlen, denen Gianna nicht ganz folgen konnte —, und brach dann mitten im Satz ab.

Sie hörte ein einziges Wort von irgendwo vor ihr.

„Nutzlos.“

Und dann das Geräusch von splitterndem Kristall.

Giannas Kopf blieb gesenkt, aber ihre Augen wanderten instinktiv zur Seite. Aus dem Augenwinkel sah sie ein Kristallglas, oder das, was davon übrig war, das an der Basis der gegenüberliegenden Wand in Stücke zersprungen war.

Eine Wache kniete mit gesenktem Kopf auf einem Knie, eine Schnittwunde am Unterarm, aus der Blut bis zum Handgelenk lief. Sie verhielt sich vollkommen still, weil das in dieser Situation offensichtlich die richtige Reaktion war.

Gianna drehte sich der Magen um.

*Alles klar*, dachte sie. *Das ist also die Art von König.*

Sie nahm plötzlich jede einzelne Muskelfaser ihres Körpers haarscharf wahr und spürte, wie wichtig es war, dass sich kein einziger Muskel unerwartet bewegte.

Genau in diesem Moment erwachte ihre Wölfin.

Es passierte augenblicklich – wie ein Lichtschalter, der in ihrer Brust umgelegt wurde. Ihre Wölfin wurde hellwach, riss sich gewaltsam los und versuchte sofort, die Kontrolle zu übernehmen.

Gianna spürte es wie einen heftigen Stoß von innen heraus.

*Nicht jetzt*, drängte sie die Wölfin zurück. *Was auch immer das soll – nicht jetzt. Wir stehen vor einem König, der gerade ein Glas nach einer Wache geworfen hat, und wir machen das hier verdammt noch mal nicht jetzt –*

Ihre Wölfin hörte nicht zu. Sie drängte nach vorn, zog mit aller Kraft zu etwas hin, das vor ihnen lag, auf eine Weise erregt, die absolut keinen Sinn ergab.

Gianna kämpfte gegen sie an und versuchte, ihr Gesicht regungslos zu halten, während ihre Wölfin unter ihrer Haut komplett durchdrehte.

Sie verlor den Halt.

In der einen Sekunde stand sie noch, in der nächsten war ihr Gleichgewicht einfach weg und sie kippte nach vorn.

Es gab nichts, woran sie sich festhalten konnte, und sie würde mitten im königlichen Bankettsaal vor jedem Alpha des Königreichs auf das Gesicht fallen, und das würde das Letzte sein, was sie jemals tat –

Hände fingen sie auf.

Beide Griffe waren fest – einer an ihrem Arm und einer an ihrer Taille. Sie hielten ihr gesamtes Gewicht ohne jede sichtbare Anstrengung, als wäre sie federleicht.

Gianna klammerte sich an die Arme, die sie hielten, und blickte auf.

Die Welt wurde still.

Der Mann, der sie hielt, blickte mit dunklen Augen, die vollkommen starr geworden waren, auf sie herab.

Sie hatte noch nie jemanden gesehen, der so aussah.

Ihr war bewusst, dass sie ihn anstarrte. Ihr war bewusst, dass ihr Mund leicht geöffnet war. Ihr war bewusst, dass ihre Wölfin, die gerade noch ihren gesamten Körper aus dem Gleichgewicht gebracht hatte, um genau an diesen Ort zu gelangen, in dem Moment, als sich ihre Augen trafen, augenblicklich verstummt war.

Die Augen des Mannes veränderten sich. Für einen winzigen Moment lag ein Ausdruck in ihnen, den Gianna nicht entziffern konnte, dann war er verschwunden.

Seine Hände lagen noch immer auf ihren Armen.

Keiner von beiden hatte sich bewegt.

„Gianna.“

Cyrus’ Stimme traf sie wie ein Eimer kaltes Wasser.

Er packte ihren Arm, zog sie mit einer einzigen Bewegung nach oben und weg, stellte sich halb vor sie, und sie konnte spüren, wie mühsam beherrscht seine Stimme war, als er sprach. „Ich bitte um Verzeihung, Eure Majestät. Meine Frau – sie war unpässlich. Bitte verzeiht den Mangel an Respekt, sie wollte nicht –“

„Entschuldige dich“, zischte Cyrus ihr durch die Zähne zu. „Jetzt. Entschuldige dich und lass die Augen unten.“

Gianna blinzelte. Sammelte ihre Gedanken.

Der König – den der Text hier Nolan nennt – beobachtete sie mit einem unlesbaren Gesichtsausdruck. Um sie herum hielt der gesamte Bankettsaal den Atem an.

„Es tut mir leid“, sagte Gianna.

„Es ist nur –“, Die Worte sprudelten aus ihr heraus, bevor sie sie aufhalten konnte, „ich habe noch nie jemanden gesehen, der so aussieht wie Sie. Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich habe Panik bekommen.“

Irgendwo hinter ihr hörte sie, wie Cyrus ein Geräusch von sich gab, als würde seine Seele seinen Körper verlassen.

Nolan sah sie für einen langen, unergründlichen Moment an, dann stieß er ein kurzes, echtes Lachen aus, das ihn offensichtlich genauso überraschte wie jeden anderen im Raum.

Er wandte sich an Cyrus. „Ihre Frau ist amüsant.“, Der Amüsement war noch immer in seiner Stimme zu hören, aber darunter lag etwas, das überhaupt nicht lustig war. „Sie sollten das schätzen.“

Dann blickte er Gianna an.

Gianna spürte, wie eine elektrische Welle sie durchströmte, von der Kopfhaut bis zu den Fußsohlen.

Dann ging er weiter, der Raum atmete auf, und Cyrus’ Hand an ihrem Arm drückte so fest zu, dass es einen blauen Fleck hinterlassen würde.

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