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Zwei

Author: Demsie
last update publish date: 2026-08-20 08:11:14

CLAIRE

„Was!“, starrte ich Jeff ungläubig an. War ihm überhaupt klar, was er da von mir verlangte? Ich hatte nach drei Tagen im Krankenhaus gerade erst wieder den Fuß in unser Haus gesetzt, und das Erste, was er mir zu sagen hatte, war das?

„Irene hat dieselbe Blutgruppe wie du. Was ist so schlimm daran, wenn du für sie spendest?“, fragte er kalt, und ein ungläubiges Lachen entwich meiner Kehle.

Ich konnte nicht fassen, dass er das tatsächlich von mir verlangte. Drei Tage lang hatte ich im Krankenhaus gelegen und darum gebetet, mein Baby nicht zu verlieren. Kein einziges Mal hatte er mich besucht oder sich nach mir erkundigt. Und kaum wurde ich entlassen, verlangte mein eigener Ehemann von mir, Blut für seine Geliebte zu spenden?

Tränen traten mir in die Augen. Er machte es mir so verdammt schwer, ihn weiterhin zu lieben, und doch konnte ich ihn einfach nicht loslassen.

„Ich kann nicht…“, flüsterte ich.

Er packte mich am Arm. „Irene ist schwanger, und ich werde nicht riskieren, dass sie das Baby verliert. Also ja, Claire: Du kannst, und du wirst!“, knirschte er mit den Zähnen.

Und was ist mit mir?, wollte ich schreien und hielt seinem Blick stand.

„Würdest du mich genauso behandeln, wenn ich schwanger wäre?“, fragte ich leise. Er ließ meinen Arm augenblicklich los, als hätte er sich an mir verbrannt.

„Wage es nicht, mich mit irgendwelchem Gerede über eine Schwangerschaft zu manipulieren! Du wirst dein Blut spenden, ob es dir gefällt oder nicht.“

Ich schluckte schwer. Es war ihm vollkommen egal, ob ich sein Kind unter dem Herzen trug. Alles, was für ihn zählte, war Irene. Wenn ich jetzt als Spenderin für Irene herhalten musste, bedeutete das schlichtweg den Verlust meines Babys. Dieses Risiko konnte ich unmöglich eingehen.

„Jeff, ich bitte dich…“

In diesem Moment klingelte sein Telefon. Seine Stirn legte sich in Falten, als er dem Anrufer zuhörte, und plötzlich wich alle Farbe aus seinem Gesicht.

„Ich bin sofort da“, herrschte er ins Telefon und wandte sich zum Gehen.

Er hielt inne und starrte mich an. „Wenn du nicht tust, was ich sage, lasse ich mich von dir scheiden.“

Ich wankte. „Was?!“

„Der Fahrer wird dich abholen“, sagte er, als hätte ich gar nichts gesagt, und ging – das Gesicht vor Sorge versteinert.

In all den fünf Jahren unserer Ehe hatte ich Jeff noch nie so besorgt gesehen.

Er wollte sich von mir scheiden lassen, weil ich seiner Geliebten kein Blut spenden wollte.

Ein stechender Schmerz durchfuhr mein Herz, und ich biss mir so fest auf die Lippe, bis ich Blut schmeckte. Meine Hand wanderte zu meinem Bauch.

Mein Baby… Ich muss mein Baby beschützen. Ich kann jetzt unmöglich irgendetwas spenden.

Ich stürzte zur Tür und rannte draußen direkt in den Fahrer hinein.

Verdammt, erwischt. Was sollte ich tun?

Hektisch suchte mein Blick nach einem Ausweg. Ich war völlig verzweifelt, aber wie sollte ich hier herauskommen?

Ich sah die beinahe unsichtbaren Wachleute stehen, die mich diskret beobachteten, und wusste sofort, dass es kein Entkommen gab. Mir sank das Herz in die Hose, als ich dem Fahrer schweigend zum Auto folgte.

Ich starrte stumm aus dem Fenster. Mein Blick war leer, ohne die Landschaft vor mir wahrzunehmen, während meine Gedanken zu den Tagen zuvor zurückwanderten.

An jenem Morgen war ich aufgewacht und hatte mich so elend gefühlt, dass ich nicht einmal aus dem Bett aufstehen konnte.

Mein Magen drehte sich im selben Augenblick um, als ich versuchte, mich aufzurichten, und ich schaffte es kaum bis ins Badezimmer, bevor das Würgen begann.

Ich kniete auf den kalten Fliesen, klammerte mich an die Toilettenschüssel und wartete, bis die Übelkeit nachließ. Als es endlich vorbei war, lehnte ich mich an die Wand zurück und drückte meine Hand an die Stirn.

Ich glühte förmlich. Vielleicht sollte ich einen Arzt aufsuchen.

Auf wackeligen Beinen stand ich auf und blickte mich im Spiegel an. Meine blauen Augen wirkten viel zu groß in meinem blassen Gesicht. Dann fiel mein Blick auf den Kalender neben dem Spiegel, und plötzlich wurde es mir klar. Wann hatte ich meine letzte Periode gehabt? Eigentlich hätte sie schon längst da sein müssen.

Ich drückte beide Hände gegen meinen flachen Bauch und versuchte mich zu erinnern, wann Jeff und ich das letzte Mal zusammen gewesen waren. Es war leicht auszurechnen, denn Jeff hatte mich in den fünf Jahren unserer Ehe so gut wie nie berührt. Jedes Mal, wenn ich versucht hatte, ihm näher zu kommen, war er mir mit kalter, distanzierter Haltung begegnet. Er hatte meine Hände abgeblockt und war aus dem Haus gestürzt – und ehe er seinen Fuß wieder über die Schwelle setzte, vergingen meist Wochen oder gar Monate.

Nach einer Weile hatte ich aufgehört, es zu versuchen.

Vor sechs Wochen war er betrunken nach Hause gekommen. Ich hatte ihn gegen Mitternacht hereinplatzen hören und ihn schließlich auf der Couch gefunden. Sein Kopf war nach hinten über die Armlehne geneigt, die Augen geschlossen.

Ich hatte versucht, ihm in sein Schlafzimmer zu helfen, und ihm Schuhe und Socken ausgezogen. Doch als ich gerade gehen wollte, packte er plötzlich meine Hände und zog mich mit sich aufs Bett.

„Jeff, was machst du da?“, fragte ich und versuchte, mich von ihm loszureißen, doch seine Arme um mich waren trotz seines betrunkenen Zustands bärenstark.

„Bleib heute Nacht bei mir“, flüsterte er, kurz bevor seine Lippen auf meine trafen.

Mein Widerstand erstarb. Trotz allem verriet mich mein eigener Körper, und ich gab mich ihm hin. Wie schamlos war es eigentlich, dass mein Ehemann erst betrunken sein musste, um mich zu küssen? Doch es schien mir in diesem Moment egal zu sein, während ich begann, seine Küsse langsam zu erwidern. In dieser Nacht liebten wir uns. Es geschah schnell, ohne zärtliche Worte, und als es vorbei war, gab es weder sanfte Worte noch irgendein Liebesgeständnis. Er drehte sich einfach weg und schlief sofort ein.

Ich lag stil im Dunkeln, mein Herz schmerzte und Tränen rannen aus meinen Augenwinkeln. Aber wenn das alles war, was ich von ihm bekommen konnte, dann würde ich mich damit zufriedengeben und diesen Moment in Ehren halten.

Ich war in seinem Bett eingeschlafen. Als er am Morgen aufwachte und mich dort sah, war er außer sich vor Wut.

„Was zum Teufel machst du hier?!“, schrie er und starrte mich mit so viel Verachtung an, dass ich zitterte.

Mein verwirrter Kopf versuchte vergeblich, einen klaren Gedanken zu fassen. „Ich… ich…“

Noch bevor ich zu Ende sprechen konnte, packte er mich am Hals.

„Glaubst du etwa, wenn du dich in mein Bett schleichst, während ich betrunken bin, beachte ich dich endlich?!“, fauchte er. Ich versuchte, seine Hand von meinem Hals zu lösen, und schüttelte verzweifelt den Kopf.

Sein Griff verengte sich für einen Moment und schnürte mir die Kehle zu. Unsere Blicke trafen sich. Ich konnte kein Wort herausbringen, weil sein Griff mir die Luft abschnitt; ich konnte sein vor Wut rot angelaufenes Gesicht nur panisch anstarren.

Plötzlich ließ er mich los, als würde ihn allein der Gedanke, mich zu berühren, auf einmal anwidern. Ich brach auf dem Bett zusammen, rang nach Luft und versuchte krampfhaft, das Bettlaken über meine Brust zu ziehen.

Sein angewiderter Blick wanderte über mich, und seine Lippen verengten sich zu einem schmalen Strich.

„Schaff deinen verdammten Arsch aus meinem Bett, du Schlampe!“, donnerte er, und ich spürte, wie mir die Schamröte ins Gesicht stieg.

Ich nestelte an den Laken, um wenigstens einen Rest meiner Würde zu bewahren, aber er packte mich am Handgelenk und zerrte mich aus dem Bett. Ich stolperte und fiel auf den Boden, wobei ich mir die Knie aufschürfte.

Ein stechender Schmerz fuhr mir durch die Wirbelsäule, und ich verog das Gesicht.

„Unterstehe dich, jemals wieder zu versuchen, mich zu verführen! Du hast mich in diese Ehe hineingetrickst, und jetzt glaubst du, du kannst mich dazu bringen, mit dir zu schlafen?! Widerlich.“

Bei seinen Worten schossen mir die Tränen in die Augen. „Ich habe dich nie hineingetrickst, Jeff! Warum kannst du nicht sehen, dass ich dich liebe?!“, weinte ich und blickte von unten zu ihm auf.

„Es interessiert mich nicht, was du fühlst, denn ich liebe dich nicht. Ich kann in diesem Leben nur eine einzige Frau lieben – und das bist ganz sicher nicht du!“, antwortete er kalt. Ich dachte wirklich, mein Herz würde vor Schmerz zerspringen. Ich sammelte meine verstreuten Kleider auf und stürzte mit tränenüberströmtem Gesicht aus seinem Zimmer.

Wochen später glühte ich vor Fieber, fühlte mich dauernd müde und hatte ständig das Bedürfnis zu schlafen. Nicht ein einziges Mal hatte mein Verstand die Tatsache verarbeitet, dass ich seit jener Nacht meine Periode nicht mehr bekommen hatte.

Der Gedanke ließ mein Herz rasen. Was, wenn ich schwanger war? Was würde das für uns bedeuten?

Ich blickte auf die Uhr. Sieben Uhr morgens. Jeff würde noch mindestens eine Stunde lang in seinem Arbeitszimmer sitzen, vergraben in seine Arbeit. Er würde gar nicht bemerken, wenn ich mich davonschlich.

Er bemerkte mich schließlich nie.

Ich zog mir schnell Jeans und einen Pullover an, schnappte mir meine Handtasche und überprüfte mein Portemonnaie. Dreiundvierzig Dollar. Genug für einen Test und vielleicht ein paar Lebensmittel fürs Abendessen.

Bevor ich es verhindern konnte, keimte auf dem Weg nach unten eine Fantasie in mir auf: Jeffs Gesicht, das sich in ein Lächeln verwandelte, als ich ihm den Test zeigte. Wie er mich an sich zog, seine Hand auf meinen Bauch legte. Wie er mir versicherte, dass alles gut werden würde und wir das gemeinsam schaffen würden.

Wie er mich endlich so liebte, wie ich ihn seit fünf Jahren liebte.

Ich schüttelte den Kopf. Ich steigerte mich da in etwas hinein. Ich wusste ja noch nicht einmal, ob ich überhaupt schwanger war – es könnte genauso gut eine Grippe sein.

Gerade als ich die Tür erreichte, dröhnte Jeffs Stimme durch den Flur: „Wo willst du hin?“

Ich erstarrte. Die Tür zu Jeffs Arbeitszimmer stand offen, und er stand im Türrahmen und sah mich aus diesen kalten, grauen Augen an.

„Nur ein paar Besorgungen machen“, sagte ich und versuchte, meine Stimme ruhig zu halten. „Ich bin bald zurück.“

„Wen kümmert es schon, ob du zurückkommst oder nicht?“, spottete er und schlenderte davon in Richtung seines Zimmers. Das Knallen seiner Tür hallte im Raum nach, und ich seufzte.

Und dann saß ich in der Praxis des Arztes. Nach einigen Untersuchungen bestätigten sie das, was ich bereits geahnt hatte.

„Schwanger.“

„Ma’am, wir sind da“, riss mich die Stimme des Fahrers plötzlich aus meinen Gedanken. Ich starrte auf das große Gebäude vor mir.

Das ist der Ort, an dem sie mir mein Herz herausschneiden werden. Der Gedanke schoss mir unaufgefordert in den Kopf, und ich erschauerte.

Ich stieg langsam aus dem Wagen, und sofort traten zwei Männer an meine Seite.

Ich ging davon aus, dass es Jeffs Männer waren. Er hatte wirklich nichts dem Zufall überlassen, um sicherzustellen, dass ich heute hier war.

Ich schluckte und machte mich auf den Weg ins Krankenhaus.

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