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Ich ging gerade an einer einen Spalt breit geöffneten Tür vorbei, als das Geräusch eines sanften Lachens an mein Ohr drang und ich wie angewurzelt stehen blieb.
Die Stimme klang genau wie die von Irene. Ich trat näher heran und blickte durch den Spalt – und mein Herz blieb stehen.
Sie saß auf dem Bett, und Jeff saß neben ihr. Ihre Füße lagen auf seinen Oberschenkeln, und er massierte sie sanft.
Sie sagte etwas, und er lächelte sie mit so viel Zärtlichkeit im Blick an, dass mir die Tränen in die Augen stiegen.
Das Gesicht, das immer mürrisch, wütend oder gereizt aussah, wann immer er bei mir war, war genau das Gesicht, das meine Stiefschwester gerade anlächelte.
Ich hatte mich immer danach gesehnt, dass er mich mit einem so zärtlichen Ausdruck ansehen würde. Aber das tat er nie. Und jetzt sah ich ihn hier, wie er Irene anstarrte, als hätte sie die Sterne an den Himmel geholt.
Ich versuchte, den Kloß herunterzuschlucken, der sich plötzlich in meinem Hals festgesetzt hatte.
Beim Zusehen wurden mir einige Dinge klar: Er ist gar nicht so kalt. Er ist nur mir gegenüber kalt. Und er ist nicht unfähig zu lieben – er ist nur unfähig, mir Liebe zu zeigen.
Die Tränen liefen mir über die Wangen und raubten mir die Sicht.
Ich hatte mir schon eine Million Mal gesagt, dass ich ihn einfach gehen lassen sollte, aber mein Herz wollte einfach nicht auf mich hören. Es suchte weiterhin Ausreden für ihn und glaubte unentwegt daran, dass er sich eines Tages ändern und lernen würde, mich zu lieben. Es sind nun schon fünf Jahre vergangen, und er sieht mich immer noch mit demselben Spott an und beschuldigt mich nach wie vor, ihn in diese Ehe hineingetrickst zu haben.
Irene hustete plötzlich, und Jeffs Gesicht spiegelte sofort tiefe Sorge wider.
„Ich habe Durst, Jeff. Ich brauche bitte etwas Wasser“, murmelte sie, und Jeff stand hastig auf.
„Mach dir keine Sorgen, ich bin gleich zurück“, antwortete er, drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und ging auf die Tür zu.
Ich drückte mich flach an die Wand. Doch das wäre gar nicht nötig gewesen, denn er war viel zu sehr in seinen Gedanken versunken, um mich überhaupt zu bemerken.
„Wenn ich du wäre, würde ich ihn aufgeben. Denn Jeff kann dich niemals lieben, solange ich lebe“, sagte Irene plötzlich mit kräftigerer Stimme. Erschrocken wurde mir klar, dass sie meine Anwesenheit von Anfang an bemerkt hatte.
Ich ging langsam ins Zimmer und starrte sie kalt an. „Aber er ist mit mir verheiratet und nicht mit dir. Wenn ich du wäre, würde ich ihn aufgeben – denn egal, was du tust, er wird dich niemals heiraten, solange ich lebe.“
Irenes Gesicht verdunkelte sich vor Wut, und plötzlich brach sie in schallendes Gelächter aus. Nach einer Weile beruhigte sie sich wieder und sah mich kalt an.
„Genau deshalb sorge ich dafür, dass du diesen Planeten verlässt“, fauchte sie, und etwas in ihrem Tonfall verriet mir, dass das keine leeren Worte waren. Sie meinte es todernst.
„Was meinst du damit?“, fragte ich, und sie grinste hämisch.
„Ich brauche nicht nur Blut, ich brauche auch ein Herz. Und du wirst beides spenden.“
Ich spürte, wie mir bei ihrer Anspielung das Blut aus dem Gesicht wich, und sie lachte über meine Reaktion.
„Egal welchen Test du heute machst, er wird zeigen, dass du die rechtmäßige Spenderin bist. Und dann wird man dir dein Herz herausreißen. Aber es wird keine Transplantation geben, und du, liebe Schwester, wirst weg sein… Puff…“, sagte sie und machte mit den Fingern eine Handbewegung, als sie „Puff“ aussprach.
„Du wirst in die Hölle fahren, um deine wertlose Mutter dort zu treffen“, fauchte sie. Und eine Wut, wie ich sie noch nie zuvor gespürt hatte, überkam mich.
Wie konnte sie es wagen, so etwas durchzuziehen und zu planen, mich und mein Baby zu töten?!
„Wie kannst du es wagen!“, kreischte ich und packte sie am Hals.
„Du wirst sterben, bevor ich zulasse, dass du mir etwas antust!“, zischte ich und zerrte sie vom Bett.
„Lass mich los, du Schlampe!“, kreischte sie und versuchte sich loszureißen, aber ich dachte nicht daran, sie so leicht davongehen zu lassen.
Plötzlich ging die Tür auf, und aus dem Augenwinkel sah ich den schockierten Gesichtsausdruck auf Jeffs Gesicht.
„Was zum…“, brüllte Jeff, bevor er auf uns zustürzte.
Er packte mich mit so viel Gewalt, dass ich umgefallen wäre, wenn er mich nicht festgehalten hätte.
Seine Handfläche traf meine Wange so hart, dass mein Kopf durch die Wucht des Schlags nach hinten flog.
Ich stand einen Moment lang völlig benommen da.
Jeff mag all die Jahre kalt zu mir gewesen sein und mir nie Zuneigung gezeigt haben, aber er hatte mich noch nie geschlagen. Dass er ausgerechnet wegen seiner Geliebten die Hand gegen mich erhob, traf mich tiefer als alles andere.
Ich konnte das Blut in meinem Mund schmecken und wusste auch ohne Spiegel, dass meine Lippe geplatzt war.
Einen Augenblick lang wirkte er selbst schockiert über seine Tat, doch dann wurde sein Blick wieder von blinder Wut erfüllt.
„Wie kannst du es wagen, deine Hände an eine kranke und hilflose Person zu legen?!“, brüllte er, und mein fassungsloser Blick fiel auf Irene.
Sie schluchzte leise, war zu ihm gelaufen und versteckte sich nun hinter seinem Rücken, während sie das Weinen nur vorspielte.
„Krank und hilflos…“, wiederholte ich. Mein spöttisches Lachen galt mir selbst und dem schlechten Witz, zu dem mein Leben geworden war.
„Diese Frau ist nicht krank! Und sie will mein Herz!“, sagte ich verzweifelt, in der vergebliche Hoffnung, er würde mir glauben. Doch seine nächsten Worte zerstörten auch diesen letzten Funken Hoffnung.
„Es reicht! Du kannst ihr nach der Bluttransfusion auch gleich dein Herz spenden!“, giftete er. Ich weicht zurück, als hätte er auf mich geschossen. Ich starrte ihn an, als sähe ich ihn zum allerersten Mal.
„Du willst, dass ich ihr mein Herz spende?“, flüsterte ich heiser, während mein eigenes Herz vor Schmerz verkrampfte. Seine Augen wichen meinem Blick für einen kurzen Moment aus, ehe er mich wieder ansah.
„Das ist das Mindeste, was du tun kannst, nachdem du mich in diese Ehe hineingetrickst hast… Du hast uns auseinandergerissen.“
Ein bitteres Lachen stieg tief aus meinem Inneren auf und brach sich Bahn; es kam mir wie ein einziger schlechter Scherz vor. Wie konnte er nur so grausam sein?
„Sie will mich einfach nur töten, Jeff! Und du lässt es zu! Sie hat kein Herzproblem und braucht auch keinen Blutspender – es geht ihr blendend!“
„Willst du mir etwa erzählen, dass die Ärzte lügen und sie für einen Urlaub hier im Krankenhaus ist?“, fragte er kalt.
„Warum glaubst du mir nicht?! Sie hat es mir selbst gesagt, dass sie herzkrank ist… Sie hat die Ärzte einfach bestochen, um sie auf ihre Seite zu ziehen!“
„Es reicht, Claire! Dieses Krankenhaus gehört den Andersons… Es gehört mir. Und ich habe keine Pfuscher eingestellt, um mein Krankenhaus zu leiten!“
Ich öffnete den Mund, um ihm zu widersprechen, aber Irene fiel mir ins Wort.
„Ich weiß, dass du mich nie als deine Schwester gemocht hast, Claire. Aber bitte beleidige nicht Jeffs Krankenhaus, denn alle Ärzte hier sind Profis“, sagte sie zwischen zwei Hustenanfällen. Jeff führte sie behutsam zum Bett, damit sie sich hinlegen konnte, bevor er sich wieder mir zuwandte.
Irene packte seinen Arm, und er blickte zu ihr herunter.
„Ich glaube, Claire ist wütend, weil sie mir ihr Herz nicht geben will. Vielleicht sollten wir nach jemand anderem suchen, der…“
„Claire wird ihr Herz spenden, ob es ihr gefällt oder nicht!“, knirschte Jeff mit den Zähnen und funkelt mich an. Hinter seinem Rücken konnte ich sehen, wie Irene mich hämisch angrinst.
„Ich werde nicht spenden!“, erwiderte ich stur und wollte hinausgehen. Doch an der Tür wurde ich von den Wachleuten abgefangen, die ich vorhin draußen gesehen hatte, als ich im Krankenhaus angekommen war.
Mit einem Kopfnicken von Jeff packten sie michund zerrten mich gewaltsam in Richtung Operationssaal.
Jeff wachte auf dem Sofa auf. Sein Kopf hämmerte und sein Mund fühlte sich trocken wie Stroh an.Er trug noch die Kleidung vom Vortag. Im Haus war es mäuschenstill – und dann kam schlagartig alles wieder hoch. Er stöhnte auf.Die Treppe knarrte und Irene erschien in einem seidenen Morgenmantel, das Haar perfekt gestylt und ein dunkler Bluterguss, der auf ihrer Wange aufblühte.Sie sah ihn kalt an. „Du hast mich vor den Augen unseres Sohnes geschlagen.“ Sie berührte die blaue Stelle behutsam.Jeff stand auf und ihm drehte sich der Kopf. Er wusste bereits, dass sie die Situation schamlos ausnutzen würde.„Irene… ich war betrunken und du…“„Das macht es nur noch besser, Jeff… so viel besser, denn das wird Konsequenzen haben“, knirschte sie hervor und trat mit einem grausamen Lächeln näher.Sein Blut kochte, aber er bewahrte die Ruhe und starrte sie nur an.„Ich könnte sofort die Polizei rufen und dich wegen häuslicher Gewalt festnehmen lassen. Ich habe den Bluterguss und ich habe einen Z
Jeff fuhr ziellos durch die Stadt, die Hände fest um das Lenkrad geklammert, während seine Gedanken rasenden Kreis drehten.Er landete schließlich in einer Bar in der Innenstadt und ging hinein.„Whiskey. Pur“, bestellte er und nahm Platz.Der Barkeeper goss ein, und Jeff kippte das Glas auf ex herunter. Das Brennen tat gut, also bestellte er noch einen.Und noch einen.Nach dem vierten Glas verlor er den Überblick. Seine Sicht begann zu verschwimmen und seine Brust fühlte sich schwer an.Immer wieder tauchte Ambers Gesicht vor seinem inneren Auge auf – wie sie Irenes Hand abgefangen hatte und der Ekel in ihren Augen, als sie sagte: „Ihre Frau sollten Sie besser im Griff haben.“Warum beschäftigte ihn Amber nur so sehr? Es reichte nicht schon, dass sie wie Claire aussah; er wünschte sich, sie wäre Claire.Stunden vergingen, bis der Barkeeper schließlich sagte: „Mein Herr, wir schließen gleich. Lassen Sie mich Ihnen ein Taxi rufen.“Jeff widersprach nicht.Das Taxi setzte ihn vor seine
Irene schrie vor Wut und trat gegen die Seite einer Mülltonne am Straßenrand, die laut schepperte, bevor sie umkippte.Ihre Brust hob und senkte sich schwer, ihr Gesicht war rot angelaufen und ihre Hände waren zu Fäusten geballt.„Wie kannst du es wagen, mir das anzutun, Jeff?“, knurrte sie.Ihr Telefon klingelte und sie riss es aus ihrer Handtasche, bereit, es auf den Boden zu schleudern.Unbekannte Nummer.Sie nahm mit einer Stimme voller Gift an. „Was?“„Hallo Schatz, hast du mich vermisst?“Die Männerstimme war geschmeidig und spöttisch und ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren.„Matt?“, kam ihre Stimme erstickt heraus. „Warum zum Teufel rufst du mich an?“„Tsk, tsk, tsk.“ Sein Lachen war leise und gefährlich. „Dieser Ton sagt mir, dass du mich überhaupt nicht vermisst hast, und ich bin verletzt, Irene, wirklich verletzt.“Irenes Kiefer spannte sich an und ihre freie Hand ballte sich zur Faust. Sie hatte keine Zeit für so etwas.„Fahr zur Hölle“, zischte sie hervor.Sie beendet
Der Pressekonferenzraum war vollgepackt mit Reportern und Kameras, und Claire saß neben Jeff an dem langen Tisch, während ihr Herz so heftig pochte, dass sie glaubte, es würde gleich ihre Brust sprengen.Sie bewahrte eine neutrale und professionelle Miene, während ihre Handflächen unter dem Tisch feucht vor Schweiß waren.Jeff lehnte sich vor und seine Stimme klang klar und fest. „Vielen Dank für Ihr Kommen. Der heutige Tag markiert einen bedeutenden Übergang für Anderson Industries.“Er hielt inne und warf Claire einen Blick zu; der kurze Blickkontakt ließ ihren Magen Achterbahn fahren. „Mit sofortiger Wirkung wird mein Unternehmen mit der Andersons Corporation fusionieren, und wir werden künftig als eine einheitliche Struktur agieren.“Kameras blitzten auf und Claire blinzelte gegen das Licht an, während sie versuchte, weiterhin normal zu atmen.„Darüber hinaus wird Sterling Solutions unter der Leitung von Frau Amber Clark eine Tochtergesellschaft werden, und wir werden zusammenarbe
Die Fahrstuhltür ertönte mit einem Piepen und Claire trat heraus, ihre Absatzschuhe klackten laut auf dem Marmorboden, während sie den Weg nach draußen einschlug.„Amber, warte.“Jeffs Stimme kam von hinten und sie hörte seine Schritte schneller werden, um sie einzuholen.Irene und Zane waren schon früher nach Hause gegangen, und Jeff hatte nach einer Gelegenheit gesucht, mit Amber zu sprechen.„Amber, bitte, ich muss erklären, was da draußen gerade passiert ist.“Claire hielt inne und drehte sich mit kaltem Gesichtsausdruck zu ihm um.Jeff eilte auf sie zu, sein Gesicht war rot angelaufen und seine Augen wirkten verzweifelt.„Das war nicht so, wie es aussah, und ich habe nicht geplant, dass Irene einfach so auftaucht“, kamen die Worte überstürzt aus ihm heraus. „Sie hat mich vor den Reportern überrumpelt, und Zane war dabei, und ich konnte nicht ...“„Es interessiert mich nicht.“ Claires Stimme war wie Eis, als sie ihn unterbrach.Jeff hielt mitten im Satz inne und starrte sie an.„W
Jeff stand vor Andersons Konzern und Reporter schwärmten um ihn herum, noch bevor er den Eingang erreichen konnte, während Kameras in sein Gesicht blitzten und ihm Mikrofone entgegengehalten wurden.„Mr. Anderson, ist es wahr, dass Ihr Unternehmen kurz vor dem Konkurs steht?“„Wie planen Sie, den Konzern Ihres Großvaters zu leiten, wenn Ihr eigenes Unternehmen in der Krise steckt?“„Beeinträchtigt die Scheidung Ihre Führungsfähigkeit?“Jeff hielt den Kopf gesenkt und drängte sich vorwärts. „Kein Kommentar.“„Mr. Anderson, Investoren ziehen sich zurück und die Aktienkurse fallen. Was haben Sie dazu zu sagen?“„Stimmt es, dass der Unfall Ihres Sohnes durch Eheprobleme verursacht wurde?“Jeffs Kiefer spannte sich hart an. „Ich habe gesagt: kein Kommentar.“„Lassen Sie und Ihre Frau sich nun scheiden oder nicht?“„Wer sagt denn, dass wir uns scheiden lassen?“, fragte eine weibliche Stimme von hinten.Die Reporter wirbelten herum und auch Jeff drehte sich um. Er sah Irene auf sie zukommen,







