로그인Ellies PerspektiveAn diesem Abend brachte Dominic mich nach Hause, ohne mich zu fragen.Ich sagte ihm immer wieder, dass ich das nicht wollte, doch er schob mich einfach weiter. Im Bus nahm er mich sogar auf die Arme und behielt mich die ganze Fahrt über auf dem Schoß, während mein Rollstuhl im Gepäckbereich stand. Das war peinlich genug, aber dann lobte ihn auch noch eine ältere Dame.„Was für ein lieber Freund.“ Beim Lächeln vertieften sich ihre Fältchen.Warum auch immer – keiner von uns widersprach ihr. Und dadurch wurde mir nur noch wärmer, während ich mich mit aller Kraft an Dominic klammerte. Seine Hand schloss sich fester um meine Schulter, den Blick hielt er starr aus dem Fenster gerichtet.Dominic verlor einfach nie die Fassung.Als wir mein Haus erreichten, rechnete ich damit, dass er mich vor den Eingangsstufen absetzte. Stattdessen hob er den ganzen Rollstuhl mitsamt mir hoch. Ich quiekte erschrocken auf. Dominic trug mich die Stufen hinauf und ... einfach ins Haus
Ellies PerspektiveIch brauche keinen Rollstuhl.Das redete ich mir immer wieder ein, während ich darin saß und die Finger fest gegen meine Schläfe drückte. Hinter meinen Augen pochte der Schmerz in seinem eigenen Rhythmus. Ich konnte stehen. Ich konnte gehen. Für kurze Zeit konnte ich sogar so tun, als ginge es mir gut, wenn ich mich nur genug anstrengte.Aber auf meinen Stolz nahm der Schmerz keine Rücksicht.Langsam kroch er heran, breitete sich dumpf in meinem Schädel aus und ließ die Übelkeit in mir aufsteigen. Alles schien leicht zu kippen, die ganze Welt aus dem Gleichgewicht zu geraten. Nach mehreren Tagen war es einfach leichter, nicht mehr dagegen anzukämpfen. Sitzen zu bleiben. Mich vom Rollstuhl tragen zu lassen, statt Kraft zu verschwenden, die ich nicht hatte.Lucas half mir ... wirklich sehr. Er schob mich überallhin, aber seine Fürsorge war so hartnäckig, so erdrückend, dass ich das Gefühl bekam, nie wieder gesund zu werden.Gerade erst schickte ich ihn zum Mittag
Dominics SichtBeim Rollstuhl war für mich eine Grenze erreicht.Ich entdeckte ihn auf halbem Weg durch den Flur. Ellie saß viel zu aufrecht darin, die Hände im Schoß gefaltet, und schien nicht zu wissen, ob sie sich schämen oder gleich würgen sollte. Lucas hockte neben ihr und stellte die Fußstützen ein, mit der blanken Angst im Gesicht, dabei etwas falsch zu machen.Etwas in meiner Brust tobte los.Ich versuchte, bis zehn zu zählen. Den Rat gab mir meine Mutter, als ich acht war.Funktionierte damals nicht. Funktionierte jetzt auch nicht.In der Mittagspause nahm ich Lucas’ Fährte auf und folgte ihm, bis sonst niemand mehr auf dem Flur war.„Hey“, rief ich scharf. „Hey!“Lucas erstarrte.Lucas drehte sich um, bereits in Abwehrhaltung und sichtlich müde. „Fang gar nicht erst an.“„Womit nicht?“, fauchte ich. „Fragen, warum sie in einem verdammten Rollstuhl sitzt?“„Das geht dich nichts mehr an.“Ich trat näher und rückte ihm gerade weit genug auf die Pelle, um ihn daran zu
Lucas’ Blick traf meinen.Ich verengte die Augen.Lucas wandte den Blick langsam von mir ab und sah zu Ellie. Ich konnte das Lächeln in dieser „sanften“ Stimme hören, die er nur ihr gegenüber anschlug.Ich richtete mich auf und ging, bevor jemand die Tür öffnete und mich hier wie einen Idioten herumlungern sah.Ihn wollte sie ja sowieso sehen.—Am nächsten Tag sah ich sie auf dem Flur.Ellie war blass. Das fiel mir zuerst auf. Nicht ihr Kleid oder die Art, wie Lucas ihr wie ein Wachhund mit Angststörungen nicht von der Seite wich, sondern wie ... ausgelaugt sie aussah.Ich hatte ... keine Ahnung, was los war, aber Ellie sah ausgehungert aus. Nach nur einem Tag.Ellie presste beim Gehen eine Hand an die Schläfe. Ihre Schritte waren vorsichtig, abgemessen. Jede schnellere Bewegung schien den Boden unter ihr ins Wanken bringen zu können.Ellie stolperte einmal.Lucas fing sie sofort auf.Ich umklammerte den Riemen meiner Tasche, bis meine Knöchel weiß hervortraten.Wenn ich
Dominics SichtIch versteckte mich nicht vor der Krankenstation.Ich stand nur strategisch äußerst günstig neben der Tür.Das war ein Unterschied.Die Tür stand gerade weit genug offen, dass Stimmen hindurchdrangen. Ich lehnte mit verschränkten Armen an der Wand und tat so, als gehörte ich hierher. Als wartete ich auf jemanden.„... keine Auffälligkeiten“, sagte drinnen eine Heilerin. „Manchmal äußert sich Stress körperlich.“Stress.Ich schnaubte beinahe.Ellie legte einmal unter Stress eine Prüfung ab, die so manipuliert war, dass ein Bestehen praktisch unmöglich schien. Sie schlief in zwei Tagen vielleicht insgesamt vier Stunden und korrigierte bei den Sanitätsübungen trotzdem noch meine Technik. Ellie fiel bei Stress nicht in Ohnmacht. Sie knurrte ihn an. Und mich.Ich wusste, wie sie unter Stress aussah.Das hier war etwas anderes.Durch das dünne Holz hörte ich ihre Stimme – leise, benommen, kaum bei Bewusstsein –, und etwas in meiner Brust zog sich zusammen, bevor ich
Ellies SichtIch erwachte mit dem deutlichen Gefühl, in ein Säurebecken geworfen worden zu sein. Alles brannte, war heiß, und mein Körper lag irgendwo, ohne meine Zustimmung.Die Decke über mir war zu weiß, zu hell. Das Licht summte leise und drückte gegen meinen Schädel. Mein Kopf pochte dumpf, nicht mehr stechend wie zuvor, sondern schwer, wie mit nassem Sand vollgestopft, den jemand vergaß, wieder herauszuholen.Ich blinzelte ein paarmal und versuchte, mich zu orientieren.„Ach du –“ Ich fasste mir an den Kopf.Die Krankenstation.Langsam wurde mir klar, wo ich war. Meine Glieder schmerzten, hinten im Hals lag ein schwacher Metallgeschmack. Ich bewegte mich und bereute es sofort, als Übelkeit durch mich rollte.„Langsam“, sagte jemand, und eine Heilerin trat in mein Blickfeld. Eine meiner Ausbilderinnen. „Du bist ohnmächtig geworden. Versuch erst mal nicht, dich aufzusetzen.“Ich schluckte trocken. „Was ... was ist passiert?“Oh Götter, klingt meine Stimme wirklich so? So r







