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Die gezeichnete Heilerin des Alphas
Die gezeichnete Heilerin des Alphas
Author: Sada Vii

Kapitel 1: Teure Käfige

Author: Sada Vii
last update publish date: 2026-08-30 20:11:50

Der Schlag traf meine Wange mit einem Knacken, das durch meinen Schädel schoss.

Ich schlug hart auf dem Boden auf, und mein Körper krümmte sich in sich zusammen. Meine Lippen brachten keinen Schrei hervor. Meine Hände hoben sich nicht, um sich zu wehren. Ich hatte schon vor langer Zeit gelernt, sein stummer Sandsack zu sein.

Meine Wange pulsierte gegen das Hartholz. Kupfergeschmack füllte meinen Mund, doch ich rührte mich nicht. Ich konnte mich nur auf meinen Atem konzentrieren.

Solange ich weiteratmete, würde alles gut werden.

Lucan stand einen Augenblick lang über mir. Vielleicht zwei, ich wusste es nicht mehr.

Er verlor kein einziges Wort; damit hatte er schon vor langer Zeit aufgehört. Er strich die Manschette seines Hemdes glatt, atmete einmal vernehmlich durch die Nase aus, als wäre ich eine Unannehmlichkeit, die nun endlich beseitigt war, und drehte sich um.

Die Tür klickte leise ins Schloss hinter ihm.

Mein Körper weigerte sich noch immer, sich zu bewegen.

Der Schmerz setzte erst langsam ein und fraß sich dann tiefer, bis ich ihn überall spürte. Ich hob einen Finger an mein Gesicht. Die Hitze bei der Berührung ließ mich zischen, und die vertraute Schwellung trieb mir einen dicken Kloß in den Hals.

Die Decke über mir wurde scharf. Unwillkürlich fiel mein Blick auf den hohen, verzierten Kristallkronleuchter, der das sterbende Nachmittagslicht einfing, die schweren Samtvorhänge und das Himmelbett, in dem ich es hasste zu schlafen. Das war der Preis, den ich für ein Leben im Luxus zahlen musste.

Bleib.

Der Gedanke hallte in meinem Kopf wider. Ich sollte aufstehen. Das Blut abwaschen. Den Bluterguss kühlen. Ihn verstecken, bevor ihn jemand sieht. So tun, als wäre ich noch immer die Luna des Ironclaw-Rudels und nicht die Frau, die so lebte. Doch mein Körper wollte einfach nicht gehorchen. Er kannte die Routine. Er wusste, dass die Stille danach noch schlimmer war.

Im Zimmer blieb es ruhig, aber ich hörte seine Schritte den Flur hinab verhallen.

Ich murmelte ein leises Dankgebet an die Mondgöttin. Es sah so aus, als bliebe mir heute Abend eine zweite Runde erspart.

Mein Telefon vibrierte auf dem Nachttisch.

Ich starrte es an. Vier Ruftöne. Fünf. Xenas Name leuchtete auf dem Display. Ich hob meinen schweren Arm und nahm ab.

Meine Lippen brachten keinen Laut hervor.

Die Leitung blieb lange Zeit stumm, bevor Xena sprach. „Schon wieder?“

Ein Schluchzen riss sich aus meiner Kehle, und dann kamen die Tränen. Meine Schultern bebten, und ich presste meine freie Hand auf die Augen, atmete dagegen an, aber sie wollten nicht aufhören.

Xena blieb in der Leitung, so wie immer.

Nach einem Moment drängte sie: „Du kannst das nicht ewig so weitermachen, Raven. Er wird nicht aufhören. Du bist die Luna, und du liegst verdammt noch mal schon wieder auf dem Boden. Niemand in diesem Rudel wird dir helfen, vor allem nicht, wenn du weiter die glückliche Gefährtin vorspielst.“

Ich schluckte Blut hinunter. „Du weißt, warum.“

Sie schwieg und wartete.

Ich rang nach Worten, doch sie kamen nur bruchstückhaft hervor. „Es ist nicht nur er. Die Bindung … es war eine arrangierte Verbindung, das weißt du doch. Es geht um Politik, Xena. Wenn ich weglaufe, zerbricht die Allianz. Ironclaw wird das nicht zulassen. Sie werden mich jagen. Mich zur Feindin erklären und eine Verräterin nennen. Meine Familie … sie wird mich nicht aufnehmen. Sie können es nicht. Der Preis ist zu hoch. Ich wäre ganz allein.“

Diesmal schwieg Xena noch länger.

„Ich habe nichts“, flüsterte ich mit brüchiger Stimme. „Keinen Ort, an den er oder das Rudel nicht herankommen.“

Sie schwieg immer noch. Dann, als ich dachte, sie hätte das Thema endgültig aufgegeben, sagte sie: „Ich komme vorbei.“

Mein Herz setzte einen Schlag aus.

„Nein. Xena, tu das nicht. Das macht es nur noch schlimmer. Das wird ihm überhaupt nicht gefallen.“

Sie hatte bereits aufgelegt.

Ich presste das Telefon an meine Brust und betete zur Göttin, in der Hoffnung, die Lage nicht gerade noch verschlimmert zu haben.

Mit zitternden Beinen zwang ich mich aufzustehen und schleppte mich ins Badezimmer. Ich spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht, obwohl es brannte wie Feuer. Ich strich mir die Haare nach vorn, um so viel wie möglich zu verdecken. Im Spiegel wirkten meine braunen Augen tot.

Ich wandte mich rasch ab.

Unten bewegte ich mich so langsam wie möglich, denn jeder Schritt schmerzte. Das Haus fühlte sich zu groß an, und doch schien es, als könnte ich dem, was gerade in unserem Schlafzimmer geschehen war, niemals entkommen, ganz gleich, wie weit ich ging. Meine Füße trugen mich dennoch weiter.

Ich bog um die Ecke, und die Welt blieb stehen.

Zwei vertraute, leise Stimmen drangen an mein Ohr.

Lucan stand viel zu nah bei meiner Schwester Riley. Seine Hände umfassten ihr Gesicht auf eine Art, wie er meines noch nie berührt hatte. Er hob ihr Kinn an und küsste sie, als würde er jeden einzelnen Augenblick auskosten.

Mir schnürte es die Kehle zu. Mein Magen krampfte sich zusammen.

Mein Herz zog sich in der Brust schmerzhaft zusammen.

Das durfte nicht wahr sein. Ich bildete mir das ein. Ich musste mir das einfach einbilden.

Lucan wanderte mit seinen Lippen an ihr Ohr und flüsterte etwas, das ich nicht verstehen konnte. Meine Schwester lächelte und lehnte sich noch tiefer in seine Umarmung.

Ich ertrug es nicht mehr.

„Riley?!“ Der Name riss sich aus mir heraus, meine Stimme gebrochen und kaum mehr als ein Hauch.

Riley fuhr zurück, und ihre Augen trafen die meinen. Ihre Wangen waren gerötet. Eine Hand lag noch immer auf Lucans Brust, ihre Finger in sein Hemd gekrallt, als gehörte sie genau dorthin. Sie sprach kein Wort, entschuldigte sich nicht einmal. Sie musterte mich nur mit verengten Augen, als forderte sie mich stumm heraus.

Lucan wandte langsam für einen Herzschlag den Kopf zu mir, dann blickte er wieder zu Riley.

Er tat das Unfassbare und küsste sie erneut, während sein Blick dabei zu mir hinüberglitt.

Es war real. Meine Augen füllten sich mit heißen Tränen, und das hatte nichts mit den Schlägen zu tun, die ich gerade eingesteckt hatte.

Er ließ sie los und ging auf mich zu.

Instinktiv wich ich einen Schritt zurück.

Er schloss die Lücke zwischen uns, und der Geruch meiner Schwester an ihm drehte mir erneut den Magen um. „Jeder Tag, an dem ich neben dir aufwache, erinnert mich nur daran, dass man mir mein Leben gestohlen hat. Der Tag, an dem sie uns aneinandergebunden haben, war der schlimmste Tag meines Lebens.“

Die Worte trafen mich bis ins Mark.

Dann klatschte seine Hand erneut gegen mein Gesicht.

Diesmal noch härter.

Ich ging zu Boden. Weißes Licht explodierte hinter meinen Augen. Meine Ohren dröhnten von der Wucht des Aufpralls, und der Schmerz flammte von Neuem in meiner Brust auf. Ich schmeckte noch mehr Blut. Mein Körper rollte sich schutzsuchend zusammen. Für einen Moment konnte ich weder atmen noch einen klaren Gedanken fassen.

Mit keuchender Brust stemmte ich mich auf Hände und Knie. Tränen brannten in meinen Augen, aber ich presste die Worte dennoch hervor. „Diese Verbindung ist größer als wir beide. Die Allianz … sie hält das Rudel zusammen. Das weißt du. Mich zu verstoßen … wird alles kosten.“

Er starrte auf mich herab, und ich sah die Verachtung in seinen kalten Augen aufblitzen.

„Hör auf!“

Ich sprach weiter.

Auf Händen und Knien in meinem eigenen Wohnzimmer, voller Blutergüsse und am ganzen Leib zitternd. „Denk an das Rudel. An das Gleichgewicht. Bitte …“

„Ich habe gesagt, hör auf.“

„Wir können das wieder hinbiegen. Die Allianz …“

„Es reicht!“, brüllte er, und der Schrei schnitt wie Donner durch den Raum. „Du bedeutest mir nichts. Ich verstoße dich. Das Band ist durchtrennt. Die Scheidungspapiere werden eingereicht.“

Die Worte rissen meine Welt in zwei Hälften.

Heiße Tränen strömten über meine Wangen. Ich blieb knien, die Hände fest auf die Fliesen gepresst. Mein Körper hörte nicht auf zu zittern. Ich wusste, was das bedeutete. Eine verstoßene Luna war schlimmer dran als eine Tote. Das Rudel würde sich gegen mich wenden. Meine Familie würde mich nicht beschützen. Ich wäre ein Nichts.

„Bitte“, brachte ich mühsam hervor. „Überlege es dir noch einmal. Tu das nicht heute Nacht. Lass mich …“

Er hörte mir gar nicht zu.

Ohne mein Zutun glitt meine Hand über meinen Bauch. Das Geheimnis, das ich seit Wochen ganz allein mit mir herumgetragen hatte, fraß mich von innen auf.

Ich blickte auf meine Hand hinab und rechnete fieberhaft durch die Tränen und den Schmerz hindurch. Wenn ich es ihm jetzt sagte …

Die Haustür ging auf.

Xena trat ein.

Ein einziger Blick auf mich am Boden, die Hand auf dem Bauch, die Tränen im Gesicht, auf Lucan, der über mir aufragte, und auf Riley, die wie erstarrt hinter ihm stand – und sie überquerte den Raum mit drei schnellen Schritten. Sie stellte sich wie ein Schutzschild zwischen uns.

Sie ging in die Hocke, packte mich am Arm und zog mich hoch. Meine Beine gaben fast nach, aber sie stützte mich mit aller Kraft.

Dann wandte sie sich mit zusammengekniffenen Augen und finsterer Miene an Lucan.

„Du wertloser Bastard. Du schlägst sie, als hättest du jedes Recht dazu. Du vögelst ihre Schwester in dem Haus, das du mit ihr teilst. Du schimpfst dich Alpha, während du das Einzige zerstörst, was diesem Rudel an Gutem noch geblieben ist. Ich hoffe, die Göttin lässt dich an jedem Funken Macht ersticken, den du ihr gestohlen hast.“

Lucans Gesicht verzerrte sich zur Fratze. Er holte aus, um sie zu schlagen.

Xena war schneller. Sie riss eine schwere Kristallvase vom Beistelltisch und schleuderte sie nach ihm. Das Glas zerschellte nur wenige Zentimeter neben seinem Kopf an der Wand.

Sie zögerte keine Sekunde.

Sie schlang den Arm um mich, zog mich fest an ihre Seite und zog mich mit sich. Wir hasteten nach draußen. Die kalte Nachtluft traf mein geschwollenes Gesicht und ließ den Schmerz nur noch tiefer brennen. Die Tür fiel hinter uns mit einem Krachen ins Schloss, das meine Knie vollends einknicken ließ.

Xena brachte mich zum Wagen und schob mich auf den Beifahrersitz. Sie stieg auf der Fahrerseite ein und startete den Motor, fuhr aber nicht los. Ihre Finger krallten sich so fest ins Lenkrad, dass ihre Knöchel weiß hervortraten.

Ich saß einfach nur da. Die Hände im Schoß. Alles fühlte sich unendlich weit weg an. Betäubt. Wund.

Xena wandte sich zu mir um, setzte gerade an, etwas zu sagen.

Ich kam ihr zuvor.

„Ich bin schwanger.“

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