LOGINEs klopfte an der Tür, gerade als Vivienne sich in das rote Kleid zwängte, das Lucien ihr besorgt hatte.„Ich komme“, murmelte sie, ging zur Tür und öffnete sie. „Was hat so lange gedauert?“„Ich musste ein paar Besorgungen machen.“ Priya trat mit einigen Akten in der Hand ein. „Hast du lange gewartet?“„Du willst nicht, dass ich darauf antworte, glaub mir.“ Vivienne öffnete ihren Kleiderschrank und holte ein Paar schwarze Schuhe heraus.„Tut mir leid.“ Priya legte die Akten ab und half ihr, den Reißverschluss hochzuziehen. „Schönes Kleid.“„Lass das.“ Vivienne warf ihr einen bösen Blick zu.„Was denn?“„Ich weiß, dass es ein schreckliches Kleid ist; ich bekomme kaum Luft darin.“ Sie atmete langsam aus.„Schrecklich?“ Priya blinzelte. „Ist dir überhaupt klar, was das ist?“„Ein Kleid?“„Ja. Aber es ist das neueste Design von Oscar de la Renta; es ist sehr schwer zu bekommen.“„Okay …“„Dein Freund hat eindeutig einen tollen Geschmack.“ Sie grinste.Vivienne runzelte bei dieser Bemerku
Vivienne betrat das Café „Black Bubbles“; in der einen Hand hielt sie eine Ledermappe, in der anderen ihr Handy.Schnellen Schrittes ging sie zu dem Tisch in der Fensternische hinüber. Dort saß eine Frau, die bedächtig an ihrem Kaffee nippte und dabei immer wieder auf ihre Armbanduhr blickte.„Hallo, Martha.“ Sie schenkte der Frau ein Lächeln, bevor sie sich setzte. „Danke, dass du dich so kurzfristig mit mir triffst.“„Natürlich.“ Martha rückte ihre Sonnenbrille zurecht. „Du klangst am Telefon ziemlich dringlich.“„Ja“, seufzte Vivienne und fuhr sich mit der Hand durchs Haar.Martha war eine alte Freundin aus Studienzeiten. Sie war eine landesweit bekannte Journalistin – eine der wenigen Personen, die es verstanden, mit einer einzigen Geschichte jede Situation in eine bestimmte Richtung zu lenken.Sie und Vivienne hatten in der Vergangenheit schon einige Male zusammengearbeitet, und genau sie war es, die sie jetzt brauchten, wenn sie Luciens Ruf innerhalb der vorgegebenen Zeit tatsäc
Der Wecker auf dem Nachttisch klingelte zum zweiten Mal.Vivienne streckte die Hand aus und schlug ihn gegen die Wand, ohne die Augen zu öffnen. Es war bereits acht Uhr morgens, doch sie hatte in der Nacht kaum geschlafen.Wegen Mr. Renauds neuem Vorschlag hatte sie die ganze Nacht wach gelegen und überlegt, wie sie Luciens öffentliches Image innerhalb von dreißig Tagen retten könnte – ein absurdes und fast unmögliches Unterfangen angesichts der völlig verfahrenen Situation.„Irgendwann treibt er mich noch in den Wahnsinn“, murmelte sie vor sich hin, bevor sie sich aus dem Bett zwang.Ihr Handy klingelte, gerade als sie aus der Dusche kam. Sie überlegte kurz, den Anruf zu ignorieren, doch das konnte sie natürlich nicht; er würde sonst so lange anrufen, bis ihre Nerven blank lagen.„Ja, Marcus.“ Sie schaltete auf Freisprechen und legte das Handy auf die Frühstückstheke, während sie sich einen Kaffee zubereitete.„Hast du schon einen Plan?“, fragte er am anderen Ende der Leitung.„Warum
Das Büro des Sponsors roch nach Leder und Geld – ein Geruch, den Vivienne in den letzten Jahren mit dem drohenden Unheil eines höflichen Gesprächs verknüpft hatte, hinter dem sich die Enttäuschungen eines ganzen Lebens verbargen.„Mr. Renaud empfängt Sie jetzt“, sagte die Assistentin. Vivienne betrat das Büro und sah dem Gespräch bereits mit Bangen entgegen; am Morgen hatte sie zwei Textnachrichten von Marcus erhalten, die jeweils nur ein einziges Wort enthielten: *Wappne dich*.Damien Renaud – der Mann, der einen Sponsorenvertrag in neunstelliger Höhe unterzeichnet hatte – wirkte jünger, als sie es bei jemandem Mitte vierzig erwartet hätte; das Grau an seinen Schläfen milderte sein Profil nicht im Geringsten, auch wenn der Haarschnitt zweifellos ein Vermögen gekostet hatte.Der Mann hinter dem Schreibtisch erhob sich nicht, als sie eintraten, was Vivienne ihn augenblicklich unsympathisch finden ließ.„Lucien“, sagte Renaud und musterte bereits den Mann an ihrer Seite, „und Sie müssen
Vivienne breitete die Unterlagen um Mitternacht auf ihrem Küchentisch aus, denn das war offenbar die einzige Zeit, in der ihre Gehirnzellen noch wussten, wie man funktioniert.Sie starrte auf die öffentlichen Aufzeichnungen zu Lucien Cross aus den letzten sechs Jahren, bis die Worte vor ihren Augen zu verschwimmen begannen.„Okay“, sagte Priya, ihre Assistentin, während sie ihr Handy zwischen Schulter und Ohr balancierte und gleichzeitig auf dem Laptop auf ihrem Schoß nachsah. „Ich habe die Vorfallsberichte gefunden. Alle. Willst du nur die Highlights oder das volle Programm?“„Das volle Programm“, sagte Vivienne. „Ich biege nichts gerade, was ich nicht voll und ganz verstehe.“„Mit zweiundzwanzig: eine Schlägerei in einer Bar in Mailand, keine Anzeige, drei Zeugen, die aussagten, dass Cross den ersten Schlag geführt hat“, begann Priya. „Das Video ist anscheinend nicht eindeutig – was ihm natürlich in die Karten spielt.“„Weiter.“„Mit dreiundzwanzig wurde er zum Kapitän ernannt und g
Viviennes Telefon klingelte, noch bevor sie richtig wach war oder sich einen Kaffee hatte kochen können – ein Umstand, der ihr eigentlich sofort hätte signalisieren müssen, dass der Tag bereits eine ungute Wendung nahm.Sie schaltete den Klingelton stumm, während sie unter der Dusche stand, und tat es erneut, während sie sich fertig machte.Damit hörte sie auf, als Marcus innerhalb von nur elf Minuten bereits zum vierten Mal anrief; so ein Verhalten war schlichtweg ungesund – besonders wenn es um Menschen in ihrem Leben ging, die einen normalerweise nicht viermal hintereinander anriefen.„Sag mir, dass es nichts Schlimmes ist“, sagte sie beim vierten Anruf und schaltete auf Lautsprecher, während sie nach ihrem anderen Schuh kramte.„Definiere ‚schlimm‘.“„Marcus.“„Es gibt ein Foto von dir, wie du gestern Abend um elf Uhr Luciens Hotel verlässt.“„Es ist schon auf vier Klatschseiten zu sehen“, fügte er hinzu, „und in zwei Ländern ein Trendthema.“Vivienne hielt mitten in der Bewegung







