Die verschwundene Tochter des Milliardärs

Die verschwundene Tochter des Milliardärs

last updateÚltima actualización : 2026-10-19
Por:  Favour Actualizado ahora
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In der Nacht des Blutmondes verschwindet Luna von Steinberg, die Tochter einer der reichsten Familien Deutschlands, spurlos. Keine Spur, kein Lösegeld, kein Abschiedsbrief. Zwei Jahre später glaubt niemand mehr an ihre Rückkehr. Bis der Ermittler Elias Hartmann in einer kleinen Bar in Hamburg eine Kellnerin findet, die ihm seltsam bekannt vorkommt. Sie nennt sich Anna, sie hat keine Erinnerung an ihr altes Leben und eine Narbe, die sie sich nicht erklären kann. Es ist Luna. Doch sie weiß nicht, wer sie wirklich ist. Und jemand ist bereit, alles zu tun, damit sie sich niemals erinnert. Elias muss sie beschützen und das Geheimnis der Nacht des Blutmondes lüften, bevor ihr Entführer zurückkehrt.

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Capítulo 1

Kapitel 1: Der Blutmond

Kapitel 1: Der Blutmond

Der Fluss sollte mein Grab sein.

Das Wasser war Eis. Es war in meiner Nase, in meinem Mund, in meiner Lunge. Ich konnte nicht atmen. Ich schlug um mich, meine Hände griffen ins Nichts. Mein rotes Kleid hatte sich wie Seetang um meine Beine gewickelt, schwer, es zog mich nach unten.

Dann - Luft.

Ich durchbrach die Oberfläche mit einem Keuchen, das mir die Kehle zerriss. Ich hustete, und Flusswasser strömte aus mir heraus. Ich lag am flachen Ufer der Isar, kurz außerhalb von München. Die Strömung hatte mich gegen einen umgestürzten Baumstamm geworfen. Meine Knie schlugen auf scharfen Felsen auf. Ich schrie auf.

Es war Nacht. Der Mond war riesig und rot. Ein Blutmond. Der ganze Himmel sah aus, als würde er bluten. Ich hatte noch nie etwas so Schönes und so Furchterregendes gesehen.

Ich versuchte aufzustehen. Meine Beine gaben nach. Mein Kopf pochte so stark, dass ich dachte, mein Schädel würde zerspringen. Ich fasste an meinen Hinterkopf und meine Finger kamen klebrig und warm zurück. Blut. Mein Blut.

Mein Kleid - ein rotes Designerkleid, selbst zerrissen konnte ich erkennen, dass es teuer war - war bis zum Oberschenkel aufgerissen. Meine Füße waren nackt. Ein teurer High Heel trieb ein paar Meter entfernt im Schlamm.

Wer bin ich?

Der Gedanke traf mich härter als die Kälte.

Ich versuchte, mich an meinen Namen zu erinnern. Nichts. Ich versuchte, mich zu erinnern, wie ich hierher gekommen war. Nichts. Ich versuchte, mich an meine Mutter, meinen Vater, mein Zuhause zu erinnern. Nichts. Nur weißes Rauschen und dann ein scharfer, stechender Schmerz hinter meinen Augen.

Panik stieg in mir auf. Ich öffnete den Mund, um zu schreien, aber kein Ton kam heraus.

Dann hörte ich es. Schritte. Schwere Stiefel, die auf nassem Laub knirschten. Jemand kam mit einer Taschenlampe durch die Bäume.

"Bewegen Sie sich nicht!"

Die Stimme war männlich. Tief, befehlend, es gewohnt, dass man gehorcht.

Ein helles Licht traf mein Gesicht und ich zuckte zusammen, warf meinen Arm über meine Augen.

Er kam näher. Ich konnte ihn jetzt durch meine Finger sehen. Groß, vielleicht ein Meter neunzig. Schwarzer Wollmantel, unten durchnässt vom Flussnebel. Dunkle Haare, ein starker Kiefer mit Stoppeln bedeckt, als hätte er seit Tagen nicht geschlafen. Und in seiner Hand - eine Waffe.

Er zielte nicht auf mich, aber er hielt sie wie ein Mann, der wusste, wie man sie benutzt.

"Sind Sie verletzt?" fragte er, seine Stimme jetzt etwas weicher. Er hatte einen deutschen Akzent, einen Münchner Akzent.

Ich konnte nicht sprechen. Ich starrte nur auf seine Waffe.

Er folgte meinem Blick und steckte sie sofort unter seinen Mantel ins Holster. "Ich werde Ihnen nichts tun. Mein Name ist Elias Hartmann. Ich bin Privatermittler. Ich suche Sie seit zwei Tagen."

Sucht mich?

"Ich... ich weiß nicht, wer ich bin", flüsterte ich. Meine Stimme war heiser, vom Wasser zerstört.

Sein Gesichtsausdruck veränderte sich. Die kalte, professionelle Maske rutschte für eine Sekunde ab, und ich sah Schock und etwas anderes. Erleichterung.

"Luna", sagte er.

"Was?"

"Ihr Name ist Luna. Luna von Steinberg."

Der Name traf mein Gehirn wie ein Blitzschlag. Luna. Luna von Steinberg. Es fühlte sich vertraut und fremd zugleich an. Wie ein Kleid, das passen sollte, aber nicht passt.

Er hockte sich neben mich, ohne mich zu berühren, hielt respektvoll Abstand. Seine Augen, fiel mir jetzt auf, waren nicht kalt. Sie waren sturmgrau-blau und sie musterten mich - meine Kopfwunde, meine zitternden Hände, meine nackten Füße - katalogisierten Verletzungen.

"Sie sind jetzt sicher", sagte er. "Ihr Vater hat Sie vor 48 Stunden als vermisst gemeldet. Die Polizei hat die Suche gestern eingestellt. Sie sagten, Sie seien nach einem Streit mit Ihrer Familie nach Berlin abgehauen."

"Bin ich das?" fragte ich.

"Nein. Sie haben mich drei Tage vor Ihrem Verschwinden engagiert. Sie haben mir eine E-Mail geschickt. Sie sagten, Sie hätten Angst, dass jemand in Ihrem eigenen Haus Sie töten will."

Mein Blut wurde kälter als das Flusswasser.

Ich habe ihn engagiert? Ich hatte Angst, dass mich jemand töten würde? Und dann bin ich in der Nacht des Blutmondes in diesem Fluss gelandet?

Er griff langsam in seine Manteltasche und zog sein Handy heraus. Er zeigte mir ein Foto.

Ich war es. Aber ein anderes Ich. Perfekt geföhnte blonde Haare, makelloses Make-up, einen weißen Chanel-Anzug tragend, stehend vor einer massiven Glasvilla, die über die Stadt blickte. Ich lächelte, aber meine Augen waren traurig. Selbst auf einem Foto sah ich einsam aus.

"Das sind Sie vor vier Tagen auf dem von Steinberg Anwesen", sagte er.

Von Steinberg. Den Namen kannte in München jeder. Selbst ohne Erinnerung wusste ich es. Die Milliardäre. Die Familie, der halb Bayern gehörte - Tech, Immobilien, Autos. Konrad von Steinberg.

"Ist das mein Vater?" fragte ich.

Elias nickte. "Konrad von Steinberg. Ihre Mutter starb, als Sie zwölf waren. Sie sind seine einzige Erbin."

Eine Erbin. Eine Milliardärs-Erbin, halb ertrunken in einem Fluss gefunden, in einem zerrissenen roten Kleid.

"Wenn ich eine Erbin bin, warum sollte mich dann jemand töten wollen?" sagte ich, mehr zu mir selbst als zu ihm.

"Das sollten Sie für mich herausfinden", antwortete er. "Sie sagten, Ihre Stiefmutter hätte das Testament Ihres Vaters geändert."

Das Wort Stiefmutter löste etwas aus. Ein Blitz. Eine Frau mit scharfen roten Lippen, perfekten blonden Haaren zu einem strengen Dutt gebunden, ein grausames Lächeln. Eine Hand - ihre Hand - die mich hart auf den Rücken stieß.

Ich keuchte und umklammerte meinen Kopf, als die Erinnerung hindurchschnitt.

_"Du warst nie eine von Steinberg. Du bist genau wie deine schwache Mutter."_

Diese Stimme. Diese hasserfüllte, elegante Stimme.

"Astrid", flüsterte ich.

Elias Augen verengten sich. "Astrid von Steinberg? Ihre Stiefmutter?"

Ich nickte, Tränen liefen endlich über. "Sie... sie hat mich gestoßen. Wir waren auf der Terrasse. Während der Party. Der Blutmond-Party. Sie hat mich über das Geländer gestoßen... in den Fluss. Sie sagte... sie sagte, der Fluss würde mein Geheimnis bewahren."

Für einen Moment gab es nur das Geräusch des Flusses und mein unregelmäßiges Atmen.

Elias sah nicht überrascht aus. Er sah wütend aus. Eine tiefe, kontrollierte Wut, die seinen Kiefer anspannen ließ.

"Ich habe Ihnen gesagt, Sie sollen nicht allein in dieses Haus zurückgehen", murmelte er vor sich hin, fast zu sich selbst. Dann lauter zu mir: "Können Sie stehen? Wir müssen Sie in ein Krankenhaus bringen. Sie haben eine Gehirnerschütterung."

Er zog seinen schwarzen Mantel aus und legte ihn um meine Schultern. Er war warm, er roch nach Regen und teurem Parfüm und nach Mann. Zum ersten Mal seit ich aufgewacht war, fühlte ich mich sicher.

"Ich kann nicht ins Krankenhaus", sagte ich schnell. Wieder Panik. "Wenn sie denkt, ich bin tot... wenn sie herausfindet, dass ich lebe, wird sie es wieder versuchen. Und mein Vater... er glaubt ihr. Er glaubt ihr immer."

Elias sah mich lange an. Er wog etwas ab. Das berufliche Protokoll sagte Krankenhaus, Polizei. Aber etwas anderes - etwas Persönliches in seinen Augen - sagte, beschütze sie.

"Meine Wohnung ist zehn Minuten von hier", sagte er schließlich. "Sie ist sicher. Niemand weiß, wo ich wohne. Sie können sich sauber machen, schlafen. Morgen entscheiden wir."

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