LOGINElenas Sicht
Ich stand wie erstarrt da und sah zu, unfähig, etwas zu sagen oder zu tun. Meine Augen klebten förmlich an der Szene vor mir. Ryker schien mich nicht einmal zu bemerken. Er spürte mich nicht, roch mich nicht, während er sich immer wieder in die Frau unter ihm trieb.
Unter ihm lag sie und stöhnte schamlos, während er sie nicht nur fickte, sondern ihren Körper mit Küssen bedeckte – Küsse, die er mir immer verweigert hatte. Küsse, von denen er behauptet hatte, er hasse sie.
Ich konnte mich nicht bewegen. Konnte nicht einmal atmen.
Immer wenn ich zu Ryker gegangen war, seine Zeit gefordert, um Zuneigung gebettelt oder um die Intimität, die Gefährten eigentlich teilen sollten, hatte er mich immer abgewehrt. Immer. Er hatte gesagt, er hasse das Paaren, hasse den Vorgang, hasse Berührungen, hasse Küssen und dass es sich komisch und unnötig anfühle.
Und jetzt stand ich hier und sah ihm zu.
Sah zu, wie er sich nicht nur in diese Frau stieß, sondern sie küsste. Sie berührte. Sie verschlang, als wäre sie alles, was er wollte, alles, wonach er sich je gesehnt hatte. Etwas, das er mir jahrelang verweigert hatte – schon lange, bevor wir offiziell gepaart waren.
Ich schluckte die Galle hinunter, die in meiner Kehle aufstieg. Schluckte die Demütigung. Den Verrat! Einen Schmerz, der meine Knochen zittern ließ, als ich endlich den Kopf hob und sprechen wollte, falls ich es noch konnte.
„Luna, bitte geht. Der Alpha ruht sich aus“, drängte der Wachmann erneut herein. Seine Stimme brach, als er zögerte, mich hinauszuziehen.
„Natürlich, das sehe ich“, erwiderte ich, warf ihm nur einen kurzen Blick zu. Meine Stimme war kalt genug, um zu verbrennen.
Ich wandte mich wieder dem Bett zu. Die beiden hatten sich nach dem Tumult endlich voneinander gelöst. Und als mein Blick den der Frau traf, zerbrach mein Herz in tausend weitere Stücke.
„Kattie?“, flüsterte ich fassungslos.
Meine Cousine. Die Tochter meines Onkels Darius. Dieselbe Cousine, die mich als Erste gewarnt hatte, dass ihr Vater den Alpha-Titel stehlen wollte. Dasselbe Mädchen, mit dem ich aufgewachsen war. Das Mädchen, dem ich mehr vertraute als jedem anderen, weil sie ihren eigenen Vater für mich verraten hatte.
Wie konnte ausgerechnet sie diejenige unter Ryker sein?
Wie konnte sie die Frau sein, mit der er mich betrog?
Ich schüttelte langsam den Kopf. Nein. Nein, das musste ein Irrtum sein. Ein Traum. Ein Albtraum. Vielleicht halluzinierte ich. Vielleicht versuchte mein bereits von den Stöhngeräuschen an der Tür verletzter Verstand, den Verrat zu begreifen, indem er ein vertrautes Gesicht darauf projizierte.
Doch dann erinnerte ich mich an die letzten Wochen.
Wie dreist Kattie geworden war.
Wie sie eine Dienerin bestraft hatte, nur weil diese gesagt hatte, sie dürfe nicht auf meinem Luna-Platz neben dem des Alphas sitzen, weil er mir gehöre. Ich hatte es damals abgetan, weil sie mein Lieblingsmensch war. Weil alles, was mir gehörte, auch ihr gehörte. Weil ich sie liebte.
Ich hatte ihre Härte, ihren Ton und ihren Respektlosigkeit ignoriert und alles auf Stress geschoben.
Aber jetzt, da ich sie mit Ryker sah, beide nackt in einem Bett, das er zwei Jahre lang nicht mit mir teilen wollte, wusste ich nicht, was ich fühlen sollte. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Wusste in diesem Moment nicht einmal, wer ich selbst war.
„Und sie ist hier, Ryker“, sagte Kattie beiläufig, ohne mich auch nur anzusehen.
Sie versteckte sich nicht, machte keine Anstalten, sich zu bedecken. Keine Scham. Sie schloss nicht einmal die Beine, als sie dalag, ihre Feuchtigkeit lief aus ihrer Scham, ihre Schenkel zitterten noch von dem Orgasmus, den Ryker ihr gerade geschenkt hatte. Ein Orgasmus, den er mir nie auch nur ein einziges Mal geschenkt hatte. Während ich sie ansah, während ich sah, wie er sich beschämt bedeckte und sie keinerlei Scham zeigte, fragte ich mich, ob Ryker sich je genug um mich gekümmert hatte, um mich so fühlen zu lassen, wie sie gerade ausgesehen hatte.
„Seit wann geht das schon?“, fragte ich, nachdem ich all meinen Mut zusammengenommen und die Tränen zurückgedrängt hatte, die in meinen Augenwinkeln brannten. Keiner von beiden antwortete mir. Und gerade als ich die Lippen öffnete, um meine zweite Frage zu stellen, fiel Kattie mir ins Wort.
„Sag es ihr einfach, Ryker. Es ist schon viel zu lange her, dass wir das vor ihr verstecken. Ich bin es leid, dieses Versteckspiel oder das geheime Leben“, sagte Kattie beiläufig, als würde meine Welt nicht gerade vor meinen Augen zusammenbrechen.
„Ein Geheimnis?“, fragte ich verwirrt und drehte mich zu Ryker um, in der Hoffnung auf eine Erklärung. Es musste eine geben. Es musste einen Grund geben. Er konnte mich nicht einfach betrogen haben – und dann auch noch mit ihr. Und falls es meine Schuld war, war ich bereit, alles wiedergutzumachen, was dazu geführt hatte.
Ich wollte ihn nicht verlieren. Auch Kattie nicht. Vielleicht wollte sie etwas von mir und hatte deshalb mit ihm geschlafen, um mich zu provozieren. Was auch immer sie wollten – ich war bereit, es zu tun, um sie zu besänftigen. Ich wollte weder meinen Gefährten noch meine letzte verbliebene Familie von mir stoßen.
„Ryker…“, rief ich und streckte die Hand nach ihm aus. Tränen liefen hilflos über meine Wangen, während ich auf ihn zuging. Doch bevor ich ihn berühren konnte, schlug er meine Hand weg, als wäre ich Dreck.
„Begreifst du es nicht?“, fuhr er plötzlich auf. „Ich will dich nicht mehr, Elena. Ich will Kattie! Haben dir all die Jahre, in denen ich Abstand zu dir gehalten habe, nichts gesagt? Ich liebe dich nicht! Also bleib mir bitte vom Leib und fass mich nicht an!“
Ich war sprachlos, als ich ihn das sagen hörte, und wollte es gleichzeitig nicht glauben. „Wir sind seit drei Jahren Gefährten, Ryker. Was meinst du damit?“, brachte ich heiser hervor, während weitere Tränen drohten zu fallen. Ich hatte erwartet, dass er sich entschuldigen würde. Ich hatte ihn gerade beim Betrügen erwischt – und ausgerechnet mit meiner Cousine. War das nicht das Mindeste, was er tun sollte?
„Lass uns das hinter uns lassen und so tun, als wäre es nie passiert“, fügte ich hinzu und wischte meine Tränen weg. Wir konnten das friedlich klären. Ich durfte nicht zulassen, dass es den Frieden des Rudels gefährdete. Nicht, solange mein Onkel Darius noch mit den Rogues zusammen war und auf die perfekte Gelegenheit wartete, das Rudel anzugreifen. Wenn wir jetzt Uneinigkeiten hätten, würde er nicht lange zögern, die Chance zu nutzen.
„Wir werden uns alle entschuldigen und das Ganze hinter uns lassen“, brachte ich erneut heiser hervor, während die beiden mich nur ansahen. Ich wollte keinen Skandal, der dem Alpha-Rat zu Ohren kommen könnte. Mein Vater hatte alles getan, um den Ruf dieses Rudels zu schützen. Ich konnte es nicht riskieren, daraus Probleme zu machen. Ich war bereit, beiden zu verzeihen, wenn sie nur zugaben, dass es ein Fehler gewesen war – trotz des Schmerzes, trotz des Brennens in meiner Kehle.
„Du kapierst es wirklich nicht, oder?“, mischte Kattie sich spöttisch ein und sah mich an. „Du bist mit Ryker gepaart, weil er es zugelassen hat, Elena. Ich bin seine wahre Gefährtin – seit fünf Jahren. Länger, als du zählen kannst, sogar schon bevor du ihn kennengelernt hast!“
„Ryker…“, rief ich und sah erneut in seine Richtung, in der Hoffnung, dass er etwas sagen würde. Dass er ihre Behauptungen zurückweisen würde. Die Probleme zwischen Ryker und mir hatten erst nach unserer Paarung begonnen. Davor hatten wir keine Schwierigkeiten gehabt und waren tief verliebt gewesen.
„Es ist wahr, Elena. Kattie ist meine wahre Gefährtin, und sie ist der Grund, warum ich dich bis jetzt nicht markiert habe. Ich konnte dich nicht markieren, weil du weder meine Gefährtin noch die Frau bist, die ich liebe“, sagte er kalt, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Seine Augen ruhten voller Zuneigung auf Kattie.
Die Nachricht traf mich wie ein grausamer Schlag. Ich stand da, sah zu und konnte nichts sagen, nichts tun, obwohl ich es von Rechts wegen hätte tun sollen. Ich wandte mich zur Tür, wollte gehen. Ich ertrug es nicht. Ich ertrug es nicht, ihnen zuzusehen, und ging hinaus, unfähig, sie weiter anzustarren, während die Erinnerungen an ihren Verrat noch in meinem Kopf widerhallten.
Elenas Perspektive.„Was ist hier passiert?“ Ryker kam herein, die Beine wie aus Gelee, das Gesicht voller Schock. „Wie ist das—“Ich unterbrach ihn, bevor Verdacht aufkommen konnte. „Es ist heruntergefallen. Ich war unachtsam, tut mir leid.“ Die Worte kamen emotionslos über meine Lippen, und mein Blick folgte seinen Bewegungen.Er hob die Halskette auf und starrte auf den zersplitterten Diamanten. Er wirkte nicht wütend – oder er war einfach gut darin, es zu verbergen.Er drehte sich zu mir um, ein Lächeln auf dem Gesicht. „Ich lass sie reparieren. Die können die Edelsteine ersetzen.“Am Anhänger waren meine Initialen eingraviert. Er konnte sie reparieren lassen, aber ich konnte nicht versprechen, dass ich sie nicht wieder zerbrechen würde.Ich lächelte gezwungen, die Stimme nur ein Flüstern. „Danke.“Ryker nickte. Für ihn schien es, als würde ich mich wieder einleben und alles zwischen uns würde gut werden. Aber oh, wie sehr er sich irrte.„Ich muss jemanden in der Stadt besuchen. I
Elenas Perspektive.Kalte Hände legten sich von hinten um mich und ließen meine Augen aufschlagen. Ich war immer noch im Hotelzimmer, der Körper geschwächt gegen das Bett gelehnt. Ich blickte leicht zurück und Ryker war da, eine Hand auf meiner Schulter, sein Gesicht schmiegte sich an meinen Nacken, als gehöre ich ihm. Das tat ich nicht, und das ließ mein Gesicht vor Ekel verzerren. „Schläfst du so früh, Liebe?“, fragte er. Meine Augen waren kaum geöffnet, aber ich erfasste seine Gestalt, als er sich auf dem Bett aufrichtete. „Weißt du“, begann er. „Ich habe beschlossen, dir zu verzeihen, was du auf dem Tanzboden getan hast. Darüber reden wir nicht mehr.“ Ein kleines Schnauben entkam meinen Lippen. Ich brauchte seine Vergebung nicht. Ryker legte sich hinter mich, sein Körper drückte sich eng an meinen. Ich spürte, wie sein Schritt gegen meinen Hintern pressete, und ich spürte, wie hart er war. Seine Hand streichelte meine Beine, glitt über meine nackte Haut hinunter zu
Elenas Perspektive. Ich trat in die Mitte der Halle und blickte mich um, der Blick von Verwirrung durchzogen. Gelächter brach aus allen Ecken hervor. Alphas bewegten sich mit ihren Lunas auf die Tanzfläche. Es dauerte nicht lange, bis ich eine Antwort auf die Frage in meinem Kopf fand. Ja, ich war wiedergeboren worden. Auf der anderen Seite des Raumes stand Ryker mit einem Alpha aus dem Rat, und beide lachten herzlich. Mein Blick verweilte einen Moment auf ihm. Ich hatte ihn geliebt, ihm alles gegeben, doch er hatte mich in meinem ersten Leben erwürgt. Die Mondgöttin hatte mir eine zweite Chance gegeben, und diesmal würde ich das nicht zulassen. Diesmal würde ich sie ruinieren, bevor sie mich ruinierten. Diesmal würde ich nicht zulassen, dass sie mich zerbrechen. Auf keinen Fall. Rykers Blick zuckte zu mir herüber, und er erwischte mich, wie ich starrte. Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er trat näher. „Elena …“ Mein Name glitt ihm so leicht über di
Elenas Sicht„Ein bemitleidenswerter Köter, Ryker?“Meine Stimme zitterte, als ich ihn anstarrte. Tränen verschleierten mir die Sicht.Ihre Körper bebten, als ihnen klar wurde, dass ich alles mitangehört hatte.Noch vor wenigen Augenblicken hatte ich die angespannten, schuldbewussten Blicke bemerkt, die sie einander zuwarfen. Sie fragten sich stumm, wie lange ich schon dort gestanden hatte und wie lange sie gewusst hatten, dass ich da war – erstarrt in Ungewissheit.„Elena… das ist nicht, wonach es aussieht“, stammelte Ryker, ließ Katties Hände los und streckte seine nach mir aus. Doch bevor er mich auch nur berühren konnte, zuckte ich zurück, als würde seine Nähe mich körperlich abstoßen. Und genau so fühlte es sich an.Ich konnte es nicht fassen. Noch vor wenigen Minuten war ich bereit gewesen, ihnen zu verzeihen. Ich hatte mir eingeredet, es sei ein Fehler gewesen, ein Ausrutscher wegen Stress oder betrunkenem Leichtsinn. Ich hatte geglaubt, sie könnten Erlösung finden. Doch jetzt
Elenas SichtIch war noch nicht weit von der Tür entfernt, als ich abrupt stehen blieb, wie erstarrt. Katties Stimme erfüllte den Gang.Ich hatte erwartet, dass Ryker mir hinterherlaufen würde. Es wäre nur richtig gewesen. Es wäre natürlich gewesen. Er hatte mich betrogen, und trotzdem war ich bereit gewesen, ihm zu verzeihen. Das Mindeste, was er hätte tun können, war, mir nachzulaufen, um Vergebung zu bitten und wenigstens ein bisschen Reue zu zeigen – selbst wenn sie nur gespielt gewesen wäre.Aber weder er noch Kattie taten es.Stattdessen hallten ihre Stimmen durch den Flur, sorglos, als würde ich nicht existieren, als wäre es ihnen völlig gleichgültig, ob ich noch nah genug war, um jedes Wort zu hören.„Wann willst du es ihr endlich sagen, Ryker? Wie lange willst du sie noch belügen? Ich habe es satt, das Geheimnis zu sein“, fauchte Kattie. Ihre Stimme war scharf und wütend und brach sich an den steinernen Wänden des Gangs.„Komm schon, Kat“, seufzte Ryker viel zu ruhig. „Du ken
Elenas SichtIch stand wie erstarrt da und sah zu, unfähig, etwas zu sagen oder zu tun. Meine Augen klebten förmlich an der Szene vor mir. Ryker schien mich nicht einmal zu bemerken. Er spürte mich nicht, roch mich nicht, während er sich immer wieder in die Frau unter ihm trieb.Unter ihm lag sie und stöhnte schamlos, während er sie nicht nur fickte, sondern ihren Körper mit Küssen bedeckte – Küsse, die er mir immer verweigert hatte. Küsse, von denen er behauptet hatte, er hasse sie.Ich konnte mich nicht bewegen. Konnte nicht einmal atmen.Immer wenn ich zu Ryker gegangen war, seine Zeit gefordert, um Zuneigung gebettelt oder um die Intimität, die Gefährten eigentlich teilen sollten, hatte er mich immer abgewehrt. Immer. Er hatte gesagt, er hasse das Paaren, hasse den Vorgang, hasse Berührungen, hasse Küssen und dass es sich komisch und unnötig anfühle.Und jetzt stand ich hier und sah ihm zu.Sah zu, wie er sich nicht nur in diese Frau stieß, sondern sie küsste. Sie berührte. Sie ve







