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Kapitel 5

Author: Unique Pen
last update publish date: 2026-07-06 23:26:19

Elenas Perspektive.

Ich trat in die Mitte der Halle und blickte mich um, der Blick von Verwirrung durchzogen.

Gelächter brach aus allen Ecken hervor. Alphas bewegten sich mit ihren Lunas auf die Tanzfläche.

Es dauerte nicht lange, bis ich eine Antwort auf die Frage in meinem Kopf fand.

Ja, ich war wiedergeboren worden.

Auf der anderen Seite des Raumes stand Ryker mit einem Alpha aus dem Rat, und beide lachten herzlich.

Mein Blick verweilte einen Moment auf ihm. Ich hatte ihn geliebt, ihm alles gegeben, doch er hatte mich in meinem ersten Leben erwürgt.

Die Mondgöttin hatte mir eine zweite Chance gegeben, und diesmal würde ich das nicht zulassen.

Diesmal würde ich sie ruinieren, bevor sie mich ruinierten.

Diesmal würde ich nicht zulassen, dass sie mich zerbrechen. Auf keinen Fall.

Rykers Blick zuckte zu mir herüber, und er erwischte mich, wie ich starrte. Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.

Er trat näher. „Elena …“ Mein Name glitt ihm so leicht über die Lippen.

Ryker streckte die Hand aus, doch bevor er mich erreichen konnte, riss ich den Blick von ihm los und ging auf eine Gruppe von Alphas zu, die neben der Tanzfläche standen. Ihr Gelächter erfüllte die Luft, Champagnergläser kreisten in ihren Händen.

„Elena?“ rief Ryker.

Ich drehte mich nicht um und blieb auch nicht stehen, bis ich einen der Alphas erreichte.

Liam Coker. Gutaussehend, Single und der Jüngste im Alpha-Rat.

„Darf ich dich für einen Tanz stehlen, Alpha Liam?“ Meine Handfläche lag vor ihm ausgebreitet, ein eng zusammengepresstes Lächeln ließ die Augenwinkel krause.

Der amüsierte Ausdruck auf seinem Gesicht verschwand und wich purem Erstaunen. Er zögerte eine Millisekunde. „Sicher.“

Die Leute starrten, als wir uns auf die Tanzfläche bewegten, doch es war mir egal. Wir hielten einander, unsere Körper bewegten sich unter den Kronleuchtern im Rhythmus der Musik.

„Warte … ist das nicht Elena aus dem SilverFang-Rudel?“

„Ich dachte, sie sei mit ihrem Gefährten hierhergekommen?“

„Heilige Göttin! Sie macht sich an junge, heiße Alphas ran, obwohl sie einen Gefährten hat?“

„Sie sehen aber gut zusammen aus.“

„Armer Alpha Ryker.“

Ich hörte zu. Ich nahm jedes ihrer geflüsterten Worte in mich auf. Ich tat so, als würde es mich nicht kümmern.

Vielleicht tat es das wirklich nicht. Denn von diesem Moment an war ich fertig damit, die Beziehung zu schützen, die ich mit Ryker gehabt hatte.

Ryker stand am Rand der Tanzfläche, die Fäuste geballt, die Augen verdunkelt.

Ich starrte ihn mit ausdruckslosem Gesicht an. Ich hatte erwartet, dass er versuchen würde, den Tanz zu unterbrechen, doch er war nicht so dumm.

„Scheint, als wärst du hier ziemlich bekannt“, murmelte Liam.

Meine Aufmerksamkeit kehrte zu ihm zurück, und der junge Alpha lächelte, entspannte sich endlich in den Tanz.

Er würde es nicht wissen. Er nahm kaum an den Ratssitzungen teil, und der Rat hatte nie ein Problem damit gehabt.

Ich lächelte und weigerte mich, zu antworten.

Ich tanzte nicht mit ihm, weil es mir gefiel. Mein Herz brannte. Jeder Schritt fühlte sich an wie ein Dolch, der die Erinnerungen an die letzten Augenblicke meines vergangenen Lebens zurückbrachte. Jeder Blick, den ich in Rykers Richtung warf, erinnerte mich an seinen Verrat und den von Kattie.

Als Ryker aufhörte, uns zu beobachten, beendete ich den Tanz.

„Können wir jetzt aufhören?“, fragte ich Liam. „Meine Beine fangen an zu schmerzen.“

Das war eine Lüge. Ich versuchte nur, den Tanz so höflich wie möglich zu beenden.

Er ließ meine Hände los und trat ein paar Schritte zurück. „Sicher.“

„Danke.“ Ich schenkte ihm ein Lächeln und drehte mich um, doch seine Stimme hielt mich zurück.

„Ich bin Liam Coker. Alpha des Nestride-Rudels.“

Das weiß ich.

Ich drehte den Kopf leicht nach hinten, gerade weit genug, dass er mein Lächeln sah.

„Schön, dich kennenzulernen, Liam.“

Danach ging ich weg, die Absätze klickten auf dem Marmorboden, die Beine trugen mich, obwohl ich nicht wusste, wohin. Aber ich wusste es. In meinem Herzen wusste ich, dass ich Ryker vor dem Gesicht stehen wollte. Ich wollte irgendwo sein, wo er mich bemerken konnte.

„Elena“, rief eine Stimme hinter mir, und ich erstarrte.

Es war Ryker. Er rief mich mit diesem Ton, der keinerlei Wärme enthielt – einem Ton, den ich früher hätte bemerken sollen, den ich aber erst wahrnahm, als ich von ihrem Verrat erfuhr.

Ich drehte mich zu ihm um, der Ausdruck auf meinem Gesicht unverändert. „Ja, Ryker.“

„Komm mit mir“, befahl er.

Ich hatte gewollt, dass er mich bemerkt, und endlich hatte er es getan. Ich wusste, worüber wir sprechen würden, und das ließ ein Lächeln meine Lippen kräuseln.

Ich folgte ihm schweigend. Er blieb erst stehen, als wir den Flur erreichten, der zu den Toiletten führte.

Ryker schaute sich überall um, um sicherzugehen, dass niemand da war, bevor er zu mir zurückkehrte.

Ich hätte fast gelacht.

Ihm lag sehr viel an seinem Ruf, und genau den würde ich ihm bald genug zerstören.

„Was zur verdammten Hölle hast du da gemacht, Elena?“, brüllte Ryker.

Ich neigte den Kopf und tat ahnungslos. „Was meinst du?“

Er biss die Zähne zusammen und holte tief Luft. „Mit diesem namenlosen Alpha tanzen.“

„Sein Name ist Liam“, korrigierte ich und reizte ihn absichtlich.

„Wer auch immer es ist!“, knurrte er. „Warum hast du mich wegen ihm ignoriert?“

Ich seufzte. „Du siehst das völlig falsch, Ryker. Ich habe dich nicht ignoriert, sondern mir einfach einen Tanz gegönnt.“

„Du hast gesehen, dass ich auf dich zukam“, beharrte er, die Stimme streng.

„Hör auf, dir etwas einzubilden. Ich kann doch nicht in deinen Kopf schauen und wissen, dass du tanzen wolltest.“

Ein breites Lächeln verdrängte den finsteren Ausdruck auf meinem Gesicht. Ich klopfte ihm auf die Schulter und ging zurück in den Ballsaal, um meine Tasche zu holen.

Der Ball war vorbei. Das Hotelzimmer wartete.

Ich bemerkte erst, dass sich jemand näherte, als mein Name gerufen wurde.

Ich riss den Kopf herum und sah Kattie. Ein leises Stöhnen entwich meinen Lippen. Sie lächelte breit, wie die süße Cousine, für die ich sie immer gehalten hatte – bis ich sie in Rykers Bett erwischt hatte.

„Hi, Kattie“, sagte ich flach, fast so, als wäre das Gespräch mit ihr zu einer grausamen Pflicht geworden.

Sie versuchte, das Gespräch am Laufen zu halten, doch ich ignorierte sie und kehrte in das Hotelzimmer zurück, in dem Ryker und ich die Nacht verbringen würden.

In dem Moment, als ich den Flur betrat, überkam mich ein Déjà-vu. Ich wusste, welche Ecke ich nehmen musste, welche Tür ich öffnen sollte, denn ich war schon einmal hier gewesen.

Aber beim ersten Mal war ich in Rykers Armen hierhergelaufen und hatte gelächelt wie eine Närrin.

Ich legte meine Tasche auf den Nachttisch, zog mich in den Schlafanzug um, schlüpfte unter die Decke und legte mich auf die Seite.

Das reichte für diese Nacht.

In meinem ersten Leben hatte ich auf diesemselben Bett, auf derselben Party, Ryker um Sex angefleht und ihn angefleht, mich zu berühren.

Aber nicht heute.

Nicht mehr.

Ich bin fertig damit, zu betteln. Und wenn ich damit fertig bin, sie für das zu bestrafen, was sie mir angetan haben, wird er derjenige sein, der um Gnade bettelt.

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