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Diesmal nehme ich ihm alles

Diesmal nehme ich ihm alles

By:  Lange ReiseCompleted
Language: Deutsch
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Zwei Tage vor Silvester wollte mein Freund Tobias Konrad mit seiner Assistentin Linnea Funke ans Meer fahren, um dort den Jahreswechsel zu verbringen. Ich machte keine Szene, packte ihm sogar fürsorglich den Koffer. Er aber spottete, dass ich endlich vernünftig geworden sei – nun, da ich schwanger war. Kaum war er weg, fuhr ich ins Krankenhaus und ließ das Kind abtreiben. Im letzten Leben hatte ich versucht, ihn mit dem Kind von der Reise abzuhalten. Und genau deshalb wurde Linnea am Meer brutal ermordet. Nach außen hin blieb Tobias gelassen. Aber kurz vor der Geburt schnitt er mir den Bauch auf und erdrückte unser Kind mit eigenen Händen. Erst da begriff ich, dass er mich die ganze Zeit gehasst hatte. Diesmal würde ich ihm alles nehmen.

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Chapter 1

Kapitel 1

Zwei Tage vor Silvester wollte mein Freund Tobias Konrad mit seiner Assistentin Linnea Funke ans Meer fahren, um dort den Jahreswechsel zu verbringen.

Ich machte keine Szene, packte ihm sogar fürsorglich den Koffer.

Er aber spottete, dass ich endlich vernünftig geworden sei – nun, da ich schwanger war.

Kaum war er weg, fuhr ich ins Krankenhaus und ließ das Kind abtreiben.

Im letzten Leben hatte ich versucht, ihn mit dem Kind von der Reise abzuhalten – und genau deshalb wurde Linnea am Meer brutal ermordet.

Nach außen hin blieb Tobias gelassen. Aber kurz vor der Geburt schnitt er mir den Bauch auf und erdrückte unser Kind mit eigenen Händen.

Erst da begriff ich, dass er mich die ganze Zeit gehasst hatte.

Diesmal werde ich ihm alles nehmen.

„Yvonne, Linnea ist hier ganz allein, sie hat doch niemanden. Was ist denn schon dabei, wenn ich mit ihr ein paar Tage wegfahre? Wenn ich sie nicht mitnehme, soll ich sie etwa zu uns nach Hause holen? Das wäre dir auch nicht recht, oder?“

„Wenn dir das wirklich nichts ausmacht, gut. Dann fahren wir eben zu dritt nach Hause. Mal sehen, wer dann am Esstisch dümmer dasteht – du oder ich?“

Seine zornige Stimme dröhnte mir in den Ohren, bis mir schwindlig wurde.

Benommen blickte ich auf den Mann vor mir, dessen Gesicht voller Hohn war, und auf die Frau an seiner Seite, die mit gekränkter Miene neben ihm stand.

Sie zupfte an Tobias' Ärmel und murmelte verletzt:

„Tobias, sprich doch nicht so mit Yvonne. Wenn sie nicht will, fahren wir eben nicht. Ich habe es ja all die Jahre auch allein geschafft.“

„Dieses Jahr komme ich auch allein zurecht.“

Sie gab sich gelassen, doch ihr Lächeln sah jämmerlicher aus als jedes Weinen.

Tobias’ Miene verfinsterte sich. Er nahm sanft ihre Hand und redete leise auf sie ein. Als ich nicht reagierte, wurde er nur noch ungehaltener.

„Sag mal, Yvonne, was heckst du diesmal wieder aus? Willst du dich wieder bei meiner Mutter beschweren? Ich warne dich – wenn Linnea deinetwegen noch einmal leiden muss, dann gnade dir Gott.“

„Wann legst du endlich diese krankhafte Eifersucht ab? Ich fahre nur mit ihr ein paar Tage weg. Ich heirate dich doch trotzdem. Wozu diese Anfälle?“

„Wenn du dich weiter dumm stellst, werte ich das als Zustimmung. Und dann komm mir später nicht mit einer Szene.“

Tobias’ scharfe Drohung holte mich in die Gegenwart zurück.

Er öffnete den Mund und wollte nachsetzen.

Aber ich kam ihm zuvor: „Gut.“

Tobias erstarrte. Als ich wortlos den Koffer hervorzog und sein Gepäck zu packen begann, beschlich ihn ein seltsames Unbehagen.

Früher hatte schon die bloße Erwähnung von Linnea genügt, um einen heftigen Streit auszulösen.

Jetzt wollte er mit ihr Silvester feiern – und ich packte ihm seelenruhig die Sachen.

Tobias musterte mich misstrauisch. Als sein Blick auf meinen leicht gewölbten Bauch fiel, dämmerte es ihm, und er stieß ein höhnisches Lachen aus.

„Wusste ich es doch. Eine Schwangere ist eben doch eine andere. Auf einmal vernünftig, keine Mätzchen mehr.“

Er lehnte sich an den Türrahmen, das Gesicht voller Spott.

Linnea biss sich auf die Unterlippe, das reinste Bild der zarten Hilflosigkeit.

„Yvonne, sei nicht böse. Tobias nimmt mich nur mit, weil er Mitleid mit mir hat – ich bin doch ganz allein.“

„Wenn du wirklich dagegen bist, zwing dich nicht. Ich fahre auch allein, das ist kein Problem.“

„Wirklich, Yvonne, hör auf zu packen.“

Linnea griff nach dem Koffer in meiner Hand. Im nächsten Moment fiel er scheppernd zu Boden.

Meine Hand, in der ich noch den Pullover hielt, zitterte leicht. Beim Anblick der Frau mit den geröteten Augen wurde mir endgültig klar: Ich war zurückgekommen – an genau den Tag, an dem Linnea allein ans Meer gefahren war.

Im letzten Leben hatte sich heute alles zugetragen: Tobias wollte mit ihr ans Meer, ich war dagegen, verbot es ihm strikt – und der Streit landete am Ende vor seiner Familie.

Tobias wurde zu Hause eingesperrt, Linnea fuhr unter Tränen allein ans Meer und kam dort grausam ums Leben.

Als Tobias davon erfuhr, sagte er nur: „Tot ist tot. So eine ist es doch nicht wert, dass ich an sie denke.“

Danach wehrte er sich nicht mehr gegen unsere Verlobung und begann, sich um mich zu kümmern.

Ich glaubte, er hätte endlich zu schätzen gelernt, was ich für ihn getan hatte.

Doch kurz vor der Geburt schnitt er mir den Bauch auf und quälte mich zu Tode.

Erst in jenem Augenblick begriff ich: Tobias gab mir die Schuld an Linneas Tod. Er hatte mich die ganze Zeit gehasst.
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