LOGINClaudias schöne blaue Augen ruhten auf Yuna. Ihre fein geschwungenen Brauen waren leicht zusammengezogen, ihr Blick war ernst.Ihre Blicke trafen sich. In Yunas Augen lag eine eisige Frage: Was hatten Sie mir versprochen?Claudia antwortete mit einem kaum merklichen Kopfschütteln. Von Yunas Einladung hatte sie nichts gewusst.Adrian schien den stummen Wortwechsel nicht zu bemerken. Er setzte sich, griff nach dem Dekanter und schenkte Claudia und sich selbst Wein ein.„Dass Yunas Hände behandelt werden können, ist allein dir zu verdanken.“Er hob sein Glas. Sein Ton war so beiläufig wie bei einem Gespräch über das Wetter. „Yuna, du wolltest dich doch schon lange persönlich bei Claudia bedanken.“Claudia wusste zwar nicht, was hier gespielt wurde, doch als Kronprinzessin war sie es gewohnt, selbst in heiklen Situationen Haltung zu bewahren.Gelassen stieß sie mit ihm an. „Nicht der Rede wert.“Doch Adrians nächster Satz brachte sie beinahe zum Ersticken.„Lernt euch ruhig ein wenig kenne
„Das könnte ich ihr nicht antun.“Nathan öffnete den Mund, doch seine Kehle war so eng, dass kein Laut herauskam.So hatte er Adrian noch nie erlebt. Schonungslos legte dieser seine hässlichsten Seiten offen, sah seinen Begierden und Schwächen klar ins Auge und schützte mit beinahe demütiger Hingabe ein Licht, das womöglich für immer unerreichbar blieb.„Trotzdem …“ Adrians Finger umklammerten die Balustrade. „Ich kann mich noch nicht damit abfinden.“„Ich will es noch ein einziges Mal versuchen.“„Wenn sie wirklich überhaupt nichts für mich empfindet …“Es folgte eine lange Pause.So lange, dass Nathan nicht mehr damit rechnete, den Rest des Satzes zu hören.Schließlich hob Adrian ganz langsam einen Mundwinkel. „Dann gebe ich auf.“„Aber ich kann einfach nicht glauben, dass ich ihr völlig gleichgültig bin.“…Als es Zeit zum Abendessen war, erschien zum ersten Mal nicht Adrian, sondern eine Bedienstete des Palasts.„Frau Sommer, Herr Wolfhardt hat mich geschickt, um Sie zum Restaurant
Nathan hielt mitten in der Bewegung inne. Das Feuerzeug, mit dem er gespielt hatte, schnappte mit einem hellen metallischen Klicken zu. In der nächtlichen Stille klang das Geräusch auffallend laut.Langsam wandte er den Kopf. Seine Augen waren vor Überraschung weit geöffnet.„Was?“Neugierig und ratlos hob er eine Braue. „Wie meinst du das? Du hattest sie doch beinahe für dich gewonnen. Noch vor ein paar Tagen hast du vor Glück gestrahlt. Was ist jetzt schon wieder passiert?“„Kurz vor dem Ziel aufzugeben passt überhaupt nicht zu dir.“Adrian antwortete nicht.Er zog tief und heftig an der Zigarette und hielt den Rauch lange in der Lunge, um den Aufruhr in seiner Brust niederzuzwingen.Erst nach einer Weile sagte er mit tiefer, kaum hörbarer Stimme: „Sie empfindet nichts für mich.“Nathan stutzte.„Das kann nicht sein“, widersprach er sofort. „So, wie sie dich …“„Bei mir zu bleiben ist für sie eine einzige Qual.“ Adrian verzog selbstironisch den Mund.Er erinnerte sich daran, wie Yuna
Yuna musste vernünftig bleiben. Vernünftig und beherrscht.Vor ihr stand der Mann, dem sie so viel verdankte. Sie konnte und durfte ihren Ärger nicht an ihm auslassen.Sie musste sich zusammenreißen. Es aushalten. Unbedingt.Ohne sich etwas anmerken zu lassen, holte Yuna tief Luft und atmete langsam wieder aus.Dann setzte sie erneut ein unbefangenes Lächeln auf, sah zu ihm auf und sagte ruhig: „Adrian, du hattest sicher etwas Wichtiges zu erledigen, als du weggegangen bist, nicht wahr?“Sie legte den Kopf leicht schief, ohne dass ihr Lächeln auch nur einen Moment ins Wanken geriet. „Wenn ich dich wegen allem ausfragen würde, wäre das wohl kaum besonders verständnisvoll von mir.“Verständnisvoll.Was für ein Hohn.Als Adrian ihre beherrschte Miene sah, schlug heiße Wut in ihm hoch, vermischt mit eisiger Enttäuschung.Abrupt richtete er sich auf, trat von ihr zurück und wandte den Blick ab.Das durchnässte Hemd klebte an seinem Rücken, sodass sich die angespannten Muskeln deutlich darun
Anschließend aktivierte Yuna die Sprachassistentin. „Herz, blockiere diese Nummer und künftig auch alle Anrufe von unbekannten Nummern.“„Alles klar, Yuna. Die Nummer ist blockiert. Künftig werden alle Anrufe von unbekannten Nummern abgewiesen.“Danach herrschte lange Stille im Zimmer.Yuna lehnte sich erschöpft auf dem Sofa zurück. Sie wirkte völlig kraftlos; ihr Blick war stumpf und ins Leere gerichtet.Adrian beobachtete sie durch den schmalen Türspalt. So hatte er sie noch nie gesehen.In seiner Gegenwart riss sie sich stets zusammen. Sie lächelte, sprach ruhig und freundlich und bemühte sich selbst dann, durchzuhalten, wenn ihre Hände heftig schmerzten.Zum ersten Mal fragte er sich, ob Yuna in seiner Gegenwart jemals wirklich sie selbst gewesen war.„Ihr habt so viel miteinander erlebt und seid seit so langer Zeit zusammen, und trotzdem liebst du ihn nicht.“„Du wirst ihn niemals lieben!“Henriks Worte hallten erneut in Adrians Ohren. Jedes einzelne Wort bohrte sich schmerzhaft i
Adrian musste sich zusammenreißen. Er durfte Yuna nicht erschrecken.Gerade als er die Klinke herunterdrückte und die Tür einen Spalt weit öffnete, hörte er aus dem Zimmer die Stimme eines Mannes.Es war Henrik.„Wenn du weißt, dass Adrian mit Claudia zusammen ist, warum verlässt du ihn dann nicht?“, fragte er Yuna.Adrian hielt mitten in der Bewegung inne. Das Blut schien ihm in den Adern zu gefrieren, und seine Finger schlossen sich so fest um die Klinke, dass die Knöchel weiß hervortraten.Mit angehaltenem Atem lauschte er jedem Wort.Yuna erwiderte voller Abscheu: „Das geht dich einen Scheißdreck an. Ruf mich nie wieder an!“Mit dem Handgelenk tippte sie auf das Display, um aufzulegen.Henriks Stimme wurde schlagartig lauter. Er klang erregt und hasserfüllt.„Adrian betrügt dich, und du verlässt ihn trotzdem nicht? Yuna, bist du verrückt geworden? Liebst du ihn so sehr, dass du sogar seine Untreue hinnimmst und trotzdem nicht von ihm loskommst?“Adrians Herz schlug ihm bis zum Hals
Chiara starrte sie an. Selbst ihre gespielt verletzte Miene erstarrte mitten in der Bewegung. Die brennende Wange ließ sie für einen Moment alles vergessen.Wie konnte Yuna es wagen, wirklich zuzuschlagen?Henrik war einen Moment lang sprachlos. Dann brach seine Wut hervor.„Yuna, hast du den Versta
„Frau Wolfhardt, die Angelegenheit ist diesmal außerordentlich heikel! Ich fürchte, vor einem halben Monat kommt er nicht zurück.“Yuna verstummte einen Moment.Ein persönliches Gespräch fiel damit aus.Eine Nachricht im Chat war zwar nicht ganz so höflich – aber ihr blieb nichts anderes übrig.Yuna
„Yuna!“Henriks Gesicht verfinsterte sich. Er stürmte ihr nach.Kaum hatte Yuna das Privatzimmer verlassen, rief sie Viktor an. „Herr Moll, etwas ist dazwischengekommen, das Mittagessen fällt aus. Ich fahre direkt zur Besichtigung. Schicken Sie mir die Nummer der zuständigen Person durch.“„Frau Wol
Am nächsten Tag im Vorstandsbüro des Wolfhardt-Konzerns warf Henrik gereizt die Akten auf den Tisch und trommelte mit den Fingernägeln auf die teure Nussbaumplatte. „Ist Yuna immer noch nicht zur Arbeit erschienen?“Der Assistent senkte den Kopf. „Nein, Herr Wolfhardt. Frau Sommer fehlt seit drei Ta







