Se connecterAdrian saß noch immer vollkommen gelassen da. Die Frage, die andere an den Rand der Verzweiflung bringen konnte, schien ihn kaum zu berühren. Alle im Studio hielten den Atem an, als er seine langen Finger an den Rand der Tafel legte und sie in aller Ruhe umdrehte.[Wenn ich ihr wichtiger bin als ihre Karriere, bleibe ich bei ihr.]Andernfalls ließ er sie gehen. Die Entscheidung überließ er ganz ihr.Er versprach nicht, um jeden Preis mit ihr unterzugehen, und wog auch nicht kühl Vor- und Nachteile ab. Ganz selbstverständlich legte er sein Leben in Yunas Hände. Er überließ ihr alles, sein Glück ebenso wie sein Leid, sogar die Entscheidung über Leben und Tod.Für einen Moment stockten die Kommentare. Dann kamen so viele neue hinzu, dass sie kaum noch zu lesen waren.RomantikerVomDienst: „Offiziell: Mehr verliebt als Adrian geht nicht!“LogischGedacht: „Was für eine Antwort! Dagegen kann doch keiner etwas sagen. Ich bin 38 und fange gerade an, an die Liebe zu glauben.“AllesNurShow: „Spie
Im Studio hielt man den Atem an. Diese Frage war besonders perfide. Sie stellte Liebe und materielle Sicherheit gegeneinander und zwang die Paare, zwischen dem Festhalten an der Beziehung und dem Verzicht auf sie zu wählen.Wer bleiben wollte, machte sich zum Egoisten, der dem anderen aus eigenem Interesse schadete. Wer gehen wollte, musste sich fragen lassen, wie tief seine Liebe überhaupt war, wenn sie einer solchen Belastung nicht standhielt. Und beim Partner blieb womöglich die Angst zurück, eines Tages tatsächlich verlassen zu werden. Es gab keine Antwort, mit der man sich nicht angreifbar machte.Selbst Jude, den so schnell nichts aus der Fassung brachte, und die sonst so gelassene Karin wurden ernst. Ethan zeigte nach wie vor keine Regung, presste die Lippen aber noch fester zusammen. Lorina krallte die Finger in ihren Rock und ließ den Blick unruhig hin und her wandern.Der Chat explodierte erneut.SchlussMitLustig: „Die lassen keine dritte Antwort zu? Die wollen sie doch absic
Auf Adrians Tafel stand:[Eine Wunde? Mein Leben gehört ihr. Sie darf mir auch das Herz brechen.]Man hörte scharfes Einatmen. Selbst erfahrene Mitarbeiter, die schon einiges erlebt hatten, schlugen sich die Hand vor den Mund. Diese Antwort stammte wirklich von Adrian? Von dem Mann, der als so kühl und unnahbar galt?Er bestritt keinen Seitensprung und erörterte auch nicht, ob er verzeihen konnte. Er gab sich Yuna vorbehaltlos hin. Sie durfte über alles verfügen, was er war und besaß. In seiner Antwort lagen eine bedingungslose Treue und eine Liebe, für die er offenbar bereit war, sich selbst aufzugeben.Im Chat gab es kein Halten mehr.FassungslosVerliebt: „Alter, ich kann nicht mehr! ‚Mein Leben gehört ihr.‘ Wie verliebt kann ein Mensch sein? Adrian, was ist aus deinem Ruf als eiskalter Geschäftsmann geworden?“AufmerksameLeserin: „Er isst Currywurst, weil sie sie mag. Er zweifelt an ihrer Liebe, weil sie keine Eifersucht zeigt. Und jetzt gehört ihr sein Leben. Leute, was braucht ihr
Hier ging es längst nicht mehr um ein Spiel. Die Fragen sollten Streit zwischen den beiden säen und sie vor allen Leuten quälen. Erst Salz in die Wunde streuen und dann auch noch fragen, ob es wehtat: Genau das tat Lennart gerade.Der stellvertretende Regisseur sah mit gemischten Gefühlen auf dessen steifen Rücken. Dann zog er wortlos sein Handy heraus, öffnete einen Onlineshop und bestellte vorsichtshalber gleich eine ganze Packung Grablichter für ihn.Nach einer kurzen Pause überschlugen sich im Livestream die Kommentare.Nachtmensch: „Was zum Teufel soll diese Frage? Hat die Produktion etwas gegen Adrian oder gegen Yuna? Müssen die auch noch Salz in die Wunde streuen?“UrteilAusDemNetz: „Wie soll Yuna jetzt noch auf glückliche Ehe machen? Sagt sie, sie hat ihm von Herzen verziehen, glaubt ihr keiner. Sagt sie, dass es immer noch wehtut, heißt es gleich, ihre Ehe ist nur noch Fassade. Richtig mies!“FürDieKronprinzessin: „Endlich! Jetzt fliegt ihre ganze Show auf. Mal sehen, wie sie
Lorina musste sich beherrschen, um nicht vor Wut aufzufahren. Wie konnte das sein? Yunas Ehe war doch längst gescheitert, und trotzdem hatten die beiden mehr Punkte als sie! Wenn Yuna am Ende auch noch gewann, stand Claudia vor aller Welt als Verliererin da. Und Lorina wollte ihre treueste Anhängerin sein?Hastig wischte sie sich die Tränen ab und beugte sich ein wenig zu Ethan. Sie sprach schnell, so leise, dass nur er sie hören konnte.„Ethan, nach der Sendung kannst du mit mir streiten oder mich anschweigen, so viel du willst. Aber kannst du jetzt bitte mitmachen? Bei diesem Spiel darf ich auf keinen Fall gegen Yuna verlieren. Wie soll ich mich sonst noch als Claudias größter Fan bezeichnen? Bitte, hilf mir. Nur dieses eine Mal.“Ethans ohnehin reglose Miene verhärtete sich. Er sah sie nicht einmal an.„Selbst jetzt denkst du nur daran. Du hast immer noch nicht verstanden, warum wir überhaupt an diesem Punkt sind.“ In seiner tiefen Stimme lag nichts als Enttäuschung.„Das Spiel hat
Auf der schwarzen Tafel stand in Adrians kräftiger, klarer Handschrift:[Ich war mit einer anderen Frau zusammen, und sie war nicht eifersüchtig.]Im Studio sog man hörbar die Luft ein. Jeder wusste, auf wen die Frage zielte, doch mit einer so offenen Antwort hatte niemand gerechnet.Und dann stand da auch noch etwas anderes als erwartet. Er hatte über eine Trennung nachgedacht, weil Yuna nicht eifersüchtig gewesen war? Hatte er geglaubt, sie liebe ihn nicht?Je länger die Anwesenden darüber nachdachten, desto deutlicher wurde ihnen, wie viel in diesen wenigen Worten steckte. Adrian war sich Yunas Gefühlen offenbar nicht sicher, und gerade das ließ ihn nicht los. Gewöhnlich quälte sich doch derjenige mit solchen Zweifeln, der mehr liebte. Aber ausgerechnet Adrian? Alle hatten angenommen, dass eher Yuna Angst haben musste, ihn zu verlieren.Die Antwort passte so wenig zu allem, was sie erwartet hatten, dass einen Moment lang niemand wusste, was er davon halten sollte.Lennart wurde unru
„Frau Wolfhardt, die Angelegenheit ist diesmal außerordentlich heikel! Ich fürchte, vor einem halben Monat kommt er nicht zurück.“Yuna verstummte einen Moment.Ein persönliches Gespräch fiel damit aus.Eine Nachricht im Chat war zwar nicht ganz so höflich – aber ihr blieb nichts anderes übrig.Yuna
„Yuna!“Henriks Gesicht verfinsterte sich. Er stürmte ihr nach.Kaum hatte Yuna das Privatzimmer verlassen, rief sie Viktor an. „Herr Moll, etwas ist dazwischengekommen, das Mittagessen fällt aus. Ich fahre direkt zur Besichtigung. Schicken Sie mir die Nummer der zuständigen Person durch.“„Frau Wol
Am nächsten Tag im Vorstandsbüro des Wolfhardt-Konzerns warf Henrik gereizt die Akten auf den Tisch und trommelte mit den Fingernägeln auf die teure Nussbaumplatte. „Ist Yuna immer noch nicht zur Arbeit erschienen?“Der Assistent senkte den Kopf. „Nein, Herr Wolfhardt. Frau Sommer fehlt seit drei Ta
Im VIP-Luxuszimmer der Klinik.Chiara lehnte im Krankenhausbett und nippte an dem warmen Wasser, das ihr Henrik eingeschenkt hatte. „Henrik, ich habe von der Hausangestellten gehört, dass Yuna heute Morgen in einem Rolls-Royce zurückgekommen ist. Und dass sie die ganze Nacht weg war … vielleicht ist







