LOGINAdrian trat die Tür auf. Sie schlug mit einem lauten Knall gegen die Wand. Er stand im Türrahmen und verdeckte fast das ganze Licht. Von der eben noch heiteren Stimmung im Zimmer war nichts mehr übrig.Die beiden Bediensteten hielten Yuna gerade ihre Handys mit den Fotos hin. Sie erstarrten vor Schreck. Eines der Geräte fiel zu Boden, das Display nach oben.Adrian sah hinunter. Auf dem Foto war ein Mann im schwarzen Anzug zu sehen, mit ernstem Gesicht. Selbst sein Kleidungsstil erinnerte ein wenig an Adrian. Sie hatten also schon einen Ersatz gefunden, der ihm ähnlich sah?Seine Miene verfinsterte sich vollends. In seinen Augen lag eine Wut, die den beiden Frauen Angst machte. Adrian kam langsam auf sie zu. Mit jedem Schritt wirkte er bedrohlicher; schließlich wagten sie kaum noch zu atmen.„Ist Ihnen die Arbeit am Königshof zu langweilig geworden?“, fragte er eisig. „Wollen Sie lieber Heiratsvermittlerinnen werden?“Er blieb vor ihnen stehen und sah auf sie hinunter. Um seinen Mund la
„Dann werden selbst die Fans, die noch an Ihre Ehe mit Frau Sommer glauben, nach und nach die Hoffnung verlieren. Die Leute werden Ihre Beziehung zu Kronprinzessin Claudia leichter akzeptieren. Und wenn Sie beide später heiraten, wird auch die Hochzeit im Land mehr Zuspruch finden …“„Scheidung?“ Adrian schnitt Lennart das Wort ab. Seine Stimme war so kalt, dass der Regisseur am anderen Ende der Leitung verstummte. Das Licht der Küche warf harte Schatten auf Adrians Gesicht.„Wer behauptet, dass ich mich scheiden lassen will?“Lennart fröstelte. „Im … im Internet steht es überall. Das letzte gemeinsame Essen, der letzte Kuss … Seit Tagen sind diese Schlagzeilen in den Trends. Alle sagen, Sie und Frau Sommer nehmen vor der Scheidung Abschied voneinander.“Mit jedem Wort wurde seine Stimme leiser. Hatte er sich etwa geirrt? Andererseits: Ein Mann mit Adrians Einfluss hätte solche Gerüchte doch nicht tagelang stehen lassen. Oder lag es daran, dass … Lennart wagte den Gedanken nicht zu E
Doch dann sahen die Umstehenden den Mann genauer an. Sein Gesicht kam ihnen bekannt vor. War das nicht Adrian? Er war doch mit Kronprinzessin Claudia in den Park gekommen!Warum trug er dann diese Frau statt der Kronprinzessin im Arm? Hatte er sich im Geisterhaus so erschrocken, dass er die beiden verwechselt hatte? Die Umstehenden sahen einander ratlos an.Yuna brauchte ein paar Sekunden, um sich von dem Schreck zu erholen. Dann bemerkte sie die vielen Blicke und wurde verlegen.„Lass mich runter“, murmelte sie. „Das ist mir peinlich.“Wenn Adrian sie mit diesem schrecklich geschminkten Gesicht vor aller Augen herumtrug, hielten die Leute ihn am Ende noch für verrückt. Was machte sie nur mit seinem Ansehen? Ihn selbst schien es nicht im Geringsten zu stören. Er sah sie an und lächelte.„Ich trage meine Frau im Arm. Sollen die anderen ruhig neidisch sein.“Er ging gut gelaunt mit ihr weiter, den Kopf erhoben, ohne sich um die Blicke zu kümmern.Claudia saß bereits auf der Rückbank i
Claudia dachte an die letzten zehn Minuten beim Frühstück zurück. Und nun stand Adrian hier mit seiner „Geisterbraut“ im Arm. Es hatte keinen Sinn, noch länger zu bleiben. Sie musste den beiden nur bei ihren Zärtlichkeiten zusehen und sich darüber ärgern.Mit finsterer Miene warf sie ihnen einen letzten Blick zu. „Mir reicht’s. Ich spiele nicht mehr mit.“Auf ihren hohen Absätzen ging sie zur verriegelten, geschnitzten Holztür und befahl mit kalter Stimme in ihr Headset: „Macht auf!“Von draußen war zu hören, wie das Schloss entriegelt wurde. Kurz darauf öffnete sich die Tür. Claudia trat mit grimmiger Miene hinaus.Adrian und Yuna blieben im Raum stehen. Er strich ihr mit den Fingerspitzen vorsichtig über die Schminke auf der Wange. Sie war bereits angetrocknet und zeigte feine Risse. Dann senkte er den Blick zu ihr und lächelte sie noch immer zärtlich an.„Willst du noch weiter?“, fragte er leise.Mehr als die Hälfte des Geisterhauses lag noch vor ihnen. Mit Claudia wäre jeder weiter
Adrians Lächeln wurde immer deutlicher. In dem düsteren Zimmer, mit der schrecklich geschminkten Geisterbraut im Arm, wirkte sein zärtlicher Blick beinahe unwirklich.Claudia starrte die beiden an. Ein Mundwinkel zuckte; sie begriff beim besten Willen nicht, was sie da sah.Hatte der Schreck ihm den Verstand geraubt? Oder gefiel ihm dieser Anblick tatsächlich? Vielleicht stand er heimlich auf solche grässlichen Gestalten. Claudia schauderte bei dem Gedanken.Die Geisterbraut schien genug von ihrer Rolle zu haben. Mit einer in roten Stoff gehüllten Hand griff sie nach den Haaren, die ihr ins Gesicht hingen. „Woran hast du mich erkannt?“Adrian kam ihr zuvor und strich die wirren, verklebten Strähnen ihrer Perücke behutsam zurück.„Ich erkenne mich mit dieser Schminke nicht einmal selbst im Spiegel.“ Sie betrachtete missmutig ihr Gesicht in dem blinden Spiegel auf dem Schminktisch. Dann sah sie zu Claudia hinüber, die mit finsterer Miene dastand. „Claudia habe ich jedenfalls ganz schön e
Da schoss hinter dem Bett eine Gestalt in Rot hervor. Die Frau trug ein altmodisches Brautkleid, dessen leuchtend roter Stoff mit dunkelbraunen Flecken übersät war, die wie getrocknetes Blut aussahen. Langes Haar verdeckte ihr Gesicht bis auf einzelne Stellen gespenstisch blasser Haut, auf denen sich bläuliche Linien abzeichneten. Am schlimmsten waren die Augen: Im Halbdunkel wirkten sie wie schwarze Löcher, aus denen dunkelrote Tränen liefen.„Aaaah!“, schrie Claudia und taumelte mehrere Schritte zurück. Sie knickte auf ihren hohen Absätzen um und wäre beinahe gestürzt. Gerade noch konnte sie sich an der Wand abstützen. Ihr Herz raste.Sie hatte doch befohlen, alle Darsteller aus dem Zimmer zu holen. Woher kam diese Frau? Hatte sie es womöglich mit einem echten Geist zu tun? Erst als Claudia wieder zu Atem kam, erkannte sie die Verkleidung. Der Schreck saß ihr trotzdem noch in den Gliedern.Die Geisterbraut wandte sich langsam von ihr ab. Mit steifen Bewegungen drehte sie sich zu A
„Henrik, das Kind in ihrem Bauch – ist es deins?“Yuna war kreidebleich. Sie traute ihren eigenen Ohren nicht.Vor sieben Monaten war Henriks älterer Bruder Erwin Wolfhardt bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Aus Mitleid mit Chiara Jensen, der jungen Witwe, die zudem schwanger war, hatte Yuna s
Am nächsten Tag im Vorstandsbüro des Wolfhardt-Konzerns warf Henrik gereizt die Akten auf den Tisch und trommelte mit den Fingernägeln auf die teure Nussbaumplatte. „Ist Yuna immer noch nicht zur Arbeit erschienen?“Der Assistent senkte den Kopf. „Nein, Herr Wolfhardt. Frau Sommer fehlt seit drei Ta
Im VIP-Luxuszimmer der Klinik.Chiara lehnte im Krankenhausbett und nippte an dem warmen Wasser, das ihr Henrik eingeschenkt hatte. „Henrik, ich habe von der Hausangestellten gehört, dass Yuna heute Morgen in einem Rolls-Royce zurückgekommen ist. Und dass sie die ganze Nacht weg war … vielleicht ist
Yuna war zurückgekommen, um ihre Sachen zu holen.Kaum hatte sie die Tür aufgestoßen, drang ein schrilles Lachen an ihr Ohr.Henrik, der sonst nie lachte, saß neben Chiara und erzählte ihr trockene Witze, um sie aufzuheitern.„Hatschi…“Chiara nieste lieblich.„Frierst du?“, fragte Henrik sofort bes







