LOGINIch spüre, wie sich ein kaltes Lächeln auf meine Lippen zeichnet. Eine Ablenkung. Sie irren sich.— Lasst sie reden, Marco. Lasst sie glauben, was sie wollen. — Ich stelle mein Glas ab. Tatsächlich, organisiert einen Empfang. In einer Woche. Um meinen Sohn unseren... Geschäftspartnern vorzustellen.Marco nickt, die implizite Botschaft verstehend. Es ist keine Feier. Es ist eine Machtdemonstration. Eine Erinnerung daran, dass die Linie der D'Amaro stark ist, dass sie eine Zukunft hat.— Und die Mutter? fragt er vorsichtig.— Nadia wird anwesend sein. Sie wird ihre Rolle spielen. Meine Stimme wird härter. Stellt sicher, dass sie die Konsequenzen versteht, wenn sie sie nicht gut spielt.Marco verneigt sich und zieht sich zurück.Ich erhebe mich und gehe zum Fenster. Die Villa ist still, aber ich spüre die unterirdischen Strömungen, die sie bewegen. Die Ambitionen, die Ängste, die Verrätereien in Vorbereitung.Die Gebur
SofiaDie Wände der Villa scheinen das Echo der Schreie absorbiert zu haben. Zuerst die gedämpften und fernen von Nadia während ihrer Geburt. Dann die Stille, noch schwerer. Wir sind im Hubschrauber zurückgekehrt, als er erfuhr, dass sie gebären würde.Und jetzt, dieses neue Geräusch. Ein Weinen. Schwach, zart, aber beharrlich. Der Schrei eines Neugeborenen.Ich erhebe mich von meinem Bett und gehe zum Fenster. Die Nacht ist ruhig, sternenklar. Irgendwo, in diesem verfluchten Haus, hat ein Leben gerade begonnen. Ein Leben, empfangen in Gewalt und Zwang.Ich denke an Nadia. An ihre Angst, ihre Resignation. Und jetzt, an dieses Kind. Welches Schicksal erwartet es, aufgewachsen im Schatten eines Vaters wie Leonardo? Wird es ein Monster nach seinem Bild werden? Oder ein weiteres Opfer?Eine kalte Entschlossenheit erfüllt mich. Dieses Kind ändert alles. Es führt eine neue Variable ein, eine Zerbrechlichkeit in Leonardos eiserner Rüstung.
Leonardo ist da.Er steht auf der Schwelle, reglos, die Szene beobachtend. Sein Ausdruck ist unergründlich. Weder Freude, noch Zärtlichkeit, noch auch Neugier. Es ist der Blick eines Eigentümers, der einen neuen Besitz inspiziert.Sein Blick gleitet über mich, erschöpft, schweißbedeckt, die Haare in Unordnung, dann ruht er auf dem Kind in meinen Armen.— Ein Erbe, sagt er einfach. Die D'Amaro haben einen Erben.Seine Stimme ist flach, sachlich. Es ist eine Erklärung, keine Feier.Ich drücke meinen Sohn fester an meine Brust, eine instinktive, besitzergreifende Geste. Die Geste einer Löwin.Er betritt den Raum, nähert sich dem Bett. Er streckt nicht die Arme aus, um das Kind zu nehmen. Er beugt sich nur vor, streift mit seinem Zeigefinger die Wange des Babys mit einer Kälte, die mich gefrieren lässt.— Sein Name ist Vittorio, verfügt er. Vittorio D'Amaro.Dann hebt sich sein Blick und trifft meinen. Und in s
NadiaDer Schmerz ist eine schwarze Flut. Sie steigt, verschlingt alles, dann zieht sie sich zurück und lässt mich keuchend auf den Seidenlaken meines Zimmers zurück. Ein Zimmer, das ein goldener Käfig ist, aber dennoch ein Käfig. Seit dem Vorfall mit Sofia lebe ich hier eingeschlossen, unter Bewachung. Ich bin nicht im Untergeschoss bei Asta und der anderen, mein Zustand „schützt" mich vor dieser ultimativen Bestrafung. Aber manchmal frage ich mich, ob die feuchte Dunkelheit nicht vorzuziehen wäre diesem kalten Licht, das meine Isolation beleuchtet.Der Schmerz, der mich jetzt durchzieht, ist anderer Natur. Tiefer, ursprünglicher. Er kommt nicht von der Angst oder der Demütigung, sondern von meinem Bauch. Ein Schraubstock aus Feuer, der sich zusammenzieht, nachlässt und sich mit albtraumhafter Regelmäßigkeit wieder zusammenzieht.Es ist zu früh. Um mehrere Wochen.Ein Stöhnen entweicht meinen Lippen. Ich balle die Fäuste in die Bettdeck
SofiaDie Gäste sind gegangen. Ihr gedämpftes Lachen, ihre schweren Blicke voller Anspielungen sind in der sizilianischen Nacht verschwunden. Die Stille, die jetzt in der Villa herrscht, ist weit bedrohlicher als ihr Lärm. Es ist eine Stille, die wartet. Die lauert.Ich stehe immer noch neben dem Kamin. Die warme Asche knistert, ein fernes Echo des Feuers, das in mir schwelt. Mein Nacken, dort wo seine Finger sich geschlossen haben, brennt, als hätte er ein Brandmal hinterlassen. Seine Worte hallen in meinem Schädel wider. „Du wirst mich anflehen, auf den Knien... damit ich weitermache."Nein. Niemals.Die Tür des Salons öffnet sich lautlos. Ich muss mich nicht umdrehen, um zu wissen, dass er es ist. Ich spüre seine Anwesenheit wie einen Druck, der die Luft verformt, ein Gewitter kurz vor dem Ausbruch.Er sagt nichts. Er stellt sich hinter mich, so nah, dass die Wärme seines Körpers die feine Seide meines Kleides durchdringt. Ich halte die Augen auf die Glut gerichtet und weigere mich
SofiaDie Stille, die auf meine Worte folgt, ist schwerer als alle Geräusche der Welt. Sie lastet auf der Versammlung, erdrückt das Klirren des Bestecks und das Atmen der Gäste. Ich halte Aldos Blick, ich lasse nicht locker. Ich sehe die Überraschung in Verärgerung übergehen, dann in eine kalte Bewertung. Ich bin nicht mehr nur ein Objekt. Ich bin eine Bedrohung, die spricht.Leonardo neben mir ist ein Block angespannter Kontrolle. Ich kann die Hitze seiner Wut auf mich abstrahlen spüren. Dann lacht er. Ein tiefes, gedämpftes Lachen, das nur ihn und mich zu betreffen scheint.— Siehst du, Aldo? Ich hatte dich gewarnt. Ein Kriegergeist.Seine Hand legt sich auf meine, die auf dem Tisch liegt. Ein fester, besitzergreifender Griff, der eine Erinnerung an die Ordnung sein soll. Seine Haut gegen meine ist ein Brennen. Ich ziehe meine Hand nicht zurück. Ich lasse sie dort, reglos, ein Stück kaltes Holz. Meine Verachtung ist eine Mauer zwischen seinem Fleisch und meinem.— Sie hat Mut, das s
SashaIch habe nicht einmal Zeit, meinen Satz zu beenden, da springt Volkov auf, sein Whiskyglas knallt auf dem Couchtisch wie ein Schuss in der bedrückenden Stille des Raumes. Seine Augen werden zu zwei glühenden Kohlen, brennend vor Zorn und zugleich Verlangen, sein Kiefer so angespannt, dass ich
SashaIch mache einen Schritt auf ihn zu. Dann noch einen. Meine Hüften wiegen sich bei jeder Bewegung, meine Brüste springen leicht, meine Nippel streifen durch die Luft, als suchten sie seine Berührung. Als ich nur noch einen Meter von ihm entfernt bin, bleibe ich stehen. Nah genug, dass er die W
SashaMeine Hüften rollen in langsamen, hypnotischen Kreisen. Ich hebe die Arme über meinen Kopf, lasse das Kleid noch tiefer über meine Schultern gleiten, enthülle die Kurve meiner Wirbelsäule, das Grübchen genau über meinem Hintern. Meine Finger krallen sich in mein Haar, ziehen gerade so, dass m
SashaDas goldene Licht der Wandleuchten streichelt die dunklen Wände der Suite, wirft lange, geschwungene Schatten, die auf dem schwarzen Samt des Sofas tanzen. Die Luft ist schwer, geladen mit einem betörenden Duft – einer Mischung aus neuem Leder, gealtertem Whiskey und diesem moschusartigen, fa







