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ES IST KOMPLIZIERT: DIE ERBEN DER MAFIA
ES IST KOMPLIZIERT: DIE ERBEN DER MAFIA
مؤلف: Olivia Oscarlyn

Kapitel 1: Zwei rosa Striche

مؤلف: Olivia Oscarlyn
last update تاريخ النشر: 2026-10-10 07:43:58

Man sagt, dein Leben kann sich in zwei Minuten ändern.

Meins änderte sich in zwei rosa Strichen.

Ich hatte so lange auf den Schwangerschaftstest gestarrt, dass das Wort „positiv“ an den Rändern zu verschwimmen begonnen hatte, als würde es sich, wenn ich nur fest genug hinsah, in etwas weniger Katastrophales verwandeln. Tat es nicht. Es lag einfach da, auf dem Rand meines Waschbeckens, und leuchtete auf diesem kleinen digitalen Display mit einer ruhigen Selbstsicherheit, die ich absolut nicht besaß, während der Novemberregen gegen das einzige Fenster über der Toilette hämmerte, als wäre er persönlich beleidigt von allem, was in diesem Raum geschah.

Ich war einundzwanzig Jahre alt. Ich war im dritten Studienjahr an der Velmoor University und studierte Literatur, weil ich Worte offenbar mehr liebte als den gesunden Menschenverstand, und eigentlich sollte ich über meine Abschlussarbeit nachdenken, über meine Praktikumsbewerbungen und über die sehr lange Liste vernünftiger Erwachsenendinge, die ich seit September vor mir herschob. Ich sollte nicht barfuß auf kalten Badezimmerfliesen stehen, um sieben Uhr morgens, das Waschbecken so fest umklammert, dass meine Knöchel weiß geworden waren, und auf zwei rosa Striche starren, die soeben ganz beiläufig meine gesamte Zukunft in die Luft gejagt hatten.

Mein Handy vibrierte neben mir auf dem Boden, und ich hätte beinahe den Test ins Waschbecken gestoßen.

Bryan: Kommst du heute Abend zum Spiel? Maya hat dir einen Platz freigehalten.

Ich starrte diese Nachricht lange an, länger, als wahrscheinlich normal war, denn Bryans Namen genau in diesem Moment auf meinem Display zu sehen, fühlte sich an, als würde das Universum mir einen grausamen Streich spielen. Bryan Rollins. Mayas älterer Bruder. Der Junge, der mir in dem Sommer vor dem dritten Studienjahr auf einem leeren Kirchenparkplatz das Einparken beigebracht hatte, nachdem ich zweimal durch die Fahrprüfung gefallen war und fest davon überzeugt gewesen war, die erste Person der Geschichte zu sein, die ihr ganzes Erwachsenenleben auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sein würde. Der Junge, der zu jedem einzelnen meiner Geburtstage aufgetaucht war, sogar zu denen, von denen ich buchstäblich niemandem erzählt hatte, immer mit dem richtigen Snack und der falschen Ausrede, warum er zufällig in der Nachbarschaft war. Der Junge, in den ich seit sechs Jahren heimlich, dumm, vollkommen und peinlich verliebt war, der absolut keine Ahnung davon hatte und der mir gerade über Basketball schrieb, während ich hier stand und den Beweis in der Hand hielt, dass ich von jemandem schwanger war, der nicht er war. Nicht mal ansatzweise er. Nicht mal in derselben Galaxie wie er.

Was sollte ich ihm sagen: „Hey Bryan, lustige Geschichte eigentlich. Ich kann heute Abend nicht zum Spiel kommen... kleines Problem bei mir. Ich bin schwanger von einem Typen, der vielleicht bei der Mafia ist, und nicht von dir, einem Mann, bei dem deine ganze Familie garantiert die Polizei rufen würde, keine Panik“???

Ich legte das Handy mit dem Display nach unten auf den Boden.

Fast sofort vibrierte eine andere Nummer, eine, die ich bewusst ohne Namen gespeichert hatte, weil ein Name das Ganze zu real gemacht hätte, und ich hatte mich in den letzten drei Wochen sehr konsequent darin geübt, so zu tun, als wäre es nicht real. Drei Wochen, in denen ich einen Schwangerschaftstest in meiner Tasche herumgetragen hatte wie eine Bombe, vor deren Zündung ich zu viel Angst hatte. Drei Wochen, in denen ich um sechs Uhr morgens Cracker gegessen und meiner Mitbewohnerin Priya erzählt hatte, das sei ein neuer Wellness-Trend. Drei Wochen, in denen ich mich selbst so gründlich belogen hatte, dass ich beinahe angefangen hatte, es zu glauben.

Wir müssen reden.

Drei Wörter. Keine Begrüßung, kein Satzzeichen nach dem Punkt, keinerlei Wärme, nur diese Art von Nachricht, die in deiner Brust landete wie ein Stein, der in stilles Wasser fällt, und Wellen durch alles schickte.

Aber ich wusste, von wem sie war. Mein Magen sackte so schnell ab, dass ich mich wieder am Waschbecken festhalten musste, der Marmor kalt und fest unter meinen Handflächen, und ich konzentrierte mich darauf, auf die Kälte, auf das Feste, das Wirkliche, denn der Rest des Raumes hatte angefangen, sich auf eine Weise zu neigen, die mir nicht gefiel.

Denn diese Nachricht war nicht von Bryan.

Und dieses Baby war auch nicht von ihm.

Ich presste beide Hände auf mein Gesicht und sagte mir, ich solle atmen, was ein ausgezeichneter Rat war, den mein Körper komplett ignorierte. Denn in dem Moment, in dem ich die Augen schloss, sah ich nicht Luca Wolfes Gesicht, zumindest nicht zuerst. Ich sah Bryan. Bryan, wie er das tat, was er immer tat, wenn er wusste, dass ich etwas verheimlichte: Er wurde ganz still und sah mich mit diesen ruhigen Augen an, bis ich einknickte und ihm alles erzählte, weil ich ihn in sechs Jahren kein einziges Mal erfolgreich hatte belügen können. Bryan, der wahrscheinlich gerade in seiner Wohnung, zwei Meilen vom Campus entfernt, Kaffee kochte und die Playlist hörte, die diese Woche bei ihm lief, und nicht ahnte, dass meine Welt gerade in der Mitte zusammengeklappt war.

Dann tauchte Luca trotzdem auf. Das tat er immer, irgendwann, wie etwas, das im tiefen Wasser meiner Gedanken lebte und genau dann nach oben kam, wenn ich es am wenigsten wollte. Dunkle Augen und eine ganz besondere Art von Schweigen, die weniger nach Frieden anfühlte als nach dem Augenblick, bevor ein Sturm entscheidet, was er zerstören wird. Die Art, wie er mich in der ersten Nacht angesehen hatte, in der wir uns begegnet waren, quer durch einen Raum, der zu laut und zu voll gewesen war und voller Menschen, die ich nicht kannte, als wäre ich ein Problem, von dem er noch nicht wusste, ob er es lösen oder selbst werden sollte. Vier Monate von etwas, wofür ich nie das richtige Wort gefunden hatte, keine Beziehung genau genommen, aber auch nicht beiläufig, etwas dazwischen, das sich ganz im Dunkeln abspielte, von dem ich Maya nichts erzählt hatte und Bryan erst recht nicht und das ich mir selbst kaum eingestanden hatte.

Etwas, das offenbar Konsequenzen hervorgebracht hatte.

Drei Klopfer an der Badezimmertür ließen mich so heftig zusammenfahren, dass ich mir auf die Zunge biss.

„Natalie?“ Seine Stimme drang durch das Holz, tief, vertraut, genau die Frequenz, die mein Herz schon seit meinem fünfzehnten Lebensjahr komplizierte Dinge tun ließ. „Du bist schon seit gefühlt zwanzig Minuten da drin. Geht's dir gut?“

Bryan.

Ich sah die Tür an. Ich sah den Test an. Ich sah meine Hände an, die seit ungefähr dem Moment, in dem das Ergebnis erschienen war, nicht aufgehört hatten zu zittern, und ich traf die sehr erwachsene Entscheidung, ihm dreist ins Gesicht zu lügen.

„Ja, alles gut!“ Meine Stimme klang bemerkenswert fest, was ehrlich gesagt meine einzige Leistung des Morgens war. „Magen-Darm. Gib mir eine Sekunde.“

Eine Pause. Dann, leiser: „Brauchst du was? Ich kann Maya holen, oder...“

„Mir geht's gut, Bryan. Versprochen.“

Genau das war es: Bryan war zu gut, er war der Mann, den man den Eltern vorstellte, um zu heiraten, und Luca Wolfe war die Sorte Mann, bei der die Eltern die Polizei riefen...

Aber mir ging es nicht gut. Mir ging es genau gegenteilig. Ich stand in einem Badezimmer an der Velmoor University mit einem positiven Schwangerschaftstest und einer Nachricht von einem Mann, der nicht an Türen klopfte, weil er es nicht nötig hatte, der an Orten ankam, wie Wetter ankam, ohne um Erlaubnis zu fragen, einfach geschehend, und ich war ungefähr dreißig Sekunden davon entfernt, entweder zu weinen oder ohnmächtig zu werden, möglicherweise beides.

Ich wickelte den Test in ein Taschentuch. Vergrub ihn ganz unten in meiner Kosmetiktasche, unter Foundation und Wimperntusche und drei Wochen Verleugnung. Wusch mir die Hände. Sah mir lange im Spiegel in die Augen, dasselbe Gesicht, dieselben weit aufgerissenen Augen, dieselben welligen Haare, die Maya einmal als Kompliment „Hauptfiguren-Haare“ genannt hatte, obwohl ich mich gerade sehr wie eine Nebenfigur im Desaster von jemand anderem fühlte.

Mein Handy vibrierte wieder.

Ich weiß, dass du es gesehen hast, tu nichts Dummes, ich komme zu dir.

Der Schauer, der durch mich lief, hatte nichts mit den kalten Fliesen unter meinen Füßen zu tun.

Luca Wolfe kam hierher.

Ich schloss die Badezimmertür auf, und da war Bryan, lehnte an der Flurwand in diesem grauen Hoodie, meinem grauen Hoodie, dem, den ich in der zehnten Klasse bei einem Lagerfeuer geklaut und nie zurückgegeben hatte. Er richtete sich auf, als er mich sah, und seine Augen musterten schnell und aufmerksam mein Gesicht, was bedeutete, dass er bereits wusste, dass etwas nicht stimmte, und abwog, wie sehr er nachhaken sollte.

„Du siehst blass aus“, sagte er.

Ich fühle mich wie ein Geist.

„Garnelen aus der Mensa“, sagte ich. „Du weißt ja, wie das ist.“

In der Mensa hatte es heute keine Garnelen gegeben. Er sprach mich nicht darauf an, trat nur näher und drückte mir den Handrücken an die Stirn, so wie er es schon hundertmal getan hatte, warm, ruhig, so unerträglich vertraut, dass sich etwas in meiner Brust schmerzhaft zusammenzog.

„Du hast kein Fieber“, murmelte er stirnrunzelnd. „Komm. Leg dich hin. Ich mach dir einen Tee.“

Tee. Er bot mir Tee an, während mein Handy ein Loch in meine Tasche brannte und der Vater meines ungeborenen Kindes irgendwo quer durch die Stadt unterwegs war, in einem Auto, das mehr kostete als das Haus meines Vaters.

„Bryan...“, begann ich.

Und dann hörten wir es beide. Ein Motor, der unten auf den Parkplatz rollte, tief, teuer, die Art von Geräusch, die in der Nähe eines Universitätscampus nichts zu suchen hatte. Die Art, bei der man hinsah, ohne zu wissen, warum.

Bryans Kiefer spannte sich an. Er drehte sich zum Fenster am Ende des Flurs, dann wieder zu mir, und in seinem Gesichtsausdruck hatte sich etwas verändert, etwas Vorsichtiges und sehr, sehr Stilles.

„Natalie“, sagte er leise. „Wem gehört das Auto?“

Mein Handy vibrierte ein letztes Mal. Ich musste nicht nachsehen, um zu wissen, was dort stand...

„Ich bin da.“

Ich hatte keine Zeit mehr. Keine Lügen mehr. Keine Kraft mehr, das brave Mädchen aus gutem Hause zu sein.

Ich sah Bryan in die Augen. Meine erste Liebe. Mein sicherer Hafen. Mein größtes Was-wäre-wenn.

Und ich begriff, mit einem Ziehen im Bauch, das nichts mit Morgenübelkeit zu tun hatte, dass ich gleich alles ruinieren würde.

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