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Ex-Frau: Für dich gibt es kein Zurück
Ex-Frau: Für dich gibt es kein Zurück
Adelina Beston

Kapitel 1: Was mein Sohn mir antat

last update Last Updated: 06.02.2026 17:08:28

(Claires Sicht)

Mein eigener Sohn hat die Polizei gerufen. Gegen mich. Und das alles nur wegen eines Hundes.

Fünfzehn Tage in einer Zelle. Das verändert eine Frau. Als die schwere Stahltür hinter mir ins Schloss krachte, war es nicht dieses Geräusch, das mich verfolgte. Es war die schrille Stimme meines sechsjährigen Sohnes, der den Beamten zurief, sie sollten seine Mutter mitnehmen.

Die Sonne stach mir aggressiv in die Augen. Ich stand da, fühlte mich schäbig in meiner zerknitterten Kleidung, während auf der anderen Straßenseite ein schwarzer Bentley lauerte wie ein Raubtier. Mein Mann, Nathan Sterling, lehnte lässig an der Fahrertür. Seine Designer-Sonnenbrille verbarg jede Regung. Neben ihm, die Hand in seiner, stand Ben, unser Sohn. Mein kleiner Junge starrte mich an, als wäre ich ein Geist. Ein Geist, der ihm Angst machte.

Vor zwei Wochen hatte ich Nathan angefleht, als die Polizei mich abführte. Bitte. Hör mir doch zu. Aber er stand nur da, den Arm schützend um sie gelegt – Isabella, seine ach so perfekte, kostbare Ex. Er hatte den Polizisten gesagt, ich sei labil. Dass ich eine Lektion bräuchte.

Seine Haltung heute sagte genau dasselbe. Ungeduldig. Genervt.

„Bist du bald fertig mit dem Gestarre, Claire?“, riss mich Nathans eiskalte Stimme aus dem Lärm der Stadt. „Steig ein. Wir fahren.“

Noch vor einem Monat wäre ich zu ihm gerannt. Ich hätte an seinem teuren Hemd geweint und ihm von meinen Albträumen erzählt, von der Stille, der Angst. Heute rührte ich mich nicht.

Klick. Klack.

Das Geräusch von Isabellas Absätzen auf dem Asphalt war wie ein Stich ins Herz. Sie trat hervor, umwerfend in einem blassseidenen Hosenanzug, ihr blondes Haar perfekt gestylt. Ihr Gesicht zeigte eine aufgesetzte Besorgnis.

„Claire …“, sagte sie mit einer honigsüßen Stimme, die vor falschem Mitgefühl triefte. Sie machte einen vorsichtigen Schritt auf mich zu. „Du siehst … müde aus. Ich weiß, was mit Max passiert ist, tut dir immer noch weh. Es war ein schrecklicher Unfall. Aber du musst diesen Zorn loslassen. Vergessen. Für Ben. Wir wollen doch alle, dass es weitergeht.“

Sie legte eine zarte Hand auf ihr Herz und stieß einen kleinen Husten aus. Die Vorstellung war perfekt. Eine heiße, bittere Wut stieg mir in der Kehle hoch. Diese Wut war die einzige Freundin, die mir nach fünfzehn Nächten geblieben war.

Unfall. Diese Lüge schmeckte nach Asche.

Max war mein Golden Retriever. Mein Schatten seit sieben Jahren. Wir waren die Einfahrt hochgekommen, als Isabellas roter Sportwagen um die Kurve schoss. Zu schnell. Wie immer zu schnell. Max sah sie zuerst. Er sprang los – ein massiver Körper, der mich zur Seite stieß, ins Gras. Ich hörte den Aufprall. Dieses widerliche Geräusch. Dann Stille.

Isabella war ausgestiegen und hatte sich die Hand vor den Mund gehalten. „Oh mein Gott! Er ist einfach auf die Straße gelaufen!“ Aber ich hatte ihr Gesicht durch die Windschutzscheibe gesehen. Nur für den Bruchteil einer Sekunde. Da war kein Schock. Da war eiskalte Ruhe.

In diesem Moment zerbrach etwas in mir. Ich dachte nicht nach. Ich stürzte mich auf sie, meine Hände packten ihre Schultern, ich schüttelte sie und schrie: „Du warst das! Du hast ihn gesehen und bist nicht ausgewichen!“

Genau dann kam Nathans Wagen. Er stellte keine Fragen. Er warf nicht mal einen Blick auf Max. Er packte mich nur, seine Finger gruben sich wie Krallen in meine Arme, und riss mich von ihr weg. Er stieß mich so heftig, dass ich auf den Kies fiel. Dann stellte er sich zwischen uns, wie ein Schutzschild für sie. Er beschützte sie.

„Was zum Teufel stimmt nicht mit dir?“, hatte er mich angeknurrt, sein Blick voller Abscheu. „Bist du verrückt geworden?“

Dann kamen die Sirenen. Und mein Ben. Mein Baby. Er kam hinter Isabella hervor, zeigte mit seinem kleinen Finger auf mich und schrie mit schriller, verängstigter Stimme: „Sie tut Tante Bella weh! Polizei! Nehmt die böse Mama mit!“

Seine Worte haben etwas in mir getötet. Etwas, das nie wieder zurückkam.

Isabella spielte das Opfer perfekt. „Schon gut, meine Herren … sie ist nur durch den Wind …“ Aber Nathan, mein Mann, trat vor. „Sie hat sie angegriffen. Ich erstatte Anzeige.“

Also nahmen sie mich mit. Und weil Isabella ja so „gnädig“ war, bekam ich nur fünfzehn Tage statt einer echten Gefängnisstrafe. Fünfzehn Tage in einer Box.

Ich blickte zum Himmel. Ich würde nicht weinen. Ich war fertig mit Weinen. Diese zwei Wochen waren die Hölle gewesen. Ich habe eine panische Angst vor engen, dunklen Räumen. Sie sperrten mich in genau so einen und machten das Licht aus. Die Stille war so ohrenbetäubend, dass ich dachte, ich würde verrückt. Ich schrie, bis ich keine Stimme mehr hatte.

Alle sagten, Nathan sei barmherzig gewesen. Keine Vorstrafe. Nur eine kleine „Auszeit“ für seine hysterische Frau. Sie wussten nichts. Es war ihnen egal.

Nathan zog sein Jackett aus und legte es Isabella um die Schultern. „Du solltest nicht hier draußen in der Kälte stehen“, murmelte er mit einer sanften Stimme. Einer Stimme, die er seit Jahren nicht mehr für mich benutzt hatte.

„Tante Bella, ich wärme dich!“, piepste Ben und schlang seine kleinen Hände um ihre.

Isabella lächelte ihn an, dann warf sie mir einen mitleidigen Blick zu. „Ich musste mitkommen, Nathan. Claire muss sehen, dass ich es ehrlich meine. Wie soll sie denn heilen, wenn sie an diesem Hass festhält?“

Nathans Gesicht verfinsterte sich. Er richtete seinen eisigen Blick auf mich. „Sie ist diejenige, die das Gesetz gebrochen hat. Was soll es da zu heilen geben?“ Er kam näher. Seine Stimme wurde leise, bedrohlich. „Claire. Das hört jetzt auf. Du bittest Isabella um Verzeihung. Eine ehrliche Entschuldigung. Und dann kannst du nach Hause kommen. Dann darfst du wieder meine Frau sein.“

Ich starrte ihn an. Den Mann, den ich seit dem College geliebt hatte. Dem ich geholfen hatte, sein Imperium aufzubauen, indem ich jeden Kontakt meiner alten Bostoner Familie genutzt hatte. Der Mann, vor dem meine Eltern mich gewarnt hatten. Er wird dich verschlingen, hatte mein Vater gesagt. Ich hatte nicht zugehört.

Dann war Isabella zurückgekommen. Die „Freundin“ von damals. Plötzlich war ich zu viel. Zu emotional. Zu anstrengend. Ich hatte um ihn gekämpft. Ich hatte gebettelt. Das hatte ihn nur noch schneller von mir weggetrieben.

Jetzt war ich für die ganze Welt die Verrückte. Die labile Frau, die wegen eines Hundes eine Heilige angreift. Sie wussten nichts von der Stille. Von der Sorte Stille, die dich dazu bringt, mit den Wänden zu reden. Die dich fragen lässt, ob du nicht vielleicht schon tot bist.

Ich biss mir auf die Zunge, bis ich Blut schmeckte. Ich war nicht im Unrecht gewesen. Mein einziger Fehler war, ihm vertraut zu haben.

„Nein“, sagte ich. Das Wort war leise, aber es saß. „Ich werde mich nicht bei ihr entschuldigen.“

Ben sprang vor Isabella, sein kleines Gesicht vor Wut verzerrt. „Du bist böse! Tante Bella ist lieb! Ich hasse dich!“

„Ben, Liebling, sag das nicht …“, mischte sich Isabella ein und zog ihn an sich. „Sie ist doch deine Mutter.“ Aber sie hielt ihn fest, als würde sie ihr Territorium markieren.

Ben brach in Tränen aus. Laute, herzzerreißende Schluchzer. Er sah mich an, seine Augen voller Schmerz, den ein Kind niemals kennen sollte. „Ich will dich nicht! Ich wünschte, sie wäre meine Mama!“

Der Schmerz war wie ein körperlicher Schlag. Er raubte mir den Atem. Ben war mein Wunder gewesen. Eine Frühgeburt. So klein, so zerbrechlich. Jahrelang war er mein ganzes Universum gewesen. Ich hatte ihn durch jedes Fieber, jeden Albtraum getragen. Ich dachte, er wäre mein Herz, das außerhalb meines Körpers schlug.

Aber in dieser dunklen, stillen Zelle hatte ich die härteste Wahrheit von allen gelernt. Wenn du nichts mehr hast, erkennst du, dass die einzige Person, die dich retten kann, du selbst bist. Sich an eine Liebe zu klammern, die dich umbringt, ist keine Liebe. Es ist ein langsamer Selbstmord.

Ich sah Nathan an. Ich sah meinen Sohn, der weinte, weil er eine andere Frau als Mutter wollte. Und ich ließ sie los.

Eine seltsame Ruhe überkam mich. Der Sturm in mir legte sich. Alles wurde glasklar.

„Nathan“, sagte ich mit einer fremdartig gelassenen Stimme.

Er musterte mich, ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen. Er wartete auf meinen Zusammenbruch.

„Ich will die Scheidung.“

Das Lächeln verschwand sofort. Seine Augen weiteten sich geschockt. Dann lachte er – ein hartes, hässliches Lachen. „Sei nicht dumm. Du hast nichts. Kein Geld. Keinen Job. Ohne mich bist du ein Niemand. Steig jetzt in den Wagen.“

Ich diskutierte nicht. Ich drehte mich einfach zu den Türen der Haftanstalt um und rief: „Leo! Wir können los! Das Auto ist da!“

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