LOGINDiane
– Ich habe nur getan, was du von mir erwartet hast.
– Nein. Du hast mehr getan. Du hast die Regeln verstanden. Du hast mit ihnen gespielt.
Er macht einen Schritt auf das Haus zu. Ich folge ihm, meine Absätze bohren sich mit einem übermäßig lauten Knirschen in den Kies. Die große Tür öffnet sich vor uns und verschluckt die Dunkelheit der Halle.
Im Inneren verändert sich die Atmosphäre ern
Diane– Ich habe nur getan, was du von mir erwartet hast.– Nein. Du hast mehr getan. Du hast die Regeln verstanden. Du hast mit ihnen gespielt.Er macht einen Schritt auf das Haus zu. Ich folge ihm, meine Absätze bohren sich mit einem übermäßig lauten Knirschen in den Kies. Die große Tür öffnet sich vor uns und verschluckt die Dunkelheit der Halle.Im Inneren verändert sich die Atmosphäre erneut. Das Haus ist nicht mehr das stille Gefängnis vom Morgen. Es ist zum privaten Theater geworden, in dem die letzte Szene der Nacht gespielt wird. Die Luft ist regungslos, geladen mit den Erinnerungen des Tages und den drohenden Versprechungen der Rückkehr.Er lässt seine Schlüssel auf ein Silbertablett fallen. Das metallische Geräusch hallt nach.– Komm, sagt er einfach, ohne sich umzudrehen.Er geht nicht die Treppe hinauf. Er geht auf die
DianeSie rührt ihr Essen kaum an. Sie nimmt einen Schluck des dunklen Burgunders, den ich für sie gewählt habe. Ihre Finger zittern unmerklich am Glasstiel. Sie starrt in den Saal, und ich weiß, dass sie jeden Ausgang abschätzt, jedes Gesicht, das ein Verbündeter sein könnte, jedes Fenster, jede Tür. Und dass sie feststellt, dass sie eine nach der anderen hermetisch verschlossen sind, versiegelt durch das Bild, das wir projizieren.Da erhebt sich Laroche. Er hat ein wenig zu viel getrunken, sein Gesicht ist gerötet, seine Augen glänzen mit ungesunder Eindringlichkeit. Er kommt auf unseren Tisch zu, ignoriert den warnenden Blick seines Nachbarn.– Dimitri! Mein Lieber, was für eine Überraschung! Man sieht dich gar nicht mehr.Seine Stimme ist zu laut, sie zerschneidet das Flüstern im Saal. Alle Köpfe wenden sich wieder zu.– Und diese… Vision an dein
DianeEr führt uns zu der erhöhten Nische, dem Tisch, der den Saal überragt, ohne wirklich in ihm zu sein. Ein Thron, in der Tat. Er zieht den Stuhl für sie. Sie setzt sich, das Rascheln des Satins wie das Zischen einer Schlange. Ich nehme ihr gegenüber Platz. Das Ritual der Speisekarte, der Weinkarte, vollzieht sich. Ich treffe die Auswahl, entscheide, mit einer Geste, die weder Diskussion noch Verzögerung zulässt.– Siehst du?, sage ich, als wir allein in unserer Lichtblase sind. Sie verschlingen dich mit den Augen. Die Männer und die Frauen.Sie hält meinem Blick stand. Die Angst, die vorhin noch darin tanzte, hat sich in hochmütigen, fast eisigen Trotz verwandelt.– Sie sehen nicht mich. Sie sehen deine Errungenschaft. Sie bewerten deinen Geschmack. Sie kalkulieren den Preis.– Sie sehen, verbessere ich mit einem Lächeln. Sie sehen die Chemie. Das funktionieren
DianeDas Auto ist eine Filzkapsel, in der die Stille brummt. Die nächtliche Stadt rauscht hinter den getönten Scheiben vorbei, ein Strom anonymer Lichter, die uns einzusaugen, in ihrem unaufhörlichen Fluss aufzulösen scheinen. Ich halte mich aufrechterhalten auf dem Ledersitz, die Hände um die schwarze Satinhülle gekrallt, die auf meinen Knien liegt. Meine Nägel, lackiert in einem dunklen Rot, das an getrocknetes Blut erinnert, graben sich in den Stoff. Jede Ampel, jedes Neon, das über die Karosserie gleitet, ist wie ein zu schneller Herzschlag, ein stiller Countdown.Neben mir fährt er. Eine lässige Hand am Lenkrad, die andere auf dem Schalthebel, das Handgelenk geschmückt mit einer dezenten Uhr, deren Zifferblatt bläuliche Lichtreflexe einfängt. Sein Profil ist aus Schatten und bewegten Reflexen gemeißelt. Von ihm geht eine absolute, souveräne Gelassenheit aus, die auf mich wie eine Provokation wirkt. Er wirft einen kurzen Blick in meine Richtung, ein blasser Blitz, der meine in da
DianeDas Warten war zu einer greifbaren Substanz geworden, einer Dichte in der Luft, die ich durchschneiden musste, um atmen zu können.Das Bad war ein Fehlschlag gewesen. Das duftende Wasser, die Badesalze, die Linderung versprachen, hatten nur mein Fleisch erweicht, nicht meinen Widerstand. Ich hatte mich an der Luft trocknen lassen, schaudernd vor dem Kleid.Es war nicht mehr dasselbe. Ein anderes Kleid war gebracht worden, auf dem Bett in einer Seidenhülle wie eine Opfergabe niedergelegt. Ein langes Kleid, von einem tiefen Grün, das an Wälder in der Abenddämmerung erinnerte oder an den Meeresgrund. Aus Satin, geschnitten auf eine Weise, die zugleich bescheiden und von einer wahnsinnigen Kühnheit schien. Es würde jede Kurve umschmeicheln. Da war ich mir sicher.Die Anweisung war klar gewesen. Ich hatte ihr Folge geleistet. Aus Trotz? Aus Resignation? Aus morbider Neugier? Ich wusste es nicht mehr.Ich hatte mich vor der Kommode mit den klaren Spiegeln niedergesetzt. Die Pinsel, di
DimitriIch gehe, hinterlasse die wiederhergestellte Stille, die nun angespannter ist als zuvor. Die schwere Eichentür schließt sich, isoliert von der Welt.Hier ist mein anderes Königreich. Klare Linien, übersichtliche Perspektiven, alles unter Kontrolle. Die Stadt breitet sich hinter der Scheibe aus, ein glitzerndes Baukastenspiel unter der Sonne. Doch heute ist mein Geist nicht ganz hier. Ein Teil von mir ist im Halbdunkel eines Hauses geblieben und beobachtet das Schweigen einer anderen.Elena tritt ein, Tablet in der Hand, den Schild der Effizienz vor sich.– Ich habe die Vorgänge nach Priorität geordnet. Die asiatische Tochtergesellschaft weist Abweichungen auf. Das Audit…– Legen Sie alles beiseite, was warten kann.Ihre Finger, die über den Bildschirm geflogen waren, halten einen Sekundenbruchteil inne.– Das gesamte?– Das gesamte. Ich wer
DIANELiams Kuss ist keine Unterwerfung, er ist eine Detonation. Seine Lippen auf meinen sind eine wilde Beanspruchung, ein Schweigen, das endlich in einer Sprache explodiert, die beredter ist als all seine gemessenen Worte. Seine Hände, gebieterisch geworden, verlassen meine Arme und vergraben sic
KAPITEL 3: DAS OPFER UND DIE FESTUNGDIANEDer Bentley gliet die Auffahrt hinauf wie ein Seufzer, verschluckt vom massiven Schatten des Anwesens. Das Tor schließt sich hinter uns mit einem gedämpften Knirschen und besiegelt unsere Abgeschiedenheit. Mein Vater ist am anderen Ende der Welt. Das Haus
DianeDie Stille des elterlichen Lofts ist eine Betonmauer nach dem Lärm, der noch in meinen Knochen widerhallt. Mein Vater ist übers Wochenende verreist. Das Personal hat frei. Nur das Summen des Kühlschranks ist zu hören und das ohrenbetäubende Echo dessen, was gerade passiert ist. Ich bin allein
DianeDer schwarze Bentley steht vor der Auffahrt, glänzend im feinen Nieselregen, der gerade einsetzt. Eine Welle unerwarteter Wärme überkommt mich, als ich ihn sehe. Vater ist da. Für ein Wochenende, vielleicht zwei. Es ist eine Tatsache. Es ist ein Zufluchtsort. Es ist aber auch, sofort, eine Ge