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Kapitel 5

Auteur: Sophiel
last update Date de publication: 2026-10-15 00:24:21

WAS ZWISCHEN IHNEN GESCHAH

Sie wagten es nicht, ein Feuer anzuzünden.

Ronan führte sie eine weitere Meile zu einem flachen Felsvorsprung, der sich an die Seite eines Berghangs schmiegte, wo die Bäume dicht genug standen, um jeden Lichtschein zu verbergen, falls sie es trotzdem gewagt hätten. Er überprüfte den Platz zweimal, bevor er Sloane erlaubte, sich dort niederzulassen, witterte die Luft und lauschte nach allem, was nicht hierhergehörte. Erst als er zufrieden war, ließ er sich schließlich ihr gegenüber an der Felswand nieder und stieß einen Atemzug aus, der sich wie der erste anhörte, den er sich seit Stunden erlaubt hatte.

Da sah Sloane die Verletzung an seinem Arm erst richtig.

Sie verlief von seinem Ellbogen bis zu seinem Handgelenk, tiefer, als sie im Dunkeln des Kampfes erkannt hatte, und blutete noch immer so stark, dass der zerrissene Ärmel seines Hemdes bereits durchnässt war.

„Du bist verletzt.“

„Ich habe schon Schlimmeres erlebt.“ Er sah nicht darauf. Stattdessen beobachtete er die Bäume, noch immer halb auf einen weiteren Angriff vorbereitet.

„Das bedeutet nicht, dass es nicht blutet.“ Sloane bewegte sich bereits, rückte näher und griff aus reiner Gewohnheit nach ihrer Tasche, bevor ihr einfiel, dass die Hälfte von dem, was sie brauchte, zusammen mit ihrer Hütte verbrannt war. Sie hatte nur das dabei, was sie heute Nacht mitgenommen hatte, und nicht viel mehr. Es musste reichen. „Lass mich sehen.“

„Mir geht es gut.“

„Dir wird es gut gehen, nachdem ich die Wunde gereinigt habe. Im Moment bist du nur einen falschen Schritt von einer Infektion entfernt, die dich ausbremst, wenn wir dich am dringendsten brauchen.“ Sie streckte ihm die Hand entgegen, die Handfläche nach oben, und wartete. „Ich frage nicht um Erlaubnis. Ich sage dir, was jetzt passieren wird.“

Etwas huschte über sein Gesicht, nicht ganz Belustigung, aber nah genug daran, dass Sloane beinahe die Vorsicht darunter übersah. Trotzdem streckte er ihr den Arm entgegen.

Zunächst arbeitete sie schweigend, riss einen Streifen aus der saubereren Hälfte ihres eigenen Ärmels und drückte ihn auf die Wunde. Mit Fingern, die sich trotz ihrer Erschöpfung schneller und sicherer bewegten, als sie es von sich selbst erwartet hätte, prüfte sie, wie tief sie war. Es überraschte sie ein wenig, wie selbstverständlich ihre Hände noch wussten, was zu tun war. Selbst jetzt, wo alles andere um sie herum auseinanderbrach, blieb wenigstens das hier ruhig und sicher.

„Du bist gut darin“, sagte Ronan und beobachtete ihre Arbeit.

„Ich hatte Übung.“

„An Wölfen, die noch vor einer Stunde versucht haben, dich zu töten?“

Das brachte sie zu etwas, das beinahe ein Lachen war, kurz und ungläubig. „Nein. Nur an Menschen, die Hilfe brauchten und niemand anderen hatten, den sie fragen konnten.“ Sie drückte das Tuch fester auf die Wunde, und er zuckte nicht zurück, obwohl sie spürte, wie sich der Muskel in seinem Arm unter ihrer Hand anspannte. „Das hier wird irgendwann mehr als nur ein Stück Stoff brauchen. Aber es wird halten, bis wir irgendwo sicherer sind.“

„Falls es überhaupt irgendwo sicherer gibt.“

Sloane sah bei diesen Worten auf. Er sah sie nicht direkt an, sondern starrte stattdessen auf einen Punkt hinter ihrer Schulter. Und zum ersten Mal, seit er sie im Wald gefunden hatte, sah er weniger wie der Sohn des Alphas aus, der einen Befehl ausführen sollte, und mehr wie ein Mann, der wirklich nicht wusste, was als Nächstes kommen würde.

„Du hättest mich nicht lebend zurückbringen müssen“, sagte sie leise. „Du hättest diese Kämpfer mich mitnehmen lassen können. Oder es selbst beenden können, als du die Gelegenheit hattest.“

„Ich weiß.“

„Warum hast du es nicht getan?“

Ronan schwieg lange. Als er schließlich sprach, war seine Stimme tiefer und rauer geworden, als würde es ihn etwas kosten, die Worte überhaupt vor sich selbst zuzugeben. „Ich weiß es nicht. Ich frage mich das seit dem Moment, in dem mein Arm dort hinten aufgehört hat, sich zu bewegen, und ich habe keine Antwort, die Sinn ergibt.“

„Vielleicht muss es noch keinen Sinn ergeben.“

„Mein Vater würde sagen, dass es das muss. Er würde sagen, ein Wolf, der einen Befehl nicht zu Ende führen kann, ist nicht geeignet, irgendetwas zu führen.“ Ronans Kiefer spannte sich an. „Ich habe ihm noch nie widersprochen. Kein einziges Mal. Nicht so.“

Sloane wusste nicht, was sie darauf sagen sollte, also sagte sie überhaupt nichts. Sie beendete den Verband um seinen Unterarm, zog ihn etwas fester als zuvor und ließ ihre Hand einen Moment länger dort liegen, als es für die Aufgabe nötig gewesen wäre. Unter ihren Fingerspitzen spürte sie den gleichmäßigen Schlag seines Pulses an seinem Handgelenk.

Da geschah es.

Eine Welle schoss plötzlich durch ihre Handfläche, hell und unerwartet, als wäre etwas durch die Berührung zwischen ihnen hindurchgegangen und hätte jeden Nerv in ihrer Hand gleichzeitig zum Leuchten gebracht. Sloane keuchte und hätte ihre Hand zurückgezogen, wenn ihre Finger nicht erstarrt und durch dieselbe Kraft an Ort und Stelle gehalten worden wären, die ihren gesamten Arm zu erfassen schien.

Ein schwaches goldenes Licht flammte dort auf, wo ihre Hand seine Haut berührte. Es war selbst in der Dunkelheit des Felsvorsprungs sichtbar und pulsierte einmal, zweimal, bevor es genauso schnell verblasste, wie es gekommen war.

Sloane starrte auf ihre eigene Hand, als würde sie jemand anderem gehören.

Ronan hatte sich nicht bewegt. Sein Atem schien irgendwo in seiner Brust stecken geblieben zu sein, und als Sloane schließlich zu seinem Gesicht aufsah, sah sie, dass er sie mit einem Ausdruck anstarrte, den sie überhaupt nicht lesen konnte, irgendwo zwischen Unglauben und etwas, das beinahe wie Angst aussah.

„Du hast das gesehen“, flüsterte sie. „Sag mir, dass du es auch gesehen hast.“

„Ich habe es gesehen.“

„Was war das?“

Ronan antwortete nicht sofort. Er starrte sie noch immer an, und etwas in seinem Gesicht war sehr blass, sehr still geworden – der Ausdruck eines Mannes, der gerade etwas Gewaltiges verstanden hatte und noch nicht wusste, wie er es laut aussprechen sollte.

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