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Treffen mit Mateo DeLuca

Author: Lily
last update publish date: 2026-09-24 02:47:44

Nach der Anspannung der letzten Nacht war Schlaf kaum mehr als ein fiebriger Traum gewesen. Die frühen Morgenstunden verbrachte ich am großen Bogenfenster meiner Suite. Ein leises Klopfen an der Tür unterbrach die Stille.

Ich hatte bereits meine Rüstung für den Tag angelegt  ein scharf geschnittenes, elfenbeinfarbenes Maßkleid mit langen Ärmeln, das die leichten blauen Flecken an meinen Handgelenken und den Mikroempfänger in meiner Uhr verdeckte. Ich prüfte mein Spiegelbild im vergoldeten Spiegel, um sicherzustellen, dass kein Hauch von Angst durch meine Maske drang, und öffnete die Tür.

Caelen stand im Flur und wirkte imposant in einem dunklen, maßgeschneiderten Anthrazitanzug.

„Guten Morgen, Elena“, sagte er leise. „Das Frühstück wird im Glas-Wintergarten serviert. Wir haben einen Gast.“

„Einen Gast?“ Ich hielt den Ton leicht. „Oder ein Publikum?“

„Beides“, erwiderte er.

An einem schmiedeeisernen Tisch, bedeckt mit Porzellantellern und frischem Obst, saß ein Mann, der Caelen bemerkenswert ähnlich sah und doch eine völlig andere Energie ausstrahlte. Er erhob sich sofort, als wir eintraten, und ein breites, strahlendes Lächeln breitete sich über sein Gesicht aus.

„Ah, die Braut des neuen Dons“, sagte der Mann mit einer reichen, charmanten Stimme. Er trat vor, überging jeden formellen Abstand und nahm meine rechte Hand, um einen weichen, aristokratischen Kuss auf den Handrücken zu drücken.

„Ich dachte schon, Caelen würde dich im Turm verstecken, um die ganze Schönheit des Hauses für sich allein zu behalten. Du bist wirklich wunderschön.“

„Danke“, erwiderte ich.

„Elena“, sagte Caelen, „das ist Mateo. Mein Underboss … und mein Halbbruder.“

„Halbbruder dem Blut nach, Bruder in den Waffen“, korrigierte Mateo leicht und zwinkerte mir zu, bevor er einen Stuhl herauszog. „Bitte, setz dich, Elena.“

Ich setzte mich und glättete den Stoff meines Kleides, während mein Geist sofort jedes Detail von Mateo DeLuca analysierte.

Er war auffallend gutaussehend welliges dunkles Haar und warme haselnussbraune Augen, die sich an den Winkeln kräuselten, wenn er lächelte. Er trug ein lockeres Leinenhemd und keine Jacke und wirkte eher wie ein italienischer Playboy im Urlaub als der zweite Mann des gefürchtetsten Syndikats der Ostküste.

„Es ist mir eine Freude, dich endlich kennenzulernen, Mateo“, sagte ich sanft und ließ ein leicht schüchternes Lächeln meine Lippen berühren. „Caelen hat mir noch nicht viel über die Familie erzählt.“

„Natürlich nicht“, lachte Mateo, nahm eine silberne Tasse und schenkte ein Getränk ein, das er mir über den Tisch reichte. „Willkommen in der Familie. Du verdienst es, dich hier zu Hause zu fühlen.“

„Ja, danke.“

„Zu Hause“, wiederholte ich leise und blickte auf den schwarzen Kaffee. „Das ist ein starkes Wort für ein Haus, das von Scharfschützentürmen umgeben ist.“

Er schenkte sich ein Glas Orangensaft ein und fragte mich nach meinen Lieblingskomponisten, nach der Familie meiner Mutter in Florenz und ob ich das Meer den Bergen vorzog. Er war aufmerksam, lachte schnell und lehnte sich vor, wenn ich sprach, als wäre jedes Wort von meinen Lippen die faszinierendste Wahrheit, die er je gehört hatte. Für jeden anderen war Mateo das weiche, menschliche Herz, das in der kalten steinernen Brust des DeLuca-Syndikats schlug.

Doch als ich die Tasse an die Lippen führte und einen langsamen Schluck des bitteren Espressos nahm, breitete sich ein kaltes, prickelndes Gefühl im Nacken aus.

Ich beobachtete seine Augen.

Als Caelen mit seinem Bruder über die Logistik der Lieferungen an den Docks sprach, verblasste Mateos Lächeln nie aber sein Blick ruhte nicht auf Caelen. Seine Augen huschten subtil zu Caelens Händen, dann zum schweren goldenen Siegelring an seinem kleinen Finger und schließlich zum Puls an der Basis von Caelens Hals.

Es war ein Mikroausdruck, eine Bruchteilssekunde, in der Wärme in pure, räuberische Berechnung umschlug  etwas, das nur jemand bemerken würde, der in tiefer Beobachtung geschult war. Ich hatte drei Jahre lang die Leutnants meines Vaters studiert und gelernt, die subtile Körpersprache von Männern zu lesen, die ihre Herren verraten wollten.

Mateo war kein warmer, unbekümmerter Bruder, der den loyalen zweiten Mann spielte.

Ich war mir sicher: Mateo war eine Schlange, die in der Sonne ruhte und darauf wartete, dass der Gärtner sich abwandte.

„Du bist sehr still, Elena“, sagte Mateo plötzlich. „Schmeckt dir der Kaffee?“

„Er ist perfekt“, murmelte ich und setzte die Tasse mit einem leisen Klacken auf die Untertasse.

„Gut“, sagte Mateo. „Wir wollen, dass du dich hier wohlfühlst. Wirklich. In unserer Welt können familiäre Bindungen so zerbrechlich sein … und es wäre eine Schande, wenn jemand so Kostbares wie du im Kreuzfeuer eines Krieges gefangen würde, der bereits von innen geführt wird.“

Er nahm meine Hand und drückte einen letzten, spöttischen Kuss auf meine Knöchel.

„Aber du und ich wissen beide genau, wie weit Victor gehen wird, um die DeLucas von innen heraus zu zerstören“, murmelte er. „Willkommen in der Familie … noch einmal, kleine Schwester.“

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