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Kapitel 8

Author: Erna Arden
last update publish date: 2026-10-30 04:42:52

Die Stunden ziehen sich im Hotelzimmer dahin wie ein dichter Nebel, der sich einfach nicht auflösen will. Draußen hat der Regen aufgehört, doch der Himmel hängt weiterhin tief und schwer über der Stadt. Ein graues Licht liegt über allem, verschluckt die Farben und lässt sämtliche Konturen verschwimmen.

Anna liegt zusammengerollt auf dem Bett, die Knie an die Brust gezogen, das Gesicht halb im tränenfeuchten Kissen vergraben. Barbara sitzt neben ihr, mit dem Rücken gegen das Kopfteil gelehnt. Ei
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  • Geschieden, schwanger mit Sechslingen    Kapitel 8

    Die Stunden ziehen sich im Hotelzimmer dahin wie ein dichter Nebel, der sich einfach nicht auflösen will. Draußen hat der Regen aufgehört, doch der Himmel hängt weiterhin tief und schwer über der Stadt. Ein graues Licht liegt über allem, verschluckt die Farben und lässt sämtliche Konturen verschwimmen.Anna liegt zusammengerollt auf dem Bett, die Knie an die Brust gezogen, das Gesicht halb im tränenfeuchten Kissen vergraben. Barbara sitzt neben ihr, mit dem Rücken gegen das Kopfteil gelehnt. Eine Hand ruht auf der Schulter ihrer Freundin.Seit Stunden hat sie sich nicht bewegt.Sie hat das Licht nicht eingeschaltet.Sie hat die Vorhänge nicht geöffnet. Stattdessen hat sie die Dunkelheit den Raum umhüllen lassen wie einen unsicheren Balsam.Anna spricht. In kurzen Abständen. In abgebrochenen Sätzen.Die Worte kommen nur mühsam über ihre Lippen, zerfetzt zwischen zwei Schluchzern und den langen Pausen, in denen sie nach Luft zu suchen scheint.Sie erzählt alles.Von Émilies Schwangersch

  • Geschieden, schwanger mit Sechslingen    Kapitel 7

    Das Hotelzimmer ist ein Grab.Die verblichenen beigefarbenen Vorhänge lassen nur ein graues Licht hindurch, das die Schatten schwer an die Wände drückt.Anna sitzt auf der Bettkante. Ihre Hände liegen auf ihren Oberschenkeln, während ihr Blick verloren auf den verblassten Mustern der Tapete ruht.Seit Stunden hat sie sich nicht mehr bewegt.Die Zeit hat jede Bedeutung verloren.Sie zieht sich in die Länge, zerreißt, faltet sich wieder in sich zusammen.Anna atmet kaum noch, als könnte jeder Atemzug das Wenige, was von ihr übrig geblieben ist, endgültig zum Einsturz bringen. Die Stille ist so tief, dass sie ihren eigenen Herzschlag in den Schläfen spürt.Irgendwann hat sie sich hingelegt, ohne sich auch nur umzuziehen.Die raue Decke kratzt an ihrer Wange.Das Kissen riecht nach feuchtem Staub und billigem Waschmittel.Sie starrt auf den Fleck an der Zimmerdecke, einen bräunlichen Ring mit unregelmäßigen Rändern. Unwillkürlich versucht sie, darin eine Form, ein Gesicht oder irgendein Z

  • Geschieden, schwanger mit Sechslingen    Kapitel 6

    Das Zimmer riecht muffig und nach billigem Desinfektionsmittel.Anna stellt ihren kleinen Koffer neben das ungemachte Bett.An einigen Stellen löst sich die Tapete von der Wand und gibt gelbliche Feuchtigkeitsflecken frei.Das Neonlicht im Badezimmer flackert und surrt. Anna bleibt regungslos stehen, die Arme hängen schlaff an ihren Seiten. Sie weint nicht.Seit sie die Tür ihres ehemaligen Zuhauses hinter sich geschlossen hat, hat sie keine einzige Träne vergossen. Nicht eine einzige.Nur diese Leere, die sich in ihrer Brust ausgebreitet hat, als hätte jemand alles aus ihr herausgerissen und nichts zurückgelassen.Der Mann an der Rezeption hatte sie seltsam angesehen, als sie bar bezahlt hatte.Eine Frau in ihrem Alter, mit hochwertiger Kleidung, aber einem winzigen Koffer, die in diesem heruntergekommenen Viertel ein Zimmer für eine Woche mieten wollte.Er hatte bestimmt schon andere gesehen. Frauen, die vor etwas davonliefen. Frauen, die einfach hinausgeworfen worden waren.Anna se

  • Geschieden, schwanger mit Sechslingen    Kapitel 5

    Der nächste Morgen dämmert über einem Haus, das nicht mehr schläft.Anna hat die ganze Nacht kein Auge zugetan.Sie ist im Sessel am Fenster sitzen geblieben, die Augen auf die Sterne gerichtet, die langsam am Himmel verblassten.Irgendwann stand sie auf, öffnete ihren Schrank und begann, den alten Lederkoffer zu packen, den Christopher ihr zur Hochzeitsreise geschenkt hatte.Sie nimmt nur das Nötigste mit – einige Kleidungsstücke, Fotos ihrer Mutter, das kleine blaue Notizbuch, in das sie seit ihrer Jugend ihre Gedanken schreibt.Nichts, was in den Augen der Coopers von Wert wäre.Nichts, was noch zu diesem Haus gehörte.Als sie die Treppe hinuntersteigt, ist die Sonne noch nicht ganz aufgegangen.Der Salon ist leer.Die Teetassen von gestern stehen noch auf dem Couchtisch, erstarrt in einer Intimität, die nicht mehr existiert.Anna durchquert den Raum, ohne langsamer zu werden. Ihr Koffer stößt bei jedem Schritt leise gegen ihr Bein.Sie ist fast an der Haustür angekommen, als eine

  • Geschieden, schwanger mit Sechslingen    Kapitel 4

    Der Flur ist leer.Anna steigt ein letztes Mal die Treppe hinunter, ihr Koffer schlägt bei jeder Stufe gegen ihr Bein.Das Leder ist alt, an manchen Stellen rissig, aber es hat gut gehalten.Dreiundzwanzig Jahre Staub in einem Schrank, und er ist noch da, treu auf seinem Posten. Treuer als der Mann, der ihn für ihre Hochzeitsreise gekauft hatte.Sie durchquert die Eingangshalle, ohne langsamer zu werden.Die Wände ziehen an ihr vorbei wie die Seiten eines Buches, das sie in- und auswendig kennt.Hier der venezianische Spiegel, mitgebracht von ihrer ersten Italienreise.Dort die Louis-XVI-Konsole, die Bernadette ihnen zum zehnten Hochzeitstag geschenkt hatte – ein vergiftetes Geschenk, wie sie jetzt begreift, eine diskrete Erinnerung daran, dass die Familie Cooper Jahrhunderte Geschichte hatte und sie nicht wirklich dazugehörte.Ihre Finger schließen sich fester um den Griff des Koffers.Sie darf nicht stehen bleiben.Sie darf nicht zurückblicken.Jeder Gegenstand, jedes Möbelstück, je

  • Geschieden, schwanger mit Sechslingen    Kapitel 3

    Die Nacht vergeht nicht.Anna bleibt auf dem Rand des Bettes sitzen, die Augen auf das Fenster gerichtet.Sie beobachtet, wie der Himmel die Farbe wechselt, vom tiefen Schwarz zum blassen Grau, dann sich rosa und orange färbt, als die Morgendämmerung über dem Anwesen anbricht.Sie hat nicht geschlafen.Sie hat nicht geweint.Sie hat einfach gewartet, reglos, wie ein verletztes Tier, das seine Kräfte spart.Als die ersten Sonnenstrahlen die seidenen Vorhänge treffen, steht sie auf. Ihr Körper ist steif, ihre Gelenke schmerzen.Jede Bewegung kostet sie Überwindung, aber sie führt sie methodisch aus, mit der mechanischen Präzision einer Automatin.Sie betritt das Badezimmer.Sie duscht.Sie trocknet ihre Haare.Sie schminkt sich sorgfältig, verdeckt die Ringe unter ihren Augen, zieht die Kontur ihrer Lippen nach.Ihr Spiegelbild ist tadellos.Tadellos und leer, wie eine Porzellanpuppe, die hinter einer Vitrine ausgestellt ist.Sie zieht einen schlichten Hosenanzug an, dunkelblau, den, de

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