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Ich dachte ich könnte nie Lieben
Ich dachte ich könnte nie Lieben
Author: Selisblum

Kalter Anfang

Author: Selisblum
last update Last Updated: 2026-01-28 18:57:46

Ich dachte lange, ich würde nie lieben.

Nicht weil ich es nicht wollte, sondern weil ich nie gelernt habe, wie sich Liebe wirklich anfühlt.

Meine Kindheit war nicht schön. Sie war laut, kalt und voller Angst.

Mein Vater war Alkoholabhängige. Der Alkohol bestimmte sein Leben- und damit auch unseres. Wenn er trank, wurde er aggressiv. Seine Wut hing wie ein dunkler Schatten über unserem Zuhause. Ich erinnere mich kaum an ihm ohne eine Flasche in der Hand. In meinen Erinnerungen ist er entweder betrunken oder wütend jedoch oft beides.

Meine Mutter hatte selbst eine schwere Kindheit hinter sich. Einen Vater, der nie für sie da war und eine Mutter, die Sie überforderte. Sie versuchte stark zu sein, doch manchmal war sie es nicht. Manchmal war sie einfach nur müde und manchmal einfach nur Leer.

Als ich geboren wurde, gab sie mir den Namen Mila- benannt nach ihrer damaligen beste Freundin aus Kindertagen. Vielleicht war es ein versuch etwas Warmes aus der Vergangenheit festzuhalten.

An meinen Vater erinnere ich mich nur bruchstückhaft. An seine laute Stimme und an seinen kalten Blicken. Daran, wie er meinen kleinen Bruder schlug, oder meine Mutter, wenn er die Kontrolle verlor. Diese Bilder haben sich in meinem Gedächnis eingebrannt.

Heute hab ich keinen Kontakt mehr zu ihm- und das ist auch gut so.

Mache Menschen darf man loslassen, um selbst zu überleben.

Die Schule war damals mein Zufluchtsort, den dort war alles einfacher. Ich hatte viele Freunde, lachte viel und meine Noten waren gut. Für ein paar Stunden am Tag, konnte ich so tun als wäre mein Leben normal, als wäre ich ein ganz normales Mädchen mit einer ganz normaler Familie.

Vielleicht war es genau deshalb, dass mein Berufsleben für mich früh feststand. Ich wollte Sicherheit und Struktur. Etwas das mir niemand nehmen konnte. Ein Bürojob schien mit den richtigen Weg zu sein.

Also machte ich meine Ausbildung in einem Büro und zog sie durch- Schritt für Schritt ohne nach links oder rechts zu gehen.

Während der Ausbildung arbeitete ich zusätzlich als Babysitterin und half ab und zu samstags in einem kleinen Kiosk aus.

Nicht weil ich musste, sondern weil ich ein Ziel hatte. Ich wollte weg. Raus aus der alten Umgebung, in eine neuen Stadt sogar in ein neues Land.

Mit achtzehn war ich fertig mit der Ausbildung und ich ging. Ich zog von Deutschland in die Schweiz .

Natürlich hab ich meine Mutter mit in die Schweiz genommen, den ich wollte sie nicht alleine in Deutschland lassen, nicht mit ihrem Zustand den sie gerade hatte.

Ich lebte dort bis zu meinem einundzwanzigsten Lebensjahr in einer Wohngemeinschaft und arbeitete in einem Büro. Es war nicht perfekt, aber es war mein eigenes Leben. Ein Jahr später zog ich in meiner ersten eigener Wohnung und begann Bein Brandt Office zu arbeiten.

Heute bin ich Vierundzwanzig und arbeite seit zwei Jahren bei Brandt Office. Ich habe einen Job, eine Wohnung und ein eigenes Leben, das sich zum ersten Mal stabil anfühlte und trotzdem trage ich meine Vergangenheit noch immer in mir.

Ich komme aus der Kälte.

Doch vielleicht- nur vielleicht- muss ich dort nicht fürimmer bleiben.

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