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Zwischen Nähe und Angst

Author: Selisblum
last update publish date: 2026-01-30 05:27:00

Der Moment, in dem Mila die E-mail erhielt, veränderte alles .

Herzlichen Glückwunsch Mila. Wir freuen uns, ihnen die Position der persönlichen Sekretärin des CEO anbieten zu dürfen.

Darunter Elias‘ Name. Keine Förmlichkeiten und keine Distanz.

Sie las die Zeilen mehrmals, als müsste sie sich vergewissern, dass sie sich das nicht einbildete. Ein Teil von ihr war Stolz, jedoch ein anderer Teil war nervös und irgendwie tief in ihr regte sich eine Angst, die sie gut kannte: die Angst davor, dass etwas Gutes zu nah kommen könnte.

Die nächst Tage waren intensiv. Mila arbeitete enger mit Elias zusammen, als sie es sich je vorgestellt hatte. Meetings, Termine, Telefonate und Entscheidungen waren ihre Aufgaben.

Er vertraute ihr schnell, liess sie organisieren, strukturieren und mitdenken. Sie merkte, wie sehr ihr diese Rolle lag. Sie war gut darin sogar sehr gut und Elias wusste es.

„Ohne dich würde ich hier untergehen“, sagte er einmal halb im Scherz, halb ernst als sie ihm den Tagesplan reichte.

Sie lächelte, doch ihr Herz schlug schneller als nötig.

Trotz aller Professionalität lag etwas Unausgesprochenes zwischen ihnen.

Blicke, die zu lange hielten, Pausen in denen keiner sprach. Eine Nähe, die sich nicht erklären liess- und genau das machte Mila Angst.

An diesem Nachmittag klopfte Mila an die Tür seines Büros. Sie hatte Unterlagen dabei, eine Liste mit Punkten die sie besprechen mussten. Termine, Verträge und ein anstehendes Meeting mit Investoren.

„Komm rein“, sagte Elias.

Er stand am Fenster, das Sakko über den Stuhl gehängt, die Ärmel seines Hemdes hochgekrempelt. Tattoos zeichneten sich deutlich auf seinen Unterarmen ab. Als er sich umdrehte, lächelte er- dieses ruhige intensive Lächeln, das sie längst kannte.

„Ich solle die Agenda für nächste Woche mit dir durchgehen“, begann Mila sachlich und setzte sich ihm gegenüber.

Elias hörte zu, nickte und stellte ein paar Fragen. Doch sie merkte, dass er nicht ganz bei der Sache war. Sein Blick wanderte immer wieder zu ihr, als würde er etwas suchen.

„Elias?“ fragte sie schliesslich. „Alles Okay?“

Er schwieg einen Moment. Dann lehnte er sich zurück, verschränkte die Hände und sah sie offen an.

„Ich wollte eigentlich über etwas anderes sprechen.“

Mila spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. „Über was?“

Er atmete tief durch. „Über uns.“

Die Luft im Raum veränderte sich. Plötzlich war alles still zu still .

Elias…,“ begann sie, doch er hob leicht die Hand.

„Ich weiss, dass das vielleicht unprofessionell ist“, sagte er ruhig. „Aber ich bin ehrlich. Ich fühle mich zu dir hingezogen. Nicht erst seit dem Club, sondern von dem Moment an, als ich dich zum ersten Mal gesehen habe. Wir hatten so viel Zeit verbracht, so viel gelacht ich glaub ich hab mich echt verliebt.“

Mila starrte ihn an. Ihr Herz raste, den genau davor hatte sie Angst gehabt, genau von diesem Moment.

„Du bist anderst“, fuhr er fort. „Stark, klar und trotzdem spürt man, dass du viel mit dir herumträgt. Ich kann es nicht ignorieren.“

Sie schluckte. Worte wollen heraus, aber sie blieben stecken. Bilder aus ihrer Vergangenheit drängten sich nach vorne. Ihr Vater, die Angst und das Gefühl, dass Nähe immer wehtat.

„Elias…“, sagte sie leise. „Ich kann das nicht.“

„Warum nicht?“ Seine Stimme war sanft und nicht drängend.

Sie stand auf, ging ein paar Schritte vom Schreibtisch weg, als bräuchte sie Abstand.

„Weil meine Vergangenheit mich einholt, sobald es ernst wird. Weil ich gelernt habe, dass Nähe gefährlich ist. Dass man verletz wird.“

Er erhob sich langsam, blieb aber auf Abstand. „Ich will dich nicht verletzen.“

„Das sagen alle“, flüsterte sie.

Elias‘ Blick wurde ernst. „Ich bin nicht dein Vater und ich bin nicht jemand, der dich kontrollieren oder kleinmachen will.“

Mila lachte leise bitter. „Du weisst nicht, wie tief das sitzt.“

„Dann lass mich es lernen“, sagte er ruhig.

Sie sah ihn an und für einen Moment wollte sie es zulassen. Wollte glauben, dass sie mehr sein konnten als ihre Angst. Doch dann zog sie eine unsichtbare Mauer hoch.

„Ich brauch Zeit“, sagte sie schliesslich. „Und Abstand auch. Zumindest Innerlich brauch ich es.“

Elias nickte langsam. „Das respektiere ich.“

Er trat einen Schritt zurück, gab ihr Raum. „Was auch immer du entscheidest- du bist eine hervorragende Sekretärin und ich werde das nicht vermischen.“

Mila spürte Erleichterung und gleichzeitig Enttäuschung.

„Danke“, sagte sie leise.

Als sie das Büro verliess, zitterten ihre Hände leicht. Nicht vor Angst- sondern vor dem, was hätte sein können.

Später an diesem Abend, sass sie alleine in ihrer Wohnung. Die Stille war laut und ihre Gedanken kreisten.

Elias‘ Worte hallten nach. Von dem Moment an, als ich dich zum ersten Mal gesehen habe.

Vielleicht war es nicht falsch, Angst zu haben aber vielleicht war es auch nicht falsch, sich trotzdem zu öffnen.

Mila wusste es nicht. Noch nicht…

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