MasukKapitel 2
Aus Priscillas Sicht
„Weil du die einzige Frau bist, die ich kenne und der ich nahestehe, abgesehen von meiner Familie“, sagte er mit ruhiger Stimme, während er mir fest in die Augen sah.
„Ich weiß ein wenig über dich. Ich habe deinen Hintergrund recherchiert. Ich weiß auch, dass du mich liebst. Das lässt mich stark vermuten, dass du vielleicht zustimmen wirst. Und selbst wenn nicht, habe ich nichts zu verlieren.“
Ein stechender Schmerz durchzuckte meine Brust. Meinte er damit, dass er andere Optionen hätte, falls ich ablehnen würde? Dass ich für ihn nur in dem Raum existierte, den er mir zugestand, und nicht als Mensch mit eigenen Gefühlen? Der Gedanke schmerzte, scharf und kalt, aber ich schob ihn beiseite.
„Also, Priscilla“, sagte er, ohne den Blick abzuwenden, „nimmst du meinen Antrag an oder nicht?“
Ich starrte ihn an, meine Gedanken wirbelten durcheinander. Seine Augen waren scharf, ehrlich und doch erschreckend distanziert. In meinem Kopf tauchten Bilder aus meinem Elternhaus auf: Wärme, Liebe, Eltern, die einander treu waren, kleine Freuden und ständige Unterstützung.
Diese Liebe hatte mich geprägt. Ich sehnte mich nach einem Ehemann, der mich sah, mich respektierte und Loyalität und Vertrauen schätzte.
Adrian liebte mich nicht. Das war klar. Aber im Gegensatz zu anderen Männern, die vielleicht lügen und täuschen würden, hatte er mir die Wahrheit gesagt. Meine Eltern hatten immer gesagt, dass Ehrlichkeit, auch wenn sie hart ist, die Grundlage jeder Beziehung ist. Und ich vertraute ihm.
Da er seine Absichten so offen dargelegt hatte, kam ich zu dem Schluss, dass es mir nicht schaden würde, zuzustimmen. Doch der Gedanke, meine Karriere aufzugeben, mich auf ein Leben in Gehorsam zu beschränken, nagte an mir.
Könnte ich wirklich zu Hause bleiben, unsichtbar für die Welt, und trotzdem respektiert werden? Vielleicht, vielleicht könnte ich mir später einen Platz schaffen, wenn ich mir erst sein Vertrauen verdiente. Und selbst wenn er mich nie liebte, könnte meine Liebe allein uns beide tragen.
„Ich nehme an, aber darf ich trotzdem arbeiten?“, fragte ich, meine Stimme leiser, von Angst gefärbt, doch mit Hoffnung durchzogen.
„Nein“, sagte er entschieden. „Das ist nicht verhandelbar.“
Ich biss mir auf die Lippe und schluckte die Enttäuschung hinunter. Die Einschränkung fühlte sich erdrückend an, doch ich nickte langsam und redete mir ein, dass Geduld mir helfen würde, damit zurechtzukommen. Vielleicht könnte ich eines Tages, nachdem ich meine Hingabe bewiesen hatte, das Thema erneut ansprechen. Vorerst würde ich ihm geben, was er wollte.
„Ich stimme zu, Adrian“, sagte ich, die Worte zitterten auf meinen Lippen. Es war das erste Mal, dass ich seinen Namen laut aussprach, und der Klang davon fühlte sich gleichzeitig intim und beängstigend an.
„Gut. Eine kluge Entscheidung“, sagte er, sein Gesichtsausdruck unlesbar. „Der Anwalt hat einen Vertrag entworfen. Er stellt sicher, dass du niemals die Art unserer Vereinbarung preisgibst. Außerdem macht er eine Scheidung unmöglich. Selbst wenn es zu einer Scheidung kommen sollte, müsste ich sie einleiten. Solltest du den Vertrag brechen, droht dir eine Gefängnisstrafe. Eine Entschädigung ist nicht vorgesehen.“
Ich nickte und nahm das Dokument entgegen, meine Hände zitterten leicht. Es zu unterschreiben fühlte sich schwer an, als würde ich in ein Leben eintreten, das ich noch nicht ganz verstand, das ich mir aber schon so lange gewünscht hatte. Mein Herz schlug vor einer Mischung aus Hochgefühl und Angst. Ich heiratete den Mann, den ich seit Jahren heimlich geliebt hatte, und trat in das Leben ein, von dem ich geträumt hatte.
„Dann werde ich morgen Ihre Familie besuchen, um die Hochzeitsvorbereitungen zu besprechen“, sagte er mit knappem, sachlichem Ton. „Sie können früh nach Hause gehen, um sie zu informieren.“
„Kein Problem“, sagte ich und versuchte, meinen rasenden Puls zu beruhigen. „Auf Wiedersehen“, fügte ich hinzu und wandte mich zur Tür, während mein Magen vor Vorfreude und Unsicherheit flatterte.
Die Fahrt nach Hause war wie im Rausch. Die Straßen zogen verschwommen vorbei, viele Lichter der Stadt und hupende Autos, aber meine Gedanken waren ganz woanders und kreisten um tausend Was-wäre-wenn-Fragen.
Als ich in meiner kleinen Wohnung ankam, warteten meine Eltern bereits, die Augenbrauen hochgezogen, Vorfreude und Sorge in ihren Gesichtern geschrieben. Da ich sie bereits früher angerufen und gebeten hatte zu warten, wollte ich etwas Wichtiges besprechen.
„Ich werde heiraten“, verkündete ich, das Herz hämmernd, die Stimme fast zitternd. „Meinen Chef.“
Sie blinzelten. Überraschung, Besorgnis und Zögern spiegelten sich in ihren Gesichtern wider. Mein Vater runzelte die Stirn. Meine Mutter presste nervös die Hände aneinander.
„Ich weiß, es kommt plötzlich“, sagte ich schnell, um sie zu beruhigen. „Wir sind erst seit kurzem zusammen. Seine Familie drängt ihn zur Heirat. Ich weiß, dass wir schnell handeln, aber ich … ich liebe ihn. Ich würde es nicht bereuen.“
Sie zögerten noch einen Moment, nickten dann aber vorsichtig und vertrauten meinem Urteilsvermögen, auch wenn ihr Beschützerinstinkt noch immer mitschwang.
Wie versprochen traf Adrian am nächsten Tag ein, begleitet von seinen Eltern und seiner Familie. Seine Verwandten waren höflich, förmlich und distanziert.
An ihren Gesten und ihrem Auftreten erkannte ich, woher Adrian seine kühle Gelassenheit und sein akribisches, beherrschtes Auftreten geerbt hatte. Ihre Manieren waren tadellos, doch es fehlte an Herzlichkeit – ein krasser Gegensatz zu meinem eigenen Zuhause.
Die Hochzeit war für zwei Wochen später geplant: eine ruhige, vornehme Gartenzeremonie nur mit der Familie und engen Freunden. Obwohl privat, schien selbst die Presse etwas Bedeutendes zu ahnen und gelangte zu kurzen Einblicken in das Geschehen.
Als der Tag kam, war der Garten atemberaubend: perfekt geschnittene Hecken, elegante Blumenarrangements und Sonnenlicht, das sanft durch die Bäume fiel. Ich spürte das Gewicht der Erwartungen, die Bedeutung dieses lebensverändernden Augenblicks.
Die Gelübde wurden schlicht und leise ausgetauscht, doch jedes Wort trug ein immenses Gewicht. Adrian sprach klar und präzise; ich sprach voller Hoffnung, Vertrauen und zitterndem Glauben.
Nach der Zeremonie wurden wir zu seiner Villa gefahren. Mein Gepäck war bereits vorausgeschickt worden, jedes Stück sorgfältig arrangiert, als ob das Haus selbst auf meine Ankunft gewartet hätte.
Die Fahrt verlief schweigend, abgesehen vom Brummen des Motors und dem gelegentlichen Klirren von Gläsern auf dem Rücksitz. Ich starrte aus dem Fenster, meine Gedanken rasten vor Vorfreude, Angst und einer seltsamen Hochstimmung.
Die Villa ragte vor mir empor, massiv, modern, elegant. Marmorböden reflektierten den warmen Schein der Kronleuchter. Jede Oberfläche war glatt, poliert und makellos.
Adrian hatte mir gesagt, dass jede Entscheidung innerhalb dieser Mauern meine sein würde, dass das Personal meinen Befehlen gehorchen würde, dass es mir obliegen würde, über das Haus zu herrschen.
Und doch, trotz all dieser Kontrolle, fühlte ich mich klein, überwältigt und benommen angesichts der Unermesslichkeit des Ganzen. Das Haus war wunderschön, aber es kam mir vor wie ein vergoldeter Käfig. Ich schluckte schwer, das Herz raste, als ich aus dem Auto stieg.
Die Eingangshalle war riesig. Polierter Marmor erstreckte sich vor mir, hohe Decken ließen den Raum endlos wirken, und der zarte Duft frischer Blumen lag in der Luft. Die Türen schlossen sich hinter uns, das Geräusch hallte in dem hallenden Raum wider. Meine Hände zitterten leicht, und ich holte tief Luft, um mich zu beruhigen.
Die wahre Reise, meine Ehe, meine Liebe, mein Leben, begann hier. Und ich hatte keine Ahnung, was das wirklich von mir verlangen würde.
Epilog Teil 2Aus Priscillas Sicht „Weißt du“, sagte ich leise, „manchmal denke ich immer noch an diesen Tag.“Adrians Miene verdüsterte sich augenblicklich. Der Tag, an dem ich gegangen bin. Der Tag, an dem zwischen uns alles zerbrach.Seine Finger legten sich leicht fester um meine Taille, bevor sie sich wieder vorsichtig lockerte, als würde er sich selbst daran erinnern, nicht zu fest zu drücken.„Ich weiß“, sagte er leise.Es entstand eine kurze Stille zwischen uns. Dann tauchten plötzlich Erinnerungen in meinem Kopf auf. Es gab einen Tag vor Jahren, an dem er mit zitternden Händen und den Scheidungspapieren zu mir kam.Ich erinnerte mich an den Schmerz in seinen Augen, als er mich ansah und sagte:„Wenn du dich jemals wieder gefangen fühlst, kannst du frei gehen. Ich werde dich nie wieder einsperren.“Selbst jetzt berührten mich diese Worte noch tief. Denn zum ersten Mal … stellte er meine Freiheit über seine Angst.Und da wurde mir wirklich klar, dass er sich verändert hatte. D
Epilog Teil 1Aus Priscillas SichtEs war nun zwei Jahre her, seit Adrian und ich wieder zusammen waren. Manchmal, selbst jetzt noch, kam es mir immer noch unwirklich vor.Heilung war nichts, was über Nacht geschah. Liebe allein reichte nicht aus, um den Schmerz zu tilgen, der sich tief in einem Menschen festgesetzt hatte. Die Jahre, die ich mit Adrian verheiratet war, bevor ich ihn verließ, hatten Narben in mir hinterlassen, unsichtbare Narben, die niemand außer mir sehen konnte. Narben, die mein Denken beeinflussten, meine Reaktionen, die Art, wie sich immer noch Angst in meiner Brust breitmachte, wenn Stimmen zu laut wurden oder die Stille zu lange anhielt.Es gab Nächte, in denen ich plötzlich aus dem Schlaf erwachte, die Brust wie zugeschnürt, der Atem unregelmäßig, während Erinnerungen mich zurück zu der Frau zogen, die ich einmal gewesen war. Die Frau, die langsam in ihrer eigenen Ehe verschwand.Und jedes einzelne Mal hielt Adrian mich sanft fest, ohne mir Worte zu entlocken.
Kapitel 11Aus Priscillas Sicht„Warum bist du hier, was machst du hier, wie hast du mich gefunden?“, fragte ich voller Angst.Die Worte sprudelten aus mir heraus, bevor ich sie zurückhalten konnte. Meine Stimme zitterte, klang dünn und verletzlich, als wäre meine Brust aufgebrochen und alles darin würde auf einmal herausströmen. Mein Herz hämmerte so heftig gegen meine Rippen, dass es schmerzte, jeder Schlag dröhnte laut in meinen Ohren.Für einen Moment kippte die Welt. Die schmale Gasse, die staubige Straße, die warme afrikanische Sonne, die auf meine Haut brannte, das entfernte Lachen von Kindern – alles verschwamm, bis auf ihn.Adrian.Er stand da wie ein Geist aus einem Leben, das ich vor fünf Jahren begraben hatte. Ein Leben, um das ich getrauert hatte, das ich überlebt hatte und das ich mich gezwungen hatte zu vergessen. Seine Anwesenheit fühlte sich unwirklich an, als hätte sich meine Vergangenheit ohne Vorwarnung in meine Gegenwart hineingekrallt.Hope umklammerte meine Hand
Kapitel 10Aus Priscillas Sicht„Hope! Komm zurück!“, rief ich lachend und außer Atem, während ich einer kleinen Gestalt hinterherlief, die vor mir davonrannte.Der vierjährige Junge drehte sich kurz um, seine kleinen Füße rutschten fast auf der staubigen Straße aus, seine Augen strahlten vor Schalk. Er lachte, ein Lachen, das so rein und unbeschwert war, dass es mir auf die schönste Art und Weise das Herz erwärmte.„Mama, fang mich, wenn du kannst!“, rief er zurück, bevor er noch schneller rannte.„Hope!“, rief ich erneut und tat so, als wäre ich wütend, obwohl mein Herz lächelte.„Du fällst noch hin!“Er wurde gerade so weit langsamer, dass ich ihn einholen konnte, und ich packte ihn um die Taille und hob ihn trotz meiner schwachen Arme hoch. Er quietschte und lachte und schlang seine kleinen Hände um meinen Hals.„Ich habe dich erwischt“, sagte ich, schwer atmend.Er schmollte theatralisch. „Das ist nicht fair.“Ich lächelte und küsste ihn auf die Wange. „Das Leben ist nicht fair“,
Kapitel 9Adrians PerspektiveIm Raum war es still, zu still. Es war jene Art von Stille, die einem auf die Ohren drückt und die Gedanken lauter macht, als sie eigentlich sein sollten. Das Licht des späten Nachmittags fiel durch die hohen Fenster des Arbeitszimmers und warf lange Schatten auf den Holzboden. Ronan saß mir gegenüber, seine Haltung war entspannt, doch sein Blick war scharf, er beobachtete mich und wartete. Ich atmete langsam aus und rieb meine Handflächen aneinander. Meine Brust fühlte sich eng an, als säße dort etwas Schweres, das sich weigerte, sich zu bewegen.„Das war mein Plan“, sagte ich schließlich mit leiser Stimme. „Von Anfang an.“Ronan beugte sich leicht vor.„Sie gehorsam zu machen. Kontrollierbar. Damit sie zu der Art von Ehefrau passte, von der ich glaubte, dass ich sie brauchte.“ Ich schluckte. Als ich die Worte laut aussprach, klangen sie hässlicher, grausamer, als sie jemals in meinem Kopf geklungen hatten. „Aber irgendwann auf dem Weg hat sich das ge
Kapitel 8Aus Priscillas Sicht„Vorsicht!“, rief ich instinktiv, als Adrian auf der Treppe einen Schritt verfehlte und sein Körper gefährlich ins Schlingern geriet, bevor seine Freunde ihn am Arm auffangen konnten.Mein Herz schlug mir bis zum Hals, bevor ich mich davon abhalten konnte. Er lachte leise und tat es als nichts Besonderes ab, doch mir entging nicht die leichte Steifheit in seinen Bewegungen, die Art, wie er ein Bein schonte, während sie die Treppe hinauf in Richtung Arbeitszimmer gingen. Zwei Wochen waren seit dem Unfall vergangen, doch die Angst lebte immer noch in mir, frisch, scharf, und weigerte sich zu verblassen.Ich stand noch einen Moment länger da, meine Finger umklammerten die Kante der Küchentheke, meine Brust hob und senkte sich unregelmäßig. Zwei Wochen.Zwei Wochen, seit ich dachte, ich hätte ihn für immer verloren.Nach allem, nach den Worten, die wir uns an den Kopf geworfen hatten, nachdem er wütend aus dem Haus gestürmt war, hätte ich mir nie vorstellen
Kapitel 6Aus Priscillas SichtIch hatte Wut erwartet. Geschrei. Vielleicht harte Worte, die wie Messer auf mich einprasseln würden. Aber alles, was ich hörte, war Stille.Sie lag zwischen uns, dicht und schwer, drückte mir auf die Brust, bis mir das Atmen schwerfiel. Der Raum kam mir plötzlich kle
Kapitel 5Aus Priscillas Sicht„Ich weiß, dass du dich vielleicht gelangweilt oder einsam fühlst“, sagte Adrian ruhig, während er seine Manschettenknöpfe zurechtzog. „Deshalb gehen wir morgen Abend zu einem Familientreffen. Du kannst dich vorbereiten. Ruf das Spa-Team und die Stylisten an, damit s
Kapitel 4Aus Priscillas SichtNachdem ich mich vergewissert hatte, dass unten alles in Ordnung war und das Personal seine Aufgaben erledigt hatte, ging ich wieder nach oben. Mein Körper fühlte sich schwer an, meine Glieder waren schwach, als wäre die Erschöpfung bis in meine Knochen gesickert.Ich
Kapitel 3Aus Priscillas SichtAls wir die Villa betraten, rasten meine Gedanken. Wie geht es weiter? Was soll ich tun? Ich holte zitternd Luft und versuchte, mich zu beruhigen. Beruhige dich, Priscilla. Lass dich einfach treiben. Jetzt hilft nichts anderes als Geduld.Ich folgte Adrian schweigend,







