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Kapitel 2

Author: Nour El
last update Petsa ng paglalathala: 2026-07-27 14:40:28

„Hast du etwas dagegen, wenn Xavier hier wohnt?“

Ich wandte mich zu Dent um und zog eine Augenbraue hoch. „Ich habe nichts dagegen. Aber warum möchte er hier wohnen?“ Ich warf ihm die Frage zurück, was meinen Mann zu einem leisen Lächeln veranlasste. Seine große Hand wuschelte durch mein Haar, während er sich auf die Seite rollte, um mir ins Gesicht zu sehen.

„Xavier sucht nach einer Unterkunft in der Nähe seiner Klinik. Mama hat vorgeschlagen, dass ich ihn eine Weile hier wohnen lasse. Das ist doch in Ordnung, oder?“

Ich nickte verständnisvoll. Doch aus irgendeinem Grund war mir immer noch unwohl bei dem Gedanken, wenn ich an gestern dachte. Seine Berührung. Die Art, wie er mich angesehen hatte. Es machte mich unruhig. Ganz zu schweigen von dem, was er gesagt hatte.

„Ich habe dich vermisst, Schwägerin“, hatte er mir zugeflüstert, als wir uns umarmten.

Soweit ich wusste, standen wir uns keineswegs so nahe, dass wir einander vermissen würden. Die Art, wie er es geflüstert hatte, wirkte, als stäcke eine andere Bedeutung dahinter – etwas, das über die Art von Sehnsucht hinausging, die es hätte sein sollen. Aber ich konnte diese vage Unruhe nicht als Grund vorschützen, um Xavier abzuweisen. Immerhin war er Dents Bruder, was bedeutete, dass er auch mein Bruder war.

Mit einem breiten Lächeln schlang ich die Arme um Dent. „Schon gut. Xavier kann hier wohnen.“

Dent lachte leise auf, bevor er mich küsste. „Danke, Olivia. Ich weiß es wirklich zu schätzen, wie bereitwillig du Xavier in unserem Zuhause aufnimmst.“

Nachdem wir uns noch ein wenig unterhalten hatten, zog Dent mich ins Bett. Doch wie so oft erreichte er seinen Höhepunkt viel zu schnell. Ich lag erstarrt da und starrte mit einem leeren Lächeln an die Decke. Dent schlang seine Arme um mich und schlief bald ein, während ich neben ihm wach blieb.

Langsam stahl ich mich aus seiner Umarmung. Ich kletterte aus dem Bett und griff hastig nach meinem Handy auf dem Nachttisch. Auf Zehenspitzen schlich ich ins Badezimmer und setzte mich auf die Toilette.

Außer Atem vor Frust über die unerfüllte Lust öffnete ich eine Erotikwebsite. Ehrlich gesagt war ich keine Frau, die Gefallen an diesen ekligen Videos fand. Aber seit Dent nicht mehr in der Lage war, meine Bedürfnisse zu befriedigen, hatte ich nach einer Art Ventil gesucht.

Dent nahm immer an, dass mein Stöhnen und Seufzen bedeuteten, dass ich zufrieden war, wenn wir miteinander schliefen. Die Wahrheit war: Ich war es nicht.

Gott, vergib mir, dass ich in dieser Hinsicht nicht ehrlich zu ihm war. Ich wollte ihn nicht verletzen. Die Nachricht von seiner Unfruchtbarkeit hatte ihn schon tief genug getroffen. Ich wollte ihm nicht noch eine Last aufbürden, indem ich ihm gestand, dass ich im Bett noch nie wirklich auf meine Kosten gekommen war.

Mein Körper erhitzte sich, während ich dem Mann und der Frau auf meinem Handy zusah. Verzweifelt öffnete ich mein Nachthemd und berührte mich selbst auf der Suche nach Erlösung. Mein Rücken lehnte an der Wand. Mein Atem wurde stoßweise, als ich die Augen schloss.

Plötzlich tauchte das Gesicht meines Schwagers vor meinem inneren Auge auf.

Xavier.

Seine Berührung. Sein intensiver Blick. Seine tiefe Stimme.

Verdammt. Der Gedanke an ihn ließ die Hitze in mir nur noch heftiger auflodern.

Sogleich zog ich die Hand von meinem Körper zurück. Das Verlangen, das eben noch aufgestiegen war, brach unter dem Gewicht meiner eigenen Einsicht auf der Stelle in sich zusammen.

„Oh Gott! Nein! Das ist nicht richtig.“

Ich zwang mich, aus meinen Gedanken aufzuschrecken, und schaltete das Handy aus. Frustriert stand ich auf und ging aus dem Badezimmer. Doch nach nur einem Schritt fror ich ein.

Dent saß in Badeshorts auf der Bettkante, die Hände über den Knien verschränkt.

„Habe ich dich aufgeweckt? Es tut mir leid, Dent. Nächstes Mal werde ich— “

„Hast du es dir selbst gemacht, Olivia? War ich vorhin nicht genug für dich?“, fragte er plötzlich.

Ich blinzelte ihn an. Dent sah verletzt aus.

„Wie? W–wovon redest du?“, stammelte ich.

„Ich habe dich schon mehrmals dabei erwischt, wie du es dir nach dem Sex im Bad machst“, gestand er.

Mein Rücken glitt an der Tür hinter mir hinab. Ich vergrub mein Gesicht grob in beiden Händen.

Jetzt hatte ich Dents Stolz verletzt.

Ich war wirklich eine furchtbare Ehefrau. Ich hätte begreifen müssen, dass Dent mitbekommen könnte, was ich die ganze Zeit getrieben hatte.

„Es tut mir leid, Dent.“

„Sei einfach ehrlich. Befriedige ich dich nicht?“, fragte er bestimmt, während er sichtlich nach der Wahrheit verlangte. „Bin ich wirklich so schlecht, Olivia?“, flüsterte er mit zitternder Stimme.

Ich eilte zu ihm hinüber und kniete mich vor ihm nieder, wobei ich seine zitternden Hände in meine nahm. Für einen Moment wollte ich lügen, nur damit er sich besser fühlte. Aber Lügen würden doch nur alles ruinieren, oder?

Schweren Herzens nickte ich.

„Dent, du bist nicht so schlecht, wie du denkst!“

„Olivia, ich verspreche dir, ich werde versuchen, ein guter Ehemann für dich zu sein. Ich werde versuchen, dich zu befriedigen“, fiel er mir ins Wort, wobei Entschlossenheit sein Gesicht erfüllte. Sein Griff um meine Finger festigte sich, als glaubte er wahrhaftig daran, dass er sich ändern könne.

War das nicht etwas Gutes?

Ich nickte und umarmte ihn. „Vielleicht warst du in letzter Zeit einfach nur sehr müde. Deshalb war deine Leistung nicht mehr dieselbe. Ich verstehe das, Dent.“

Hoffentlich konnten meine Worte den Stolz wieder kitten, den ich gerade zerschmettert hatte. Als ich sah, wie Dent ein zaghaftes Lächeln aufsetzte, machte sich Erleichterung in mir breit. Er glaubte mir.

Jetzt musste ich mich nur noch zusammenreißen und unsere Beziehung so aufrechterhalten, wie sie war.

Richtig?

Und doch schlich sich, egal wie sehr ich mich selbst davon zu überzeugen versuchte, ein merkwürdiges Gefühl ein. Ich war mir nicht sicher, wie lange ich das noch durchhalten konnte.

Besonders, als Xavier an diesem Nachmittag zusammen mit Dent eintraf und zwei große Koffer mit sich trug. Er war tatsächlich bei uns eingezogen und hatte das Gästezimmer bezogen, das all die Zeit leer gestanden hatte.

Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen. Obwohl mein Körper jedes Mal, wenn ich ihm gegenüberstand, merkwürdig reagierte, weil er sich an die flüchtige Berührung erinnerte.

Derweil blieb Xavier distanziert und kühl. Er sprach kaum ein Wort, außer mit Dent. Das war auch besser so, denn zumindest konnte diese dicke Wand zwischen uns als Grenze dienen – eine, die unsere Positionen klar absteckte.

„Olivia, ich muss zurück ins Büro. Kümmerst du dich um Xavier, ja?“

Dent küsste mich auf die Stirn, bevor er ging, einfach so – und ließ mich allein mit Xavier zurück, der gerade seinen Koffer auspackte und seine Kleidung in den Schrank räumte.

Ich trat näher an das Zimmer heran. Einen Moment lang wollte ich schon wieder umkehren, doch als Xavier kurz zu mir aufsah, stockten meine Schritte.

„Wenn du etwas brauchst, findest du mich in der Küche.“

Xavier nickte und machte weiter mit dem, was er tat.

Ich ging rasch in die Küche und fing an, das Mittagessen zuzubereiten. Während ich damit beschäftigt war, Gemüse auf dem Schneidebrett zu schnippeln, hörte ich Xaviers Stimme hinter mir.

„Olivia, hast du einen Föhn?“

Ich drehte mich um – und erstarrte.

Er stand dort mit nichts als einem Handtuch um die Hüften.

Ich blinzelte, völlig unvorbereitet auf den Anblick seiner makellosen Statur: breite Schultern, eine ausgeprägte Brust und definierte Bauchmuskeln, die mich schwer schlucken ließen.

Ein Wassertropfen glitt von seinem nassen, dunkelbraunen Haar über seine Wange, spürte seinen Weg über seine Brust und verschwand unter dem Umschlag des Handtuchs.

Ich schluckte erneut.

Was dachte ich da überhaupt?

Das Messer entglitt meiner Hand und verfehlte meinen Fuß nur knapp. Beschämt über meine eigene Reaktion bückte ich mich hastig, um es aufzuheben. Doch statt des Griffs erwischten meine Finger die Klinge.

Ich zischte vor Schmerz auf und starrte auf das Blut an meinem Finger.

Xavier trat näher. Sein Duft – nach frischer Seife und etwas unverkennbar Männlichem – erfüllte die Luft.

Ehe ich reagieren konnte, ergriff er meine Hand und steckte meinen blutenden Finger in seinen Mund.

Meine Augen weiteten sich.

„Xavier, das ist eklig!“, rief ich und versuchte, ihn aufzuhalten.

Meine Wangen brannten genauso heiß wie mein Finger in seinem Mund. Er sah mich mit einem scharfen Blick an.

„Was ist daran eklig?“, fragte er leise.

Die Frage wirkte, als bärge sie eine doppelte Bedeutung, denn es schien nicht so, als saugte sein Mund nur das Blut von meinem Finger – es fühlte sich an, als würde seine Zunge ihn langsam liebkosend umspielen.

Als wüsste er exakt, was ich gerade dachte.

Ich zog meine Hand aus seinem Mund.

„Ich kümmere mich selbst um den Schnitt.“ Ich wandte mich rasch ab und verbarg mein brennendes Gesicht. „Der Föhn steht auf meinem Schminktisch.“

Xavier sah mich einen Moment lang an, ehe er sich schließlich umdrehte und ging.

Doch seine Präsenz verweilte.

Ich hockte mich wieder hin und drückte eine Hand gegen das Ziehen tief in meinem Unterleib.

Anstatt über das seltsame Verhalten meines Schwagers verwirrt zu sein, war ich noch viel verwirrter über mich selbst.

Warum reagierte ich bloß so?

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