ANMELDENWillowEs ist nun drei Jahre her.Drei Jahre seit dem Krieg. Drei Jahre, seit sich alles verändert hat, und doch fühlt sich in vielerlei Hinsicht alles noch genauso an wie zuvor. Im Palast ist es jetzt ruhiger, auch wenn es dort nie ganz still ist. Das Leben ist weitergegangen, hat sich entfaltet, ist geheilt und gewachsen. Die Narben sind geblieben, aber sie sind verblasst, unter der Oberfläche verborgen – gerade so viel, dass sie uns daran erinnern, was wir verloren haben, aber nicht so sehr, dass wir nicht weitermachen könnten. Das Rudel ist gewachsen. Es ist zu etwas Neuem geworden, zu etwas Größerem, zu etwas Besserem, trotz allem. Die Bande zwischen uns sind unzerbrechlich, geschmiedet aus Blut und Feuer, und wir haben das wiederaufgebaut, was wir einst für immer verloren glaubten. Rubys Anwesenheit in unserem Leben ist in mehr als einer Hinsicht ein Segen. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes Teil der Familie geworden, nicht nur meine engste Freundin, sondern eine Schwester –
WillowDie kalte, betäubende Stille umhüllte mich, als ich die Augen öffnete. Ich wusste nicht, was ich erwartet hatte, aber das hier war es ganz sicher nicht. Das Letzte, woran ich mich erinnerte, war der stechende Schmerz des Messers – Alpha Thanes Messer. Es war ein langsamer, qualvoller Abstieg in die Dunkelheit gewesen, und nun war ich hier, wo auch immer „hier“ sein mochte.Ich befand mich an einem Ort, der sich … unwirklich, ja sogar ätherisch anfühlte. Die Luft war dicht, schwer von einer jenseitigen Präsenz, und ein silberner Schimmer tauchte alles in sein Licht. Die Landschaft erstreckte sich vor mir, eine weite Fläche, die vor Leben zu pulsieren schien, als wäre die Erde unter mir selbst lebendig. Der Boden war weich, fast flüssig, aber gleichzeitig fest, und über mir ein Himmel, der ganz anders war als jeder Himmel, den ich zuvor gesehen hatte – ein Himmel aus endlosen Monden, deren blasses Licht wie Geister schimmerte.Und dann sah ich sie.Mein Herz setzte einen Schlag a
Alpha ThaneDie kalten Steinmauern des Palastes wirkten erdrückender denn je, als ich keuchend in der Mitte des Raumes stand und meine Brust vor Erschöpfung heftig auf und ab ging. Die Welt um mich herum schien zu verschwimmen, meine Sinne waren durch die Strapazen des Kampfes und die unerbittliche Kraft, die ich kanalisiert hatte, abgestumpft. Ich hatte alles versucht: Zaubersprüche, dunkle Magie, Feuer – alles, was ich einsetzen konnte, um sie zu bezwingen. Doch nichts davon hatte funktioniert. Willow war jetzt zu stark. Stärker, als ich es jemals erwartet hatte. Und mit jedem Augenblick spürte ich, wie mir die Kontrolle über diesen Palast, über mein Reich, entglitt.Ich hatte mich zu sehr auf meine Macht verlassen. Die Seelen, die ich mir genommen hatte, die Zaubersprüche, die ich gewirkt hatte – nichts schien mehr von Bedeutung zu sein. Sie war diejenige, die ich unterschätzt hatte. Sie war gewachsen, hatte sich auf eine Weise verändert, die selbst ich nicht begreifen konnte, und
Willow Der Geruch von Rauch und verbranntem Fleisch lag schwer in der Luft und vermischte sich mit dem Klirren der Schwerter und wütendem Gebrüll. Die Schlacht war in vollem Gange – eine gewalttätige Symphonie aus Knurren, Schreien und dem Knistern von Magie. Ich konnte das Heulen der Lykaner hören, die Schlachtrufe von Rubys Kriegern und das scharfe Klirren von Stahl auf Stahl. Mein Herz hämmerte in meiner Brust, Adrenalin schoss durch meine Adern, doch meine Konzentration war absolut. Das waren wir – wir kämpften Seite an Seite, um die Welt zu verteidigen, die wir kannten. Die Welt, die wir hatten.Der Palast, einst ein Symbol für Macht und Herrschaft, war zu einem Schlachtfeld geworden, zu einem zerfallenden Denkmal für alles, was mein Vater aufgebaut hatte. Es war die letzte Konfrontation, der Höhepunkt all dessen, was ich durchgemacht hatte. Ich war hier, umgeben von denen, die für mich kämpften: Lykaner, Mondnachkommen und Rubys Krieger. Sie kämpften an meiner Seite, vereint in
AxelIch saß in der kalten, dunklen Zelle und starrte auf die verrosteten Gitterstäbe. Das Geräusch tropfenden Wassers hallte von irgendwo weit entfernt her. Es war mittlerweile zu einer Konstante im Hintergrund meines Lebens geworden. Ein Geräusch, dem ich niemals entkommen konnte, als würde die Zeit selbst langsam versickern. Asher und Aiden saßen auf der anderen Seite des Raums, den Rücken gegen die Steinwand gelehnt, ihre Gesichter unlesbar. Aber ich kannte die Wahrheit, ich konnte sie spüren. Ihre Hoffnung war erloschen, genau wie meine. Wir waren gebrochen, zerschmettert, und es schien, als gäbe es nichts mehr, woran wir uns festhalten könnten. Alles war auseinandergebrochen. „Axel, wir haben alles versucht“, Asher’ Stimme klang hohl, als spräche er aus den Tiefen eines Grabes. Er hatte aufgegeben. „Wir können nicht weiterkämpfen. Wir können nicht weiter so tun, als hätten wir eine Chance.“ Ich ballte die Fäuste und biss die Zähne zusammen. Es war jeden Tag, jede Nacht dies
WillowEs war eine kleine, unscheinbare Sache: ein Handy, das auf dem Steinboden des Zimmers lag. Ich hatte nicht damit gerechnet, es zu finden, aber da lag es, versteckt hinter einem Stapel Laken, wie ein vergessenes Relikt. Meine Finger zitterten, als ich es aufhob und sein Gewicht spürte – das Symbol der Verbindung zur Außenwelt. Eine Rettungsleine. Die Stimme einer Freundin, eine Erinnerung daran, dass nicht alles in meinem Leben von der Dunkelheit verschlungen worden war. Ich zögerte nicht. Mit zitternden Händen entsperrte ich es, in der Hoffnung auf ein Wunder, auf ein bisschen Glück. Ich war auf dieser Reise so allein gewesen – hatte Daniel und Ella mit mir getragen, mich auf den Krieg vorbereitet und versucht, uns alle am Leben zu halten. Ich musste eine vertraute Stimme hören. Ich brauchte jemanden, der mich daran erinnern konnte, wer ich war. Und da, auf der anderen Seite, war Ruby. Ihre Stimme knisterte durch den Hörer, aber ich konnte die Erleichterung darin hören.







