LOGINKapitel 108: Das AngebotEMMAIch setzte mich, weil die beiden Männer hinter mir jeweils eine Hand auf meine Schulter gelegt hatten.Ich spürte, wie sie beide zitterten, weil sie sich mit aller Kraft davon abhielten, den alten Mann durch das Fenster zu werfen.Es war der Küchenstuhl meiner Mutter.Der am Fenster, mit der lockeren Querstrebe.Richardson hatte ihn so gedreht, dass jeder, der hereinkam, zuerst ihn sehen musste.Er setzte sich mir gegenüber und seufzte leise und müde.Seinen Hut legte er auf die Knie.Dann schloss er beide Hände um seine Teetasse, als wollte er sie daran wärmen.Mein Handy steckte in meiner Manteltasche, direkt an meiner Hüfte.Unter dem Tisch bewegte ich langsam meinen Daumen über das Display.Ich tippte ein einziges Wort an Adrian und schickte es ab, bevor ich Zeit hatte, Angst zu bekommen.Jasmin.„Sie müssen mir verzeihen, dass ich Sie zu so später Stunde störe“, sagte Richardson. „Ich bin nicht mehr so jung wie früher. Und ich würde die Dinge lieber
Kapitel 107: Hallo, EmmaEMMALiams Mantel lag bereits um meine Schultern, und Jakes Hand stützte meinen Rücken, noch bevor ich begriff, dass meine Knie nachgaben.„Das war er, nicht wahr?“, fragte ich erneut.Denn beim ersten Mal hatte mir niemand geantwortet.Die roten Rücklichter waren schon seit fast einer Minute hinter der Kurve der Küstenstraße verschwunden.„Es war ein Auto“, erwiderte Liam.Er stand oben auf den Verandastufen, die Hände geöffnet an seinen Seiten, und starrte in die Dunkelheit.„Ich weiß nicht, wem es gehörte. Aber ich weiß eines: Kein Mann, der einen ganzen Raum voller Kisten stehlen will, lässt hinter sich die Haustür offen stehen, einen umgestürzten Stuhl auf dem Boden und sämtliche Lichter ausgeschaltet.“Er hielt kurz inne.„Es sei denn, er will, dass man ihm folgt.“„Ich fahre hinterher“, sagte Jake.„Nein.“„Emma, ich kann den Wagen einholen. Ich kenne diese Straße besser als jeder andere in dieser Stadt. Und mein Auto ist schneller als alles, was diese
Kapitel 106: Die fehlenden vier FußEMMAJake hielt den ganzen Abend meine Hand.So fest, dass meine Finger taub wurden.Und kein einziges Mal bat ich ihn, loszulassen.Er saß am Küchentisch, das Taschentuch vor sich, und starrte auf die beiden grauen Buchstaben, als könnten sie jeden Moment anfangen zu sprechen.Sara saß ganz dicht neben ihm, ihre Schulter an seinen Arm gelehnt.Niemand hatte den inzwischen kalten Tee angerührt.Draußen vor dem Fenster hatte sich das Licht in eine Mischung aus Rot und Orange verwandelt, und das Meer war dunkel geworden.Ich konnte jedes einzelne Ticken der alten Wanduhr hören.„Ich habe es ihr um drei Uhr morgens vorgesungen“, sagte Jake zum dritten Mal.„Es war ein albernes kleines Lied, das ich mir in der Woche ausgedacht hatte, in der sie geboren wurde. Über ein Mädchen namens Rosie Bell, das viel zu laut für seine eigene Wiege war.“Er schluckte.„Und ich habe es keinem einzigen lebenden Menschen außer ihr vorgesungen.“„Waren Krankenschwestern i
Kapitel 105: Der Name, den nur ein Vater kannteEMMAAdrian legte nicht auf.Und ich auch nicht.Fast eine ganze Minute lang hörten wir einander einfach nur atmen.„In der Nachricht steht, dass es für sie sicherer wäre“, sagte er schließlich.Seine Stimme klang vollkommen ruhig.„Das bedeutet, dass sie mich für den Schwachen halten, Emma. Sie glauben, du wirst bei mir Hilfe suchen. Also versuchen sie, mich loszuwerden, bevor die Gerichtsanhörung stattfindet.“„Du bist nicht schwach.“„Ich habe drei Wochen in einer Gefängniszelle gesessen und schon in der dritten Nacht ihre Unterlagen unterschrieben.“Er lachte kurz und trocken.„Ich glaube, sie wissen ganz genau, wie schwach ich bin.“„Du hast unterschrieben, weil du Angst hattest und allein warst. Das ist keine Schwäche. Das bedeutet nur, dass du ein Mensch bist.“Ich presste das Handy so fest gegen mein Ohr, dass es wehtat.„Bitte lösch die Nachricht nicht. Und antworte nicht darauf. Mach einen Screenshot, schreib die genaue Uhrzeit
Kapitel 104: Eine leise Stimme am TelefonEMMAAdrian rief Punkt zwölf Uhr an.Genau wie er es versprochen hatte.Und allein die Art, wie er meinen Namen sagte, brachte mich beinahe zum Weinen.Ich saß auf den Verandastufen. Auf meinen Knien lag die gefälschte Versicherungspolice meiner Mutter in einer Klarsichthülle. Daneben stand eine Tasse Tee, die ich völlig vergessen hatte zu trinken.Margaret war zurück in die Stadt gefahren, um einen Handschriftenexperten zu finden, der die Unterschrift untersuchen konnte, ohne Fragen zu stellen.Im Garten war es so still, dass ich das Meer gegen die Felsen unterhalb der Klippe schlagen hörte.„Du klingst müde“, sagte Adrian.„Ich habe nicht geschlafen.“Ich holte tief Luft.„Adrian, ich muss dir etwas erzählen. Und ich brauche dich, mir erst alles sagen zu lassen, bevor du antwortest.“„Natürlich.“„Gestern Abend habe ich dir gesagt, dass ich nicht schlafen kann, weil das Haus so leer ist. Das war wahr. Aber es war nicht die ganze Wahrheit.“
Kapitel 103: Neun TageEMMA„Danke, Mom“, flüsterte ich. „Du hast es so gut versteckt, dass ich es beinahe übersehen hätte.“Ich stand noch immer in der Dunkelkammer.Das Foto lag in der Entwicklungsschale, und die Flüssigkeit tropfte davon herunter.Es war fast Mitternacht.Ich betrachtete die vier Bilder, die an der Leine hingen.Mom hatte gewusst, dass sie vielleicht keine Gelegenheit mehr bekommen würde, mir die Wahrheit selbst zu erzählen.Also hatte sie in einem Buch ein kleines Versteck geschaffen.Und darauf vertraut, dass eines Tages ein freundlicher Mensch es mir geben würde.Ich saß auf der Kellertreppe, bis das Licht vor den Fenstern langsam grau wurde.Um acht Uhr klingelte es an der Tür.Ein junger Mann in einer braunen Uniform hielt mir einen Umschlag entgegen.„Emma Walsh? Sie müssen den Empfang unterschreiben.“Ich unterschrieb und öffnete den Umschlag noch auf der Veranda.Er kam vom Gericht.Der Termin für die Anhörung zum Vorwurf der unsittlichen Lebensführung wurd
KAPITEL 5 Dilemma. Die Worte hingen wie Gift in der Luft. Ich starrte Adrian an und versuchte, einen Sinn in dem zu finden, was er gerade gesagt hatte.„Du hast gelogen.“ Meine Stimme klang hohl. „Darüber, wie meine Mutter gestorben ist.“„Ja.“„Warum?“Adrians Kiefer spannte sich an. „Weil sie m
Kapitel 4. Das Testament. „Das ist Dr. Adrian Cross“, sagte Liam. „Er mietet die Master-Suite. Adrian, das ist …“„Ich weiß, wer sie ist.“ Adrians Blick wanderte nicht von meinem Gesicht. „Du warst zwölf Jahre alt, als ich dich das letzte Mal gesehen habe. Bei der Beerdigung deiner Mutter.“Die K
Kapitel 3 Seaside Manor. „Ich bin Liam Hart. Ich war der Geschäftspartner deiner Mutter.“ Er starrte mich an, als hätte er einen Geist gesehen. „Du solltest heute eigentlich heiraten.“Die Welt kippte zur Seite. „Du kanntest meine Mutter?“„Ich kannte deine ganze Familie. Ich bin Architekt. Deine
Kapitel 2 Eine neue Art von Leben. Das Lächeln erstarrte auf seinem Gesicht. „Was?“„Ich will dich nicht heiraten. Ich glaube, das wollte ich nie. Ich glaube, ich wusste einfach nicht, wie ich Nein sagen sollte.“Sein Gesichtsausdruck veränderte sich und verhärtete sich zu etwas Hässlichem. „Du h







