ANMELDENSables Sicht
Drei Tage vergingen, bevor Alaric endlich so stabil war, dass Yarrow aufhörte, stündlich über ihm zu kreisen und zu verlangen, dass er sich wieder hinsetzte. Drei Tage voller Ratssitzungen, Verwundetenzählungen, Vorbereitungen für die Beerdigungen derer, die jene Nacht nicht überlebt hatten – und darunter ein Rudel, das immer noch vor Fragen summte, die niemand in der Führung bisher öffentlich beantworten wollte.„Du kannst das nicht ewig umgehen“, sagte ich zuSables PerspektiveIn einem Territorium dieser Größe verbreiten sich Nachrichten schnell, noch schneller, wenn es um Blitze geht, die durch ein Schlachtfeld reißen, und um einen Alpha, der vor dem gesamten Rudel öffentlich seine Versäumnisse gesteht. Ich hatte aufgehört, mich darüber zu wundern, wie rasch Gerüchte selbst die entferntesten Winkel von Ironclaws Gebiet erreichten, aber ich hatte nicht erwartet, dass sie so weit vordringen würden.Ein Wächter fand mich im Garten hinter der Haupthalle, wo ich seit der Schlacht ruhige Morgen verbrachte und meine Kraft Stück für Stück zurückgewann, obwohl Yarrow beharrte, dass das Schlimmste der Erschöpfung bereits vorüber sei.„Jemand fragt am vorderen Tor nach dir“, sagte er. „Sie behauptet, sie sei deine Tante.“Mein Magen sank, alte Gedanken flackerten auf, bevor ich sie stoppen konnte. „Reva.“„Das ist der Name, den sie angegeben hat.“Ich saß eine lange Weile damit da, hin- und hergerissen zwischen dem Impuls, sie sofort abzuweisen, un
Corwins PerspektiveDer Rat hatte ihr Urteil zwei Tage nach Alarics Ansprache an das Rudel endgültig beschlossen, und ich meldete mich freiwillig, die Eskorte selbst anzuführen. Zum Teil aus Pflicht, angesichts meines Ranges. Zum Teil aus etwas Persönlicherem – dem Bedürfnis, dies zu Ende zu bringen, nach allem, was ihre Taten mich und uns alle gekostet hatten.Seit dem Prozess hatte man sie in einem bescheidenen Zimmer im Ostflügel gehalten, bewacht, aber nicht angekettet – eine kleine Gnade, auf der Halric bestanden hatte, obwohl mehrere Älteste argumentierten, sie verdiene Schlimmeres. Als ich sie abholte, war sie bereits reisefertig gekleidet, eine einzelne Tasche gepackt mit dem, was der Rat ihr zu behalten erlaubt hatte.„Corwin.“ Ihre Stimme trug nichts von der alten Wärme, nichts von dem sorgfältig einstudierten Charme, den sie monatelang so wirkungsvoll eingesetzt hatte. Nur flache Resignation. „Kommst du persönlich, um mich zu verabschieden?“
Sables SichtDrei Tage vergingen, bevor Alaric endlich so stabil war, dass Yarrow aufhörte, stündlich über ihm zu kreisen und zu verlangen, dass er sich wieder hinsetzte. Drei Tage voller Ratssitzungen, Verwundetenzählungen, Vorbereitungen für die Beerdigungen derer, die jene Nacht nicht überlebt hatten – und darunter ein Rudel, das immer noch vor Fragen summte, die niemand in der Führung bisher öffentlich beantworten wollte.„Du kannst das nicht ewig umgehen“, sagte ich zu ihm und sah zu, wie er sich in seinen Gemächern ein sauberes Hemd überzog. Die Bewegung war glatt und unbehindert, auf eine Weise, die sich nach Wochen, in denen ich zugesehen hatte, wie er sich kaum aufrecht halten konnte, immer noch seltsam anfühlte.„Ich umgehe nichts.“„Du hattest drei Ratssitzungen und nicht eine einzige öffentliche Ansprache an das Rudel.“ Ich verschränkte die Arme. „Die Leute haben gesehen, was in jener Halle passiert ist, Alaric. Sie haben das Licht ges
Sables POVDie Halle leerte sich nicht leicht. Wölfe blieben in der Nähe der Türöffnungen stehen, flüsterten und wollten nicht gehen, bis jemand in einer Autoritätsposition ihnen tatsächlich sagte, was das soeben Geschehene für das Rudel in Zukunft bedeutete. Halric forderte schließlich die Ältesten auf, sich in die kleinere Ratskammer zurückzuziehen, und Alaric – der jetzt stabiler wirkte, als er es seit Wochen gewesen war – bestand darauf, sich ihnen anzuschließen, trotz Yarrows deutlicher Missbilligung.„Du solltest dich ausruhen“, sagte sie und folgte uns beiden zur Kammer. „Was auch immer gerade geschehen ist – dein Körper braucht immer noch Zeit zur Erholung.“„Ich fühle mich besser, als ich es seit Monaten getan habe“, sagte Alaric, und ich konnte die Wahrheit in seiner Stimme hören: keine Anspannung, keine erzwungene Festigkeit, die etwas darunter Versagendes überdeckte.„Sich besser zu fühlen bedeutet nicht, vollständig geheilt zu sein“,
Sables SichtDas Licht brach auf einmal nach innen zusammen, als hätte etwas Gewaltiges endlich ausgeatmet, und für eine schreckliche Sekunde passierte überhaupt nichts.Kein Atmen. Kein Puls unter meinen Fingern. Kein Laut in der gesamten Halle außer dem schwachen Knistern der sterbenden Fackeln an den Wänden.„Alaric?“ Meine Stimme kam gerissen, kaum mehr als ein Flüstern, meine Hände immer noch um die seinen geschlossen, mein ganzer Körper erstarrt.Dann keuchte er auf. Es kam scharf und verzweifelt, genau der Laut jemandes, der nach zu langer Zeit unter Wasser wieder an die Oberfläche durchbricht, seine Brust hob und senkte sich heftig, als Luft in Lungen strömte, die Sekunden zuvor kaum noch funktioniert hatten. Farbe kehrte fast sichtbar in sein Gesicht zurück, die graue Blässe wich, ersetzt von etwas Wärmerem.„Heilige Scheiße“, keuchte Corwin und kam näher. „Er atmet. Er atmet tatsächlich richtig.“Ich sah auf meine
Sables PerspektiveIch hatte keine Antwort für Rook. Niemand in diesem Raum hatte eine, und das Schweigen zog sich so lange hin, bis Yarrow es schließlich unterbrach. Ihre Stimme holte uns alle zurück zu dem Einzigen, das in diesem Moment wirklich zählte.„Wir haben keine Zeit für dieses Gespräch“, sagte sie. „Sable, ich brauche dich an seiner Seite. Sofort.“Ich bewegte mich schnell, kniete mich so nahe hin, dass meine Knie gegen Alarics Seite drückten. Sein Atem war noch flacher als noch vor wenigen Minuten. Yarrow positionierte sich gegenüber von mir, ihre Hände schwebten über seiner Brust, ohne sie zu berühren – führend, nicht ausführend.„Nimm seine Hand“, sagte sie. „Beide deine Hände um seine eine. Du brauchst Kontakt, direkt und ununterbrochen, durch die ganze Sache hindurch.“Ich tat, was sie sagte, und legte meine zitternden Finger um seine kalte, reglose Handfläche.„Was sage ich eigentlich genau?“, fragte ich. „Gibt der Text die genauen Worte vor?“„Er gibt die Form vor. D







