ANMELDENNATALIE'S PERSPEKTIVE Ich richtete das Notizbuch in meinen Händen und griff gerade nach der Tür zum Konferenzraum, als Lucas’ Stimme mich zurückhielt.„Natalie.“Ich drehte mich um.„Ja, Mr. King?“„Du musst nicht mitkommen.“Ich machte einen kleinen Schritt zurück.„Ich … muss nicht?“Er schüttelte den Kopf. „Emily nimmt diesmal an der Besprechung teil.“Für einen Moment dachte ich, ich hätte ihn falsch verstanden.„Habe ich etwas falsch gemacht?“„Nein, natürlich nicht.“„Warum gehe ich dann nicht mit?“„Weil du eine Pause machst.“Ich blinzelte. „Eine Pause?“„Eine Stunde.“Ich musste mich beinahe zusammenreißen, nicht zu lachen. „Ich brauche keine Pause.“„Doch.“„Mir geht es vollkommen gut.“„Du bist vor drei Tagen beinahe ohnmächtig geworden.“„Ich habe mich erholt.“„Das weiß ich. Und gestern hast du etwas in Ordnung gebracht, worüber Tom sich den Kopf zerbrochen hat. Das verdient irgendeine Art von Belohnung.“„Belohnung? Dafür, dass ich meine Arbeit mache?“„Das war Toms Auf
LUCAS PERSPECTIVÉ In dem Moment, als Sophia mein Büro betrat, machte sie es sich bequem, als käme sie schon seit Jahren hierher. Sie schaute sich neugierig im Raum um, bevor sie vor den Fenstern stehen blieb.„Ich verstehe jetzt den Hype, hier oben zu arbeiten.“Ich schloss die Akte vor mir.„Ich weiß nicht, wie es den anderen geht, aber die Aussicht hilft. Beruhigt mich ein bisschen.“„Sie ist wirklich entspannend.“„Besitzt dein Vater nicht auch so ein Unternehmen?“„Doch, aber deins ist mir neu, denke ich.“Sie drehte sich mit einem Lächeln zu mir um.„Ich habe King’s Corporation noch nie von innen gesehen.“„Ich dachte, Victoria hätte dich schon mal mitgebracht.“Sie lachte leise.„Wenn sie das getan hätte, würde ich dann um eine Führung bitten?“„Ich dachte, das wäre nur eine Ausrede, um allein zu sein.“„Nun ja, das auch.“ Sie machte ein paar Schritte näher zum Stuhl. „Aber ganz allein waren wir ja nicht, oder?“ Sie setzte sich.Ich senkte den Kopf und versuchte, das, was sie g
NATALIE'S PERSPEKTIVE „Morgen.“Ich schaute von meinem Schreibtisch hoch.Lucas stand vor meinem Büro, in der einen Hand einen Kaffee, die andere in der Tasche.„Guten Morgen, Mr. King.“„Wie war deine Nacht?“Ich warf ihm einen zweiten Blick zu, unsicher, woher die Frage kam.„Sie war… gut.“Er nickte.„Und Ava?“„Ihr geht es auch gut. Sie freut sich schon auf die Schule.“Seine Lippen zuckten.„Ich erinnere mich, dass ich vor meinem ersten Schultag auch ungeduldig war.“„Du?“Er wirkte leicht beleidigt.„Ich war auch in der Schule, Natalie.“Ich lachte.„Ich weiß. Es ist nur schwer, sich dich als kleinen Jungen vorzustellen.“„Ich war sehr brav. War sogar im Schülerrat.“„Das überrascht mich überhaupt nicht.“Er lachte leise.„Und du? Wie fühlst du dich dabei, dass sie in die Schule kommt?“Ich stieß einen langen Seufzer aus.„Ich kann nicht sagen, dass ich traurig bin. Ich wollte immer, dass sie Freunde findet… und der Gedanke, mir nicht ständig um sie Sorgen machen zu müssen, ist
NATALIE'S PERSPEKTIVE Ich lag so falsch.Eine Nacht lang hatte ich tatsächlich geglaubt, dass sich endlich alles beruhigt.Ich hätte es besser wissen müssen.In dem Moment, als ich am nächsten Morgen aus dem Aufzug trat, wusste ich, dass etwas anders war.Mitarbeiter, die sonst in einem gemütlichen Tempo unterwegs waren, bewegten sich deutlich schneller. Emily eilte mit zwei Ordnern an der Brust an mir vorbei. Jemand aus der Personalabteilung verschwand in einem der Konferenzräume. Sogar Mia, die sonst unmöglich zu übersehen war, saß nicht an ihrem Schreibtisch.Ich dachte, ich hätte wieder einmal ein Meeting verpasst – aber auch das war falsch.Kaum hatte ich mein Büro erreicht, rief Emily mir hinterher.„Natalie.“Ich drehte mich um.„Morgen.“„Morgen.“ Sie lächelte nervös. „Mrs. King ist wieder da.“Mein Lächeln verblasste. „So früh?“Emily nickte. „Sie ist schon seit fast einer halben Stunde hier.“Bevor ich antworten konnte, öffnete sich die Tür zu Lucas’ Büro.Victoria trat her
NATALIE'S PERSPEKTIVE Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit… wachte ich ohne Wecker auf.Kein Hetzen, um mich anzuziehen, kein Checken der E-Mails, bevor meine Füße überhaupt den Boden berührten, kein Sorgen um Ava oder Carla.Die Wohnung war still. Sanftes Morgenlicht fiel durch die Vorhänge und malte warme Flecken auf den Schlafzimmerboden.Ich streckte mich unter der Decke und warf einen Blick auf die Uhr.Halb neun.Ich lachte darüber, weil ich in Panik geraten wäre, wenn es ein normaler Arbeitstag gewesen wäre. Aber ich lag immer noch im Bett.Es klopfte an meiner Schlafzimmertür, bevor sie sich knarrend öffnete. Ein kleines Gesicht lugte herein.„Mama?“Ich lächelte sofort. „Guten Morgen, Schatz.“Ava grinste, rannte durchs Zimmer und kletterte neben mich aufs Bett.„Fahren wir nicht zu Carlas Haus?“„Nein, Schatz. Carla muss dich heute nicht aufpassen.“„Du hast keine Arbeit?“„Zumindest heute nicht.“Ihre Augen wurden groß.„Heißt das, wir können den ganzen Tag zusamme
LUCAS PERSPECTIVÉ Am nächsten Morgen kam ich früher als sonst ins Büro. Emily war noch nicht da, ebenso wenig wie Ethan. Nur das Reinigungspersonal bewegte sich durch den Flur und ersetzte die Blumen von gestern durch frische.Ich betrat mein Büro und stellte meine Aktentasche neben den Schreibtisch. Fast instinktiv wanderte mein Blick zu den Glaswänden des Büros gegenüber.Es war leer. Aus guten Gründen gefiel mir das gar nicht. Natalie war normalerweise eine der Ersten, die zur Arbeit kam.Ich wandte den Blick ab. Das ging mich nichts an.Ich hatte meinen Laptop kaum geöffnet, als Schritte durch den Flur hallten. Einen Moment später tauchte Natalie mit einer Mappe unter dem Arm auf.Gerade als sie ihr Büro erreichte, blickte sie auf und erstarrte. Sie hatte wohl nicht damit gerechnet, dass ich schon da war. Unsere Blicke trafen sich über den Flur hinweg, und ich hätte sie beinahe gefragt, ob es ihr schon besser ginge.Stattdessen …„Du bist zu spät.“Sie blinzelte und blickte dann







