LOGINPOV: Elena
Ich löschte den Chatverlauf. Genau in diesem Moment ploppte eine Nachricht von einer unbekannten Nummer auf. Schon wieder Damon.
„Hab ihn dir gerade vom Hals geschafft. Wie bedankst du dich?“Ich antwortete nicht. Ein paar Minuten später schob er nach:
„Okay, ich verstehe. Ich arbeite ungern umsonst. Dann schicke ich ihn wohl wieder nach Hause.“Ich seufzte genervt und tippte schließlich: „Was willst du?“
„Ich bin betrunken. Hol mich ab.“ „Abgemacht. Aber unter einer Bedingung.“ „Alles, was du willst.“Die Adresse führte zu einem ultra-exklusiven Privatclub in der Innenstadt. Luxus, gedämpftes Licht und diskrete Dekadenz. Als ich vorfuhr, wartete Marcus, Damons Bodyguard, bereits am Bürgersteig auf mich.
„Mademoiselle Rose. Der Chef erwartet Sie im ersten Stock.“
Ich folgte ihm nach oben in einen separaten Salon. Marcus öffnete die Tür und trat diskret beiseite. Damon fläzte auf einem Ledersofa, die Beine lässig überschlagen, ein Glas in der Hand. Sein Blick war vom Alkohol leicht getrübt, seine Wangen schwach gerötet. Er sah in diesem Zustand fast schon unverschämt gut aus.
Er entdeckte mich und ein raubtierhaftes Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Er gab mir ein Zeichen.
„Komm her.“Ich ging langsam auf ihn zu. Mit einem ruckartigen Griff packte er mich am Handgelenk und zog mich auf seinen Schoß. Überrumpelt von seiner Kraft landete ich direkt an ihm gepresst.
„Damon, hör auf damit...“„Schhh.“
Er legte einen Finger auf meine Lippen, seine Augen blitzten vor Übermut. Ich erstarrte in seinem Griff und spürte seinen Herzschlag gegen meinen Rücken.
„Hör mal genau hin“, flüsterte er mir ins Ohr.
Er deutete auf einen kunstvoll geschnitzten Holzparavent, der mit einem schweren Samtvorhang hinterlegt war. Man konnte nicht sehen, was auf der anderen Seite vorging, aber man hörte alles. Absolut alles.
Plötzlich knallte in der Nachbarsuite eine Tür. Eine vertraute, hohe und künstlich piepsige Stimme erklang.
„Oh, Baby! Du hast schon wieder zu viel getrunken!“Es war Candy. Julian hatte sie getroffen.
„Ich bin einfach nur... glücklich“, lallte Julian mit schwerer Zunge.Er war gerade von den Börsenleuten gekommen, die ihm das Blaue vom Himmel versprochen hatten. Er schwebte auf Wolke sieben.
„Komm schon, lass uns in die Wohnung fahren“, säuselte das Ding. „Ja... wir fahren. Aber ich muss erst meine Frau anrufen. Sie wartet auf mich...“Damon rückte noch näher an mein Ohr, seine Lippen streiften fast mein Ohrläppchen.
„Stell dir sein Gesicht vor, wenn er wüsste, dass seine Frau direkt hinter dem Vorhang sitzt und mit mir seinen Untergang plant...“Ich hielt den Kopf gesenkt und ließ meine Haare wie einen Schleier über mein Gesicht fallen. Das Halbdunkel der Suite verbarg meine Züge, aber ich spürte, wie Damons Arm sich fester um meine Taille schlang. Sein Griff war besitzergreifend, fast schon beschützerisch, doch ich wusste, dass er mich nur provozieren wollte – er wollte mich mit Gewalt aus meiner Vergangenheit mit Julian reißen.
Hinter der Wand wurde Candys Stimme wieder mielleux und voller Vorwürfe.
„Babyyy! Ich wusste es... eigentlich liebst du nur sie.“Julian schien sich kurz zu fangen, seine schleppende Stimme verriet den Whisky.
„Aber ich liebe doch dich, mein Schatz. Was machst du denn für Sachen? Wie kannst du dich überhaupt mit ihr vergleichen?“Damon flüsterte erneut an meiner Schläfe, sein heißer Atem brannte auf meiner Haut.
„Hörst du das, Elena? Er liebt dich nicht mehr. Wahrscheinlich hat er dich nie verdient.“Ich antwortete nicht. Ich starrte ins Leere, mein Herz war mittlerweile so versteinert, dass es nicht mal mehr zuckte.
„Aber du hast gesagt, du schläfst heute Nacht bei ihr!“, quengelte das Mädchen.
„Hör auf zu flennen“, seufzte Julian. „Ich habe meine Frau seit Jahren nicht mehr angefasst. Jedes Mal, wenn ich aufwache, liegst du in meinen Armen, oder nicht? Komm schon, ich kauf dir die Tasche, die du wolltest.“ „Echt jetzt?“ „Und das ‚Smaragdherz‘-Halsband auch. Ich ersteigere es nächste Woche bei der Auktion für dich zurück.“Bei diesen Worten überrollte mich eine Welle von purem Hass. Dieses Halsband... es war das letzte Erbstück meiner Mutter. Ich hatte es verkauft, um Julians Firma zu retten, als er kurz vor dem Bankrott stand. Er hatte mir geschworen, es mir eines Tages zurückzugeben. Und heute benutzte er es als Spielzeug, um seine Mätresse ruhigzustellen.
„Ich kann es für dich zurückkaufen, wenn du willst“, murmelte Damon.
„Nein“, antwortete ich mit tonloser Stimme. „Geld muss man intelligent einsetzen. Und dieses Schmuckstück hat seine Schuldigkeit getan.“Auf der anderen Seite änderte sich die Stimmung. Der Atem wurde kürzer, das Geräusch von Kleidung, die zu Boden fiel, füllte den Raum.
„Nicht hier, Julian...“, hauchte Candy. „Keine Sorge. Hier kommt niemand rein.“Ich schloss die Augen. Eine plötzliche Übelkeit drehte mir den Magen um. Es war einfach nur noch widerwärtig.
„Gehen wir?“, fragte Damon.
Ich nickte. Ohne Vorwarnung hob er mich hoch und trug mich, als wäre ich aus zerbrechlichem Porzellan.
„Lass mich runter“, hauchte ich.Er tat es, aber das Geräusch unserer Bewegungen ließ Julian hinter dem Paravent aufhorchen.
„Wer ist da?“, rief er panisch.Damon blieb völlig gelassen. Seine Stimme klang eiskalt und autoritär durch den Raum:
„Julian... ich sehe, du lässt es dir gutgehen.“Man hörte hektische Bewegungen – wahrscheinlich versuchte Julian, sich in Windeseile wieder anzuziehen. Seine Stimme klang plötzlich unterwürfig und schleimig:
„Damon? Ich... ich dachte, du wärst schon weg.“ „Wollte ich gerade. Aber ich hab mich gefragt... wartet deine Frau nicht zu Hause auf dich? Wolltest du nicht zurück?“Eine Totenstille folgte. Man hörte, wie Candy nervös an ihrer Kleidung nestelte.
„Nein... noch nicht gleich“, brachte Julian schließlich heraus. „Schön. Dann amüsier dich mal weiter.“Damon stieß die Tür auf. Ich ging als Erste hinaus, mit einer Miene wie aus Marmor, Marcus folgte uns dicht auf den Fersen. Vor der Tür ihrer Suite hielt Damon kurz inne und flüsterte mir zu:
„Alles ist vorbereitet. Genau nach deinen Anweisungen.“„Gut“, antwortete ich.
POV: ElenaAls ich zurück in die Villa kam, war Julian immer noch nicht aufgetaucht.Ich kam gerade aus der Dusche, als Rose, meine Schwiegermutter, im Wohnzimmer auftauchte, ein Glas Wasser in der Hand.„Wie spät ist es eigentlich? Warum ist das Frühstück noch nicht fertig?“Ich würdigte sie keines Blickes. Ich ging in die Küche und machte mir einen Kaffee. Nur für mich. Als ich wieder rauskam, zog sie die Augenbrauen hoch.„Wo ist Julian? Ist er noch nicht aufgestanden?“„Er ist gestern Abend noch weggegangen. Er kam nicht nach Hause.“Rose musterte mich von oben bis unten mit unverhohlener Verachtung.„Du schaffst es nicht mal, deinen eigenen Ehemann bei der Stange zu halten. Du bist erbärmlich, Elena.“Sie warf einen angewiderten Blick auf meine Schale mit fadem Haferbrei.„Und das isst du? Kein Wunder, dass du so eine graue Maus bist. Ich gehe jetzt. Meine Freundinnen warten zum Brunch auf mich. Gestern habe ich alle beim Poker abgezogen, das habe ich heute wieder vor.“Ich setzt
POV: ElenaKaum waren wir aus dem Club raus, sah ich hoch zu den beleuchteten Fenstern. Ohne eine Sekunde zu zögern, tippte ich die Nummer der Polizei ein.„Hallo? Ich möchte eine Razzia wegen Prostitution im Privatclub melden... Ja, dritter Stock.“Damon zeigte dieses raubtierhafte Grinsen, das mir mittlerweile so vertraut war.„Erledigt. Die Fotos werden in spätestens einer Stunde im Forum ihrer Uni auftauchen. Morgen weiß der ganze Campus, wie Candy ihr Studium finanziert.“Ich sagte nichts.„Elena, warum verlangst du von mir, Julians Namen aus der Sache rauszuhalten? Hängst du etwa noch an ihm?“„Sei nicht lächerlich. Seine Firma geht bald an die Börse. Wenn er jetzt absäuft, sind meine Aktien keinen Cent mehr wert. Ich beschütze nicht meinen Ehemann, Damon. Ich beschütze meine Investitionen.“Er nickte, sichtlich zufrieden mit meiner Antwort. Als wir an seinem Wagen ankamen, reichte Marcus mir die Schlüssel.„Mademoiselle, ich nehme mir für heute Abend frei. Meine Freundin wartet
POV: ElenaIch löschte den Chatverlauf. Genau in diesem Moment ploppte eine Nachricht von einer unbekannten Nummer auf. Schon wieder Damon.„Hab ihn dir gerade vom Hals geschafft. Wie bedankst du dich?“Ich antwortete nicht. Ein paar Minuten später schob er nach:„Okay, ich verstehe. Ich arbeite ungern umsonst. Dann schicke ich ihn wohl wieder nach Hause.“Ich seufzte genervt und tippte schließlich: „Was willst du?“„Ich bin betrunken. Hol mich ab.“„Abgemacht. Aber unter einer Bedingung.“„Alles, was du willst.“Die Adresse führte zu einem ultra-exklusiven Privatclub in der Innenstadt. Luxus, gedämpftes Licht und diskrete Dekadenz. Als ich vorfuhr, wartete Marcus, Damons Bodyguard, bereits am Bürgersteig auf mich.„Mademoiselle Rose. Der Chef erwartet Sie im ersten Stock.“Ich folgte ihm nach oben in einen separaten Salon. Marcus öffnete die Tür und trat diskret beiseite. Damon fläzte auf einem Ledersofa, die Beine lässig überschlagen, ein Glas in der Hand. Sein Blick war vom Alkohol
POV: ElenaAls Julian später am Abend nach Hause kam, bot sich ihm ein Bild der Verwüstung. Scherben und Spielkarten lagen überall auf dem teuren Teppich verteilt. Rose saß völlig aufgelöst auf dem Sessel und drückte auf die Tränendrüse, während sie ihm brühwarm von meinem „Skandal“ am Nachmittag berichtete.Julian lief im Gesicht aschfahl an. Er wirbelte zu mir herum, die Fäuste geballt.„Elena, was zur Hölle ist heute eigentlich dein Problem? Was willst du damit erreichen? Willst du meine Familie zerstören?“Er machte einen bedrohlichen Schritt auf mich zu, seine Stimme zitterte vor Wut.„Und warum hast du mir nicht gesagt, dass du drei Tage frei hast? Ich hab wie ein Idiot zwei Stunden vor deiner Firma gewartet!“Ich schenkte ihm nur einen eiskalten Blick, ohne mit der Wimper zu zucken.„Ich habe Jahre damit verbracht, auf dich zu warten, Julian. Und ich habe nie so einen Aufstand geprobt wie du gerade.“Ich hielt es nicht mal für nötig, mich weiter zu rechtfertigen. Ich drehte ihm
POV: ElenaIch versuchte, mich auf die Zehenspitzen zu stellen, um ihm mein Handy zu entreißen. Aber Damon ist ein verdammter Riese. Er hob den Arm einfach ganz lässig nach oben und amüsierte sich sichtlich über meine verzweifelten Versuche.In der Hektik stolperte ich und prallte mit voller Wucht gegen ihn. Ich kämpfte nicht mal mehr; ich hing buchstäblich an ihm fest.Damon sah auf mich herab, ein leichtes Grinsen umspielte seine Lippen. Sein Blick war eine gefährliche Mischung aus Provokation und einer dunklen, fast schon besitzergreifenden Zärtlichkeit.„Damon, lass das!“Mir fror das Blut in den Venen. Direkt vor meinen Augen wischte sein Daumen über das grüne Symbol.Er war rangegangen.„Ach, fast vergessen“, tönte Julians Stimme aus dem Lautsprecher. „Das Diamant-Set von Cartier in deinem Safe... Es hat ihr so gut gefallen, dass ich es ihr geschenkt habe.“Damon aktivierte die Freisprechfunktion und hielt mir das Handy direkt vors Gesicht, während sein Arm mich immer noch wie e
POV: ElenaDraußen tobte ein Gewitter.Klassiker.Die Welt draußen am Fenster der Limousine war nur ein verschwommener, dunkler Fleck. Neben mir saß Julian, mein Ehemann, und säuselte am Telefon mit seiner neuesten Affäre. Er gab sich nicht mal mehr Mühe, leise zu sein.„Aber nein, Baby. Ich war nicht bei ihr. Ein Notfall im Büro, ich schwöre.“Er warf mir einen flüchtigen Blick zu. Ich starrte einfach ins Leere. Beruhigt von meiner scheinbaren Gleichgültigkeit legte er erst richtig los, seine Stimme triefte vor falscher Süße.„Kauf dir, was du willst. Ist doch gut für dein Image, oder? Ich sag meinem Assistenten, er soll dir morgen noch mal hundert Riesen rüberwachsen lassen. Ein Apartment? Warum nicht. Schauen wir uns zusammen an.“Er legte auf und hatte dieses miese, zufriedene Grinsen im Gesicht. Mir kam fast die Galle hoch.Sieben Jahre.Sieben Jahre waren wir zusammen. Wir haben früher in Bruchbuden gelebt, jeden Cent für die Heizung zweimal umgedreht und uns von Tütensuppen ern







