LOGINPOV: Elena
Als ich zurück in die Villa kam, war Julian immer noch nicht aufgetaucht.
Ich kam gerade aus der Dusche, als Rose, meine Schwiegermutter, im Wohnzimmer auftauchte, ein Glas Wasser in der Hand.
„Wie spät ist es eigentlich? Warum ist das Frühstück noch nicht fertig?“Ich würdigte sie keines Blickes. Ich ging in die Küche und machte mir einen Kaffee. Nur für mich. Als ich wieder rauskam, zog sie die Augenbrauen hoch.
„Wo ist Julian? Ist er noch nicht aufgestanden?“ „Er ist gestern Abend noch weggegangen. Er kam nicht nach Hause.“Rose musterte mich von oben bis unten mit unverhohlener Verachtung.
„Du schaffst es nicht mal, deinen eigenen Ehemann bei der Stange zu halten. Du bist erbärmlich, Elena.“Sie warf einen angewiderten Blick auf meine Schale mit fadem Haferbrei.
„Und das isst du? Kein Wunder, dass du so eine graue Maus bist. Ich gehe jetzt. Meine Freundinnen warten zum Brunch auf mich. Gestern habe ich alle beim Poker abgezogen, das habe ich heute wieder vor.“Ich setzte mich allein an den Tisch. Der Porridge war geschmacklos, das stimmte. Aber nach dieser Chaos-Nacht würde mein Magen nichts anderes vertragen. Manchmal ist Einfachheit der einzige Luxus, den man sich noch leisten kann.
Ich holte mein Handy raus. Im Forum von Candys Uni war der Post über ihre „nächtlichen Aktivitäten“ bereits viral gegangen. Die Fotos waren eindeutig. Sie versuchte sich zwar zu verteidigen und behauptete, Julian sei ihr fester Freund, aber in diesen Kreisen glaubt niemand an die Liebe, wenn auf den Polizeifotos Geldbündel zu sehen sind. Julian war natürlich viel zu feige, um sich kurz vor dem Börsengang die Finger schmutzig zu machen. Er ließ sie eiskalt absaufen, um seinen Ruf zu retten.
Viel Spaß, Candy. Willkommen in der Realität.
Mein Handy vibrierte. Eine anonyme Nachricht:
„Angeln wir weiter, Mademoiselle Elena?“ Ich tippte: „Ja.“ Dann löschte ich den Verlauf. Alles lief nach Plan.Am Nachmittag fuhr ich zurück in unsere Stadtwohnung. Ein beißender Geruch von Desinfektionsmitteln hing noch in der Luft. Ich riss alle Fenster weit auf und fing an, meine Sachen zu sortieren.
Wenige Minuten später platzte Julian herein. Er erstarrte, als er den Umzugskarton zu meinen Füßen sah.
„Was soll das? Spielst du jetzt die beleidigte Ehefrau, die auszieht?“Ich sah zu ihm auf. Er kam gerade vom Polizeirevier, steckte aber schon wieder in seinem Kostüm als arroganter CEO.
„Nein. Ich miste nur aus.“Sein Blick fiel auf ein altes Fotoalbum in meinen Händen. Er schien sich zu entspannen. Er wusste, dass ich sentimental war, dass ich an Beweisen aus der Vergangenheit hing. Er wurde plötzlich sanfter, vermutlich im Glauben, ich stünde immer noch unter seinem Bann.
„Ich wollte mich nur kurz umziehen“, sagte er und knöpfte sein Hemd auf. „Ich hab heute Abend ein Date. Warte auf mich, ich komme nicht spät nach Hause.“
Er zog das Hemd aus und entblößte die Biss- und Kratzspuren von letzter Nacht. Ich senkte den Blick, ein Kloß der Übelkeit saß mir im Hals. Er bemerkte seinen Fehler und flüchtete hastig ins Badezimmer.
An der Schwelle hielt er inne.
„Ach, fast vergessen. Damon ist unten. Er wollte mich wegen einer dringenden Sache sprechen. Geh schon mal vor und unterhalt ihn zwei Minuten, bis ich fertig geduscht bin.“Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ich schloss das Album und ging nach unten.
Damon stand mitten im Wohnzimmer. Das Licht der untergehenden Sonne betonte seine athletische Silhouette. Er hielt einen Bilderrahmen in der Hand: unser Hochzeitsfoto.
Ich blieb auf der untersten Stufe stehen. Als er meine Schritte hörte, legte er den Rahmen mit dem Gesicht nach unten auf den Tisch und drehte seine dunklen Augen zu mir. Augen voller eisiger Sterne und Geheimnisse. Für eine Sekunde hatte ich das Gefühl, er könnte direkt in meine Seele blicken.
„Willst du was trinken?“, fragte ich, um die Stille zu brechen.
„Etwas Saures“, antwortete er mit einem provozierenden Lächeln.Ich hielt kurz inne. Dann ging ich zum Kühlschrank, holte ein Tonic Water mit Limette und reichte es ihm. Damon kniff die Augen zusammen, ein lautloses Lachen umspielte seine Lippen. In dem Moment, als er die Flasche nahm, packte er mein Handgelenk und riss mich mit einem ruckartigen Griff an sich.
Wir landeten zusammen auf dem Sofa, er über mir.
„Bist du wahnsinnig? Lass mich los!“, hauchte ich, terrorsiert von der Vorstellung, Julian könnte uns hören.Damon beugte sich so nah zu mir, dass seine Nase meine berührte. Seine Stimme war ein tiefes, vorwurfsvolles Flüstern:
„Du verschwindest einfach im Morgengrauen, ohne ein Wort, Elena... Dachtest du wirklich, du kannst mich einfach so benutzen und dann vergessen?“POV: ElenaAls ich zurück in die Villa kam, war Julian immer noch nicht aufgetaucht.Ich kam gerade aus der Dusche, als Rose, meine Schwiegermutter, im Wohnzimmer auftauchte, ein Glas Wasser in der Hand.„Wie spät ist es eigentlich? Warum ist das Frühstück noch nicht fertig?“Ich würdigte sie keines Blickes. Ich ging in die Küche und machte mir einen Kaffee. Nur für mich. Als ich wieder rauskam, zog sie die Augenbrauen hoch.„Wo ist Julian? Ist er noch nicht aufgestanden?“„Er ist gestern Abend noch weggegangen. Er kam nicht nach Hause.“Rose musterte mich von oben bis unten mit unverhohlener Verachtung.„Du schaffst es nicht mal, deinen eigenen Ehemann bei der Stange zu halten. Du bist erbärmlich, Elena.“Sie warf einen angewiderten Blick auf meine Schale mit fadem Haferbrei.„Und das isst du? Kein Wunder, dass du so eine graue Maus bist. Ich gehe jetzt. Meine Freundinnen warten zum Brunch auf mich. Gestern habe ich alle beim Poker abgezogen, das habe ich heute wieder vor.“Ich setzt
POV: ElenaKaum waren wir aus dem Club raus, sah ich hoch zu den beleuchteten Fenstern. Ohne eine Sekunde zu zögern, tippte ich die Nummer der Polizei ein.„Hallo? Ich möchte eine Razzia wegen Prostitution im Privatclub melden... Ja, dritter Stock.“Damon zeigte dieses raubtierhafte Grinsen, das mir mittlerweile so vertraut war.„Erledigt. Die Fotos werden in spätestens einer Stunde im Forum ihrer Uni auftauchen. Morgen weiß der ganze Campus, wie Candy ihr Studium finanziert.“Ich sagte nichts.„Elena, warum verlangst du von mir, Julians Namen aus der Sache rauszuhalten? Hängst du etwa noch an ihm?“„Sei nicht lächerlich. Seine Firma geht bald an die Börse. Wenn er jetzt absäuft, sind meine Aktien keinen Cent mehr wert. Ich beschütze nicht meinen Ehemann, Damon. Ich beschütze meine Investitionen.“Er nickte, sichtlich zufrieden mit meiner Antwort. Als wir an seinem Wagen ankamen, reichte Marcus mir die Schlüssel.„Mademoiselle, ich nehme mir für heute Abend frei. Meine Freundin wartet
POV: ElenaIch löschte den Chatverlauf. Genau in diesem Moment ploppte eine Nachricht von einer unbekannten Nummer auf. Schon wieder Damon.„Hab ihn dir gerade vom Hals geschafft. Wie bedankst du dich?“Ich antwortete nicht. Ein paar Minuten später schob er nach:„Okay, ich verstehe. Ich arbeite ungern umsonst. Dann schicke ich ihn wohl wieder nach Hause.“Ich seufzte genervt und tippte schließlich: „Was willst du?“„Ich bin betrunken. Hol mich ab.“„Abgemacht. Aber unter einer Bedingung.“„Alles, was du willst.“Die Adresse führte zu einem ultra-exklusiven Privatclub in der Innenstadt. Luxus, gedämpftes Licht und diskrete Dekadenz. Als ich vorfuhr, wartete Marcus, Damons Bodyguard, bereits am Bürgersteig auf mich.„Mademoiselle Rose. Der Chef erwartet Sie im ersten Stock.“Ich folgte ihm nach oben in einen separaten Salon. Marcus öffnete die Tür und trat diskret beiseite. Damon fläzte auf einem Ledersofa, die Beine lässig überschlagen, ein Glas in der Hand. Sein Blick war vom Alkohol
POV: ElenaAls Julian später am Abend nach Hause kam, bot sich ihm ein Bild der Verwüstung. Scherben und Spielkarten lagen überall auf dem teuren Teppich verteilt. Rose saß völlig aufgelöst auf dem Sessel und drückte auf die Tränendrüse, während sie ihm brühwarm von meinem „Skandal“ am Nachmittag berichtete.Julian lief im Gesicht aschfahl an. Er wirbelte zu mir herum, die Fäuste geballt.„Elena, was zur Hölle ist heute eigentlich dein Problem? Was willst du damit erreichen? Willst du meine Familie zerstören?“Er machte einen bedrohlichen Schritt auf mich zu, seine Stimme zitterte vor Wut.„Und warum hast du mir nicht gesagt, dass du drei Tage frei hast? Ich hab wie ein Idiot zwei Stunden vor deiner Firma gewartet!“Ich schenkte ihm nur einen eiskalten Blick, ohne mit der Wimper zu zucken.„Ich habe Jahre damit verbracht, auf dich zu warten, Julian. Und ich habe nie so einen Aufstand geprobt wie du gerade.“Ich hielt es nicht mal für nötig, mich weiter zu rechtfertigen. Ich drehte ihm
POV: ElenaIch versuchte, mich auf die Zehenspitzen zu stellen, um ihm mein Handy zu entreißen. Aber Damon ist ein verdammter Riese. Er hob den Arm einfach ganz lässig nach oben und amüsierte sich sichtlich über meine verzweifelten Versuche.In der Hektik stolperte ich und prallte mit voller Wucht gegen ihn. Ich kämpfte nicht mal mehr; ich hing buchstäblich an ihm fest.Damon sah auf mich herab, ein leichtes Grinsen umspielte seine Lippen. Sein Blick war eine gefährliche Mischung aus Provokation und einer dunklen, fast schon besitzergreifenden Zärtlichkeit.„Damon, lass das!“Mir fror das Blut in den Venen. Direkt vor meinen Augen wischte sein Daumen über das grüne Symbol.Er war rangegangen.„Ach, fast vergessen“, tönte Julians Stimme aus dem Lautsprecher. „Das Diamant-Set von Cartier in deinem Safe... Es hat ihr so gut gefallen, dass ich es ihr geschenkt habe.“Damon aktivierte die Freisprechfunktion und hielt mir das Handy direkt vors Gesicht, während sein Arm mich immer noch wie e
POV: ElenaDraußen tobte ein Gewitter.Klassiker.Die Welt draußen am Fenster der Limousine war nur ein verschwommener, dunkler Fleck. Neben mir saß Julian, mein Ehemann, und säuselte am Telefon mit seiner neuesten Affäre. Er gab sich nicht mal mehr Mühe, leise zu sein.„Aber nein, Baby. Ich war nicht bei ihr. Ein Notfall im Büro, ich schwöre.“Er warf mir einen flüchtigen Blick zu. Ich starrte einfach ins Leere. Beruhigt von meiner scheinbaren Gleichgültigkeit legte er erst richtig los, seine Stimme triefte vor falscher Süße.„Kauf dir, was du willst. Ist doch gut für dein Image, oder? Ich sag meinem Assistenten, er soll dir morgen noch mal hundert Riesen rüberwachsen lassen. Ein Apartment? Warum nicht. Schauen wir uns zusammen an.“Er legte auf und hatte dieses miese, zufriedene Grinsen im Gesicht. Mir kam fast die Galle hoch.Sieben Jahre.Sieben Jahre waren wir zusammen. Wir haben früher in Bruchbuden gelebt, jeden Cent für die Heizung zweimal umgedreht und uns von Tütensuppen ern







