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Kapitel 5: Damon

last update publish date: 2026-03-20 13:29:49

POV: Elena

Kaum waren wir aus dem Club raus, sah ich hoch zu den beleuchteten Fenstern. Ohne eine Sekunde zu zögern, tippte ich die Nummer der Polizei ein.

„Hallo? Ich möchte eine Razzia wegen Prostitution im Privatclub melden... Ja, dritter Stock.“

Damon zeigte dieses raubtierhafte Grinsen, das mir mittlerweile so vertraut war.

„Erledigt. Die Fotos werden in spätestens einer Stunde im Forum ihrer Uni auftauchen. Morgen weiß der ganze Campus, wie Candy ihr Studium finanziert.“

Ich sagte nichts.

„Elena, warum verlangst du von mir, Julians Namen aus der Sache rauszuhalten? Hängst du etwa noch an ihm?“

„Sei nicht lächerlich. Seine Firma geht bald an die Börse. Wenn er jetzt absäuft, sind meine Aktien keinen Cent mehr wert. Ich beschütze nicht meinen Ehemann, Damon. Ich beschütze meine Investitionen.“

Er nickte, sichtlich zufrieden mit meiner Antwort. Als wir an seinem Wagen ankamen, reichte Marcus mir die Schlüssel.

„Mademoiselle, ich nehme mir für heute Abend frei. Meine Freundin wartet.“

Damon gab mir einen spielerischen Stups gegen die Stirn, sein Blick war spöttisch.

„Du dachtest doch nicht etwa, ich lüge? Ich habe zu viel getrunken, um zu fahren. Ich hab dich wirklich deswegen angerufen.“

Er stieg auf der Beifahrerseite ein. Ich blieb wie angewurzelt stehen.

„Ich fahre nicht.“

Damon schien sich an etwas zu erinnern. Er stieg wieder aus, nahm mir die Schlüssel ab und hielt ein Taxi an. Während der gesamten Fahrt blieb er stumm, den Kopf gegen die Lehne gelehnt, sichtlich gegen den Alkohol ankämpfend.

Vor seinem Luxus-Apartment half ich ihm aus dem Wagen.

„Woher wusstest du eigentlich, dass ich hier wohne?“, fragte er. „Ich hab dir die Adresse nie gegeben.“

„Julian hat es mal erwähnt.“

Ich war jetzt vollkommen ruhig. Den Namen meines Mannes auszusprechen, löste nichts mehr in mir aus. Es war, als würde ich über einen Toten reden. Ich begleitete ihn bis vor seine Tür, um ihm die Schlüssel zurückzugeben. Ich holte mein Handy raus, um mir einen Fahrer zu bestellen, doch Damon riss es mir aus der Hand und sperrte den Bildschirm.

„Komm rein“, befahl er.

Ich zögerte kurz, dann folgte ich ihm. Er schaltete das gedimmte Licht im Flur ein. In dem warmen, gelblichen Schein wirkte er noch imposanter – wie ein Raubtier, das seine Beute in die Enge getrieben hat. Mein Herz raste. Mein Rücken berührte die Wand; es gab kein Entkommen mehr.

Er beugte sich vor, sein Gesicht nur Zentimeter von meinem entfernt. Seine Augen brannten vor unverfälschtem Verlangen.

„Elena... Weißt du, was es bedeutet, durch diese Tür zu gehen?“

Seine Stimme war nur noch ein tiefes Grollen. Ich blieb stumm und sah ihm fest in die Augen. Dann, in einem Sekundenbruchteil, traf ich meine Entscheidung. Ich packte ihn am Revers seines Sakkos und zog ihn zu mir herunter.

„Du hast recht“, flüsterte ich. „Warum sollte ich einem Mann treu bleiben, der mich längst verraten hat?“

Noch bevor ich den Satz ganz aussprechen konnte, verwandelte sich das Leuchten in Damons Augen in einen Flächenbrand. Er wirkte wie ein Raubtier, das viel zu lange in Ketten lag und sie gerade gesprengt hatte. Wortlos und mit einer wilden Entschlossenheit presste er seine Lippen auf meine.

Der Schock fegte jeden klaren Gedanken aus meinem Kopf. Mein erster Reflex war Widerstand, ich wollte diesen Körper aus Marmor von mir wegdrücken, aber seine Arme waren wie stählerne Schraubstöcke, die mich an ihn schweißten. Sein Kuss war ein Sturm – herrisch, hungrig, eine Naturgewalt, die sich nicht aufhalten ließ. Er forderte alles und nahm jeden Winkel meines Mundes mit einer Intensität in Besitz, die mir den Atem raubte.

Nach und nach verließen mich meine Kräfte. Eine unbekannte, elektrische Hitze kroch unter meine Haut und ließ meinen Widerstand schmelzen. Zum ersten Mal in meinem Leben hörte ich auf zu denken. Ich hörte auf, die betrogene Ehefrau, die Business-Frau oder die „gute Gattin“ zu sein. Ich fing an, seinen Kuss zu erwidern, meine Hände krallten sich verzweifelt in seine Schultern.

Damon stieß ein tiefes Knurren aus, ein Zittern lief durch seinen massiven Körper. Er hob mich hoch und trug mich halb in Richtung Schlafzimmer.

Der Raum lag im Halbdunkel, nur ein schmaler Streifen Mondlicht drang durch die Samtvorhänge. Er legte mich auf die King-Size-Matratze. Meine Haare verteilten sich auf den weißen Satinlaken wie ein Tintenfleck. Damon überragte mich, sein Blick verschlang mich förmlich, sein schwerer Atem traf mein Gesicht. Die Temperatur schien innerhalb von Sekunden um zehn Grad gestiegen zu sein. In der Stille der Nacht verschmolzen unsere Schatten zu einer einzigen Einheit.

Ich wachte beim ersten Licht der Morgendämmerung auf. Damon schlief noch, ein schwerer Arm lag quer über meiner Taille. Sein gleichmäßiger Atem streifte meinen Nacken und schickte verwirrende Schauer durch meinen Körper. Er hatte erst in den frühen Morgenstunden aufgehört.

Selbst im Schlaf war er von einer fast schon unverschämten Schönheit. Markante Züge, ein kantiger Kiefer und diese Aura von Macht, die ihn nie verließ. Damons Familie regierte die Finanzelite des Landes, und mit fast dreißig Jahren hatte der Mann noch nie für einen einzigen Skandal gesorgt. In gewissen Kreisen wurde sogar gemunkelt, er sei asexuell oder würde sich verstecken.

Tja, den Test hat er heute Nacht wohl bestanden, dachte ich mit einer Spur bitterer Ironie. Damon war nicht nur „interessiert“ – er war eine Naturgewalt.

Mit äußerster Vorsicht schlüpfte ich aus dem Bett und floh wie eine Diebin, meine Kleidung fest unter den Arm geklemmt.

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