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Kapitel 3: Hol mich hier raus

last update publish date: 2026-03-20 13:27:28

POV: Elena

Als Julian später am Abend nach Hause kam, bot sich ihm ein Bild der Verwüstung. Scherben und Spielkarten lagen überall auf dem teuren Teppich verteilt. Rose saß völlig aufgelöst auf dem Sessel und drückte auf die Tränendrüse, während sie ihm brühwarm von meinem „Skandal“ am Nachmittag berichtete.

Julian lief im Gesicht aschfahl an. Er wirbelte zu mir herum, die Fäuste geballt.

„Elena, was zur Hölle ist heute eigentlich dein Problem? Was willst du damit erreichen? Willst du meine Familie zerstören?“

Er machte einen bedrohlichen Schritt auf mich zu, seine Stimme zitterte vor Wut.

„Und warum hast du mir nicht gesagt, dass du drei Tage frei hast? Ich hab wie ein Idiot zwei Stunden vor deiner Firma gewartet!“

Ich schenkte ihm nur einen eiskalten Blick, ohne mit der Wimper zu zucken.

„Ich habe Jahre damit verbracht, auf dich zu warten, Julian. Und ich habe nie so einen Aufstand geprobt wie du gerade.“

Ich hielt es nicht mal für nötig, mich weiter zu rechtfertigen. Ich drehte ihm einfach den Rücken zu, um nach oben zu gehen. Hinter mir schrillte Roses Stimme wieder los:

„Dein Scheißjob... was glaubst du eigentlich, was du da verdienst? Alles, was du am Leib trägst, hat mein Sohn bezahlt! Man fragt sich echt, warum du dir einbildest, jeden Morgen zur Arbeit rennen zu müssen!“

Ich verzog die Lippen zu einem bitteren Lächeln. Sie hatten ein verdammt kurzes Gedächtnis. Sie hatten vergessen, dass in dem Jahr, als Julian pleiteging, mein „Scheißjob“ uns durchgefüttert hat. Ich war diejenige, die auf alles verzichtet hat, damit wir ein Dach über dem Kopf behielten. Aber Dankbarkeit ist eine Blume, die bei Leuten wie ihnen verdammt schnell verwelkt.

Wir blieben diese Nacht bei seinen Eltern. Ich lag im Bett und las, als Julian reinkam. Er pfefferte sein Sakko und sein Handy aufs Bett, bevor er im Bad verschwand.

Plötzlich leuchtete sein Display auf. Eine W******p-Nachricht. Ich konnte nicht anders, als die Vorschau zu lesen:

„Baby, du hast versprochen, sie heute Nacht nicht anzufassen. Halt dich dran, oder ich red kein Wort mehr mit dir.“

Ich drehte mich angewidert weg. Ein paar Minuten später kam Julian aus dem Bad, nur mit einem Handtuch um die Hüften. Sofort fiel mir der tiefrote Fleck an seinem Hals auf. Ein Knutschfleck, wie eine Trophäe.

Er bemerkte meinen Blick und stieß ein provokantes Lachen aus.

„Sie war heute stinksauer. Ich hab Stunden gebraucht, um sie zu beruhigen. Sie weiß, dass ich heute bei dir schlafe, also hat sie ihr Revier markiert.“

Ich starrte ihn an, die Übelkeit stieg mir bis in die Kehle.

„Julian... du behandelst mich wie den letzten Dreck. Glaubst du ernsthaft, dass ich niemals gehen werde?“

Er hielt inne, die Stirn in Falten gelegt. Ein kurzer Funke Besorgnis blitzte in seinen Augen auf, wurde aber sofort von seiner üblichen Arroganz weggewischt.

„Elena, hör auf damit. Wir gehören zusammen, schon immer. Meine Familie hat dich aufgenommen, als du nichts mehr hattest. Du gehst nirgendwohin. So läuft das eben in unseren Kreisen. Jeder einflussreiche Mann hat seine Extras. Früher haben sie mich ausgelacht, weil ich zu seriös war. Heute beneiden sie mich alle.“

Sie beneideten ihn? Klar. Die perfekte Vorzeigefrau zu Hause, die den Mund hält, und das zwanzigjährige Betthäschen für draußen. Der Traum jedes Feiglings.

„Ach ja?“

Er warf sein Handtuch beiseite und kam mit einem schleimigen Lächeln auf mich zu.

„Hör zu, ich hab’s in letzter Zeit übertrieben, ich weiß. Ich fahr einen Gang runter, versprochen. Ich lass nicht mehr zu, dass sie dich provoziert. Du bleibst immer meine Frau, die, die ich liebe. Ich komm ab jetzt drei Nächte die Woche nach Hause zum Schlafen, abgemacht?“

Er ging zum Schrank und holte ein schwarzes, transparentes Spitzen-Nachthemd heraus. Er hielt es mir hin.

„Ich bin dir jahrelang hinterhergelaufen, Elena. Ich komm nicht von dir los. Die anderen sind nur zum Entspannen. Aber am Ende komme ich immer zu dir zurück. Zieh das an, heute Nacht werde ich—“

Ich riss ihm das Teil aus der Hand und pfefferte es auf den Boden.

„Verwechsel mich nicht mit deinen Schlampen, Julian.“

Ich schloss mich im Badezimmer ein. Julian blieb verdutzt stehen. Eine leise Panik begann in ihm hochzukriechen. Elena schien ihm wie Sand durch die Finger zu rinnen. Aber er beruhigte sich schnell wieder: Sie war ihm zu Dank verpflichtet. Sie würde ihn niemals verlassen.

Er wartete darauf, dass sie rauskam, fest entschlossen, sich heute zu holen, was er wollte. Es war drei Jahre her – seit seinem ersten Seitensprung –, dass sie ihn nicht mehr an sich herangelassen hatte. Sie sagte immer, er würde sie anekeln.

Anekeln? Er liebte sie doch noch immer, oder? Das andere war doch nur Sex.

Plötzlich vibrierte sein Handy. Damon.

„Damon?“

„Schläfst du schon?“

„Nein, ich bin bei meiner Mutter. Warum?“

Es entstand eine kurze Pause, gefolgt vom Klicken eines teuren Feuerzeugs.

„Ist deine Frau auch da?“

„Ja. Gibt’s ein Problem?“

Damon stieß hörbar Rauch aus.

„Nein. Ich sitze nur gerade beim Essen mit ein paar hochrangingen Tieren von der Finanzaufsicht. Wir haben über deinen Börsengang gesprochen. Ich dachte eigentlich, ich stell sie dir vor, aber wenn du beschäftigt bist...“

Julian sprang sofort auf.

„Ich komme! Schick mir die Adresse, Damon. Ich bin in zwanzig Minuten da.“

„Okay. Beeil dich.“

Julian schlüpfte in Rekordzeit in seine Klamotten, seine Augen glänzten vor Gier. Damon war zwar sein „Kumpel“, aber sie spielten nicht in derselben Liga. Leute wie Damon gehörten zu den Top 100 weltweit. Ein Wort von ihm, und Julians Vermögen würde sich verdoppeln. Das durfte er nicht vermasseln.

„Elena, Notfall! Ich komme heute Nacht nicht nach Hause!“, schrie er, bevor er die Treppen hinunterstürzte.

Im Badezimmer hörte ich, wie die Haustür ins Schloss fiel. Als ich sicher war, dass er weg war, nahm ich mein Handy und tippte eine Nachricht: „Plan für heute Abend abgesagt.“

„Verstanden“, kam die Antwort von meinem Kontakt.

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