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Kapitel 2

Author: Hannelore
Jana lauschte dem Gespräch vor dem Arbeitszimmer und senkte die Augen.

Seit sie in die Familie Fischer eingeheiratet hatte, fragte sie sich oft, ob sie gegenüber Frau Fischer, ihrer Schwiegermutter, und Anna, ihrer Schwägerin, nicht schon genug getan hatte.

Damals, als Anna nach dem Autounfall operiert wurde, war sie es gewesen, die mehrere Tage im Krankenhaus an ihrer Seite geblieben war.

Gegenüber Frau Fischer hatte sie stets Respekt gezeigt und sich aufmerksam um sie gekümmert.

Doch egal, was sie tat – nichts konnte die Haltung der Fischers ihr gegenüber ändern.

Nicht viel später klingelte Lucias Telefon. Ihre Stimme klang ein wenig müde:

„Jana, kommst du wirklich nicht mit? Ich erinnere mich, dass du früher Wildjagden geliebt hast, und außerdem hättest du wieder mal einen Grund, ordentlich Gas zu geben.“

Jana stockte.

Bestimmte Erinnerungen wurden unbewusst in ihr wachgerufen.

Bevor sie David geheiratet hatte, liebte sie tatsächlich das Jagen, das Rasen, den Alkohol.

Dann hatte sie David in der Weber-Familie kennengelernt — und sich auf den ersten Blick verliebt.

Nachdem sie sich in ihn verliebt hatte, hörte sie allmählich von anderen, dass David sanfte, edle Damen aus gutem Hause mochte.

Also hatte sie Schritt für Schritt all diese Dinge abgelegt.

Drei Jahre waren vergangen, und sie hatte fast vergessen, wie sie früher einmal gewesen war...

Am anderen Ende der Leitung redete Lucia noch immer auf sie ein: „Jana, wenn du wirklich nicht willst, dass David es erfährt, dann kannst du es vor ihm verheimlichen. Du musst doch wegen eines Mannes nicht auf alles verzichten. Außerdem, David er...“

„Wir sind geschieden.“ Janas leise Stimme unterbrach sie.

Lucia schien schockiert zu sein. Dann holte sie hörbar tief Luft: „Hast du endlich klar gesehen — oder ist David verrückt geworden?“

Jana lächelte sanft: „Er hat es vorgeschlagen, und ich habe zugestimmt.“

Lucia war sprachlos. Innerlich fand sie jedoch, dass David blind sein musste.

Eine wie Jana hätte die Familie Fischer nur mit viel Glück bekommen — und jetzt ließ er sie gehen?

„Glückwunsch, Schatz.“ Lucias Tonfall wirkte fast erfreut. „Ich hole dich gleich ab. Wir feiern, dass du endlich wieder zu dir selbst gefunden hast.“

Jana legte schmunzelnd auf.

Sie betrachtete das Hauptschlafzimmer, in dem keine einzige Spur eines gemeinsamen Lebens zu sehen war.

Drei Jahre verheiratet — und doch schien die Bewohnerin dieses Raumes ein Single zu sein.

Es war wirklich Zeit, das zu beenden.

Jana ging ins Gästezimmer, um ihre Sachen zu packen. Sie hatte nicht viele Kleider; seit der Hochzeit hatte sie kaum noch Zeit, sich um ihr Äußeres zu kümmern. Deshalb war sie schnell fertig.

Dann nahm sie den Ehering ab und legte ihn auf den Nachttisch. In ihren Augen lag etwas Unaussprechliches — Bedauern oder Befreiung, sie wusste es selbst nicht.

Mit dem Koffer in der Hand ging sie hinaus. Im Wohnzimmer überlegte sie kurz, ob sie ihrer früheren Schwiegermutter noch etwas sagen sollte — doch bevor sie den Mund öffnen konnte, kam Anna ihr schon mit spitzer Stimme zuvor: „Manche Leute kriegen es endlich hin, zu verschwinden. Sollten mal lieber auf ihr eigenes erbärmliches Verhalten schauen! Jahrelang hast du dich bei uns festgeklammert — alles nur wegen des Geldes. Ein Spatz bleibt eben ein Spatz, auch wenn er unbedingt auf einen Ast steigen will...“

Jana blieb stehen und griff ohne zu zögern nach dem Glas Wasser auf dem Tisch — und schüttete es Anna direkt ins Gesicht.

Das eiskalte Wasser durchnässte Anna von Kopf bis Fuß. Frau Fischer fuhr wütend auf: „Jana, bist du verrückt?! Wie kannst du es wagen, Wasser...“

Jana wischte sich langsam die Wassertropfen von den Fingerspitzen und sah sie ruhig an: „Was sollte ich mich nicht trauen? Selbst der kleinste Spatz kann zubeißen.“

Anna stand mit offenem Mund da, fassungslos, sie konnte nicht glauben, dass die Frau vor ihr dieselbe Jana war, die man all die Jahre hatte herumstoßen können.

Jana bemerkte ihren schockierten Blick – und fand ihn fast amüsant.

Seit drei Jahren, egal wie streng Anna und Frau Fischer gewesen waren, hatte sie alles getan, um ihnen zu gefallen. Ohne Beschwerden, ohne Widerworte.

Sie war immer freundlich, geduldig, hatte sich ihre giftigen Bemerkungen und Beschimpfungen gefallen lassen.

Hörte man so etwas lange genug, vergaß wohl jeder, dass Jana früher eine Frau gewesen war, die trank, kämpfte und laut lachte — ungehemmt, frei.

Doch genug war genug. Jana wollte nicht länger schweigen.

Sie lachte leise.

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