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Kapitel 3

Autor: Redleaves
Meine Mutter spürte sofort, dass etwas nicht stimmte, und zog mich in ihre Arme. „Opal, was ist passiert?“

Ich warf einen Blick auf die Dienerschaft im Raum und zwang meine Gefühle nieder. „Hier sind zu viele Leute.“

Mein Vater schickte alle Bediensteten fort. Sobald jeder Diener gegangen war, erzählte ich ihnen alles, was sich im Crimson-Blaze-Rudel zugetragen hatte.

Bei der Erwähnung von Sophias Namen runzelte mein Vater die Stirn. „Sophia? Heißt ihr Vater Mario?“

Die Augen meiner Mutter leuchteten wiedererkennend auf. „Mario, der Fahrer, der für dich arbeitet?“

Also, so war das. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen.

Sophia war überhaupt nicht die Tochter des Vorsitzenden des Werwolfrats. Ihr Vater war nur einer von mehreren Fahrern, die für meinen arbeiteten.

Mario war erst vor zwei Jahren eingestellt worden, hatte mich also nie kennengelernt. Neben dem Fahrdienst für meinen Vater war er auch dafür zuständig, die ausrangierten Luxusgegenstände unserer Familie zu verwalten.

Was Sophias sogenannte Mondsteine und Mondkristalle anging, so waren sie mit ziemlicher Sicherheit aus unserem Haushalt gestohlen.

Mein Vater schlug mit der Handfläche auf den Tisch. „Die Tochter eines Fahrers, die sich als Tochter des Vorsitzenden ausgibt? Ich rufe sofort den Rat an!“

Ich hielt ihn schnell zurück.

Das Blackstone-Rudel hatte eine uralte Tradition. Um der nächste Alpha zu werden, musste man drei Jahre lang allein in einem fremden Rudel leben, getarnt als Omega.

Nur wer das Leben als Schwächster am eigenen Leib erfahren hatte, verdiente sich das Recht, das Rudel zu führen. In den vergangenen drei Jahren hatte ich meine Prüfung im Crimson-Blaze-Rudel durchlaufen.

Würde ich sofort nach Ende meiner Prüfung gegen meine sogenannten „Freunde“ vorgehen … würde das nur unnötiges Gerede nach sich ziehen.

Ich legte meinen Plan dar. Ich wollte, dass sie ihre letzte Überlebenschance selbst wegwarfen und dann mit ansehen mussten, wie die Macht, die sie so anhimmelten, zu nichts zerfiel.

So bliebe ich sauber, ganz gleich, wie tief sie fielen.

Als ich fertig war, lächelte mein Vater. „Gut. Das ist meine Tochter.“

Meine Mutter, noch immer besorgt, erinnerte mich. „Opal, auch wenn du immer ein Blackstone-Mitglied warst, hast du deine Registrierung vor drei Jahren tatsächlich zu Crimson-Blaze übertragen. Die ordnungsgemäßen Verfahren müssen trotzdem eingehalten werden. Hast du deine Screening-Ergebnisse ins System eingetragen?“

„Keine Sorge, Mama. Das habe ich längst erledigt.“ Ich rief das System des Werwolfrats auf, um es ihnen zu zeigen. Als sie den Status „Screening bestanden“ sahen, entspannten sie sich endlich.

Danach zog ich ein zweites Handy hervor. Der Crimson-Blaze-Gruppenchat hatte bereits über hundert Nachrichten.

Der Älteste des Rudels warnte die jungen Wölfe immer wieder. „Das Screening-Fenster schließt in einem Monat. Jeder Wolf, der das genetische Screening nicht abgeschlossen hat, verliert seine Chance auf die Aufnahme ins Blackstone-Rudel.“ „Vertraut keinen privaten Versprechen. Jeder muss das genetische Screening abschließen.“

Niemand antwortete.

Doch in einem anderen Gruppenchat, einem ohne den Ältesten, kochte die Diskussion. Alle machten sich über den Ältesten lustig und nannten ihn einen Feigling.

„Sophia hat es uns doch schon versprochen. Wozu die Blutentnahme?“ „Nach der Herzblutentnahme ist man mindestens zwei Wochen geschwächt. Auf keinen Fall mache ich das mit.“ „Diese Idioten sorgen sich immer noch, ob sie das Aggressionsgen tragen, dabei sind wir schon Blackstone-Mitglieder.“

Silas mischte sich ein. „Nur Niemande ohne Beziehungen müssen sich an die Regeln halten.“

Im nächsten Moment schickte Sophia ein Foto vom Silbermondturm des Werwolfrats. „Ich bin schon hier, um meinen Vater zu treffen. Keine Sorge.“ „Vor der Frist bringe ich alle eure Namen auf die Ausnahmeliste.“

Der Gruppenchat explodierte vor Dankbarkeit. Ich schnaubte verächtlich und schloss den Chat.

Je überheblicher sie wurden, desto besser passte es mir. Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie zuerst mit Verblendung.

Alles, was ich jetzt noch tun musste, war, im Anwesen des Alphas zurückzulehnen und zu warten.

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