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Schatten & Mondlicht
Schatten & Mondlicht
Penulis: J. C. Veyra

Kapitel 1

Penulis: J. C. Veyra
last update Tanggal publikasi: 2026-09-05 20:57:25

Kapitel 1: Der Geruch von Regen und Asche

Der Regen in dieser Stadt roch nicht nach frischem Wasser oder der kühlenden Reinheit, die Clara kannte, bevor ihr Leben in Trümmer gegangen war. Er roch nach Teer, nach altem Auspuffgas, nach billigem Wodka und dem unverkennbaren Unterton von nasser, modriger Verzweiflung. Es war ein Geruch, der sich wie ein schwerer, feuchter Mantel um ihre Schultern legte und ihr zeigte, dass es kein Entkommen gab. Nicht wirklich. Sie war hier, im Moloch dieser namenlosen Großstadt, gefangen zwischen grauen Betonwänden, die wie die Zähne eines Raubtiers in den bleiernen Nachthimmel ragten.

Clara drückte den dünnen Stoff ihrer abgewetzten Lederjacke fester an ihren Körper, als eine eisige Böe um die Straßenecke fegte und ihr die feuchten Strähnen aus dem Gesicht riss. Ihre Fingernägel waren taub vor Kälte, aber der Schmerz in ihren Händen war nichts im Vergleich zu dem dumpfen Pochen in ihrer Brust. Seit Wochen rannte sie. Seit Wochen blickte sie über jede Schulter, zuckte bei jedem Autohupen zusammen und bildete sich ein, im Schatten jeder Laterne das gelb glühende Aufblitzen von Augen zu erkennen, die ihr den Tod bringen wollten. Julian war überall. In ihren Albträumen, im heulenden Wind, im Puls ihrer eigenen Adern.

„Raus mit dir, du undankbare Schlampe!“, schrie eine raue, alkoholgeschwängerte Stimme hinter ihr und riss sie jäh aus ihren Gedanken.

Die schwere Hintertür des Clubs The Velvet Trap knallte ins Schloss. Clara taumelte einen Schritt rückwärts auf den nassen, spiegelnden Asphalt, während eine Plastiktüte mit ihren wenigen Habseligkeiten – zwei Paar Strumpfhosen mit Laufmaschen, ein zerknittertes Top, eine Tube billige Schminke und dreißig Dollar in bar – in einer schmutzigen Pfütze landete.

Mit klopfendem Herzen bückte sie sich, klaubte die Tüte auf und strich das Wasser von der Plastikfolie. Ihr Blick traf den des Türstehers, einem breit gebauten Typen namens Rick, dessen Nase aussah, als sei sie mehrfach gebrochen worden. Seine Augen musterten sie mit einer Mischung aus Verachtung und dem ekelhaften Funken Gier, den sie nur allzu gut kannte.

„Du hast den falschen Gast angepisst, Kleine“, zischte Rick und spuckte einen Kaugummi in die Pfütze. „Der Senator bezahlt diesen Laden. Wenn der sagt, du sollst auf seinem Schoß sitzen und ihm ein Getränk ausgeben, dann tust du das. Du verdienst hier dein Geld nicht mit Stolz, sondern mit dem, was zwischen deinen Beinen ist. Wer nicht pariert, fliegt. Und jetzt verzieh dich, bevor ich dir richtig wehtue.“

Clara presste die Zähne aufeinander, bis ihr Kiefer schmerzte. Ein bitterer, metallischer Geschmack von Blut breitete sich in ihrem Mund aus. Sie wollte schreien. Sie wollte ihm entgegenschleudern, dass sie kein Objekt war, dass sie niemandem je wieder gehören würde – am allerwenigsten einem fetten, alten Politiker. Aber sie schluckte die Worte hinunter. Worte gaben ihr kein Dach über den Kopf. Sie stand mit leeren Händen da, und der Hunger in ihrem Magen biss schärfer zu als jede Kälte.

„Behalte deinen Drecksjob“, presste Clara schließlich hervor, ihre Stimme dunkel und fest, trotz des Bebens in ihren Händen. Sie drehte sich auf dem Absatz um, bevor er ihr das Gesicht einschlagen konnte, und stapfte davon.

Der Regen peitschte ihr ins Gesicht. Sie lief ziellos durch die dunklen Gassen, die Neonreklamen der Stadt warfen blutrote und giftgrüne Reflexe in die Pfützen. Jeder Schritt fühlte sich an wie Blei. Ihr Erspartes war fast aufgebraucht, die billige Absteige, in der sie untergekommen war, würde sie morgen vor die Tür setzen. Sie war am absoluten Tiefpunkt angelangt.

Ohne es wirklich zu bemerken, hatten ihre Füße sie in ein anderes Viertel getragen. Hier schien die Zeit langsamer, aber um ein Vielfaches gefährlicher zu vergehen. Die Straßen waren sauberer, die Autos teurer – schnittige, schwarze Karossen mit getönten Scheiben. Hier herrschte die High Society. Oder besser gesagt: die Unterwelt.

Sie blieb vor einem riesigen Gebäude stehen, dessen Fassade aus dunklem Granit und rauchigem Glas bestand. Über dem Eingang flackerte in einem eleganten, kühlen Weiß ein einzelnes Wort: THE ECLIPSE.

Keine grellen Neon-Tänzerinnen, keine billigen Leuchtreklamen. Nur pure, bedrohliche Eleganz. Clara lehnte sich keuchend gegen die kalte Backsteinwand einer dunklen Nebengasse, die direkt neben dem Künstlereingang lag.

Plötzlich zerriss eine scharfe, wütende Stimme die Stille der Gasse.

„Das ist das letzte Mal, dass du so eine Scheiße abziehst, Vivienne!“, brüllte eine tiefe, vibrierende Männerstimme aus der offenen Hintertür des Eclipse.

Eine junge Frau stolperte rückwärts aus dem Türrahmen, fast direkt in Claras Richtung. Sie trug das elegante Glitzerkleid einer Hostess, ihre Wimperntusche war verschmiert, und sie schluchzte hemmungslos.

Ein hagerer Mann im perfekten Anzug folgte ihr. Es war der Clubmanager. „Du hast den Gast angefasst! Du weißt genau, was der Boss gesagt hat! Du hast dich zu schnell an die Kunden herangemacht, um Extradollar zu erschleichen. Verschwinde aus meinem Club!“

Vivienne weinte auf und rannte davon. Der Manager wollte gerade umkehren, als Clara aus dem Schatten trat.

„Du suchst Ersatz. Genau in diesem Moment“, sagte sie mit klarer, fester Stimme.

Der Manager blinzelte verdutzt. „Du bist wahnsinnig. Verpiss dich.“

„Nein, du hast ein Problem“, konterte Clara, ohne zurückzuweichen. „Du brauchst jemanden, der sofort einspringen kann, der tadellos aussieht und der weiß, wann man die Klappe hält.“

Er musterte sie von Kopf bis Fuß. „Und warum sollte ich ausgerechnet dich nehmen? Du siehst aus, als wärst du aus der Gosse gekrochen.“

„Weil ich besser bin als sie“, sagte Clara und trat einen Schritt näher. „Ich stelle keine Fragen. Ich mache meinen Job. Und ich brauche ihn heute noch.“

Die Sekunden dehnten sich. Dann zuckte ein kaltes Lächeln um seine Mundwinkel. „Dein Name?“

„Clara.“

„Gut, Clara. Komm rein“, sagte er und zog sie grob am Arm in das Innere des Gebäudes. „Aber wenn du auch nur einen Hauch von Ärger machst, wirst du in Plastiktüten verpackt in den Fluss geworfen. Verstanden?“

„Ich verliere nicht gerne“, antwortete Clara leise, während die schwere Tür ins Schloss fiel.

Das Innere des Eclipse war eine Kathedrale aus schwarzem Marmor und poliertem Mahagoni. Mr. Vance drückte ihr ein kurzes, schwarzes Samtkleid und eine silberne Maske in die Hand. „Zehn Minuten, um dich umzuziehen. In der VIP-Lounge wird heute Abend gefeiert. Pass auf, wer da oben sitzt...“

Clara zog das Kleid an, das sich wie eine zweite Haut an ihren Körper schmiegte, band ihre Haare zu einem strengen Dutt, setzte die Maske auf und betrat mit einem Tablett voller Whisky und Zigarren den exklusiven Bereich im ersten Stock.

Plötzlich erstarrte die Musik im Raum. Die Geräusche schienen abzuflauen, als das Alpha-Tier den Raum betritt.

Die schwere Doppeltür schwang auf. Ein Mann trat ein.

Er trug einen tiefschwarzen Mantel und einen dunklen Anzug. Sein Gesicht war wie aus Granit gemeißelt, aber es waren seine Augen, die Clara den Atem abschnitten: Bernsteinfarben, glühend im Halblicht. Raubtieraugen.

Dante. Der Herrscher über den Club und die Unterwelt.

Clara blieb wie angewurzelt stehen. Eine unkontrollierte Hitze schoss durch ihre Adern. Dante hielt mitten im Schritt inne. Seine breiten Schultern versteiften sich. Seine bernsteinfarbenen Augen schnitten durch den Raum und blieben an ihr hängen.

Dantes Atem stockte. Tief in seinem Inneren rührte sich etwas, das seit Jahrzehnten geschlafen hatte. Sein Wolf in seinem Kopf riss die Ketten entzwei und brüllte:

Deins.

Dante setzte sich in Bewegung, ignorierte alle anderen und kam direkt auf sie zu. Er stand vor ihr, den Duft von Zedernholz und Tabak im Gepäck. Seine langen, kräftigen Finger zitterten leicht, als er langsam mit den Knöcheln über ihre Wange strich, knapp unterhalb ihrer Maske.

Die Berührung brannte wie Feuer. Seine Stimme klang tief, rau und direkt in ihrem Brustkorb:

„Wo zum Teufel... hast du so lange gesteckt, mein kleiner Vogel?“

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