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Kapitel 2

Auteur: J. C. Veyra
last update Date de publication: 2026-09-05 20:58:38

Kapitel 2

Der Duft von Zedernholz und Gefahr

Die Zeit schien für einen quälend langen Herzschlag komplett einzufrieren.

Claras Verstand schrie panisch nach Flucht, doch ihre Muskeln schienen wie in Beton gegossen. Seine Hand lag noch immer an ihrer Wange, und die Hitze, die von seiner Haut ausging, drohte jede rationale Gedankenschicht in ihrem Kopf wegzuschmelzen. Ein kleiner Vogel? Woher wusste er das? Niemand nannte sie so. Niemand aus ihrem alten Leben wusste, wo sie war.

Dantes bernsteinfarbene Augen durchbohrten sie, als wollten sie direkt in ihre Seele blicken. In diesem Moment gab es keinen Lärm der Musik mehr, keine flüsternden Gäste im Hintergrund, keine schillernde VIP-Lounge. Es gab nur noch ihn, diesen alles einnehmenden Geruch nach Zedernholz und dunklem Tabak, und das wilde, ungezähmte Pochen in ihrer eigenen Brust.

„Wer… wer sind Sie?“, presste Clara schließlich hervor. Ihre Stimme klang dünner, brüchiger, als sie gewollt hatte, getränkt von einer Angst, die sie viel zu lange unterdrückt hatte.

Dantes Kiefermuskeln zuckten. Seine Pupillen, die eben noch fast schwarz vor Dunkelheit gewesen waren, zogen sich einen Hauch zusammen, als würde ihn ihre Frage körperlich treffen. Der Mann, vor dem die Unterwelt dieser Stadt erzitterte, sah plötzlich aus wie jemand, der nach monatelanger Dürre zum ersten Mal wieder atmete.

„Mein Name ist Dante“, antwortete er mit jener tiefen, gefährlich ruhigen Resonanz, die direkt in Claras Magen grummelte. „Und du gehörst ab der Sekunde, in der du diesen Fuß in meinen Club gesetzt hast, zu mir.“

Bevor Clara auf diese völlig absurde, besitzergreifende Aussage reagieren konnte, schoss Adrenalin durch ihre Adern. Die Worte klangen zu vertraut. Zu besitzergreifend. Genau so hatte damals Julian geklungen, bevor ihr Leben in Flammen aufgegangen war. Ein panischer Reflex riss sie aus ihrer Starre.

Mit einer ruckartigen Bewegung schlug Clara seine Hand von ihrer Wange, trat einen harten Schritt zurück und stolperte fast über den Saum ihres Samtkleids.

„Fass mich nicht an!“, zischte sie, und diesmal klang in ihrer Stimme nicht nur Angst, sondern pure, aufgestaute Wut. „Ich arbeite hier, verdammt noch mal. Ich bin kein Eigentum, das man sich einfach so greifen kann! Lassen Sie mich in Ruhe!“

Im selben Bruchteil einer Sekunde verwandelte sich die Atmosphäre im Raum von elektrisierender Spannung in eiskalte, tödliche Stille.

Um sie herum hielten alle den Atem an. Die Unterbosser an den Tischen wichen schlagartig zurück, als stünde Clara plötzlich neben einer explodierenden Bombe. Niemand widersprach Dante. Niemand wagte es auch nur, seine Hand von der Wange zu schlagen und ihn anzubrüllen.

Dantes Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Sein Körper spannte sich an wie eine Raubsprung-Feder, bereit zur Jagd. Doch statt der erwarteten Wut, dem Brüllen, das die Tische hätte umkippen lassen, zuckte ein gefährliches, dunkles Lächeln um seine Lippen.

Ein tiefes, grollendes Knurren vibrierte leise in seiner Brust – ein Laut, den Clara nicht genau einordnen konnte, der sich aber so anhörte, als käme er direkt aus den Tiefen der Erde.

„Widerstand“, flüsterte Dante leise, während er langsam wieder auf sie zukam, Schritt für Schritt, unaufhaltsam wie ein Raubtier, das seine Beute in die Enge treibt. „Das macht das Ganze nur noch interessanter, kleiner Vogel.“

Ehe Clara auch nur einen weiteren Schritt zurückweichen konnte, schloss sich eine eiserne Hand sanft, aber absolut unnachgiebig um ihr Handgelenk. Und in diesem Moment, als seine Haut ihre berührte, zuckte ein helles, weißes Licht durch ihren Kopf – ein Schmerz, gefolgt von einer Vision, die ihr den Boden unter den Füßen wegzog.

Sie sah einen riesigen, pechschwarzen Wolf mit glühenden Augen im dichten Nebel stehen. Und er blickte direkt in ihre Seele.

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