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Kapitel 3

작가: J. C. Veyra
last update 게시일: 2026-09-05 21:01:22

Kapitel 3: Der Blitz im Verstand

Der Schmerz, der durch Claras Schädel zuckte, war von einer derartigen, brachialen Wucht, dass ihr sofort schwarz vor Augen wurde. Es fühlte sich an, als würde eine rohe, ungezähmte Urgewalt ihr Bewusstsein sprengen, ein innerer Blitz, der jede rationale Barriere mit einem Schlag niederbrannte. Ihre Knie gaben unter diesem unsichtbaren Druck nach. Das silberne Tablett mit den schweren Kristallgläsern glitt ihr aus den tauben, zitternden Fingern und schlug auf dem polierten, spiegelnden Marmorboden der VIP-Lounge auf. Mit einem markerschütternden Klirren, das wie das Bersten von Glas in Zeitlupe klang, zerschellte es in tausend schimmernde Scherben, die über den Boden rollten.

Doch das laute Geräusch ging völlig unter in dem gewaltigen, ohrenäubenden Rauschen, das plötzlich in ihren Ohren einsetzte. Es war ein tiefer, hämmernder Ton, der exakt im Takt ihres eigenen Herzschlags schlug – ein dumpfer, dröhnender Puls, der jede Ader in ihrem Körper zum Kochen brachte.

Puls. Schlag. Puls.

Sie starrte Dante an, doch für quälende Sekundenbruchteile verschwamm seine menschliche Gestalt vor ihren Augen. Anstelle des gefährlichen Mafia-Bosses in seinem makellosen, teuren Anzug sah sie in ihrem inneren Auge etwas völlig anderes. Etwas Urzeitliches. Sie sah einen gigantischen, pechschwarzen Wolf, dessen wuchtiger Körper im dichten, wabernden Nebel stand. Ein Tier von furchterregender Größe und unvorstellbarer physischer Kraft. Und als sich der Nebel in dieser inneren Vision lichtete, traf sie der Blick seiner bernsteinfarbenen Augen mit einer solchen Intensität, dass ihr der Atem stockte. Darin lag kein gewöhnlicher tierischer Instinkt; darin lag eine unstillbare, brennende Gier, eine absolute Hingabe und der unerschütterliche, brutale Drang, sie zu beschützen und gleichzeitig völlig einzunehmen.

Clara keuchte nach Luft, während sie mit weit aufgerissenen Augen versuchte, den Anker in der Realität wiederzufinden. Ihr ganzer Körper bebte in einem unkontrollierbaren Schüttelfrost. Mit letzter Kraft, getrieben von einem panischen Überlebensinstinkt, riss sie sich aus der Starre und stolperte nach hinten. Ihre Schultern prallten hart gegen die massive, raumhohe Glasscheibe der Lounge, die den Blick auf die nächtliche, regengetränkte Skyline freigab. Draußen zuckten grelle Blitze über den bleiernen Himmel, und das dumpfe Grollen eines fernen Gewitters vibrierte durch den Beton.

Und drinnen stand er. Dante.

Er hatte sich keinen einzigen Zentimeter von der Stelle gerührt. Doch in seinem Gesicht war die flüchtige, fast suchende Faszination von eben mit einem Mal wie weggewischt. Seine Züge hatten sich verhärtet, als wären sie aus Granit gemeißelt. Seine Kiefermuskeln arbeiteten wild, so fest biss er die Zähne aufeinander, dass die Haut an seinen Wangen weiß wurde. In seinen bernsteinfarbenen Augen spiegelte sich keine Kälte mehr, sondern eine tiefe, lodernde Wut – und das schmerzhafte Begreifen darüber, was sie in diesem Moment in ihrem eigenen Kopf gesehen hatte. Er wusste, dass der Funke übergesprungen war. Er wusste, dass sie es gespürt hatte.

„Du hast es gesehen“, stellte er fest. Seine Stimme war kein gewöhnliches Sprechen mehr. Es war ein tiefes, raues Grollen, das tief aus seiner Brust aufstieg und so gewaltig durch den abgedunkelten Raum hallte, dass die anwesenden Unterbosser an den umliegenden Tischen unwillkürlich zusammenzuckten und die Köpfe einzogen. Es lag eine drängende, fast verzweifelte Forderung in diesem Ton, die keinen Widerspruch duldete. „Du hast genau in diesem Bruchteil der Sekunde gespürt, was zwischen uns existiert, kleiner Vogel. Streite es nicht ab.“

„Ich... ich weiß nicht, wovon Sie reden!“, presste Clara hervor. Ihre Stimme klang rau, gepresst und überschlägt sich beinahe in der panischen Anstrengung, Kontrolle zu bewahren. Sie presste die Hände gegen die kalte Glasscheibe hinter sich, als könnte das Glas sie vor der Wucht seiner Präsenz abschirmen. Ihr Verstand überschlug sich in einem rasenden Karussell aus Angst und Erinnerung. Wölfe? Visionen? Was lief hier für ein falsches Spiel? Sie war vor Julian geflohen, weil er krank war, weil er ihr Dinge angetan hatte, die jenseits jeder menschlichen Vorstellungskraft lagen – grauenhafte Dinge, von denen sie gehofft hatte, sie für immer hinter sich gelassen zu haben. Sie hatte geglaubt, Julian sei ein Einzelfall, eine monströse Ausnahme. Und nun stand hier ein anderer Mann. Ein gefürchteter Mafiaboss, der exakt dieselben geistesgestörten, besitzergreifenden Begriffe benutzte.

„Lügen passen nicht zu dir, Clara“, knurrte Dante. Er machte einen einzigen, bedächtigen Schritt auf sie zu. Es war die Bewegung eines Raubtiers, das seine Beute einkreist – langsam, unaufhaltsam und von einer tödlichen Eleganz getragen. „Du hast gezittert. Dein Puls hat sich im Bruchteil einer Sekunde vervielfacht, exakt in dem Moment, in dem meine Haut deine berührt hat. Du bist keine gewöhnliche Kellnerin, die heute Abend zufällig hierher verschlagen wurde. Und du wirst mir jetzt augenblicklich und haargenau erklären, was in deinem Kopf vorgegangen ist.“

„Ich bin eine Angestellte! Ich bin hier, um zu arbeiten!“, schrie Clara fast, und obgleich ihre Stimme vor purem Adrenalin bebte, schwang darin eine steinerne, unnachgiebige Härte mit, die aus den Tiefen ihres Stolzes entsprang. Sie weigerte sich, sich klein zu machen. Sie hatte sich schon einmal von einem Mann unterdrücken lassen, und sie schwor sich in diesem Augenblick, dass ihr das nie wieder passieren würde – ganz egal, wie mächtig der Mann vor ihr war. „Ich habe diesen verdammten Job angenommen, weil ich pleite bin und überleben muss, nicht um mir von irren Kriminellen Märchen über Schicksale und mystische Verbindungen anhören zu müssen! Lassen Sie mich sofort los, oder ich schwöre Ihnen bei allem, was mir heilig ist, ich reiße dieses Gebäude mit meinen Screamen ein!“

Ein hohles, gefährliches Lachen entkam Dantes Kehle. Es klang dunkel, schwer und von einer eisigen Bitterkeit durchzogen. „Glaubst du im Ernst, kleiner Vogel, dass dich hier irgendjemand vor mir beschützen kann, wenn ich es nicht erlaube? Dieser Club gehört mir. Diese Straßen, diese Stadt, jeder Stein, auf dem du gehst, gehorcht meinen Befehlen. Und du...“ Er stockte mitten im Satz. Für einen Sekundenbruchteil flackerte etwas so Verletztes, so animalisch Wildes in seinen Augen auf, dass es Clara eiskalt den Rücken herunterlief. Es war der Blick eines Wesens, das seine andere Hälfte gefunden hatte und sie nun mit Zähnen und Klauen verteidigen musste. „Du gehörst zu mir. Ob du es begreifst oder nicht. Ob es dir gefällt oder nicht.“

Bevor Dante die letzten Zentimeter überbrücken und sie endgültig in die Enge treiben konnte – bevor sie sich in ihrer Verzweiflung auf ihn stürzen oder versuchen konnte, an ihm vorbeizurennen –, geschah etwas, das die angespannte Luft im Raum augenblicklich zerriss.

Am hinteren Ende der luxuriösen Lounge öffnete sich die schwere, schalldichte Seitentür mit einem leisen, elektronischen Summen.

Mr. Vance, der penible Clubmanager, stürzte atemlos und mit schweißnassen Schläfen in den Raum. Sein Gesicht war vollkommen kreideich, fast schon leblos, und in seiner Hand klammerte sich ein kleines Funkgerät, dessen rote Notfall-LED hektisch blinkte. Er ignorierte die teuren, auf dem Boden verstreuten Glasscherben völlig und rannte mit großen, unkoordinierten Schritten direkt auf Dante zu. Dabei warf er Clara einen Blick zu, der eine so unmissverständliche, panische Warnung enthielt, dass selbst ihr das Herz in die Hose rutschte.

„Boss!“, rief Vance außer Atem, die Lungen vollkommen geleert, während er sich tief zu Dante herunterbeugte, um ihm die Worte direkt ins Ohr zu atmen, als dürften die Wände sie nicht hören. „Wir haben ein massives Problem. Den größten Scheißhaufen seit Jahren.“

Dantes Augen verengten sich zu schmalen, stechenden Schlitzen. Er widerstrebte dem Impuls, Vance wegzuschlagen, und zog den Blick nur unter äußerster Anstrengung von Clara ab, als würde es ihn physische Schmerzen kosten, sie auch nur für eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Sein massiver Kopf wandte sich zu seinem Manager. Seine Stimme klang wie das Knirschen von brechendem Eis: „Rede.“

„Die automatischen Grenzsensoren am nördlichen Stadtrand haben vor weniger als einer Minute angeschlagen“, presste Vance heiser hervor, während seine Augen nervös zwischen Dante und den riesigen Fensterscheiben hin und her wanderten, hinter denen der Regen unbarmherzig gegen das Glas peitschte. „Ein fremdes Alpha-Rudel hat die territoriale Grenze ohne Vorwarnung überquert. Sie sind im direkten Anmarsch auf unser Zentrum. Und... Boss, laut den Berichten unserer Scouts suchen sie gezielt nach jemandem. Einer jungen Frau, die vor ein paar Wochen aus dem Rudel im hohen Norden geflohen ist und deren Spur genau hier in diesem Viertel endete.“

In der VIP-Lounge schien die ohnehin schon eisige Luft augenblicklich zu gefrieren. Jedes Geräusch, jede im Hintergrund spielende Melodie schien wie weggesaugt.

Dantes gesamter Körper versteifte sich bis zur schmerzhaften Zerreißprobe. Jede einzelne Faser seines massiven, muskulösen Körpers spannte sich an. Eine Ewigkeit von einer Sekunde schien zu verstreichen, in der die Welt komplett den Atem anhielt. Dann brach aus Dantes Kehle ein so markerschütterndes, animalisches Knurren hervor, das so tief und gewaltig klang, dass es direkt aus den Tiefen der Erde zu kommen schien. Die Gläser auf den umliegenden Tischen begannen zu vibrieren und zu klirren. Seine bernsteinfarbenen Augen brannten in einem fast unwirklichen, lodernden Feuer, das die absolute, unbändige Zerstörung ankündigte.

Clara, die jedes einzelne Wort dieses Berichts mitgehört hatte, blieb das Herz in der Brust stehen. Das Blut wich ihr mit einem Schlag so vollständig aus dem Gesicht, dass sie in diesem Moment bleicher wirkte als die weiße Wand hinter ihr.

Rudel im Norden? Fliehen? Eine gezielte Suche nach ihr?

Ein einziger Name, den sie seit Wochen in ihren tiefsten Albträumen begraben wollte, schoss ihr mit der ungeheuren Wucht eines Vorschlaghammers durch den Kopf. Eine eisige Panik, schwarz, erstickend und absolut tödlich, schnürte ihr die Kehle zu, sodass sie nicht einmal mehr nach Luft schnappen konnte:

Julian.

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