LOGINDas Territorium des Brooke-Rudels sah völlig anders aus, als ich es von vor drei Jahren in Erinnerung hatte. Es war wunderschön und beeindruckend, aber auch völlig fremd im Vergleich zu dem Ort, den ich einst mein Zuhause genannt hatte.
Meine Hände zitterten, als ich mich dem Haupttor näherte; jeder Instinkt in mir schrie danach, zu fliehen.
Das letzte Mal, als ich hier gewesen war, hatte jemand versucht, mich zu ermorden, und soweit ich wusste, wollte diese Person vielleicht immer noch meinen Tod. Nun kehrte ich in Zekes Anwesen zurück, und weder er noch Layla wussten, dass ich am Leben war. „Was ist Ihr Anliegen?“, fragte der Wächter mit gelangweilter, aber professioneller Stimme.„Ich muss Alpha Zeke sprechen“, sagte ich und war überrascht, wie fest meine Stimme klang.
„Es ist dringend.“ Der Blick des Wächters glitt abfällig über mich hinweg. „Ja, das wollen Sie und die Hälfte der unverpaarten Wölfinnen im Territorium. Der Alpha empfängt keine Besucher ohne Termin, schon gar nicht von ...“ Er hielt inne, seine Nasenflügel blähten sich auf, als er meinen Geruch wahrnahm. Sein Gesicht wurde bleich.„Wie heißen Sie?“ Seine Augenbrauen zogen sich verwirrt zusammen.
„Cecelia Mayers.“ Der Name fühlte sich seltsam auf meiner Zunge an, nachdem ich drei Jahre lang nur „Cecelia“ oder „Goldens Mama“ gewesen war.
Der zweite Wächter trat vor, seine Hand wanderte zu seiner Waffe. „Das ist unmöglich.
Cecelia Mayers ist tot. Wir haben sie vor drei Jahren beerdigt.“ „Offensichtlich waren die Berichte über meinen Tod stark übertrieben.“ Ich hielt meine Stimme ruhig, obwohl die Panik wie Krallen an meiner Brust nagte. „Ich muss Zeke sprechen. Mein Sohn – unser Sohn – wurde entführt.“Die beiden Wächter tauschten Blicke aus, und ich konnte förmlich sehen, wie es in ihren
Köpfen arbeitete. Eine tote Luna taucht auf und behauptet, das Kind des Alpha zu haben? Das war entweder die Wahrheit oder der ausgeklügelste Schwindel in der Geschichte des Rudels.„Du lügst“, fuhr mich der erste Wächter an. „Luna Cecelia ist im Meer gestorben. Der Alpha hat ihre Beerdigung selbst geleitet. Du bist nur irgendeine verzweifelte Wölfin, die versucht ...“
„Versucht was?“, schnauzte ich zurück, während die Fassung, um die ich mich so sehr bemüht hatte, zu bröckeln begann. „Mich umbringen lassen? Denn genau das würde passieren, wenn ich hierher zurückkehre und lüge. Ich muss Zeke sehen.“
Bei den letzten Worten brach meine Stimme, und ich hasste mich für diese Schwäche. Aber die Wahrheit
war: Ich hatte schreckliche Angst. Angst davor, ihn wiederzusehen; Angst davor, was er tun würde, wenn er begriff, dass ich noch am Leben war; Angst davor, dass er sich aus reiner Bosheit weigern würde, bei der Suche nach Golden zu helfen. Ich erinnerte mich daran, dass Layla von ihm schwanger gewesen war, bevor man mich aufs Meer hinausgestoßen hatte. Er musste inzwischen ein eigenes Kind haben. Ich bezweifelte, dass er bereit wäre, mir zu helfen. Vielleicht würde er nicht einmal glauben, dass Golden sein Kind war. Deshalb trug ich ein Foto von Golden in meiner Tasche bei mir. Er war das Ebenbild von Zeke, und hoffentlich reichte das als Beweis. „Bitte“, flüsterte ich, während mein ganzer Stolz in sich zusammenfiel. „Mein kleiner Junge wird vermisst. Er ist erst drei Jahre alt, hat Angst und ist ganz allein – und ich würde alles tun, um ihn zurückzubekommen.“Die Wachen starrten mich fassungslos an. Schließlich ergriff der zweite das Wort.
„Warte hier.“ Er verschwand im Wachhäuschen, und ich konnte hören, wie er hektisch telefonierte.
Die Minuten dehnten sich wie Stunden. Ich umschlang meinen Körper mit den Armen und versuchte, die
Erinnerungen abzuwehren, die mich zu verschlingen drohten. Als ich das letzte Mal hier gewesen war, hatte Zeke mich zurückgewiesen. Ich spürte noch immer den unerträglichen Schmerz, der mit diesem Erlebnis verbunden war – und selbst als ich versucht hatte, allein zu sein und meine Gedanken zu ordnen, war meine Schwester gekommen, um mich zu beleidigen – um Salz in die Wunde zu streuen – und mich von einer Klippe zu stoßen. Das Geräusch näherkommender Schritte riss mich in die Gegenwart zurück. Ein ganzer Trupp Wachen marschierte auf das Tor zu; ihre Gesichter waren grimmig. Mein Wolfsinstinkt regte sich und schrie mir zu, ich solle fliehen, doch ich zwang mich, standhaft zu bleiben. „Luna?“ Die Stimme des Wachführers klang unsicher. „Bist du es ... bist du es wirklich?“ „Ich bin nicht mehr eure Luna“, sagte ich leise. „Ich bin nur eine Mutter, die versucht, ihren Sohn zu finden.“„Der Alpha ... er wird dich sofort sehen wollen.“ Das Gesicht der Wache war bleich. „Aber ich muss dich warnen: Er ist nicht mehr derselbe Mann wie vor drei Jahren. Die Trauer … sie hat ihn verändert.“
Trauer? Fast hätte ich über die Ironie gelacht. Er hatte um die Frau getrauert, die er zurückgewiesen hatte?
Was war das für eine verdrehte Psychologie? „Ich komme mit Zeke klar“, log ich souverän. „Ich brauche nur fünf Minuten, um ihm die Sache mit Golden zu erklären.“Auf dem Weg zum Palast hielten alle in ihrer Tätigkeit inne, um mich mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Staunen zu betrachten. Ich hörte Geflüster: „Ich dachte, sie wäre tot?“ „Wir waren doch bei ihrer Beerdigung.“ Vor mir ragten die Türen des Thronsaals auf, und meine Hände waren feucht vor Aufregung bei dem Gedanken, Layla und Zeke wiederzusehen. Als Luna war ich unzählige Male hindurchgeschritten, doch noch nie auf diese Weise – nie als Fremde, nie als jemand, der von den Toten auferstanden war.
„Er ist gerade in einer Besprechung“, sagte die Wache entschuldigend. „Aber angesichts der Umstände …“
„Öffnen Sie einfach die Türen“, sagte ich, während ein harter Unterton in meine Stimme trat. „Mein Sohn hat keine Zeit, sich nach Zekes Terminkalender zu richten.“Die Türen schwangen auf, und ich betrat den Raum, der einst mein zweites Zuhause gewesen war. Jetzt wirkte er anders; irgendetwas an ihm fühlte sich kälter, distanzierter an. Als ich eintrat, ging ein Raunen durch den Raum. Und dort, am anderen Ende der langen Tafel, saß der Mann, der mich drei Jahre lang in meinen Träumen verfolgt hatte …
Jahre.
Zeke. Er war genau so, wie ich ihn in Erinnerung hatte, und doch ganz anders. Er war immer noch umwerfend gutaussehend und strahlte noch immer diese gefährliche Alpha-Aura aus, die mich ursprünglich zu ihm hingezogen hatte. Mein Blick suchte nach Layla, doch sie war nicht hier. Ich trat näher an ihn heran, während die Ältesten des Rates wie ein Bienenschwarm durcheinanderplapperten.Doch er war tief in ein Gespräch mit seinem Beta vertieft; auf dem massiven Schreibtisch lagen Papiere ausgebreitet. Er hatte mich noch nicht bemerkt.
„Alpha“, rief die Wache. „Da ist jemand, der dich sprechen will. Jemand … Wichtiges.“
„Ich habe gesagt: keine Störungen. Was auch immer es ist, es kann …“
Er blickte auf. Die Zeit blieb stehen. Sein Gesicht wurde so totenbleich, dass ich dachte, er würde in Ohnmacht fallen. Die Papiere in seinen Händen flatterten zu Boden, als er sich langsam von seinem Stuhl erhob; seine Augen – jene goldenen Augen, die Golden geerbt hatte – waren voller Schock auf mich gerichtet.„Unmöglich“, hauchte er.
„Hallo, Zeke.“ Meine Stimme klang fester, als ich mich fühlte. „Wir müssen reden.“
Einen Moment lang rührte sich keiner von uns. Die Luft zwischen uns knisterte vor Spannung. „Alle raus“, befahl er mit heiserer Stimme. „Sofort.“Der Raum leerte sich augenblicklich; wir blieben allein zurück, umgeben nur vom Geräusch unserer hämmernden Herzen.
„Du bist tot“, flüsterte er und machte einen Schritt auf mich zu. „Ich habe dich beerdigt. Ich habe um dich getrauert. Ich …“
„Layla hat versucht, mich zu töten“, sagte ich schlicht. „Aber ich habe überlebt. Und jetzt brauche ich deine Hilfe.“
„Cecelia …“ „Mein Sohn wurde entführt“, fuhr ich fort; ich konnte nicht verhindern, dass mir Tränen über die Wangen liefen. „Du musst ihm helfen, Zeke. Er ist auch dein Sohn.“Alarmiert stand er auf. „Was meinst du mit ‚auch mein Sohn‘?“
„Ich habe ihn zur Welt gebracht, bevor Layla versuchte, ihn zu töten. Er ist jetzt drei Jahre alt.“
Meine Tränen müssen ihn tief berührt haben, denn auf seinem Gesicht spiegelte sich Besorgnis wider. „Wie kann ich helfen?“
„Ich brauche deine Ressourcen, deine Verbindungen und die Stärke deines Rudels, um ihn zu finden.“
„Deinen Sohn?“ Er versuchte noch immer zu begreifen, was ich vorhin gesagt hatte.
Ich sah ihm direkt in die Augen und erkannte meinen eigenen Schmerz darin widergespiegelt. „Unser Sohn, Zeke. Er heißt Golden, und er hat deine Augen.“Aus Cecelias SichtWir saßen in behaglichem Schweigen da, während ich alles auf mich wirken ließ. Eine echte Zeremonie zur Besiegelung unserer Verbindung, die offizielle Ernennung zur Luna, das gemeinsame Großziehen von Golden als Familie. Vor drei Monaten hätte das noch unmöglich gewirkt, doch jetzt fühlte es sich unvermeidlich an – als wäre es genau das Ziel gewesen, auf das wir schon immer zugesteuert waren.„Ich möchte noch mehr Kinder“, sagte ich plötzlich; der Gedanke war schon eine Weile in mir gereift. „Nicht sofort, aber irgendwann. Golden sollte Geschwister haben.“Zekes Arm legte sich fester um mich, und über unsere Verbindung spürte ich seine sofortige Zustimmung. „Von wie vielen sprechen wir da?“„Vielleicht noch zwei oder drei?“, schlug ich vor und legte den Kopf schief, um ihn anzusehen. „Genug, damit Golden nicht einsam ist, aber nicht so viele, dass wir völlig überfordert sind.“„Das gefällt mir“, sagte Zeke, während seine Hand auf meinen Bauch wanderte, als könnte er
Cecelias SichtweiseGolden schlief schon seit einer Stunde, als Zeke leise an unsere Schlafzimmertür klopfte. Ich hatte in dem Sessel neben Goldens kleinem Bett gesessen, gelesen und ihm dabei zugesehen, wie ruhig er atmete, als Zeke den Kopf zur Tür hereinsteckte.„Komm mit“, flüsterte er und deutete in den Flur. „Ich habe etwas geplant.“Ich stand vorsichtig auf, um Golden nicht zu wecken. Er hatte heute einen guten Tag gehabt; seine Gesichtsfarbe war besser, und das blaue Leuchten unter seiner Haut hatte kaum geflackert. Der Arzt hatte gesagt, dass die Behandlungen mit Alpha-Essenz anschlugen und sich Goldens Körper stabilisierte.Zeke nahm meine Hand und führte mich durch unsere Räumlichkeiten auf den privaten Balkon, den ich seit meinem Wiedereinzug kaum genutzt hatte. Als er die Tür öffnete, stockte mir der Atem, denn der Ort hatte sich völlig verwandelt.Überall standen Kerzen, deren warmer Schein alles weich wirken ließ. Ein kleiner Tisch war mit echtem Geschirr und Besteck ge
Aus Cecelias SichtDer Krankenhausflur wirkte viel zu hell, während ich Goldens Rollstuhl in Richtung des Besucherraums schob, wo Layla darauf wartete, sich von Cameron zu verabschieden. Golden saß still da, in eine Decke gehüllt, und seine kleinen Hände umklammerten die Armlehnen. Er war endlich stark genug, um für kurze Zeit das Bett zu verlassen – ein Fortschritt, den der Arzt sehr begrüßte.„Warum gehen wir zu ihr?“, fragte Golden und blickte zu mir auf – mit diesen großen Augen, die mich so sehr an Zeke erinnerten.„Weil sie sich von ihrem Sohn verabschieden muss“, erklärte ich mit sanfter Stimme. „Und Papa dachte, es könnte dir helfen zu verstehen, was passiert ist, wenn du siehst, dass selbst schlechte Menschen Familien haben, die ihnen am Herzen liegen.“Zeke ging neben uns her; seine Hand ruhte auf meiner Schulter. Über unsere Verbindung spürte ich seine Anspannung; auch er war von diesem Besuch nicht begeistert, hatte aber zugestimmt, dass er um Camerons willen notwendig war
Wir erreichten die Hauptebene, und ich ging zu meinem Wagen. Die Fahrt zurück ins Krankenhaus gab mir Zeit, all das zu verarbeiten, was Layla gestanden hatte. Das Ausmaß ihres Wahns und ihrer Manipulationen war erschütternd, und ich konnte kaum fassen, dass mir die Anzeichen so lange entgangen waren.Doch darüber zu grübeln, half niemandem weiter; ich musste mich auf die Zukunft mit Cecelia und Golden konzentrieren, anstatt auf die Vergangenheit, die Layla vergiftet hatte.Am nächsten Morgen stand ich vor dem Rat des Rudels, als Layla in Fesseln hereingeführt wurde. Sie wirkte irgendwie kleiner; ihr ganzer Trotz vom Vortag war verflogen. Die Ratsmitglieder betrachteten sie mit Mienen, die von Abscheu bis Enttäuschung reichten – viele von ihnen kannten sie schon seit Jahren.„Layla Winters, Sie sind angeklagt wegen Verschwörung zur Entführung, Gefährdung eines Kindes und Verrats an der Familie des Alpha“, verlas das Ratsmitglied die formelle Anklageschrift. „Wie lautet Ihr Plädoyer?“„
Zekes SichtweiseGolden war seit vierundzwanzig Stunden stabil, und der Arzt hatte gesagt, dass Cecelia nun für kurze Zeiträume Kontakt zu ihm haben durfte. Ihre Berührung würde zwar nicht – wie meine – das Hervortreten des Wolfes unterdrücken, aber sie würde Golden ruhig und entspannt halten, während ich mich um Rudelangelegenheiten kümmerte, die keinen Aufschub mehr duldeten.„Bist du dir sicher?“, fragte Cecelia. Sie wirkte nervös bei dem Gedanken, mit Golden allein gelassen zu werden, obwohl sich Arzt und Pflegepersonal direkt vor der Tür aufhielten.„Du schaffst das schon“, versicherte ich ihr und beugte mich vor, um ihr einen Kuss auf die Stirn zu geben. „Lass einfach deine Hand auf seiner Brust liegen, so wie ich es getan habe. Sollte sich etwas ändern, schlagen die Monitore sofort Alarm und benachrichtigen das medizinische Personal.“„Wie lange wirst du weg sein?“, fragte sie, während ihre Hand meine auf Goldens kleiner Brust ablöste.„Höchstens ein paar Stunden“, sagte ich. I
CECELIAS PERSPEKTIVEIch widersprach nicht, da ich wusste, dass er seine Meinung ohnehin nicht ändern würde. Stattdessen blieb ich in seiner Nähe und wechselte mich mit Zeke dabei ab, in kurzen Etappen zu schlafen. Wenn ich wach war, beobachtete ich die beiden, während sich mein Herz gleichzeitig übervoll und zerbrochen anfühlte.Während einer meiner Wachphasen betrachtete ich Zeke, der auf seinem Stuhl schlief, die Hand noch immer auf Goldens Brust. Seine große Hand bedeckte Goldens kleinen Oberkörper vollständig; der Größenunterschied wirkte fast schon komisch. Doch sie so verbunden zu sehen – Vater und Sohn, vereint –, ließ etwas in meiner Brust zur Ruhe kommen, das drei Jahre lang unruhig gewesen war.Mir wurde mit plötzlicher Klarheit bewusst, dass ich nie aufgehört hatte, ihn zu lieben. Ich war wütend und verletzt gewesen und fest entschlossen, mit meinem Leben weiterzumachen, doch tief in mir drin liebte ich Zeke noch immer mit derselben Intensität wie während unserer Ehe. Viel







