LOGINAlthea stand länger als geplant vor ihrem Kleiderschrank. Kleid an Kleid hing ordentlich aufgereiht vor ihr, größtenteils Stücke, die sie sonst zu offiziellen Anlässen oder wichtigen Terminen trug.Heute war ihr jedoch nicht nach einem solchen Auftritt.Sie wollte weder zu förmlich noch zu leger aussehen. Eigentlich wollte sie nur eines: ihrem Mann gefallen. Nach all den Schwierigkeiten, die in den vergangenen Wochen eine nach der anderen über sie hereingebrochen waren, konnten sie endlich ein wenig aufatmen.Ganz vorbei war noch längst nicht alles. Aber zumindest saßen inzwischen diejenigen in Polizeigewahrsam, die hinter dem ausgeklügelten Plan gegen die Familien Callister und Miller steckten. Unter der Aufsicht der zuständigen Behörden liefen umfangreiche Ermittlungen gegen sie.Auch die rechtliche Unterstützung, die man ihnen zukommen ließ – vor allem Marlene und Harold –, war genau wie geplant sorgfältig geregelt worden. Ihnen sollte möglichst wenig Spielraum bleiben, sich her
„Trotzdem musste sie die Wahrheit erfahren“, sagte Althea mit Nachdruck. „Es wäre noch schlimmer gewesen, wenn sie es irgendwann von jemand anderem erfahren und sich selbst zusammengereimt hätte, was dahintersteckt.“Riana nickte zustimmend.„Wo sind eigentlich Josh und Grace?“, fragte Althea und ließ den Blick durch den Raum schweifen. Normalerweise saßen die beiden um diese Zeit noch hier und lernten.„Grace ist draußen im Garten“, antwortete Riana. „Gia ist bei ihr, während sie ihre Aufgaben zu Ende macht. Und Josh …“ Ein leiser Unterton von Belustigung schwang in ihrer Stimme mit. „Ich fürchte, er kämpft immer noch mit seinem Physikbuch.“Althea musste leise lachen. „Ich habe die Angestellten gebeten, Eli etwas Haferbrei zu machen. Nach dem ganzen Schock mache ich mir Sorgen, dass sie vielleicht noch Fieber bekommt.“Rianas Blick wurde sofort besorgt. „Wie geht es ihr jetzt?“„Sie schläft“, sagte Althea. „Sie ist vollkommen erschöpft.“Riana nahm die Hand ihrer Schwiegertoch
Elis Tränen versiegten nicht sofort, doch ihr heftiges Schluchzen wurde nach und nach zu einem leisen Schniefen. Die Anspannung, die ihren ganzen Körper zuvor noch beherrscht hatte, wich langsam einer tiefen Erschöpfung. Eli blieb auf der Bettkante sitzen, der halb gepackte Koffer noch immer offen neben ihr. Althea wich nicht von ihrer Seite. Sie drängte sie zu nichts und versuchte auch nicht, die Stille mit Worten zu füllen. Ab und zu strich sie ihr lediglich beruhigend über den Rücken oder durchs Haar.Und mit jeder dieser kleinen Gesten fühlte Eli sich ein wenig sicherer.„Danke … dass du bei mir geblieben bist“, sagte sie schließlich leise. Sie wischte sich die letzten Tränen von den Wangen und schaffte sogar ein zaghaftes Lächeln, obwohl die Enttäuschung und der Schmerz noch deutlich in ihren Augen zu erkennen waren.„Ich bin froh, dass du heute mit mir geredet hast.“ Althea nahm Elis Gesicht sanft zwischen ihre Hände und sah ihr fest in die Augen. „Beim nächsten Mal kommst du
Ein schwaches, zerbrechliches Lächeln huschte über Elis Gesicht.„Weil ich hier nicht hingehöre.“Die Worte waren kaum mehr als ein Flüstern, trafen Althea aber wie ein Schlag.„Wer hat dir das eingeredet?“„Ich selbst.“ Schon liefen Eli wieder die Tränen über die Wangen. „Ich gehöre nicht zu dieser Familie. Ich bin nicht Papa Chases Tochter. Und ich bin auch nicht die leibliche Enkelin von Oma und Opa.“Althea machte einen Schritt auf sie zu, doch Eli wich instinktiv ein Stück zurück.„Ich bin wegen einer Lüge überhaupt erst in dieses Haus gekommen“, redete sie weiter, die Worte überschlugen sich beinahe. „Ich habe mich als jemand ausgegeben, der ich gar nicht bin. Die ganze Zeit habe ich in einer Geschichte gelebt, die überhaupt nicht wahr war.“„Dafür konntest du nichts.“„Aber ich war trotzdem ein Teil davon!“ Elis Stimme wurde lauter und zitterte vor Schmerz. „Ich habe alles verteidigt, was meine Mutter erzählt hat. Ich habe ihr jede einzelne Geschichte geglaubt. Ich war s
„Dann … gehe ich jetzt erst einmal“, sagte Eli leise.Sie sah Riana und Daniel noch einmal kurz an und verabschiedete sich mit einer höflichen Verbeugung. Kurz bevor sie das Arbeitszimmer verließ, blieb sie noch einmal stehen. „Und danke … dass ihr mir die Wahrheit gesagt habt“, fügte sie mit leiser, erstaunlich gefasster Stimme hinzu.Dann fiel die Tür sanft hinter ihr ins Schloss.Eli ging mit gesenktem Kopf durch den stillen Flur und kämpfte darum, ihre Tränen zurückzuhalten. Doch mit jedem Schritt wurde sie schneller, bis sie schließlich um die Ecke verschwand, hinter der ihr Zimmer lag.Riana blieb noch lange vor der geschlossenen Tür stehen und starrte in den leeren Flur. Ihr Blick war voller Sorge, aber auch voller Zuneigung.Von allen Menschen, die unter Marlenes Intrigen gelitten hatten, war Eli das eigentliche Opfer.„Sie braucht jetzt einfach Zeit“, sagte Daniel sanft hinter ihr und legte seiner Frau beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Lass ihr diese Zeit. Ich bin
Riana und Daniel wechselten einen Blick.Die Wahrheit über Elis tatsächliche Herkunft – und darüber, wie sie überhaupt in Marlenes Obhut gekommen war – war von allem wohl am schwersten zu verkraften. Aber es führte kein Weg daran vorbei. Eli musste sie erfahren.„Oma?“, drängte Eli und sah Riana unverwandt an. „Oder … gibt es noch etwas, das ich nicht weiß? Etwas, das ihr mir immer noch verschweigt?“Riana schluckte. Als sie das Mädchen vor sich ansah – weinend, völlig aufgewühlt und mit einem Mal um einen großen Teil ihres bisherigen Vertrauens gebracht –, kamen ihr Zweifel. Nach allem, was Eli gerade erfahren hatte, fühlte es sich beinahe grausam an, ihr noch eine weitere Wahrheit zuzumuten.„Willst du es mir nicht sagen?“ Elis Stimme brach.Riana nahm ihre Hände wieder fest zwischen ihre eigenen. „Es geht nicht darum, dass wir es dir nicht sagen wollen, Eli, mein Schatz. Es ist nur …“„Es ist schon okay, Oma.“ Eli zwang sich zu einem schwachen, bitteren Lächeln. „Sag mir einfa
„Ich finde, diese Krawatte passt dir am besten.“Althea suchte eine aus Davens großer Sammlung heraus. Sie wusste, dass er ihre Nähe nur ertrug, aber sie verdrängte die Scham. Was sie sich vorgenommen hatte, musste funktionieren – zumindest bis der Monat vorbei war.Danach würden sich ihre Wege en
„Sag mal … bist du völlig verrückt geworden?“Althea verstand nur zu gut, warum ihre beste Freundin so reagierte, mit einem Gesichtsausdruck, der vor blanker Fassungslosigkeit förmlich erstarrte. Sie hatte Lydia alles erzählt – und obwohl keine einzige Träne gefallen war, wusste Lydia genau, wie ti
Es wäre gelogen zu behaupten, dass es Althea nicht verletzen würde. Und es wäre scheinheilig zu behaupten, sie sei nicht traurig oder enttäuscht. Aber … was hätte sie tun können? Nichts konnte diesen Lauf der Dinge aufhalten. Nicht einmal der Mann, auf den sie einst zu vertrauen glaubte, war auf ihr
„Bist du völlig von Sinnen?“, fuhr Catherine Callister – oder einfach Kate – sie an, und ihre gellende Stimme zerriss die Ruhe des Gartens wie ein Messerstich. Ihre perfekt gepflegten Finger krallten sich so fest in Altheas Schulter, dass die zierliche Frau ins Wanken geriet. Die leichte Plastikgieß







