LOGINDie Kälte traf sie wie eine Wand. Die Hitze und der Lärm der Bar verschwanden hinter der Tür und machten der Stille der Novembernacht Platz – kein Bass, kein Geschrei, nur ihr eigener Atem und das ferne Summen des Verkehrs. Es war kurz nach zwei Uhr morgens. Sie hatte keine Lust, wieder hineinzugehen, noch nicht, vielleicht gar nicht. Ihre Lederhose und ihr bauchfreies Top halfen nichts gegen die Kälte, und sie ließ sie trotzdem an ihrer Haut nagen, hieß sie fast willkommen – so, wie sie in letzter Zeit alles willkommen geheißen hatte, was ihr etwas anderes zu spüren gab als den Schmerz darunter.
Sie machte sich auf den Weg und lief weiter, zog an ihrem Joint und ließ den Rauch die Schärfe des Windes mildern. Die Straße war auf diese ganz besondere Art still, wie es nur in einer Stadt nach zwei Uhr morgens der Fall ist – nicht gerade leer, aber ausgedünnt, als hätte die Nacht den Großteil ihrer Menschen woanders hingeschickt und die Überbleibsel zurückgelassen.
Sie ging den Bürgersteig entlang, ohne einen konkreten Plan zu haben. Der Club lag meilenweit von der Wohnung ihrer Eltern entfernt – jener Wohnung, die sie immer noch nicht als ihre eigene bezeichnen konnte. Doch ihre Füße trugen sie trotzdem weiter, weg vom Lärm und weg von jedem, der sie fragen könnte, ob es ihr gut ginge, und es auch ernst meinen würde. Mit Kopfhörern in den Ohren, dem Handy in der Tasche und den Händen tief in den Ärmeln versteckt, ließ sie Adele den Raum ausfüllen, in dem eigentlich ihre Gedanken hätten sein sollen. Diese Stimme hatte etwas an sich, das die Trauer fast erträglich machte, fast wie Gesellschaft.
Die Kälte hatte sich wie eine zweite Haut über Philadelphia gelegt. Jeder Atemzug hinterließ eine blasse Wolke, die so schnell verschwand, wie sie gekommen war. Der Wind schlüpfte zwischen den Gebäuden hindurch, zupfte an den Mänteln und ließ Papierfetzen über den Asphalt huschen. Auf der anderen Straßenseite warf ein Nachtlokal warmes gelbes Licht auf die Menschen, die sich unter seiner Markise zusammenkauerten. Autos rollten auf der nassen Straße vorbei, ihre Scheinwerfer zeichneten lange Streifen auf den Asphalt, bevor sie in die Dunkelheit verschwanden. Irgendwo in der Ferne ächzte ein Zug durch die Nacht, lang und tief.
Sie wusste nicht, wie lange sie schon gelaufen war. Lange genug, dass ihre Zehen in den Pumps taub geworden waren, lange genug, dass der Schmerz in ihrer Brust zu etwas Erträglicherem nachgelassen hatte. Sie dachte – nicht zum ersten Mal an diesem Abend –, dass ihre Mutter diese Schuhe gehasst hätte. Zu dünn für solches Wetter. Ihre Mutter hatte zu allem eine Meinung, auch zu wettergerechter Schuhwerk, und Alondra hatte dabei immer mit den Augen gerollt. Sie würde alles dafür geben, das wieder zu hören.
Vor ihr stand ein Polizeiauto im Leerlauf, halb auf dem Bordstein vor einer geschlossenen Apotheke geparkt, die Scheinwerfer eingeschaltet und den Block hinunter gerichtet. Unwillkürlich wurde sie langsamer. Sie war betrunken, mehr, als sie ihren Freunden gezeigt hatte, und der Joint steckte noch bei ihr, glimmte immer noch zwischen ihren Fingern herunter. Sie hatte heute Abend wirklich keine Lust, sich damit zu beschäftigen. Sie kannte diese Straßen, war zwei Stadtteile weiter aufgewachsen, und direkt vor ihr bog rechts eine Gasse ab – eine Abkürzung, die sie und ihre Freunde früher als Teenager genommen hatten, wenn sie sich nach der Ausgangssperre heimgeschlichen hatten. Sie bog ohne zu verlangsamen in die Gasse ein, ohne wirklich darüber nachzudenken.
Sie schaute auf ihr Handy. Fast 3 Uhr morgens. Angst krallte sich in ihre Brust, als sie in die Gasse eilte, ihre Schritte hallten von den schmalen Wänden wider, und für einen Moment hätte sie sich fast wieder umgedreht, hätte fast beschlossen, dass das Polizeiauto doch die sicherere Wahl war. Stattdessen drückte sie sich in die Dunkelheit, atmete kaum noch und lauschte auf Schritte, die ihr vielleicht folgen könnten. Es kam nichts. Sie atmete aus – ohne zu merken, dass sie den Atem angehalten hatte.
Die Gasse war eng, kaum breit genug, dass zwei Menschen Schulter an Schulter aneinander vorbeikommen konnten, und wurde auf beiden Seiten von Backsteinmauern eingerahmt, die vom alten Regen glitschig waren. Sie verlief gut hundert Fuß, bevor sie in die nächste Straße mündete. Auf einer Seite standen Müllcontainer, und dahinter war der schlecht beleuchtete Abschnitt des Gehwegs mit Dingen übersät, die sie sich nicht allzu genau ansehen wollte. Die meisten der alten Lampen, die an den Wänden angebracht waren, waren längst durchgebrannt; ihre zerbrochenen Glühbirnen hingen nutzlos über ihren Köpfen. Nur zwei oder drei flackerten noch und warfen schwache gelbe Lichtflecken, die den größten Teil des Bodens im Schatten ließen.
Die Schatten verschoben sich jedes Mal, wenn die verbliebenen Lichter im Wind flackerten, dehnten sich aus und zuckten zurück wie etwas, das atmete. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken, der nichts mit der Temperatur zu tun hatte. Mit klopfendem Herzen blickte sie über die Schulter auf ein leises Geräusch von der Straße hinter ihr – ein Kratzen, vielleicht eine umgestoßene Dose, wahrscheinlich nichts. Sie wartete nicht ab, um herauszufinden, was das Geräusch war. Sie ging weiter, tiefer in die Gasse hinein, und redete sich ein, dass die Straße am anderen Ende schon nah sei.
Sie hatte es vielleicht zwanzig Fuß weit geschafft, vorbei am ersten Müllcontainer, als ein Mann vom anderen Ende her heranstolperte, sechzig Fuß entfernt, vielleicht weniger, als Silhouette vor dem schwachen Schein der Straße, aus der er gekommen war.
Sie erstarrte mitten im Schritt, eine Hand noch immer gegen den kalten Ziegelstein gestützt.
Er bewegte sich hektisch, blickte über die Schulter zurück, als würde ihn etwas verfolgen; seine Schritte waren unregelmäßig, er stolperte mehr, als dass er rannte. Dann war ein Geräusch zu hören.
Pfft.
Es war so leise, dass sie es für einen Moment nicht zuordnen konnte, das Geräusch nicht mit dem in Einklang bringen konnte, was ihr Körper bereits zu verstehen schien, bevor ihr Verstand nachzog.
Der Mann zuckte zusammen, strauchelte noch heftiger und stützte sich mit einer Hand an der Backsteinmauer ab, um sich aufrecht zu halten. Er ging nicht zu Boden, noch nicht.
Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen.
Ein weiteres dumpfes Knacken durchdrang die Gasse, diesmal in schnellerer Folge.
Schüsse. Endlich fiel ihr das Wort ein, und mit ihm kam eine Welle der Kälte, die nichts mit dem November zu tun hatte.
Sie ließ sich hinter einen Müllcontainer fallen, der nur ein paar Fuß von ihr entfernt stand, und presste sich gegen den kalten Kunststoff, als ihr mit voller Wucht bewusst wurde, dass sie nicht hier sein sollte, dass, was auch immer das war, keine Zeugen haben sollte. Der Joint brannte noch immer zwischen ihren Fingern, eine kleine orangefarbene Glut leuchtete in der Dunkelheit wie ein Leuchtfeuer. Sie drückte ihn gegen den Kunststoff aus, zischte vor Schmerz und steckte ihn mit zitternder Hand in ihre Tasche.
Und irgendwo jenseits der Einmündung der Gasse stand noch immer ein Polizeiauto im Leerlauf, nah genug, dass dies eigentlich sicher hätte sein müssen.
Dann hörte sie es.
Das tiefe Brummen von Motoren, mehr als einer, das sich über das Rauschen ihres eigenen Pulses in ihren Ohren erhob.
Drei Motorräder rollten an den Eingang der Gasse heran, an demselben Ende, von dem aus der Mann hereingetorkelt war, wie ihr klar wurde, vielleicht vierzig Fuß von ihr entfernt. Ihre Scheinwerfer durchdrangen kurz die Dunkelheit, bevor sie anhielten, und warfen lange Schatten die Gasse hinunter in Richtung der Stelle, an der sie kauerte. Drei Gestalten stiegen ab, ganz gemächlich, als hätten sie alle Zeit der Welt.
Sie konnte ihre Gesichter nicht erkennen. Nur dunkle Silhouetten unter den kaputten Straßenlaternen, gebaut wie Männer, deren Job davon abhängt.
Einer von ihnen ging auf den Mann zu, der kaum Zeit hatte, aufzublicken, bevor ein weiterer Knall die Stille durchbrach. Er sackte zusammen, und diesmal blieb er liegen.
Sie presste eine Hand auf den Mund und zwang sich, keinen Laut von sich zu geben, nicht einmal einen Atemzug; ihr ganzer Körper versteifte sich hinter dem Müllcontainer. Die drei Gestalten verweilten einen Moment, eine von ihnen hockte sich hin, um etwas zu überprüfen, als wolle sie sich vergewissern, dass die Gasse leer war. Dann wandten sie sich unbeeindruckt wieder ihren Motorrädern zu, als wäre dies Routine.
Beweg dich nicht.
Atme nicht.
Tu nichts—
Ihr Handy klingelte.
Der Ton durchdrang die Stille, unverschämt laut, ein alter Klingelton, den sie vergessen hatte zu ändern, und er hätte genauso gut ein Schrei sein können.
Die Gestalten erstarrten, alle drei, und ihr Magen sank bis auf den Asphalt. Sie tastete nach dem Handy, ihre Hände zitterten zu stark, um den Knopf zu finden, und als sie es endlich zum Schweigen brachte, waren sie bereits in Bewegung, jetzt nicht mehr auf ihre Fahrräder zu, sondern auf sie zu, schnell, ihre Stiefel schlugen im Rhythmus auf den Asphalt, der mit jeder Sekunde an Boden gewann.
Sie rannte in die andere Richtung davon, zurück zu der Stelle, von der sie gekommen war; ihre eigenen Schritte klatschten auf den nassen Beton, ihre Lungen brannten bereits von der kalten Luft und dem Whiskey, der noch in ihrem Körper wirkte. Zwanzig Fuß. Dreißig. Sie konnte hören, wie sie die Lücke hinter ihr schlossen, näher, als sie glauben wollte. Vor ihr verengte sich die Gasse dort, wo sie auf die Straße traf, von der sie ursprünglich abgebogen war, und dahinter glaubte sie, den schwachen Schein des nächsten Häuserblocks zu sehen, Straßenlaternen, vielleicht sogar denselben im Leerlauf stehenden Polizeiwagen, wenn sie Glück hatte. Wenn sie ihn nur erreichen könnte, würde jemand sie sehen, jemand würde ihr helfen.
Ein leises, gedämpftes Knallen.
Eine Kugel schlug nur ein paar Zoll von ihrem Fuß entfernt auf den Boden ein, spaltete den Asphalt, und sie zuckte so heftig zusammen, dass ihr Knöchel in den Pumps unter ihr wegknickte und sie hart auf den Beton fiel; der Aufprall drückte ihr die Luft aus den Lungen.
Sie hatte kaum Zeit, sich auf ihre Handflächen abzustützen – Kies bohrte sich in ihre Haut –, bevor die Schritte hinter ihr verstummten, direkt hinter ihr, direkt über ihr. Eine Hand schloss sich um ihren Arm und riss sie mit einer Kraft vom Boden hoch, die blaue Flecken hinterließ, noch bevor sie den Schmerz überhaupt wahrnahm, und etwas in ihr überwand die Angst – ein letzter Instinkt, der sich weigerte, sich kampflos zu ergeben. Sie wand sich heftig gegen den Griff, rammte ihren Ellbogen nach hinten in das, was sie hoffte, ein Brustkorb zu sein, und hörte ein Grunzen, das ihr sagte, dass sie getroffen hatte.
Es brachte ihr nichts. Ein zweites Paar Hände packte sie von der anderen Seite und hielt ihren Arm fest, bevor sie erneut zuschlagen konnte.
Irgendwo jenseits der Einmündung der Gasse hörte sie eine Polizeisirene – nutzlos, zu weit weg, um noch eine Rolle zu spielen, doch nah genug, um sie damit zu quälen, wie nah die Sicherheit gewesen war. Ein stechender Schmerz breitete sich am Hinterkopf aus, plötzlich und vollkommen, und das Letzte, was sie noch wahrnahm, war der Geruch von Benzin, nah, viel zu nah, bevor die Dunkelheit alles verschluckte.
Die Einladung kam, während Alondras Haare noch nass waren.„Don Salvatore erwartet Sie zum Frühstück“, sagte Rosa von der Tür aus. Sie sah Alondra dabei nicht ins Gesicht. „Im Terrassenzimmer.“Alondra blickte auf ihre verbundenen Füße hinunter. Während des gesamten Bades hatte sie ein einziges Wort immer wieder in Gedanken gewälzt: Wasser. Doch sie war zu keinem Ergebnis gekommen. Sie war zu müde, um sich mit einem Haus anzulegen, in dem sich alles nach dem Zeitplan anderer Leute richtete.Ihre beiden Wachen folgten ihr die Marmortreppe hinunter, eine hinter ihr und eine seitlich von ihr. Nah genug, um sie aufzufangen, weit genug entfernt, um so zu tun, als wären sie gar nicht da. Vor den Türen des Terrassenzimmers blieben sie stehen, ohne dass jemand es ihnen sagen musste. Alondra ging allein hinein.Der Raum öffnete sich zu einem steinernen Balkon hin, von dem aus man eine Aussicht hatte, die sie für einen halben Atemzug innehalten ließ. Das Meer lag glatt und blau bis zu einer sch
Dante hatte nicht geschlafen.Er war am Dock geblieben, bis alles erledigt war, und hatte auf der Rückfahrt beobachtet, wie sich der Himmel von Schwarz zu bleigrau verfärbte. Um sechs lag er in seiner Kleidung auf der Bettdecke und starrte an eine Decke, die ihm keine Antworten gab. Um halb sieben gab er auf und ging nach unten.Der Sicherheitsraum befand sich im Keller des Ostflügels, ein fensterloser Raum voller surrender Monitore und kaltem Kaffee. Der diensthabende Mitarbeiter blickte auf, sah Dantes Gesicht und fand einen Grund, die Außenanlagen zu überprüfen. Dante nahm vor der Reihe von Bildschirmen Platz. Auf dem dritten war ein körniges, graues Bild eines Korridors zu sehen: zwei Wachen vor einer geschlossenen Tür, die vollkommen reglos dastanden. Matteos Tür. Zwei weitere standen auf dem Treppenabsatz darunter, nachdem das Foto am Dock aufgetaucht war. Nichts bewegte sich. Dante hatte auch nichts anderes erwartet. Das Haus schlief noch, und er hatte eine Stunde, die er kein
Alondra erwachte im Sonnenlicht, das auf eine fremde Decke fiel.Heller Stein, ein meerblauer Lichtschein, der darüberglitt, und für einen einzigen gnädigen Moment erinnerte sie sich an überhaupt nichts. Dann pochten ihre Füße in den Verbänden, und die Nacht kehrte in der richtigen Reihenfolge zurück: der Hafen, das Wasser, seine Hände, die ihre Knöchel verbunden hatten, als wäre sie aus Glas.Sie drehte den Kopf.Matteo saß auf dem Stuhl am Fenster.Er war nicht ins Bett gegangen. Er trug noch immer das ruinierte Hemd vom Vorabend, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgeschoben, den Kragen offen, an einer Manschette ein eingetrockneter brauner Fleck. Sein Kopf war gegen die Seitenlehne des Sessels gesunken, und eine Hand hing locker über der Armlehne. Im Schlaf waren die harten Linien seines Gesichts beinahe jugendlich geworden. Er sah aus wie ein Mann, der sich hingesetzt hatte, um Wache zu halten, und den Kampf gegen den eigenen Körper verloren hatte.Er hatte die Tür unverschlossen g
Alondra erwachte, als die Reifen über Kies knirschten und sie den Geruch seiner Jacke wahrnahm: Zedernholz, Rauch und etwas Wärmeres darunter.Einen Moment lang wusste sie nicht, wo sie war. Dann spürte sie den Arm unter ihren Knien, die ruhige Hand an ihrem Rücken, und erinnerte sich schlagartig an alles: den Hafen, die beiden Männer auf den Knien, das Wasser, ihren eigenen abgehackten Atem. Lucio fuhr mit den Augen fest auf die Straße gerichtet, und zweimal sah sie, wie sein Blick zum Rückspiegel huschte. Matteos Kiefer war so fest angespannt wie eine Faust.Sie bewegte sich nicht. Sie war sich nicht sicher, ob sie es überhaupt gekonnt hätte.Der Wagen hielt an. Noch bevor der Motor verstummte, hatte Matteo bereits die Tür geöffnet. Seine andere Hand lag an seinem Hosenbund, während sein Blick die schwarze Linie der Bäume absuchte. Erst als Lucio kurz nickte, hob Matteo sie wieder hoch und stieg aus.Ohne ein Wort zu sagen, trug er sie durch die Eingangstüren und die Treppe hinauf.
Dante sah den Rücklichtern von Matteos Wagen nach, bis sie auf der Küstenstraße verschwanden. Erst dann erlaubte er sich, richtig auszuatmen.Bring es zu Ende. Kümmere dich um sie. Zwei Befehle, und keiner davon sprach das aus, worüber Dante bereits nachgrübelte. Matteo hatte es nicht aussprechen müssen. Jemand hatte gewusst, dass die Ostpiers nur schwach bewacht sein würden, während die ganze Familie in einem Ballsaal stand. Jemand hatte sich ausgerechnet diese Nacht ausgesucht. Die Lieferung, die Gala, das Mädchen – alles auf einmal. Und Matteo glaubte nicht an Glück.Dante ebenso wenig. Es reichte nicht, herauszufinden, wer die beiden Männer und den Lieferwagen geschickt hatte. Er musste wissen, warum ausgerechnet jetzt.Er war müde, und zwar auf eine Weise, die sich nicht durch Schlaf beheben ließ. Drei Jahre lang hatte er einer Wahrheit nachgejagt, die sich jedes Mal auflöste, sobald er glaubte, sie in den Händen zu halten. Ein Informant, dem man in einem leeren Haus die Kehle au
Der Motor tickte, während er abkühlte, und Alondra saß allein auf dem Rücksitz, Matteos Jacke fest um ihre Schultern gezogen, und beobachtete durch die Windschutzscheibe den Hafen.Dante hatte sie hergefahren. Er hatte geparkt, die Scheinwerfer ausgeschaltet und war mit Matteo in Richtung der Flutlichter gegangen, ohne sich auch nur einmal nach ihr umzudrehen, als wäre es das Natürlichste auf der Welt, sie mitten im Nirgendwo in einem verschlossenen Wagen zurückzulassen. Vielleicht war es das für ihn auch.Eigentlich hätte sie sich sicherer fühlen müssen, mit verriegelten Türen und seinen Männern, die sich über den Parkplatz verteilt hatten wie eine Mauer zwischen ihr und allem, was in der Dunkelheit lauerte. Stattdessen drückte die Stille immer schwerer auf sie, schwerer als der Lärm im Ballsaal es je getan hatte, und sie merkte, dass sie es darin nicht länger aushielt.In der Ferne erkannte sie die Umrisse zweier Männer, die auf dem Beton knieten und vom grellen, weißen Licht angest







