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Sie weinte ber der Beerdigung, ich schwieg
Sie weinte ber der Beerdigung, ich schwieg
Auteur: Justus Richtig

Kapitel 1

Auteur: Justus Richtig
„Sophie, warum darf ich nicht bei der Beerdigung klagen?“

„Der Herzog hatte keine Kinder. Was ist so schlimm daran, wenn ich ein bisschen um ihn trauere?“

Auf dem Weg zur Beerdigung im Auto hörte ich die vertrauten Vorwürfe von Lena Keller, der Adoptivschwester meines Mannes, und wurde mir in diesem Moment schlagartig klar: Ich war tatsächlich wiedergeboren worden.

Lenas Augen waren bereits gerötet. Noch bevor sie überhaupt mit dem Klagen begann, um Mitleid zu erregen, spielte sie schon die Rolle des Opfers und tat so, als würde ich sie schikanieren.

Meine Schwiegermutter zog sie liebevoll an sich und warf mir einen kalten Blick zu.

„Bei einer Adelsbeerdigung sind nur Leute mit Status und Ansehen dabei! Was ist schon dabei, ein bisschen zu weinen?“

„Vielleicht sieht jemand, wie gutherzig sie ist, und ein reicher Junggeselle verliebt sich in sie!“

Als Lena merkte, dass sie Rückhalt hatte, hörte sie auf, sich zu verstellen und schminkte sich vor dem Spiegel die Augenlider.

„Ich habe einen ganzen Monat an meinem Make-up gearbeitet. Wenn ich damit weine, sehe ich garantiert unglaublich mitleiderregend aus!“

„Sophie ist einfach nur neidisch, weil ich jung und hübsch bin, und sie hat Angst, dass ich ihr vor den Adligen die Aufmerksamkeit stehlen könnte!“

Tatsächlich hatte Lena sich schon lange auf die heutige Beerdigung vorbereitet.

Sie hatte viel Geld in ein Luxus-Spa investiert, sich einen Monat lang intensiv pflegen lassen und sogar extra gelernt, wie man überzeugend weinte.

Ich lachte kalt auf, ein spöttischer Ausdruck in meinen Augen.

„Du gehst hier zu einer Beerdigung, nicht zu einem Heiratsmarkt!“

„So auffällig herausgeputzt – hast du Angst, dass niemand merkt, dass du dich an Männer heranmachen willst?“

Lena sprang auf wie eine getretene Katze und jammerte.

„Ich habe extra die Lebensgeschichte des Herzogs studiert, eine professionelle Trauerrede schreiben lassen und sie auswendig gelernt.“

„Ist es denn falsch, ihm als ausländische Besucherin Respekt zu erweisen? Du schaust einfach immer auf mich herab!“

Auch mein Mann, Felix Schneider, warf mir nebenbei genervt und spöttisch vor.

„Sophie, was ist denn los mit dir? Reicht es nicht, dass du dich zu Hause schon aufführst? Musst du dich auch noch im Ausland blamieren?“

„Lena hat sich so viel Mühe für diese Beerdigung gegeben – vielleicht bringt sie uns sogar Vorteile! Und du? Außer herumzunörgeln kannst du überhaupt nichts?“

Felix war schon immer so: Er verwöhnte seine Adoptivschwester maßlos und hielt mich immer für diejenige, die sie angeblich schikanierte.

Egal, wie absurd ihr Verhalten war – er ermahnte sie nie, sondern zwang mich sogar, ihre „guten Absichten“ zu akzeptieren.

In meinem letzten Leben hatte ich ausdrücklich darauf hingewiesen, dass lautes Klagen bei einer britischen Adelsbeerdigung höchst respektlos war.

Mein Schwiegervater brauchte dringend Geld für seine Behandlung – erst mit dem Erbe könnten wir überhaupt aufatmen.

Hätten wir die Ruhe der Beerdigung gestört und die anwesenden Adligen verärgert, hätten wir uns das Erbe endgültig abgeschrieben – vielleicht wären wir sogar direkt hinausgeworfen worden.

Doch Lena ließ sich nicht aufhalten und bestand auf ihrer Klage-Show.

Als ich Lena nicht stoppen konnte, hielt ich ihr damals in der Öffentlichkeit den Mund zu, um sie zum Schweigen zu bringen.

Lena geriet daraufhin außer sich, rannte weinend davon und wurde später von Straßenkriminellen versehentlich getötet.

Mein Mann Felix erhielt das Erbe reibungslos, machte mich anschließend für den Tod seiner Adoptivschwester verantwortlich und mich grausam in den Schneebergen hinabstieß!

In diesem Leben würde ich einfach zusehen, wie Lena sich selbst zugrunde richtete. Sie könnte weinen, wie sie wollte.

Wenn Felix heute das Erbe nicht bekäme, gäbe es kein Geld mehr für die Behandlung seines Vaters.

Dann müssten wir wohl bald seine Beerdigung vorbereiten – und erst dann hätte diese ganze Familie wirklich Grund zu klagen.

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    „Habt ihr das alle gehört? Sein Vater hatte kein Geld mehr für seine Behandlung, weil er das Erbe nicht erhalten hat.“„Und warum er es nicht erhalten hat? Seht euch das Video an!“Ich spielte das Video ab, das ich damals bei der Adelsbeerdigung aufgenommen hatte.Darauf war deutlich zu sehen, wie Lena vor laufender Kamera schrill weinte und die gesamte Zeremonie störte.„Seht ihr das? Genau diese Frau hat die Sitten missachtet, unbedingt eine Klage-Show inszeniert und damit ein absolutes Tabu gebrochen! Sie hat alles ruiniert!“„Niemand konnte sie aufhalten – sie wollte unbedingt die Gelegenheit nutzen, um sich an die Adligen heranzumachen!“Anfangs waren die Internetnutzer noch skeptisch, die Meinungen im Livestream gingen auseinander.Doch schon bald kippte die Stimmung vollständig.Der Assistent von Prinz Charles veröffentlichte eine offizielle Mitteilung in den heimischen Medien.Darauf stand ganz klar, dass Felix und Lena die Beerdigung damals gestört hatten.Die Haputerbin des E

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