LOGINKapitel 6
Das Warten war eine kalkulierte Qual gewesen. Drei Tage. Zweiundsiebzig Stunden geplante Enthaltsamkeit. Viertausenddreihundertzwanzig Minuten bewusste Folter. Sie hatte jede einzelne Minute gezählt.
Ihre Wohnung hatte sich in eine Gefängniszelle verwandelt, jedes banale Objekt – die Haarbürste am Waschbecken, die morgendliche Kaffeetasse, das zerwühlte Bett – erinnerte sie an seine Abwesenheit. Selbst ihre Träume waren zu Komplizen geworden, brachten feuchte Visionen, die sie mit den Laken zwischen den Beinen und seinem Namen auf den Lippen erwachen ließen.
Als das Handy schließlich um 2:47 Uhr auf dem Nachttisch vibrierte, war sie bereits wach. Ihr Herz raste, bevor sie die Nachricht überhaupt gelesen hatte. Ihre Finger zitterten, als sie den Bildschirm entsperrte.
„Büro. Jetzt.“
Nichts weiter. Nie mehr. Er verschwendete niemals Worte, wenn Taten lauter sprechen würden.
Das Universitätsgebäude war zu dieser Stunde menschenleer, die Flure nur von den Notbeleuchtungen erhellt, die lange Schatten an die Wände warfen. Ihre Schritte hallten im Schweigen, die hohen Absätze hämmerten auf dem Marmorboden wie ein Countdown zu etwas Unausweichlichem.
Die Tür zu seinem Büro stand einen Spaltbreit offen. Eine Einladung. Eine Falle. Für sie war beides dasselbe.
Das bernsteinfarbene Licht der Schreibtischlampe zeichnete ein goldenes Rechteck auf den Boden. Er saß hinter dem Schreibtisch, die perfekte Haltung eines Professors, die Brille auf der Nase, die Finger unter dem Kinn verschränkt. Die Kleidung makellos – weißes Hemd mit sorgfältig bis zu den Unterarmen hochgekrempelten Ärmeln, graue Weste, gelockerte Krawatte – stand in scharfem Kontrast zu dem Blick, der sie bei lebendigem Leib verschlang.
„Schließ die Tür ab“, befahl er, ohne die Stimme zu erheben.
Das Klicken des Schlosses hallte wie ein Schuss durch die Stille. Ihre Finger zögerten am Riegel.
„Auch den Schlüssel umdrehen.“
Das kalte Metall drehte sich mit einem letzten Knirschen. Jetzt waren sie eingeschlossen. Allein. Genau so, wie er es wollte.
„Zieh dich aus.“ Er nahm die Brille mit bedachten Bewegungen ab und putzte die Gläser am Stoff der Weste. „Langsam. Ich will sehen, wie du dich auflöst.“
Das schwarze Kleid – das sie in dem Wissen gewählt hatte, dass es ihm gefallen würde – glitt wie flüssig von ihren Schultern und enthüllte die Dessous, die er ihr in der Woche zuvor hatte kaufen lassen. Der schwarze Spitzenslip war fast nur Dekoration, so dünn, dass er kaum einen Zweck erfüllte. Der passende BH hatte Träger, die sich wie ein Spinnennetz auf ihrem Rücken kreuzten.
„Dreh dich.“
Sie gehorchte und vollführte eine langsame Drehung unter seinem prüfenden Blick. Die Klimaanlage ließ ihre Nippel unter dem durchsichtigen Stoff hart werden.
„Besser als in meinem Traum“, murmelte er und erhob sich endlich. Seine Schritte waren lautlos, raubtierhaft. „Hast du von mir geträumt?“
„Nein“, log sie, während ihre Finger an den Außenseiten ihrer Oberschenkel zuckten.
Er lachte leise und rau, während er das Handy aus der Westentasche zog. Der Bildschirm zeigte ihren Browserverlauf: „häufige erotische Träume Ursachen“, „wie aufhören zu fantasieren“, „Sucht nach gefährlichem Sex?“
„So eine erbärmliche Lüge.“ Seine Finger zeichneten ihre Schlüsselbeine nach, hielten an der Stelle inne, wo ihr rasender Puls unter der Haut sprang. „Du tropfst schon jetzt für mich, oder?“
Sie antwortete nicht. Musste sie auch nicht. Ihr Körper verriet ihre Geheimnisse immer besser als jedes Wort.
Mit einer plötzlichen Bewegung drückte er sie gegen den Schreibtisch. Papiere flogen, ein Stift rollte klirrend zu Boden. Das kalte Holz brannte auf ihrer nackten Haut.
„Beug dich vor.“
Als sie sich vorbeugte, zog er die Spitze mit einem Finger zur Seite und pfiff leise, als er ihre offensichtliche Nässe fand.
„So nass, dass es dir an den Schenkeln herunterläuft“, stellte er fest, rieb die Finger in ihr und führte sie dann zum Mund. „Und der Geschmack… schmeckt immer noch nach mir.“
Der erste Schlag kam ohne Vorwarnung. Hart. Präzise. Genau an der perfekten Stelle zwischen Oberschenkel und Gesäß. Sie schrie auf, ihre Finger krallten sich in die Kante des Schreibtischs.
„Zähl.“
„Eins“, stöhnte sie.
Der zweite war stärker, ließ die Haut brennen.
„Zwei.“
Bei fünf zitterten ihre Beine. Bei zehn rannen heiße Tränen über ihr Gesicht und vermischten sich mit dem roten Lippenstift, den er so sehr mochte.
„Sieh nur, was du mit mir machst“, knurrte er und führte ihre Hand, damit sie seine Erektion durch den Hosenstoff spürte. „Alles deine Schuld.“
Das Geräusch des Reißverschlusses klang im Schweigen des Büros überlaut. Als er endlich in sie eindrang, war es mit einem einzigen brutalen Stoß – ohne Vorbereitung, ihr einen Schrei entlockend, den er mit der flachen Hand erstickte.
„Still“, befahl er an ihrem Ohr. „Ich will nur die Laute hören, die ich dir erlaube.“
Jeder Stoß war eine Besitzanzeige. Er zog sie an den Hüften, stieß mit solcher Kraft in sie, dass der Schreibtisch sich bei jedem Stoß Zentimeter bewegte. Im Spiegel vor ihnen sah sie ihr Spiegelbild – gerötetes Gesicht, geschwollene Lippen, glasige Augen vor Lust.
„Du gehörst mir“, knurrte er, eine Hand in ihre Haare krallend, um ihren Kopf nach hinten zu reißen. „Meine Schlampe. Meine Süchtige. Meine Schöpfung.“
Sie stimmte mit einem unverständlichen Murmeln zu, als seine Finger ihren Kitzler fanden und ihn mit genau dem Druck rieben, den nur er kannte.
„Komm“, befahl er und biss in ihre Schulter. „Jetzt sofort.“
Der Orgasmus traf sie wie ein Tsunami, raubte ihr den Atem, ließ ihre Muskeln sich um ihn zusammenziehen wie ein Handschuh. Er hörte nicht auf, bewegte sich weiter in ihr, während die Lustwellen sie noch schüttelten.
„Noch einmal“, verlangte er und drehte sie herum, setzte sie auf die Schreibtischkante. „Ich will dein Gesicht sehen, wenn du zerbrichst.“
Diesmal war es langsamer, grausamer. Jeder Zentimeter der Penetration bis zur Qual gedehnt. Als sie erneut an ihre Grenze kam, riss er ihren Kopf an den Haaren zurück, zwang ihren Hals sich zu strecken.
„Mund auf.“
Sie öffnete gehorsam den Mund, nahm jeden heißen Schub auf ihrer Zunge auf, schluckte, wie das brave Mädchen, zu dem er sie gemacht hatte.
Als er sie schließlich losließ, rutschte sie vom Schreibtisch auf den Boden, die Knie weich, der Körper noch von Nachbeben durchzuckt.
„Jetzt darfst du betteln“, sagte er und trat zurück, um sich mit präzisen Bewegungen wieder herzurichten.
Und sie tat es. Mit rauer Stimme. Mit Tränen, die salzige Bahnen über ihr Gesicht zogen. Mit Versprechen, von denen sie wusste, dass sie sie niemals halten könnte.
Er hob sie schließlich auf die Arme, trug sie zum offenen Fenster, das auf den leeren Campus hinausging. Als er sie erneut nahm – langsam, fast zärtlich – murmelte er an ihrem Hals:
„Morgen kommst du wieder. Und übermorgen auch. Bis zu dem Tag, an dem ich sage, es reicht.“
Und sie wusste mit der düsteren Gewissheit jemandes, der sein perfektes Laster gefunden hat, dass er diesen Tag niemals nennen würde.
Laurens Absätze berührten sanft den polierten Marmor der Galerie und hallten zwischen leisen Gesprächen und dem Klirren von Kristallgläsern wider. Sie ließ die Finger über ein Glas Rotwein gleiten und betrachtete das Werk vor sich – eine Explosion aggressiver Farben und Pinselstriche, die zu bluten schienen. Das beunruhigte sie. Oder vielleicht war es nur das elegante Unbehagen, dort zu sein, unter Fremden, die so gut in diese Welt sozialer Masken und verhaltener Lächeln passten.Sie hatte die Einladung in letzter Minute aus einem Impuls heraus angenommen, oder vielleicht aus Langeweile. Nach Wochen, in denen sie in vorhersehbaren Routinen und unangenehmen Stille in ihrer eigenen Wohnung versunken war, schien ein nächtliches Event vielversprechend. Aber jetzt, mit dem dritten Glas Wein in den Fingern und dem engen schwarzen Kleid, das aufgrund der subtilen Wärme im Raum an ihrem Rücken klebte, begann Lauren zu zweifeln, ob sie hierhergehörte.„Versuchst du zu verstehen oder nur zu füh
Alys öffnete die Tür zu ihrer Wohnung mit noch beschleunigtem Atem. Die Stadt draußen schlief ein, aber in ihr erwachte etwas immer mehr – ein Hunger, der nicht nur nach Berührung war, sondern nach etwas Dichterem, Heißerem, Vitalerem.Theo trat hinter ihr ein, ohne ein Wort zu sagen. Er schaute sich um. Die Umgebung spiegelte Alys’ Seele wider: modern, nüchtern, mit strategisch platzierten Farbtupfern. Gestapelte Bücher, sensorische Bilder an den Wänden. Und ein graues Leinensofa, auf das sie ihn mit einem Lächeln schob, das Verlangen und etwas mehr mischte.„Meine Zeit, dich zu markieren“, sagte sie, die Augen leuchtend.Theo lachte, antwortete aber nicht. Er starrte sie nur an, als wüsste er, dass er ausgeliefert war.Alys stieg auf seinen Schoß, ohne Eile. Die Beine schlangen sich um seine Taille, und die Hände zogen das dunkle T-Shirt über seinen Kopf und enthüllten die heiße Haut, die sie bereits kannte, aber mit anderen Augen erkunden wollte. Sie küsste seinen Hals und streifte
Die Nachricht wurde kurz nach Mitternacht gesendet.„Zeig mir alles.“Theo antwortete nur mit der Adresse eines Hotels. Eines der diskretesten der Stadt, in einem hohen Stockwerk mit Blick auf die Skyline. Alys spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog, als sie die Benachrichtigung erhielt, nicht aus Furcht, sondern aus Vorfreude. Sie fühlte, als ob ihr ganzer Körper von der Erinnerung an die letzte Nacht vibrierte – das weiße Hemd, die Linse der Kamera, seine Finger in ihr.Jetzt war es mehr. Ein Schritt weiter. Ein gewähltes Risiko.Sie kam im Hotel an, in einem kurzen schwarzen Kleid, ohne BH, ohne Slip. Nur die Haut, bedeckt von Stoff und Verlangen. Im Aufzug hielten ihre Hände die Clutch fest, aber die Knie verrieten bereits die Anspannung. Als die Zimmertür sich öffnete, wurde sie von einem warmen Duft nach Zimt und Bernstein empfangen. Kerzen brannten diskret an strategischen Punkten. Das Zimmer war in ein warmes Halbdunkel getaucht, durchschnitten vom Reflex der Stadt im Panorama
Das Studio von Theo befand sich in einem alten Gebäude mit einer Fassade aus roten Ziegeln, versteckt am Ende einer engen Straße. Sie stiegen zwei Treppenfluchten schweigend hinauf, die Schritte hallten von den Wänden wider. Mit jedem Schritt fühlte Alys ihren Körper wacher werden. Es war keine Angst. Es war genau die Spannung, die der Berührung vorausgeht – jene hauchdünne Linie zwischen Verlangen und Schwindel.Theo schloss die Tür auf und stieß sie mit der Schulter auf. Das Innere war in ein warmes Halbdunkel getaucht. Bernsteinfarbene Lampen hingen von der Decke und warfen weiche Schatten auf die Objekte: ein dunkles Lederdivan, dichte Vorhänge, ein Stativ mit Kamera, ein Tisch mit Filmrollen, Stoffen, dünnen Lederriemen und… ein Kleiderbügel mit einem weißen Hemd. Nur das Hemd.Alys blieb auf der Schwelle stehen und beobachtete alles schweigend.„Schließ die Tür“, sagte Theo, ohne sich umzudrehen. Er ging bereits zu einer Bank, wo er eine seitliche Lampe anzündete, intimer. „Wir
Die schwarze Karte lag drei Tage lang auf Alys’ Nachttisch. Immer am selben Platz, immer mit demselben stillen Hohn auf sie starrend. Jedes Mal, wenn ihr Blick auf das matte Rechteck fiel, erzitterte etwas in ihr – es war keine Angst, sondern eine Art alter Angst, als ob ihr Körper wüsste, dass diese Nummer Konsequenzen barg.Am Morgen des vierten Tages gab sie nach.Sie wählte die Nummer mit der Ruhe einer Person, die bereits entschieden hatte, obwohl ihre Hände etwas anderes verrieten. Das Telefon klingelte zweimal, bevor abgenommen wurde.„Alys“, sagte er, ohne dass sie sich vorstellen musste.Ihr Name in seiner Stimme klang wie ein intimes Flüstern, als ob er sie länger als nur eine Nacht kannte.„Theo“, antwortete sie kontrolliert. „Ich hoffe, ich störe nicht.“„Kommt darauf an, was du stören möchtest.“Sie lächelte, auch wenn er es nicht sehen konnte.„Ich dachte, wir könnten unser Gespräch über Kunst fortsetzen.“„Faszinierend, wie das immer ein guter Vorwand ist“, sagte er, un
Das Licht der Galerie war sanft, diffus, als wollte es weder die Werke noch die aufmerksamen Augen, die sie betrachteten, blenden. Alys schritt zwischen den Gästen mit der Sicherheit von jemandem, der jeden Zentimeter dieses Raums kannte, jeden Pinselstrich der ausgestellten Leinwände. Es war ihre dritte Solo-Kuratur, aber vielleicht die kühnste. Das Thema der Ausstellung war direkt, provokativ: „Die Haut als Grenze“.Fotografien, Skulpturen, Gemälde und interaktive Installationen drehten sich um die Berührung, ihre Macht, ihre Abwesenheit, ihre Erinnerung. Alys glaubte, dass der Körper Gedächtnis hatte, dass die Haut Geschichten wie Pergament einprägte. Und an diesem Abend wollte sie die Reaktionen sehen, die Blicke beobachten, die Intensität der zurückgehaltenen Lächeln oder der Röte messen, die vor den intimsten Werken aufstieg.Sie trug einen maßgeschneiderten schwarzen Anzug, minimalistisch, aber elegant. Der Stoff umschmeichelte ihren Körper diskret, enthüllte mehr durch Bewegun







