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Die Gefangene

作者: Zaria
last update 公開日: 2026-06-22 15:56:14

Der Weg durch das riesige Vance-Anwesen fühlte sich an wie ein Abstieg in eine uralte Steingruft.

Andre trug Grace durch die gewundenen, höhlenartigen Korridore der oberen Stockwerke. Die gewaltige Hitze, die von seinem durchnässten Hemd ausging, drang durch ihre nasse Jacke und bildete einen starken Kontrast zu der eisigen Zugluft, die durch die steinernen Hallen fegte. Der Geruch nach dem Blut des toten Attentäters haftete an seiner Haut und vermischte sich mit dem schweren Ozon seiner rohen Aggression. Er bewegte sich mit brutaler, unerbittlicher Zielstrebigkeit. Seine schweren Stiefel trafen auf die dunklen Holzdielen und hallten wie Donner in der erdrückenden Stille der Festung wider.

Sie gingen nicht allein.

Schatten verschoben sich im fahlen Licht der flackernden Wandleuchten. Mitglieder des Rudels säumten die langen Flure. Sie pressten ihre Rücken flach gegen die kalten Steinmauern und machten dem Alpha in verängstigtem Abstand Platz. Männer und Frauen mit leuchtend bernsteinfarbenen und blassgelben Augen beobachteten, wie das massige Raubtier das menschliche Mädchen durch ihr Territorium trug. Sie rochen das frische Blut an seinen Knöcheln. Sie rochen die scharfe, hochschnellende Todesangst, die von Grace ausging.

Niemand sprach. Niemand wagte es, zu laut zu atmen. In dem Moment, als Andres silberner Blick über sie glitt, senkten sie die Köpfe und entblößten ihre Kehlen in absoluter, starrer Unterwerfung.

Grace beobachtete, wie die Raubtiere zusammenkauerten. Die Erkenntnis über Andres wahre Macht legte sich schwer auf ihre Brust. Er herrschte nicht nur über diese Stadt. Ihm gehörte die Luft, die diese Menschen atmeten. Er war ein König, der zwischen seinen Soldaten wandelte, und seine Soldaten hatten panische Angst vor ihm.

Andre bog in einen schmalen, gewölbten Flur ein, der in den Westflügel des Anwesens führte.

Die Atmosphäre veränderte sich augenblicklich. Die Luft wurde dichter, wärmer und war stark gesättigt vom Duft nach feuchter Kiefer und Holzrauch. Die Rudelmitglieder folgten ihnen nicht hierher. Der Flur war isoliert und durch schwere Eisentore abgeriegelt, die Andre mit einem einzigen, gewaltsamen Stoß aufdrückte.

Er blieb vor einer massiven Eichentür stehen, die mit dicken schwarzen Eisenstreifen beschlagen war.

Er trat die Tür auf. Das schwere Holz schwang auf lautlosen, gut geölten Scharnieren nach innen.

Andre trat in den Raum und stellte Grace auf die Füße.

Ihre Stiefel trafen auf den dicken, dunkel gewebten Teppich, der den Steinboden bedeckte. Ihre Knie zitterten leicht durch den plötzlichen Verlust seines körperlichen Halts, aber sie zwang ihre Wirbelsäule in eine aufrechte Position. Sie machte einen schnellen, kalkulierten Schritt zurück und brachte Abstand zwischen sich und die glühende Hitze seiner massigen Gestalt.

"Dies ist mein privater Flügel", sagte Andre. Die dunkle, raue Vibration seiner Stimme erfüllte den riesigen Raum. "Keinem Mitglied des Rudels ist es gestattet, die Eisentore zu passieren. Sie sind hier sicher."

Grace sah sich im Raum um. Es war kein gewöhnliches Gästezimmer. Es war eine Festung innerhalb der Festung. Die Wände bestanden aus rohem, dunklem Granit. Ein massiver Steinkamin dominierte die rechte Seite des Raumes, in dessen Feuerstelle bereits ein kleines Feuer knisterte. An der gegenüberliegenden Wand stand ein schweres Himmelbett aus dunklem Holz, bedeckt mit dicken Pelzen und dunklen Decken. Die Möbel waren massiv, uralt und unverrückbar.

"Ich bin nicht sicher", entgegnete Grace. Ihre Stimme war ruhig und durchbrach die Wärme des Raumes. "Ein Attentäter hat gerade in Ihrer Bibliothek versucht, mir die Kehle durchzuschneiden. Die Männer Ihres Onkels sind innerhalb Ihrer Mauern."

"Um den Einbruch wird sich gekümmert", sagte Andre. Sein Kiefer spannte sich fest an. Die dicke Narbe auf seiner Wange zog sich straff, als das wilde Licht in seinen Augen aufflammte. "Der Streuner ist durch einen Versorgungstunnel eingedrungen. Meine Schläger lassen den Durchgang genau in diesem Moment einstürzen. Das wird nicht noch einmal passieren."

"Das können Sie nicht garantieren", sagte Grace. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und grub ihre Fingernägel in den Stoff ihrer feuchten Jacke. "Sie sagten, Ihr Onkel wolle Sie ausbluten lassen. Er wird weitere schicken."

Andre überwand die Distanz zwischen ihnen mit einem einzigen Schritt.

Er berührte sie nicht, doch allein seine körperliche Präsenz zwang sie, zu seinen leuchtenden, silbernen Augen aufzusehen. Die glühende Hitze, die von seinem Körper strömte, fühlte sich an wie ein physisches Gewicht, das auf ihre Schultern drückte.

"Ich gehe wieder nach unten", befahl Andre, und seine Stimme senkte sich zu einem tödlichen, vibrierenden Summen. "Ich muss den Verräter finden, der die Tunneltür entriegelt hat. Ich muss die Fäulnis aus meinem Rudel reißen. Sie werden in diesem Raum bleiben. Sie werden die Tür nicht öffnen. Sie werden nicht aus den Fenstern sehen."

Grace hielt seinem Blick stand. Sie weigerte sich, wie die Wölfe im Flur zu kauern. "Und wenn ich mich weigere?"

Ein dunkles, vibrierendes Knurren begann tief in Andres Brust. Das Geräusch ließ die Fenster in ihren Eisenrahmen klirren.

"Kämpfen Sie heute Nacht nicht mit mir, Grace", flüsterte Andre. Der rohe, verzweifelte Unterton in seiner Stimme war weitaus furchteinflößender als seine Wut. "Der Fluch reißt meinen Verstand in Stücke. Das Blut in der Bibliothek hat meine Bestie geweckt. Wenn Sie diesen Raum verlassen, werde ich mich nicht davon abhalten können, Sie zu jagen und in einen Käfig zu sperren, wo Sie niemand jemals wiedersehen wird."

Er wich langsam zurück. Er hielt seine silbernen Augen fest auf ihr Gesicht gerichtet, bis er die Schwelle überschritt.

Er griff nach dem schweren Eisengriff der Eichentür.

"Öffnen Sie diese Tür nicht", wiederholte Andre.

Er zog die schwere Tür zu. Der laute, metallische Knall hallte im riesigen Raum wider. Eine Sekunde später rastete der massive eiserne Riegel mit einem ohrenbetäubenden Klacken ein.

Grace war eingesperrt.

Sie stand vollkommen still in der Mitte des Teppichs. Sie lauschte dem schweren, bedächtigen Geräusch seiner Stiefel, das den Steinkorridor hinunter verblasste, bis die Stille des Raumes alles andere verschluckte.

Sie ließ die Arme sinken. Das Adrenalin, das sie auf den Beinen gehalten hatte, begann zu schwinden und hinterließ ein kaltes, dumpfes Ziehen in ihren Muskeln.

Grace begann sofort, den Raum abzusuchen. Sie musste die genauen Grenzen ihres Käfigs kennen.

Sie ging zur massiven Eichentür und packte den Eisengriff. Sie zog mit all ihrem Gewicht nach unten. Der Griff bewegte sich keinen einzigen Millimeter. Das Holz war dick genug, um eine Kugel aufzuhalten. Es gab keine freiliegenden Scharniere. Es gab kein Schlüsselloch auf der Innenseite.

Sie ließ von der Tür ab und ging auf die gegenüberliegende Wand zu.

Zwei hohe, schmale Fenster waren tief in den Granit eingelassen. Das Glas war dick und leicht verzerrt. Grace presste ihre Handflächen gegen die eiskalte Scheibe und spähte hinaus in den Sturm.

Das Vance-Anwesen war auf einem zerklüfteten Abgrund erbaut. Das Fenster blickte direkt in einen steilen, senkrechten Abgrund. Einhundert Meter tiefer krachte das schwarze, reißende Wasser eines Bergflusses gewaltsam gegen gezackte Felsen. Es gab keinen Vorsprung. Es gab keine Feuerleiter. Hinunterzuklettern war eine mathematische Unmöglichkeit.

Sie blickte auf und suchte die Grenzen des Innenhofs ab, der in der Ferne sichtbar war.

Die Halogenstrahler erleuchteten den Rand des dunklen Waldes. Dutzende schwer bewaffnete Männer patrouillierten an der Baumgrenze. Zu den taktischen Söldnern, die sie an den Vordertoren gesehen hatte, gesellten sich massige, vernarbte Rudelmitglieder, die durch den Schlamm stapften. Die Grenze war dicht abgeriegelt. In den Wäldern wimmelte es von Raubtieren.

Grace trat vom Fenster zurück. Die kalte Realität ihrer Situation legte sich wie ein schweres Leichentuch über sie.

Das Diner war eine Warnung gewesen. Die blockierten Straßen waren eine Drohung gewesen. Aber dieser Raum war eine Gruft. Andre hatte sie komplett aus dem Spiel genommen. Sie war völlig von der Außenwelt abgeschnitten, gefangen in einem Steinturm, während vor ihrer Tür ein übernatürlicher Bürgerkrieg tobte.

Sie ging hinüber zu dem massiven Steinkamin. Sie ließ sich auf den erhöhten Sims der Feuerstelle sinken und ließ die Hitze der Flammen in ihre eiskalte, feuchte Kleidung ziehen. Sie starrte in das tanzende Feuerlicht.

Ihr Bruder war da draußen.

Er war mitten in einem Revierstreit zwischen Monstern gefangen. Er war auf der Suche nach Unternehmensbetrug in die schwarze Zone gewandert und hatte eine Blutfehde gefunden. Grace vergrub das Gesicht in den Händen. Das Bild des blutigen Fetzen Jeansstoffs auf dem Silbertablett blitzte vor ihren Augen auf.

Sie atmete langsam und tief ein. Sie zwang die Panik in einen festen, harten Knoten in ihrem Magen hinunter. Panik war nutzlos. Panik brachte Menschen um.

Sie musste nachdenken. Sie brauchte eine Waffe. Sie brauchte Informationen.

Grace stand auf und begann, das Zimmer systematisch auf den Kopf zu stellen.

Sie überprüfte die schweren Holzschubladen der Nachttische. Sie waren leer. Sie durchsuchte den riesigen Zedernholzschrank in der Ecke. Er enthielt nichts außer dicken Wolldecken und dem anhaltenden Duft nach Zeder und Ozon. Sie hob die schweren Pelze auf dem Bett an und suchte nach einem versteckten Fach. Nichts. Sie ging ins angrenzende Badezimmer und durchsuchte die dunklen Steinschränke nach einer Schere, einem Rasiermesser oder irgendetwas Scharfem. Der Raum war steril.

Andre hatte sie nicht nur eingesperrt. Er hatte das Zimmer von allem befreit, was sie nutzen konnte, um sich zu wehren oder zu entkommen.

Eine Stunde verging in erdrückender Stille. Der Sturm draußen schlug mit unerbittlicher Wut gegen das Panzerglas.

Dann hallten schwere Schritte im Flur wider.

Grace erstarrte. Sie wich vom Bett zurück und bewegte sich auf den Kamin zu. Sie schnappte sich den schweren eisernen Schürhaken, der an der steinernen Feuerstelle lehnte. Sie umklammerte das kalte Metall fest und erhob es in einer defensiven Haltung.

Der schwere eiserne Riegel glitt mit einem lauten Klacken zurück.

Die Eichentür schwang auf.

Der vernarbte Schläger aus dem Diner stand in der Tür. Seine schwere Flanelljacke war verschwunden, ersetzt durch ein dunkles taktisches Hemd. Eine schwere Seitenwaffe war an seinen rechten Oberschenkel geschnallt. Er hielt Graces Segeltuch-Reisetasche in seiner linken Hand.

Er trat nicht in den Raum. Er blieb auf der Schwelle stehen und respektierte die unsichtbare Grenze des Alphas.

Er sah Grace an. Er sah auf den schweren eisernen Schürhaken, der in ihren Händen erhoben war. Seine blassen bernsteinfarbenen Augen füllten sich mit einer Mischung aus nackter Verachtung und vorsichtiger Angst.

"Der Alpha hat befohlen, Ihnen Ihre Sachen zurückzugeben", sagte der Schläger. Seine dunkle, raue Stimme war angespannt vor unterdrückter Wut.

Er warf die schwere Reisetasche auf den gewebten Teppich. Sie schlug mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden auf.

Grace senkte den eisernen Schürhaken nicht. "Wo ist Andre?"

Der Kiefer des Schlägers spannte sich bei der beiläufigen Verwendung des Namens des Alphas an. Die Narbe auf seiner Wange zuckte heftig.

"Der Alpha ist in den unteren Ebenen", antwortete der Schläger tonlos. "Er verhört die Grenzwachen. Er nimmt das Rudel auseinander auf der Suche nach dem Verräter, der den Mann des Onkels hinter die Mauern gelassen hat."

"Hat er ihn gefunden?", fragte Grace.

"Er hat Stücke von ihm gefunden", spottete der Schläger. Er verschränkte seine dicken Arme über seiner massiven Brust. "Ihre Anwesenheit hier ist ein Gift. Die Ältesten haben sich in der großen Halle versammelt. Sie fordern eine Abstimmung. Sie wollen, dass Sie dem Onkel übergeben werden, um die Gewalt zu stoppen."

Grace verarbeitete die Drohung augenblicklich. Sie bewahrte ein ausdrucksloses Gesicht und weigerte sich, Angst zu zeigen.

"Ihr Alpha hat gerade einen Attentäter mit bloßen Händen abgeschlachtet", sagte Grace kalt. "Er hat die Grenzen abgeriegelt und gedroht, jeden zu töten, der mich auch nur ansieht. Glauben Sie wirklich, ihn interessiert eine Abstimmung des Rates?"

"Die Ältesten interessieren sich nicht für seine Drohungen", entgegnete der Schläger. Er machte einen halben Schritt nach vorn, seine bernsteinfarbenen Augen leuchteten im fahlen Licht. "Der Fluch beschleunigt sich. Jeder hat es im Innenhof gesehen. Er brennt aus. Der menschliche Teil seines Gehirns verfällt. Wenn der Alpha fällt, ändern sich die Gesetze des Rudels. Der stärkste Wolf übernimmt die Krone."

"Und Ihr Onkel ist der stärkste Wolf", stellte Grace fest.

"Der Onkel hat eine Armee", korrigierte der Schläger. "Er hat die Holzfällerlager. Er hat die vermissten Jungen, die in den unterirdischen Kampfgruben auf dem nördlichen Höhenrücken arbeiten. Er hat die Überzahl."

Grace spürte einen plötzlichen, heftigen Ruck in ihrer Brust.

Sie senkte den eisernen Schürhaken um einen Zentimeter. "Die vermissten Jungen. Sie leben."

Der Schläger erkannte seinen Fehler. Er hatte in seiner Wut zu viele Informationen preisgegeben. Er presste die Lippen aufeinander und trat in den dunklen Flur zurück.

"Bleib in dem Zimmer, Mensch", zischte der Schläger. "Wenn du über diese Türschwelle trittst, bedeutet der Schutz des Alphas nichts. Das Rudel wird dich in Stücke reißen, bevor du die Treppe erreichst."

Er packte den schweren Eisengriff und schlug die Eichentür zu.

Der Riegel rastete mit einem letzten, widerhallenden Krachen ein.

Grace stand allein in dem stillen Raum. Ihr Herz hämmerte in einem hektischen, triumphierenden Rhythmus gegen ihre Rippen.

Ihr Bruder war am Leben.

Der Schläger hatte es gerade bestätigt. Die vermissten Jungen waren nicht tot im Wald. Sie wurden als Arbeitskräfte in den unterirdischen Kampfgruben auf dem umstrittenen nördlichen Höhenrücken gefangen gehalten. Der Onkel benutzte sie.

Grace ließ den eisernen Schürhaken auf die steinerne Feuerstelle fallen.

Sie durchquerte den Raum und ließ sich neben der Segeltuch-Reisetasche auf die Knie fallen. Sie griff nach dem schweren Messingreißverschluss. Sie brauchte ihre Karte. Sie brauchte die Koordinaten. Wenn sie genau herausfinden konnte, wo sich die Kampfgruben befanden, konnte sie die Informationen nutzen, um mit Andre zu verhandeln, oder sie konnte einen Weg finden, aus dieser Festung auszubrechen und selbst nach ihrem Bruder zu suchen.

Sie öffnete das Hauptfach.

Ihre Kleidung war hineingestopft worden, feucht und zerknittert. Der kleine Stapel fotokopierter Grundbuchauszüge lag in der Nähe des Bodens.

Grace griff mit der Hand in die dunkle Seitentasche der Tasche, um die gefaltete topografische Karte herauszuziehen.

Ihre Finger streiften etwas Hartes und Kaltes.

Es war kein Papier. Es war schweres, massives Eisen.

Grace runzelte die Stirn. Sie schloss ihre Finger um das kalte Metall und zog es aus der Tasche.

Es war ein massiver, verrosteter Eisenschlüssel. Das Metall war uralt und von dunklen Korrosionsflecken übersät.

An den Kopf des Schlüssels gebunden war ein kleines Stück raues, vergilbtes Pergament.

Grace starrte das Objekt an. Dieser Schlüssel war nicht in ihrer Tasche gewesen, als sie sie im Motel gepackt hatte. Jemand hatte ihn hineingesteckt. Jemand hatte sich zwischen dem Motel und dem Vance-Anwesen an ihrem Gepäck zu schaffen gemacht.

Sie band das kleine Stück Pergament los.

Die Handschrift war scharf, eilig und mit tiefschwarzer Tinte geschrieben.

Grace hielt das Papier gegen das flackernde Licht des Kamins.

Die Notiz enthielt drei kurze, tödliche Sätze.

*Der König der Bestien fällt heute Nacht. Benutze diesen Schlüssel, um den Dienstbotengang hinter dem Zedernholzschrank zu öffnen. Finde den Jungen in den Gruben, bevor der Mond aufgeht.*

Grace hielt den Atem an.

Sie blickte von der dunklen, handgeschriebenen Warnung zu dem schweren Zedernholzschrank, der in der Ecke des Zimmers stand. Sie blickte hinab auf den verrosteten Eisenschlüssel in ihrer Hand.

Der Schläger hatte gesagt, der Alpha jage einen Verräter. Aber der Verräter war nicht nur eine niederrangige Wache am Tor. Der Verräter war jemand mit direktem Zugang zu ihren Sachen. Der Verräter war jemand, der hoch genug in der Hierarchie des Rudels stand, um den Grundriss von Andres privatem Flügel zu kennen.

Jemand innerhalb des Anwesens wollte, dass sie entkam.

Oder jemand innerhalb des Anwesens lockte sie in eine tödliche Falle.

Grace stand langsam auf. Sie hielt den schweren Eisenschlüssel fest in ihrer rechten Hand umklammert. Sie ging auf den massiven Zedernholzschrank zu, ihre dunklen Augen fest auf das dunkle Holz gerichtet. Die Käfigtür hatte sich gerade einen Spaltbreit geöffnet, und der einzige Weg, ihren Bruder zu retten, bestand darin, geradewegs in die Dunkelheit zu gehen.

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