LOGINDie schwere Messinglampe fühlte sich in Graces Händen wie ein massiver Eisenblock an.
Sie wartete nicht darauf, dass der Attentäter seine Drohung zu Ende sprach. Sie schrie nicht um Hilfe. Sie schwang den schweren Metallsockel mit brutaler, kalkulierter Kraft nach oben.
Das Messing traf das Handgelenk des Mannes mit einem widerlichen Knirschen. Das gebogene Jagdmesser flog aus seinem Griff und schepperte in die dunkle Ecke der Bibliothek. Die Glühbirne in der Lampe zersplitterte beim Aufprall. Die plötzliche Glasexplosion stürzte den Raum zurück in schwere Schatten, die nur durch die hektischen Blitze des Gewitters vor den schmalen Fenstern erhellt wurden.
Der Mann stieß ein raues, kehliges Knurren aus. Es war kein menschliches Geräusch. Es war das rohe, feuchte Geräusch eines tollwütigen Hundes.
Er stürzte sich nach vorn.
Grace warf ihm die zerbrochene Lampe an die Brust und warf sich zur Seite. Sie hastete hinter den massiven Mahagonischreibtisch. Der schwere Ledersessel kippte um und diente als Barrikade. Der Mann krachte gegen den Schreibtisch, seine Hände krallten sich in das polierte Holz. Seine leuchtend gelben Augen durchbohrten die Düsternis, erfüllt von tödlicher Absicht.
Unten im großen Foyer stand Andre Vance regungslos.
Er beobachtete den leeren Raum am oberen Ende der geschwungenen Treppe, wo Grace Sekunden zuvor verschwunden war. Der qualvolle, blendende Schmerz, der seinen Schädel zersplitterte, begann nachzulassen. Der ständige, verrottende Druck des genetischen Fluchs verblasste zu einem dumpfen Pochen. Der schwere Duft nach Regen und Vanille hing dicht in der warmen Luft des Anwesens und legte sich wie ein beruhigendes Narkotikum um seine blanken Nerven.
Sie befand sich in seinem Territorium. Sie war unter seinem Dach.
Zum ersten Mal seit Monaten fühlte sich sein Verstand klar an. Die wilde Bestie, die an der Innenseite seiner Brust kratzte, beruhigte sich zu einem leisen, besitzergreifenden Grollen.
Andre griff in seine Tasche und holte ein schweres schwarzes Funkgerät heraus. Er drückte die Sprechtaste. Sein Daumen strich über die verletzten Knöchel seiner eigenen Hand.
"Riegelt das Gelände ab", befahl Andre. Seine Stimme war eine dunkle, raue Vibration, die an den Steinmauern widerhallte. "Verschließt die Eisentore. Kappt die Stromversorgung zur Hauptzufahrtsstraße."
Rauschen knisterte über das Funkgerät, gefolgt von der atemlosen Stimme des vernarbten Schlägers aus dem Innenhof.
"Alpha, die Patrouillenfahrzeuge kehren noch vom südlichen Höhenrücken zurück", sagte der Schläger.
"Sie warten vor der Mauer", befahl Andre. Seine silbernen Augen blieben auf das obere Ende der Treppe gerichtet. "Niemand betritt das Anwesen. Niemand verlässt das Gelände. Jedes Fahrzeug, das sich dem Eisentor nähert, bekommt eine Warnung, bevor ihr das Feuer eröffnet. Friert die Grenzen sofort ein."
"Verstanden, Alpha", antwortete der Schläger. Das Funkgerät klickte aus.
Andre senkte das Gerät. Er holte langsam und tief Luft und zog den verbliebenen Duft von Vanille tief in seine Lungen. Er wollte ihr die Treppe hinauf folgen. Das rohe, biologische Bedürfnis, sie in seinem Blickfeld zu behalten, brannte in seinen Adern. Er kämpfte gegen den Drang an und umklammerte das hölzerne Treppengeländer, bis das Holz unter dem Druck ächzte.
Dann zuckten seine Ohren.
Seine geschärften Sinne erfassten ein Geräusch aus dem oberen Stockwerk. Es war ein scharfes, deutliches Knacken. Das Geräusch von splitterndem Glas.
Den Bruchteil einer Sekunde später wurde der schwere Vanilleduft von dem bitteren, scharfen Beigeschmack reiner Todesangst durchzogen.
Ein weiterer Geruch folgte. Es war der säuerliche, nasse Gestank eines fremden Wolfes.
Das hölzerne Geländer explodierte unter Andres Griff in Splitter.
Er rannte nicht die Treppe hinauf. Er katapultierte sich nach vorn und überwand die Distanz mit furchteinflößender, monströser Geschwindigkeit. Seine schweren Stiefel trafen auf den purpurroten Läufer des oberen Flurs. Das silberne Licht in seinen Augen flammte auf und verdrängte das dunkle Bernstein seiner menschlichen Iris. Die Bestie übernahm gewaltsam die Kontrolle.
In der Bibliothek trat Grace einen schweren Stapel ledergebundener Bücher gegen die Beine des Attentäters.
Die schweren Bände trafen seine Schienbeine und zwangen ihn ins Straucheln. Grace nutzte die Ablenkung, um zur anderen Seite des Raumes zu hechten. Sie brauchte eine Waffe. Sie brauchte den schweren eisernen Schürhaken, der auf der steinernen Feuerstelle lag.
Der Mann erholte sich schneller, als ein Mensch es tun sollte. Er schwang sich in einer einzigen, fließenden Bewegung über den Mahagonischreibtisch. Er landete direkt hinter ihr. Seine Hand schoss vor und packte den dicken Kragen ihrer feuchten Jacke.
Er riss sie nach hinten.
Grace schlug hart auf dem Boden auf. Ihre Schulter knallte gegen die Schieferfliesen in der Nähe des Kamins. Die Luft entwich aus ihren Lungen. Der Attentäter ragte über ihr auf, seine Lippen waren zurückgezogen und entblößten verlängerte, gezackte Zähne. Er griff nach unten, um seine Finger um ihre Kehle zu legen.
Die doppelte Mahagonitür der Bibliothek explodierte aus ihren eisernen Scharnieren.
Das schwere Holz zersplitterte nach innen und ließ gezackte Splitter durch den Raum fliegen. Die Türen krachten mit einem ohrenbetäubenden Knall auf den Boden.
Der Attentäter riss den Kopf herum.
Andre stand im zerstörten Türrahmen.
Der Sturm draußen wütete, aber der wahre Terror stand im Raum. Andre war eine hoch aufragende Silhouette tödlicher Gewalt. Die Hitze, die von seinem Körper ausstrahlte, verzerrte die Luft um ihn herum. Seine silbernen Augen fixierten den Mann, der über Grace stand.
Der Attentäter stieß ein panisches, ersticktes Geräusch aus. Er ließ von Grace ab und krabbelte verzweifelt auf das offene Fenster zu, um zu entkommen.
Andre durchquerte den riesigen Raum in zwei Schritten.
Er schnappte sich den Attentäter, bevor der Mann einen dritten Schritt machen konnte. Andres massive Hand klammerte sich um den Nacken des Streuners. Er hob den Eindringling so mühelos vom Boden auf wie ein Kind, das ein kaputtes Spielzeug aufhebt.
Er rammte dem Mann das Gesicht voran in die massive Steinmauer über dem Kamin.
Der Aufprall klang wie ein Vorschlaghammer, der auf Beton traf. Der Stein bekam Risse. Der Attentäter stieß einen nassen, qualvollen Schrei aus.
Grace drückte sich auf ihre Ellbogen hoch. Ihr Atem kam in stoßweisen Keuchern. Sie sah zu, wie der Alpha die Bedrohung in ihrem Schlafzimmer systematisch zerlegte.
Andre ließ den Mann nicht fallen. Er hielt ihn gegen den gezackten Stein gepresst. Er rammte seinen schweren Unterarm gegen den Hinterkopf des Attentäters und drückte dessen Gesicht noch fester in die Wand.
"Wer hat dich durch meine Tore gelassen?", flüsterte Andre.
Das dunkle, vibrierende Knurren seiner Stimme schüttelte den Staub von der Decke. Es war keine Frage. Es war eine Forderung nach Blut.
Der Attentäter würgte. Blut strömte aus seiner Nase und befleckte den grauen Stein. "Der Onkel... der Onkel beansprucht den Norden..."
Andre stellte keine zweite Frage. Er verlagerte seinen Griff. Er legte eine Hand um den Hinterkopf des Mannes und die andere um seine Schulter. Er holte aus und rammte den Attentäter ein zweites Mal gegen den Stein.
Das widerliche Knirschen brechender Knochen hallte durch die Bibliothek.
Der Attentäter erschlaffte.
Andre ließ los. Der Körper fiel wie ein Sack toten Gewichts zu Boden und landete schwer auf den Schieferfliesen. Der Raum füllte sich mit dem scharfen, metallischen Gestank nach frischem Blut.
Andre stand über dem gebrochenen Körper. Seine Brust hob sich unter schweren, stoßweisen Atemzügen. Die glühende Hitze, die von seiner Haut ausströmte, warnte vor der wilden Gewalt, die noch immer knapp unter der Oberfläche brodelte. Er starrte auf den toten Mann, während sich seine verletzten Knöchel im dämmrigen Licht des Sturms anspannten.
Grace saß auf dem Boden in der Nähe der Feuerstelle. Sie zog ihre Knie an die Brust. Ihr Herz hämmerte in einem hektischen Rhythmus gegen ihre Rippen. Sie hatte gewusst, dass die Familie Vance gefährlich war. Sie hatte die gefälschten Urkunden gelesen. Aber über ein Monster zu lesen war etwas ganz anderes, als einem dabei zuzusehen, wie es einen Meter entfernt einen Mann abschlachtete.
Andre drehte langsam den Kopf.
Seine leuchtenden silbernen Augen fixierten sie.
Die wilde Intensität in seinem Blick raubte ihr die restliche Luft aus den Lungen. Er sah sie nicht mit dem kalten Kalkül eines Alphas an, der sein Territorium sicherte. Er sah sie an mit dem verhungernden, obsessiven Fokus einer Bestie, die beinahe ihre Gefährtin verloren hätte.
Er stieg über die Leiche. Er ging auf sie zu.
Grace krabbelte rückwärts, bis ihre Wirbelsäule gegen die Seite des Mahagonischreibtisches stieß. Sie hatte keinen Ort mehr, an den sie fliehen konnte. Der eiserne Schürhaken war außer Reichweite. Sie presste ihre Hände flach auf den Schieferboden und machte sich auf seine Gewalt gefasst.
Andre ließ sich direkt vor ihr auf die Knie fallen.
Der schwere, dumpfe Schlag seiner Stiefel auf dem Boden vibrierte durch ihre Handflächen. Er ragte über ihr auf, seine breiten Schultern verdunkelten das schwache Licht aus dem Flur. Die Hitze seines Körpers umspülte sie, dicht und erstickend.
Er streckte beide Hände aus. Seine Finger waren mit dem Blut des Attentäters bedeckt.
Grace zuckte zusammen und wandte ihr Gesicht ab.
Andre erstarrte. Der Anblick, wie sie vor ihm zurückwich, schickte ein heftiges Zittern durch seinen massigen Körper. Er senkte seine blutigen Hände und ließ sie wenige Zentimeter über ihren Schultern schweben, ohne sie zu berühren.
"Sieh mich an", befahl Andre. Seine Stimme war ein raues, kratzendes Flüstern.
Grace hielt ihr Gesicht der dunklen Ecke des Raumes zugewandt. Ihre Atmung war flach und schnell. Sie konnte den metallischen Beigeschmack von Blut riechen, der sich mit dem schweren Duft seiner regennassen Haut vermischte.
"Grace", sagte Andre. Die dunkle Vibration seiner Stimme wurde weicher und sank zu einem Tonfall verzweifelten, schweren Bedürfnisses. "Sieh mich an."
Sie drehte langsam den Kopf. Sie begegnete seinen silbernen Augen.
Die Leere in seinen Pupillen war riesig, aber die menschliche Intelligenz kämpfte sich ihren Weg zurück an die Oberfläche. Er tastete ihren Körper mit schnellem, hektischem Fokus ab. Er überprüfte ihr Schlüsselbein, ihre Kehle und ihre Arme.
Sein Blick schnellte zu ihrer linken Wange.
Als der Attentäter sie nach hinten gerissen hatte, hatte ein scharfer Splitter vom Schreibtisch ihr Gesicht gestreift. Eine dünne, rote Blutlinie quoll auf ihrer blassen Haut auf. Es war ein oberflächlicher Kratzer, aber der Geruch ihres Blutes traf Andre wie ein physischer Schlag.
Ein tiefes, wildes Knurren riss aus seiner Brust.
Er beugte sich nach vorn und drängte sich in ihren Raum, bis weniger als ein Zentimeter zwischen ihnen lag. Er hob seine rechte Hand. Er achtete peinlich genau darauf, seine blutigen Knöchel von ihrer Haut fernzuhalten. Er nutzte die saubere Kante seines Daumens, um sanft über ihren Wangenknochen zu streichen, direkt unter dem Kratzer.
Der Kontrast zwischen dem brutalen Gemetzel, das er gerade angerichtet hatte, und der weichen, zitternden Ehrfurcht seiner Berührung jagte eine Schockwelle über Graces Wirbelsäule.
"Er hat dich berührt", flüsterte Andre. Sein Kiefer spannte sich so fest an, dass die Muskeln unter seiner vernarbten Haut zuckten.
"Mir geht es gut", sagte Grace. Ihre Stimme zitterte. Sie hasste die Schwäche in ihrem Ton, aber die schiere physische Präsenz des Alphas war überwältigend.
Andre schüttelte langsam den Kopf. "Du blutest."
"Es ist ein Kratzer", beharrte sie. Sie versuchte, sich vom Schreibtisch wegzudrücken, aber seine massige Gestalt sperrte sie ein. "Geh zurück."
Andre rührte sich nicht. Er ließ seinen Daumen sanft gegen ihre Wange gepresst. Die glühende Hitze seiner Haut sank tief in ihr eiskaltes Fleisch.
"Mein Rudel hat beim Schutz des Geländes versagt", sagte Andre, und seine Stimme senkte sich zu einem tödlichen Summen. "Die Wachen haben zugelassen, dass eine Bedrohung meine Grenze überschreitet. Sie haben einen Streuner in dasselbe Haus wie dich gelassen. Die Abriegelung wurde durchbrochen."
"Du erstickst mich", sagte Grace, und ihre Hände hoben sich, um flach auf seiner massiven Brust zu ruhen. Sie konnte das hektische, schwere Pochen seines Herzens unter dem nassen Stoff spüren.
"Ich habe dir gesagt, du sollst weglaufen", atmete Andre und ignorierte ihren Protest. Er beugte sich näher heran, sein Gesicht schwebte direkt neben ihrem. Er atmete den Duft von ihrer Vanille und dem Regen ein und ließ ihn seinen zerbrechenden Geist verankern. "Du bist nach oben gegangen. Du bist direkt in die Dunkelheit gelaufen."
"Ich gehe nicht ohne meinen Bruder", schoss Grace zurück und fand ihre Wut unter der Angst. Sie drückte gegen seine Brust. "Deine Rudelkriege sind mir egal. Dein Onkel ist mir egal. Ich will meine Familie zurück."
Andre fing beide ihrer Hände in einer seiner eigenen auf. Er drückte nicht fest zu, aber der Griff war unausweichlich. Er zog ihre Hände von seiner Brust weg und presste sie gegen den Mahagonischreibtisch, wodurch er sie an Ort und Stelle festnagelte.
"Dein Bruder ist ein Druckmittel", sagte Andre, seine silbernen Augen brannten sich in ihre. "Mein Onkel wird ihn benutzen, um mich in die Offenheit zu zwingen. Er will, dass ich das Anwesen verlasse, damit seine Truppen die Tore stürmen können. Er will das Territorium."
"Dann gib es ihm", forderte Grace heraus, ihre dunklen Augen blitzten. "Gib ihm das gestohlene Land und hol meinen Bruder zurück."
Ein dunkles, bitteres Geräusch grollte in Andres Kehle.
"Es geht nicht nur um den Dreck, Grace", sagte Andre leise. Er senkte den Kopf, bis seine Stirn sanft an ihrer ruhte. Die intime Nähe war schockierend. Sie konnte die schweren, stoßweisen Züge seines Atems an ihren Lippen spüren. "Er will den Thron. Er will der König der Bestien sein. Und er weiß, dass mein Fluch mich umbringt."
Grace erstarrte. Sie erinnerte sich daran, wie Elias im Archivkeller über den Fluch gesprochen hatte. Sie erinnerte sich an die schiere körperliche Qual, die sie in Andres Haltung gesehen hatte, als sie das erste Mal auf dem Anwesen angekommen war.
"Dann lass ihn herrschen", flüsterte Grace, ihr Atem vermischte sich mit seinem.
"Wenn er den Thron besteigt", versprach Andre, und seine Stimme war ein dunkler, vibrierender Schwur, "wird er jeden in diesem Tal abschlachten, der die Wahrheit über die Grenzlinien kennt. Dein Bruder wird sterben. Du wirst sterben. Die Stadt wird brennen."
Grace starrte in das leuchtende Silber seiner Augen. Sie sah die schwere Last der Krone, die seinen massigen Körper niederdrückte. Sie sah den qualvollen Verfall eines Mannes, der gegen seine eigene Biologie ankämpfte, um ein Territorium zu beschützen, das ihn hasste.
Andre verlagerte sein Gewicht. Er ließ ihre Hände los und schob seine Arme um ihre Taille.
Er zog sie bündig an seine Brust. Er stand auf und hob sie mit müheloser Kraft vom Schieferboden. Grace keuchte auf, ihre Hände griffen instinktiv nach seinen breiten Schultern, um das Gleichgewicht zu halten. Ihre Stiefel baumelten über dem Boden.
Er hielt sie fest an seinen brennenden Körper gedrückt. Er ging von dem zerstörten Schreibtisch und dem toten Attentäter weg.
"Wohin bringst du mich?", verlangte Grace zu wissen und strampelte mit den Beinen.
"Du verlässt diesen Raum", sagte Andre, und sein Tonfall ließ keinen Raum für Widerspruch. "Der Geruch von Blut wird den Rest des Rudels anlocken. Du ziehst in den Westflügel."
"Ich kann laufen", blaffte sie und drückte gegen seine Schultern.
"Du läufst nicht", erwiderte Andre. Er trug sie aus der zersplitterten Bibliothekstür hinaus in den dämmrigen Flur. "Das Anwesen ist absolut abgeriegelt. Niemand spricht mit dir. Niemand nähert sich dir. Du gehst mir nicht aus den Augen."
Er drehte den Kopf und sah sie an. Die wilde Besessenheit in seinen silbernen Augen war furchteinflößend, roh und verzweifelt.
"Du gehörst jetzt unter meinen Schutz", flüsterte Andre in den dunklen Flur. "Und ich teile nicht, was mir gehört."
Die Bestie, die über Grace aufragte, trotzte den natürlichen Gesetzen der Biologie. Er war eine Kreatur, geschmiedet aus einem verrottenden Fluch und einer reinen, uralten Blutlinie. Seine Schulterhöhe maß über zwei Meter. Dichtes, pechschwarzes Fell absorbierte das grelle weiße Licht der taktischen Flutlichter, die noch immer auf dem hohen Kamm brannten. Die schiere Masse seines Körpers strahlte eine glühende, erstickende Hitze aus, die den eisigen Regen augenblicklich verdampfen ließ, sobald er sein Fell berührte.Der Geruch von heißem Kupfer durchflutete die Schlucht. Die gewaltsame Verwandlung hatte die Blutgefäße in seiner menschlichen Haut zum Platzen gebracht und sein dunkles Fell mit einem frischen, metallischen Glanz überzogen. Das Geräusch seiner letzten Knochen, die zu ihrer monströsen Form verschmolzen, hallte wie brechendes Holz wider.Er senkte seinen gewaltigen, furchteinflößenden Kopf. Sein Kiefer war ein Albtraum aus gezackten, verlängerten Zähnen. Er atmete ihren Duf
Das fahle Licht des Vollmonds wirkte wie eine ätzende Säure auf die Haut des Alphas.Andre blieb auf Händen und Knien in der Mitte der Kampfgrube. Seine massiven Schultern bebten heftig. Die Luft um ihn herum verzerrte sich in einem schweren, unnatürlichen Hitzeflimmern. Dichter weißer Dampf stieg von seinem durchnässten Hemd auf und trug den scharfen Geruch nach brennendem Blut und verrottendem Ozon in sich. Das Geräusch seiner Knochen, die brachen und sich neu ausrichteten, hallte über den abklingenden Sturm hinweg. Es war ein nasses, schweres Knirschen, das Graces Blut in den Adern gefrieren ließ.Er kämpfte gegen seine eigene Biologie. Der Fluch forderte die Bestie, aber der menschliche Verstand kämpfte darum, die Kontrolle zu behalten.Grace machte einen zögerlichen Schritt auf ihn zu. Der Schlamm sog an ihren schweren Stiefeln.„Andre“, sagte sie, ihre Stimme angespannt vor nackter Panik.„Lauf“, brüllte Andre, sein Gesicht immer noch tief im Morast. Dem Befehl fehlte sein üblic
Der kalte Stahl des Pistolenlaufs bohrte sich härter in Graces Schläfe.Der glatzköpfige Anführer hyperventilierte, seine massige Brust hob und senkte sich gegen ihren Rücken in hektischen, unregelmäßigen Rhythmen. Er roch nach ranzigem Schweiß, nackter Angst und dem strengen kupfernen Beigeschmack der abgeschlachteten Grenzwachen. Er hielt seinen schweren Unterarm fest um ihre Kehle geschlossen, schnitt ihr die Luft ab und presste sie gegen die scharfen Holzpfähle der Barrikade. Sein Finger spannte sich um den empfindlichen Abzug. Er schrie in die dunkle Leere der Schlucht und forderte, dass der Alpha sich zeige oder zusehe, wie seine Gefährtin im Schlamm sterbe.Die Dunkelheit über ihnen verschob sich.Ein massiver, schwerer Schatten löste sich von den hohen Granitfelsen, die die Arena säumten.Andre trat nicht aus der Baumgrenze. Er fiel geradewegs vom Himmel herab.Er fiel wie ein lokaler Meteor und trug das dichte, furchteinflößende Gewicht eines monströsen Raubtiers in sich. Der
Das plötzliche Fehlen des blendenden Halogenlichts stürzte die Schlucht in eine erstickende Leere.Die dicken Glaskolben zischten heftig, als der eisige Regen auf die überhitzten, zersplitterten Fragmente traf, die über den Schlamm verstreut waren. Der Übergang von strahlend weißem Licht zu pechschwarzer Dunkelheit war körperlich erschütternd. Er beraubte die Söldner im Bruchteil einer Sekunde ihres taktischen Vorteils. Die tiefen, schweren Schatten der Schlucht verschmolzen zu einer einzigen, undurchdringlichen schwarzen Wand.Grace blieb in der Mitte der Kampfgrube auf den Beinen.Sie zuckte nicht zusammen. Sie griff nicht nach einer Waffe. Sie stand vollkommen still und ließ den eisigen Regen über ihr Gesicht spülen. Sie lauschte dem hektischen, stoßweisen Atem der drei Männer, die sie umgaben. Die Luft in der Arena schmeckte nach Ozon, Schießpulver und nackter Angst.Der glatzköpfige Anführer machte blind einen Schritt rückwärts. Sein schwerer Stahlkappenstiefel schmatzte laut im
Der erstickende Lederhandschuh presste Grace gnadenlos in die dunkle Realität ihrer Gefangenschaft.Sie konnte nicht atmen. Sie konnte nicht schreien. Der massige Angreifer zerrte sie rückwärts durch den eisigen Regen und riss sie von dem im Leerlauf tuckernden gelben Bulldozer und der vorübergehenden Sicherheit der Schatten weg. Sein schwerer Arm blieb wie ein massives Eisenband um ihre Rippen geschlossen. Die schiere körperliche Kraft des Mannes machte ihr heftiges Um-sich-Schlagen nutzlos. Sie rammte ihre schweren Stiefel in seine Schienbeine. Sie kratzte an dem dicken Leder, das ihren Mund bedeckte. Er geriet nicht einmal aus dem Tritt.Der industrielle Lärm des Lagers verschluckte die Geräusche ihres Kampfes. Das schwere Dröhnen der Dieselgeneratoren und die chaotischen Rufe der Söldnerwachen übertönten ihre verzweifelte Gegenwehr.Er trug sie auf die Mitte der ausgehöhlten Schlucht zu.Das blendende Licht der massiven Halogen-Lichttürme begann die Dunkelheit zu durchbohren. Die
Der weiße Strahl der Taschenlampe beleuchtete die monströsen Spuren.Grace starrte auf die tiefen Furchen im Schlamm. Der Regen füllte die gezackten Krallenspuren rasend schnell mit dunklem Wasser. Die Spuren führten nicht vom Eisengitter weg. Sie umkreisten es. Die Raubtiere hatten hier gewartet. Sie waren im eisigen Platzregen auf und ab getigert und hatten genau den Moment abgepasst, in dem sich die verborgene Tür öffnen würde.Grace schaltete die Taschenlampe aus.Sich wieder in den pechschwarzen Wald zu stürzen, war eine furchteinflößende Notwendigkeit. Ein Lichtstrahl, der sich durch die Bäume bewegte, war ein Signalfeuer. Es lud die Jäger zum Angriff ein. Sie schob den schweren Stahlzylinder tief in ihre Jackentasche. Sie holte den Messingkompass und die gefaltete topografische Karte heraus. Sie schirmte die Werkzeuge unter der Klappe ihres Mantels ab und verließ sich auf das schwache Umgebungslicht der Blitze, die über den Himmel zuckten, um die Skala abzulesen.Die Koordinate
Der Weg durch das riesige Vance-Anwesen fühlte sich an wie ein Abstieg in eine uralte Steingruft.Andre trug Grace durch die gewundenen, höhlenartigen Korridore der oberen Stockwerke. Die gewaltige Hitze, die von seinem durchnässten Hemd ausging, drang durch ihre nasse Jacke und bildete einen stark
Die schwere Eichentür schlug zu.Das chaotische Tosen des Sturms und die erdrückende Stille des Rudels verschwanden in einem Augenblick. Die plötzliche Stille im Inneren des massiven steinernen Foyers war erschütternd. Ein massiver eiserner Kronleuchter hing von der gewölbten Decke herab und warf l
Die schwere gepanzerte Fahrertür schwang auf.Andre glitt hinter das Lenkrad. Der massive SUV neigte sich unter seinem Gewicht stark nach unten. Er schlug die Tür zu und versiegelte die Kabine. Die augenblickliche Stille im Inneren des Fahrzeugs war ohrenbetäubend und schnitt das chaotische Tosen d
Der genetische Fluch riss durch den Schädel von Andre Vance wie gezacktes, rostiges Eisen.Zehn Minuten bevor er das Mädchen am Rand der Schlucht fand, stand er tief im nördlichen Höhenrücken. Der Sturm hämmerte gegen seine breiten Schultern. Er umklammerte die raue, nasse Rinde einer massiven Kief







